Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-3958

Vorrede des zweyten Bandes .
sc , nec ipfi negamus : Sed vt dici folet , inuentis aliquid fuperaddere , vel , quando omnes Turnus homines , etiam errores obs ervare , non est VSQVE adeo
d i f f i c i l e . Man sieht nämlich meistentheils , nicht sowohl auf den Fleiß , den man wirk - lich angewandt , eine Uebersetznng richtig , deutlich , fließend und wohlklingend zu machen ; soll - dem man klaubet nur hin und her einige Wörter und Redensarten aus , die einem oder dem andern , oft ohne alle Ursache misfallen ; oder doch , nach seinem Sinne , noch anders hat - ten gegeben werden können . Dieses Andere aber ist darum nicht allemal etwas bejserö . Indem man sich nun bey solchen Mücken und Splittern aufhalt , so wird man es mcht gewahr , wie viel Catnehle und Balken man erst aus dem Wege zu räumen gehabt , darüber der Leser itzo ohne Anstoß weglauft , als ob es gar keine Schwierigkeit dabey gegeben hatte . Ick habe manches aus allerley Sprachen übersetzet , und weis also viel besser , was dabey zu thun ist , als mancher , der itzo mein Lehrmeister werden will : und der , wenn es zum Treffen käme , wohl nicht einen einzigen Artikel aus Baylen übersetzen sollte , ohne etliche Dutzend handgreifliche Schnitzer zu begehen . Mo bleibt null noch die große Verschiedenheit der Sachen , dazu man selbst eine Kennt - niß sehr vieler Wissenschaften , Gebrauche , Geschichte , und so gar die Kunstwörter vieler freyen imd geringer» Künste wissen muß ? Wetm ich nun vollends die vielen altfranzösischen Stellen , zumal aus der Canzleyschreibart , bedenke , davon dieses Wörterbuch in der französischen Historie wimmelt , und die unser Herr Uebersetzer ziemlich glücklich zu erreichen weis : so getraue ich mir fast , zu behaupten , daß kein schwereres Buch zum Uebersetzen erdacht werden könne , als eben die - ses historische Wörterbuch .
Ich könnte zu dem allen noch diese Betrachtung hinzufügen , daß es eine unbillige Forde - rung'sey , wenn man begehrt , daß im Deutschen alles so artig und wohlfließend seyn soll , als eini - ge Stellen , ja das meiste in der That ist . Denn man verlanget von der Übersetzung eine kommenheit , die der Grundtext selbst nicht hat . Fürs erste nämlich ist Herr Bayle in seiner eige - mit Schreibart nicht allemal gleich . Bald steigt er etwas hoch , und bedient sich gar poetischer Re - densarten ; bald fallt er in die allerniedrigsten Ausdrücke des Pöbels ; bald ist seine Schreibart sehr langweilig , und mit vielen Umschweifen und Einschaltungen versehen ; bald aber wiederum kurz abgebrochen , und ohne den nöthigen Zusammenhang , ( arena ime calce ) . Ja vielmals be - diem er sich wohl gar gewisser Verwegenheiten im Ausdrucke , die ihm ein französischer Purist nicht würde gelten lassen ; dadurch denn seine Redensarten schielend , wie sie zu reden pflegen , oder zweydeutig werden . Man sehe hievon das Urtheil , welches Herr Desmaizeau , in seiner beschreibung im ersten Bande , von der baylischen Schreibart gefallet hat . Soll nun ein getreuer Uebersetzer , bey dem Originale , so viel ihm möglich ist , bleiben , oder nicht ? Thut er das erste , so muß er alles lassen , wie ers findet ; hoch , niedrig , weitlauftig , verworren , abgebrochen , und zwei - felhaft : das ist , er muß eine Übersetzung machen , die nicht überall schön klingt , und zwar bloß darum , weil sie so getreu ist . Soll er aber alles verbessern , was ihm fehlerhaft zu seyn dünkt : so wird er gewiß ein desto schlechterer Uebersetzer seyn , je besser seine Arbeit klingen wird ; weil er zu viel eigenes mit eingemenget , und seinem Originale nicht Fuß vor Fuß gefolget ist . Was soll ich noch von den Stellen unzahliger alten französischen Schriftsteller sagen , die Bayle so gern anführet ? Man lese doch den Amiot , Vigenere , Brantome , Montagne u . a . m . und sehe nur , ob man nicht oft Mühe hat , aus ihren verwirrten Worten und weit umschweifenden Sätzen nur einen menschlichen Verstand herauszubringen ; so gut man auch das Französische kann ? Ge> setzt aber , man ließe sich dünken , man verstünde es ; wie viel Mühe hat man nicht , es in einer ander , : Sprache zu geben ? lind wenn man es endlich giebt , wie will man es verlangen , daß die Übersetzung anmuthiger klingen soll , als das Original selber ist ? In Wahrheit , ich wollte doch einmal eine Stelle aus unfern alten deutschen Büchern des XV oder XVI Jahrhunderts , eitlem Franzosen , der unser heutiges Deutsch ziemlich verstünde , zu übersetzen geben ; und ihm Trotz biethen , daß er mir treulich beym Grundtexte bliebe , ( denn das fordre ich ohne Ausnahme , ) und dennoch ein schönes wohlklingendes Französisch daraus machen sollte .
Schlüßlich muß ich auf meine Anmerkungen kommen , die ich dem ersten Theile beygefügt habe . Etliche darunter haben gleichfalls das Unglück gehabt , einigen Lesern zu misfallen ; derlich hat diejenige , die ich bey dem Artikel Babylon , wider gewisse Diftatores Reipublicae Lit - terariae eingerücket , allen denen nicht angestanden , die sich auch schon für halbe Burmanner an - sehen . Sie haben gesagt , ich hatte allen Cricicis die Vernunft abgesprochen ; und mich doch gleichwohl nicht besonnen , daß ich selbst eine Critische Dichtkunst , Critische Beytrage : c . ic . schrieben hätte . Nun habe ich zwar meine Meynung von diesem Einwurfe schon in dem Arti - kel Erasmus bey der Anmerkung ( I . ) eröffnet , und gezeigt , daß ich weder der wahren Critik ,
noch

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