Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5235

126 Cäsar .
ihn nichts , als die Begierde , den obersten Platz der Regierung zu erhalten , verhindert hat , den allerberühmtesien Rednern den ersten Rang streitig zu machen K Wir haben noch zwey von seinen Werken ( G ) : die andern in sehr großer Anzahl sind verlohren gegangen c . Wenn er ein Epikuräer gewesen , so ist er es bloß in der Uebung gewesen ; denn er überließ sich den Wollüsten « : allein er verrichtete Religionshandlungen , und man hätte Unrecht , wenn man ihn , in Ansehung der Vorsehung für einen erwägenden Epikuräer hielte ( H ) , und sich auf eine Stelle des Sallustius und eine Stelle des Lucanus beriefe . Man darf nicht glauben , daß er der erste gewesen , der an dem Ufer Britanniens aus dem Schiffe gesprungen ist . Man laßt ihn die - see in einer Rede sagen e ; allein in seinen Schriften saget er gleich das Gegentheil . Aller Wahrscheinlichkeit nach , hatte er die gewaltsam an sich gebrachte Regierung langer gmießen können , wenn er , dem Namen und dem äußerlichen Ansehen eines Oberherr - schers abzusagen , vermögend gewesen wäre . iveine Freunde , welche ihn an einem so schlüpfrigen Orte hätten unterstützen sollen , haben seineil Untergang befördert , weil sie sich allzu eilig bemühet , ihm die Zierden der königlichen Würde zu verschaffen : Und er und sie hätten überlegen sollen , daß sich fteye Völker leicht zur Dienstbarkeit gewöhnen , wenn man sie nur nicht so nennet ; und daß sie , da sie das wesentliche ihrer Vorrede obric Bewegung verlohren , wilde werden und sich entrüsten , um sich einem Ti - tel und einem Hauptschmucke zu widersetzen . Wenn etwas die Verjchwornen zur Beschleunigung ihres Vorhabens vermocht hat , so ist es die Furcht gewesen , es möchte Cäsar den Königs , , amen öffentlich annehmen . Ihre Furcht ist nicht allzu übel ge - gründet gewesen ( I ) . Man merke noch , daß er von Natur kühn gewesen , und da ihm das Glück ungemein günstig war , end - lich sehr vorsichtig geworden ; gleich , als wmn er befürchtet hätte , daß es ihn für einen Unersättlichen halten würde , welcher einige Kränkung verdiente f . Der letzte «wieg , den er erhalten s , ist ihm am theuersten zu stehen gekommen ( K ) . Er sah die stunde seines Unterganges : und er machte bereits Anstalten , sich zu entleiben , damit er nicht in die Gewalt der Feinde len wollte . Er hat ihn unter währendem Feste der Bachanalim erhalten Dieser Umstand hat mich der vier Verse erin - nerr , die man in der Anmerkung ( K ) sehen wird .
Vielleicht hat es niemand besser getroffen , als Sallustius , die Gemüthsart Casars vorzustellen , der ihn mit dem Cato von Utica in Vergleichung gestellt . Er hat , unter andern Dinge» , gcsaget , daß Cäsar große Aemter , in die Augen fallende Unter - nehmungen , und den Befehl über die Kriegsheere gesucht , seine Verdienste glänzen zu lassen ; da hingegen Cato sich angelegen seyn lassen , sich durch Sittsamkeit und den Glanz der Tugend hervorzuthun , indem er lieber ein ehrlicher Mann seyn , als schei - nen ( L ) , und um so viel sicherer durch Gleichgültigkeit zur Ehre gelangen wollen . Ich darf eine Beobachtung nicht vergessen , die ich in einem alten Gefchichtfchreiber gefunden habe . Sie betrifft die außerordenliche Sorgfalt , die Cäsar gehabt , Schate zu sammlen , und sich , unter was für einem Vorwande es auch gewesen , Geld geben zu lassen ( Mj . Der Rath hat ihm übermäßige Ehre zugestanden und man kann sich nicht genug darüber einsetzen , wenn man den knechtischen Geist betrachtet , der überall m dieser Aufführung hervor leuchtet : allein man muß sich erinnern , daß sich viel republikanische List dabey befunden ; denn so bald die Rathöherren gewahr geworden waren , daß er an den Ehrenbezeugungen und rühmlichen Titeln einen Gefallen hatte , die sie ihm beylegren , jo erfanden sie neue , ohne Maaß und ohne Grenzen , um ihn verhaßt zu machen und seinen Untergang desto schleuniger zu befordern * . Dieß ist die Absicht der meisten Rathsherren gewesen : einige andere wurden wahrhaftig von dem Geiste der Schmeichelei ) gereizet , und es waren auch einige darunter , die seiner nur zu spotten gedachten . Es fanden sich einige darunter , die der Meynung waren , daß man durch einen Rathschluß ihm die Erlaubniß geben sollte , aller Frauen zu genießen , die ihm nur gefielen ; weil er , ungeachtet er über jo Jahre alt war , sich vieler Frauen bedienet hatte Er hat die Falle nicht entdeckt , er ließ sich den Glanz von den Rathschlüssen des Raths blenden : er vergaß sich ein wenig zu sehr , und einesmalS nahm er sich nicht einmal die Mühe , auszustehen , als ihm der Rath den Schluß überbrachte , den inan zur Vermehrung seiner Ehren - bezeugungen gemacht hatte . Diese UnHöflichkeit ist eine von den vornehmsten Ursachen seines Verderbens gewesen ( N ) . dermann weis , daß man ihn im Rathe den 15 Mar } , 71c , ermordet hat ( O ) . Ich bemerke anderswo daß , wem , man auch zugeben wollte , es wäre einige Gerechtigkeit bey diesem Meuchelmorde gewesen , man dennoch nicht leugnen konnte , daß er nicht zu ganz ungelegener Zeit unternommen worden . Seneca , welcher aus der Ursache , daß er unter den Feinden Cäsars die zwo größten Zierdeil von der Secte der Soiker sah sehr geneigt hätte seyn sollen , diesen unrechtmäßigen Herrscher zu verdammeil , hat dennoch dessen Mörder getadelt und die Blindheit verflucht , die sie verhindert , zu sehen , daß man sich bey dem damaligen Zustande der Sachen ° die Wiederherstellung der Freyheit nicht versprechen dörfen . Die Herrschsucht und die Verschwendung hatten Rom schon lange Zeit zum Schauplatze der Unordnung und gewaltsamer Verwirrungen gemacht P . so , daß die monarchische Regierung ein nothwendiges Uebel für dasselbe war . Die Weisesten hatten voraus gesehen , daß eine solche Verderbniß der Gesetze und der Sirren sich endlich mit einer Staatsveränderung endigen würde . Eben derselbe Seneca bemerket , daß sich Cäsar mit der Republik auf eine solche Art vereiniget und zu einem Körper gemacht , daß man dabey keine Trennung vornehmen können , ohne alles zu verderben und zu Grunde zu richten ( P ) . Es ist wohl gewiß , daß er nur allein das Uebel ersitzen können , welches das römische Volk erlitten harte ; und wenn man vorgeben will , dak Cicero dasjenige nicht bedacht , was er gesaget , wenn er dieses versichert ; so muß man auch bekennen , daß er dasjenige hatte bedenken sollen , was er bey dieser Begegnung ge - saget ( QJ . Wir müssen etwas von der Familie Cäsars und wider diejenigen berühren , welche eigentlich nicht gewußt habeil , warum er diesen Namen geführet hat ( R ) . Wir wollen einen Zusatz zu demjenigen geben , was seine Auslegungen betrifft ( 8 ) . Man hat al , einem andern andern Orte 1 etliche Umstände von seiner Vergötterung bemerket .
* ) Lateinisch , Caius Iulius Cacfar . b ) Plutarchus , in Caefarc , p . 708 . Sueton . in Caefare , cap . LV . i ) Siehe die Titel im Suetons Cäsar , LV , LVI Cap , Sueton . in Caefarc , cap . XLIX . n . f , e ) Iulianus in Cacfaribus , p . NU 170 . / ) Nec nifi pore extremo ad dimicandum cunaantior faöus eft . Qjo faepius viciflet , hoc minus experiendos cafiis opinans : nihilque fe tan . tum aequifituruin vi & oria , quantum auferre calamitas poflet . Sueton . in Caefare , cap . LX . Siehe die Worte des FloruS in der An - merkung ( X ) . g , Nämlich bey Munda in Spanien , wider die Söhne des Pompejus . h ) Plutar . in Caefarc , p . 754 . A . «' ) Dio Caf - fius , Libr . Xl . IV . zu Anfange , t ) Ebendas - '6 S . Siehe die Anmerkung N ) , und den Plutarch im Cäsar , 754 Seite , welcher beob - achtet , daß die feinde Cäsars nicht weniger , als seine Schmeichler , zu diesen Ratheschlussen beygetragen . roi« «W« Jt7o» «»vt« * ewayu> / - ffei & ou tüv xoa«xivoiru * kaiffufoc ts ; fucivrai . In quibus non minus inimicosCaefaris , quam adulatores , putant elaboraflc . [ ) Plut . in Caefare , p . 754 . 7» ) Hier oben in der Anmcrkuug ( Fl , bcy dem Artikel Brutus ( Marcus Juniuö ) . » ) Cato von Utica und Brutus , davon jener vor dem Cäsar umgekommen . und dieser einer von den Mördern Casars gewesen , und endlich unter Behauptung der Sache umgekommen ist . 0 ) Siehe oben den Artikel Srmus ( Marcus JuniuS ) . / > ) Siehe die Beschreibung in dem Luean , im 13 ) . de« pharsalischen Krieges , 160 und folgend . V . imgleichen den Artikel Caiullu« . ( A ) Seine Aufführung unterscheidet ihn von so vielen kriege - nicht« als Mährchen , leere Worte und Rauch sind , wobey nichts Grund .
tifdxn Prinzen , rvelcke zwarzu siegen , aber ihres Sieges sick lickes , noch ein wesentlicher Vortheil wäre ; so , daß sie mehr llrfarinr
nickt zugebraucken wissen . ^ Sie können sich wegen dieses Mangels hatte , das de profundis , als das Te Deum singen zu lassen , und oaß sie
trösten , weil einer von den größten Feldherren der Welt , Hannibal ( siehe ohne Hülfe verlohren wäre , wenn sie noch einen zweyten Sieg um einen
zu Ende dieser Anmerkung ) derselben , und zwar zu seinem Schaden unter , solchen Preis erhalten sollte . Ich sag ? es noch einmal . diese Einthei -
worsen gewesen . Sie können noch einen andern Trost in ihrer großen An - lung gefallt denen nicht , welche Meister von der Wahlstadt geblieben
zahl finden ; denn eSgiebt wenig Siege , die . was die Folgen betrifft , demje - sind . Siegebenvor . daß der Vortheil ihnen anfalleArtundWeisegeblie -
nigen gleich wären , den Gustav Adolph bey Leipzig erhalten hat . Man beiney . Das wahrhafte Mittel , diese Streitigkeiten der Zeitungeschreiber
findet 'dergleiclxn zuweilen und sparsam , wenn man die Historien alter zn entscheiden , wäre , wenn man nach der Schlacht als Sieger handelte .
Zeiten und Völker durchläuft . Man muß auch die Kriege der ersten Wenn diejenigen , welche den Namen fahren lassen und sich die Sache
Nachfolger Mahomet« , TamerlanS , eines Cingis - Cban . und derglei - zuschreiben , die Länder ihrer Feinde unverzüglich in Blut und Feuer
chen anderer Stifter großer Reiche ausnehmen , welche sich in tausend sehten . so würde der Proceß zu ihrem Vortheile ausschlagen : allein sol -
Jahren drey bis viermal mehr , oder weniger , zutragen . Außer diesem che ? würde zu ihrer Schande geschehen , wenn die Partey , die sich den
sind fast alle Schlachten , wegen des Nutzens , den sie hervorbringen , un - Namen und die Sache zuschreibt . ihre Landschaften als ein Strom
vermögend , die Zänkereven der Zeitungsschreiber zu entscheiden . Jede überschwemmte , und darinnen gute Plake wegnähme . Mit einem
Partei ) eignet sich entweder den Sieg ganz , oder das wesentliche von Worte , man muß hier dasjenige sagen , was der Apostel Jacob im II
dem Siege zu . Wenn man den Verlust der Wahlstadt nicht leugnen Cap . 20 V . bey einer andern Materie gesaget hat : Oer Glau»
kann , so behauptet man , daß man wenig Volk verlohren und der Ver - de isk ohne Uperke rodr . ^jhr glaubet , den Sieg erhalten zu haben :
lust de« Feindes , so wohl an Tobten , als Verwundeten nicht vorzustel - allein worzu dienet euch dieser Glaube , ohne Werke ? Zeiget euren
len wäre . Die Partey , welche ihre Feinde iu die Flucht getrieben , ist Glauben durch die Werke . Da - > N7erkrr>ürvigsse hierbei iff . Saß
mit dieser gemachten Eintheilung nicht zufrieden : man läßt ihnen den keine parrey zu Oer andern sagen kann : ihr Haber den Glauben ,
Gesang des Te Deum , das Geschrey des Triumphs , den Glanz der unv ick habe die XDerke ? zeiget mir also euren Glauben ebne
Freudenfeuer ; allein man giebr vor , daß e« nach gemachter Rechnung Sie lverke , unö ick rvill Werke

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