Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5193

i2i CerisanteS .
aion zu verandern , ein Genügen zu thun : er hat in der That die protestantische verlassen , und die römische angenommen . Er «st nach Neapoli'6 geschickt worden , um daselbst als Minister des Königes zu seyn , und die Handlungen des Herzogs von Guise allda zu beobachten , der dem französischen Hofe ein wenig verdächtig gewesen f . Man leugnet , daß er daselbst den Titel als Abgesandter gefuhrt ( D ) , und daß die Ursache und Umstände seiner Gefangenschaft treulich ängefuhret werden ( E ) . Man klaget sich über einige Verdrehungen der Wahrheit , wegen seines Todes ( F } , und man verwirft dasjenige als fabelhaft , was sein Testament betrifft ( G ) . Vielleicht ist dieß unter allen Verleumdungen , die wider ihn zum Vorscheine gekommen sind , ge , die am geschicktesten ist , ihn der Spötterey aller Leser auszusetzen , allein zu gleicher Zeit auch diejenige , die man auf die un» widersprechlichste Art widerlegen kann ; denn man kann diejenigen , die dieses Mahrchen vorgeben , durch das schriftliche Zeug - niß eines öffentlichen Schreibers , das heißt , durch die Vorlegung von dem Testamente des Cerisantes , der Unwahrheit gen . Der Vertheidiger ermangelt nicht , uns zu melden & , daß dieses zureichend sey , alle andere Lästerungen zu entkräften ; denn wer vermögend ist , Unwahrheiten auszustreuen , die durch gerichtliche Handlungen gefchworner Schreiber Lügen gestraft werden , verdienet nicht den geringsten Glauben . Unterdessen haben die Erzählungen in den Gedenkschritten dcs Herzogs von Guise , welche den Cerisantes betreffen , viel Eingang bey den Lesern gefunden . Sie sind in andere Bücher übergetragen worden . Du Maurier hat sie angenommen : der Forlsetzer des Moreri hat sie aus dem du Maurier abgeschrieben ; und es erhellet aus dem Buche , Menagiana betitelt , daß sie den aufgeweckten Köpfen , die sich bey dem Menage versammlet , zur Unterha ! tungg ? dienet haben ( H ) . Auf diese Art übet das Glück seine eigensinnige Tyranney an dem Gedachtnisse und guten Namen der Menschen aus , und wie gefährlich ist es , in die Hände eines Geschichtschrcibers zu fallen , der vergnügen will und der beliebt ist . Ich will der Welt die besonder» Umstände mittheilen , die mir ein Freund von dem Vertheidiger des Cerisantes , zu eröffnen beliebt hat ( l ) .
* ) Er hat Frankreich zur Zeit der letzten Verfolgungen verlassen , uni> ist nach England geflüchtet . Er ist den 20 Jenner 1697 , zu London gestorben , ö ) Secretär dieses Herzogs , und derjenige , der diese Nachrichten heraus gegeben hat . c ) Geschriebine Schutzschrist , 3@ . <0 Ebendas . 12 S . « ) Ebendas . 17 S . / ) Siehe die Anmerkung ( D ) . s ) Geschriebene Schutzschrift - 8 S .
( A ) Gr ifi in den XTadbvidbten des - Herzogs von Guist sehr übel gehandelt worden . ) Die verächtlichen Ausdrucke stehen auf der «6 S . der Nachrichten des Herzogs von Guise , pariser Ausgabe in 4 . Er saget , daß diese Ausdrücke sehr lächerlich scheinen würden , wenn man erführe , daß ver Cardinal von Richelieu so aure Me / nung von dem Cerisantes gehabt , daß er ihn im >641 ^alire nacv Constan - tinopel geschickt , um daselbst einige wichtige Geschaffte zu unter - handeln , und daß ihn im 1644 Jahre der Ranzler Orcmrern und sie andern Regenten in Schweden , unter waiircnder Mindcriahrig , keil der Romginn Christin« , würdig geschätzt , unter die Sraars , räche dieses Königreichs aufzunehmen , und ihn nach diesem als Residenten an den franzosischen - Hof ; U schicken . - , # Die - jes roird durch die Bestallungsbriefe dcs Herrn von Cerisantes , durch einen Brief , den besagter Ranzler an ihm nach Paris , schrieben , und durch einen andern Brief bestätiget , den - Herr Chanur . damaliger französischer Resident in Schweden , an den - Herrn Gueffier zu Rom geschrieben , welche Stücke , wie alle an« dere . davon hernach geredet wird , in den - Händen des - Herrn von S . - Helene sind . Siehe die geschriebene Schuhschrift 4 und ; Seite . Man merke , daß die Königinn von Schweden dem Cerisantes anfanglich ein Regiment bey ihrer deutschen Kriegsmacht gegeben hatte ; allein er ist , da er schon po Tagereisen von Stockholm entfernet gewe , sen , 2>esiR davon ; u nehmen , durch einen nachgeschickten Bochen genöthiger worden , seinen Rückweg anzutreten ; weil es dieRe , armen von Schweden für rachsamer gefunden hatten , ihn als Residenten nach Frankreich zu schicken . Ebendas . 15 S . Er verweist uns auf den Brief de« Herrn Chanut . Man merke auch , daß er Ver - - roeser des Mestre de Camp bey dem Regiment - von Navarra gewesen , - * - und daß er be^ den Bedienungen , die er un» tet diesem Reqimenre bekleidet , so viele schone Thaten verrich - tef , und so viel Tapferkeit , und - Herzhaftigkeir in verschiedenen Gefechten gezeiger hat . daß ihm der Prinz , damaliger Herzog von tLnauien , und die Marschalle von Chatillon , de la Meillera^e und von Gaßion , in Gegenwart aller Rricgsbefeblshaber , öffentlich ein solches ^ . db be> geleger haben , welches acschickr rvar , dem al - leriircsamsten Menschen einen Stolz einzublasen . Ebendas . . S . Man giebc dem Verfasser der Nachrichten des Herzogs von Guist zu erkennen , daß er , da er dem Herrn von Cerisantes allzu wenig Ver - dienst und Erfahrung berlegr , in einen Widerspruch verfallt . weil er auf derselben . 77 S . erkennet , daß er Geis ? und Beredsamkeit besessen ; auf der folgenden Seite , daß er ein herzhafter Mann gewesen , und daß ihm wenig Jleute dieser Zeit in der lateinischen Dichtkunst gleich gekommen waren . Auf der 195 Seile , daß er sich zehn Schritte von einem Posten feste gestnr , wo der Feind 500 Mann gehabr , wobey er sich , so rvohl im Angriffe , als bey
ver Vercheidigung . so tapfer aufgeführt , daß er sich seit dem be , ständig an diesem Orre erhalten hat . Auf der - 54 Seire :
daß
der - Herzog von Guise , der sich lediglich darum in ein Geftchr eingelassen gehabt , um den Jacomo Rousse aus einer großen Ge - fahr zu reisten , und , als er denselben in Sicherheit gesehen , auf leine Zurückziehung bedacht gewesen , dem - Herrn von Cerisantes die Noriorae darüber auftragen habe , der solcbes < saget der Verfasser der Nachrichten ) so glücklich ausgeführt , daß er nach einem leichten Scharmützel , obne Verlust eines Mannes von seinen teuren , sich wieder mir dem - HerzogevonGuise vereiniget hat . Allein diesem fuget man bey , daß da» Commando über eine Abtheilung von dem Rriegsheere von 4000 Calabriern welches ihm der - Herzog von Guist aufgetragen , noch ein unumstößlicher Beweis von der guten Meinung st / , d»e er von seiner Lrfah - runq im Kriegshandwerke gehabt . Die 37 * S . wie auch die Nachrichten des Grafen von Modena , z Band „ S . beglaubig ger dieses und auch die Anwartschaft . d , e dem Herrn Cerisantes von dem - Herzoge 'von Guise auf diese Bedienung ist gegeben rvorden . Man schließt , daß die von dem Verfasser der Nacbrichten , wegen des Rorbes . den der Herzog von Guist dem - Herrn Ceri - sanres wegen der Bedienung eines Generalfelozeugmeister ge - geben , schwach sind ; weil er ihm nach diestm eine andere in Anst , buna der Verrichtungen viel wichtigere , obgleich in Ansehen der Xvürde etwas geringere , zugestanden har . Ebendas . 6 und 7 S .
Wegen des geringen Herkommens beobachtet man , daß der Urheber der Nachrichten des Herzogs von Guise auf der , 7« S - fälschlich sage : es sey der Vater des Herrn von Cerisantes ein reformirter Prediger ge - wesen , und man widerleget die Folgerung , die er daraus har ziehen wol - len . Man behauptet gegen ihn , ti beweise diese« nicht , daß Cerisantes
nicht «Mich sey , und darauf saget man folgendes : „ Sein Vater , Na , „ mens Marcus Duncan , ist ein berufener und berühmter Doctor der „ Arzneykunst , ein Schottländer und Edelmann von Geburt gewesen . „ Bey seinen Reisen in seiner Jugend nach Frankreich , hat er sich zu „ Saumur in Anjou nieder gelassen , wo er ein Fraulein von gutem Hau« „ se geheirarhet . Er hat sich nicht lange daselbst aufgehalten , als er sich „ einen so großen Namen in seiner Kunst erworben , daß ihn Jacob der I , „ König von Großbritannien in seine Dienste als ordentlicher Leibarzt ver - „ langet , und ihm in dieser Absicht die Bestallung zugeschickt , damit er . zum Voraus die Versicherung des ihm angetragenen Amts haben sollte , „ ehe er übers Meer gieng : wie aber seine Ehgattinn eine große Abnei - , , gung hatte , ihr Vaterland , ihre Anverwandten und alle ihre schaften zu verlassen ; so ließ er sich durch die Thränen einer Ehefrau „ überwinden , die er herzlich liebte , und hat sich entschuldiget , eine so an - „ sehnliche und für seine Familie so vortheilhafte Bedienung anzunehmen , „ und ist also seine ganze übrige Lebenszeit in der Stadt Saumur geblieben , „ allwo er im 1640 Jahre zu aller Welt Leidwesen , so wohl der Katholi - „ ken als Reformirren , von allen Ständen , gestorben . Er hat außer der „ Arzneykunst , die er mit vieler Ehre geübt , die Weltweisheit . Gottes« „ gelahrtheit und Mathematik unvergleichlich verstanden . Da« aller« „ ichahbarste ist , daß er ein Mann von großer Redlichkeit und unsträfii - „ chem Leben gewesen . , , Schutzschrisr 9 Seite , siehe die folgende An - merkung . Man füge hinzu , was ich in der letzten Anmerkung sagen werde .
( B ) Er bekennet den Zwist des Cerisantes mit dem - Herzoge von Candale , allein er behauptet , daß er die Umstände und Fol« gen falschlich vorbringe . ] Hier sind die Worte der Schutzschrisr , sie erklaren eine Sache , die viele Leser seltsam befinden werden . „ Der Herr „ von Cerisantes hat mir dem Herzoge von Candale Zwist gehabt , und „ ihn herausfordern lassen ; allein der Herzog von Guise , wenn er der Ver» „ sasser der Nachrichten wäre , hätte am allerwenigsten Ursache gehabt , „ ihm deswegen einen Vorwurf zu machen , weil solches wegen der schö» „ nen Fräulein von Pons , seiner Geliebten , die damals Staatsfraulein „ bey der Königinn Regentinn war , geschehen ; welcher der Herzog von „ Candale , in Gegenwart de« ganzen Hofe« , eine Beschimpfung erwiesen , „ da sie sich mit dem Herrn von Cerisante« an dem Schlage einer Kutsche „ befunden hatte . Uebrigens gestehe ich auftichtig , daß ihm , da er damals „ Resident der Krone Schweden gewesen , die allerstrengsten Regeln der ^Klugheit nicht erlaubt haben , seine Empfindlichkeit so weit zu treiben : „ allein wo sind so großmüthige Menschen , die einer so strengen Tugend „ folgen können , wenn sie an ihrer Ehre angegriffen werden ? Ohne Zwei , „ sel hat die üble Begegnung , welche dieses schone Frauenzimmer offent - „ lich erhalten hatte , auf denjenigen zurückfallen müssen , der sie damals „ unterhalten ; daß er sich also schwerlich entbrechen können , deswegen Er - „ setzung zu fordem . Als ihm der Herr von S . Helene , sein Bruder , „ einige Monate darauf deswegen etwas frey gesaget , daß er , nach seiner „ Meynung , durch dieses Versahren sein Amt beleidiget , und gewisser „ maßen den Vorrechten entsaget hatte , welche ihm das Völkerrecht , als „ einer öffentlichen Person ertyeilte : so hat er ihm geantwortet : du hast „ Recht , mein Bruder , allein du mußt wissen , daß das Hoffrauenzimmer „ von undenklichen Jahren in dem Besitze ist , die Ehre auszutheilen . „ Wenn ich erduldet hatte , daß man einer Dame eine Ungerechtigkeit in „ meiner Gegenwart erwiesen , so wäre meine Ehre auf ewig bey dem „ schönen Geschlecht ? verlohren gewesen ; ich hätte mich weiler nicht un - „ terstehen dörsen , ihm unter die Augen zukommen . Allein ich leugne
«ist . und ihn genöthiget hat , aus Paris zu «selbiger Zeit , werden sich noch wohl erinnern , daß , da er die Ausforde - „ runz an den Herzog von Candale überbringen lassen , er sein Amt be - „ reits über ein Jahr geübt gehabt , und dasselbe , ungeachtet aller Vor - - „ stellungen , noch neun bis zehn Monate ferrgeführet , die Sr . königliche „ Hoheit , der verstorbene Herzog von Orleans , der Herzog von Epernon , „ und der Bischof von Met« , damaliger Abt von S . Germain des Prez . „ und itziger Herzog von Vemueil , bey ihrer königlichen Majestät von „ Schweden angewendet haben , ihn zurück rissen zu lassen . Sie haben „ dieser wegen alle Mittel vorgekehrt , und ihn von Seiten der Geburt „ angegriffen , ( entweder aus bloßer Schmahsiicht , oder weil sie sich des . „ selben VennmstschlusseS dcs Verfassers der Nachrichten bedienet , daß „ er , als der Sohn eines Gelehrten , nach aller Wahrscheinlichkeit kein „ Edelmann seyn könne . ) Allein es ist vergeblich gewesen : denn der „ . Herr von Cerisantes , welcher von allen diesen wider ihn gemachten „ Anschl . iqen durch den Herrn von Lyonne Nachricht bekam , hat in aller „ Eile die Abschrift seine« Adelsbriefes von einem Staatssekretär beglaubi« „ get , nach Schweden geschickt , womit die Koniginn , seine Gebietherinn , völlig vergnügt zu seyn bezeugt ; so daß sie mit allen Briefen ihre Spöt -
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