Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5172

ho Cermthus .
behalten müsse . Man sieht ihn , als das Haupt der bekehrten Juden an , welche in der Kirche zu Antiochia b , dm Tumult reget , davon der Evangelist Lucas die Historie , im XV Cap . der Apostelgeschichte , gemacht hat . Sie erregten diese Unruhe , dem sie gegen die Gläubigen sagten , daß man ohne Beschneidunq der Verdammniß nicht entgehen könne . Man saget auch , daß er einer von bellen gewesen , welche etliche Jahre zuvor f den Apostel Petrus getadelt hatten , daß er den Heiden das lium verkündiget d . Der h . Eplphanius , welcher alles dieses versichert yievt gleichwohl vor , daß Cerinrhus nach dem Car - pokrateS gekommen sey : dieß heißt die Zeitrechnung verdrehen ( A ) . Cerinthus wird für eines der vornehmsten Häupter der Chiliasten gehalten : man beschuldiget ihn , er habe gclehret , daß die Kirche , nach der Auferstehung , tausend Jahre auf demErd - boden bleiben , und daß dieses die weltliche Regierung Ieju Christi , die Zeit der weltlichen und zeitlichen Glückseligkeit und Wollust seyn würde ( o ) . Dieserwegen haben einige geglaubet , er sey verwahre Urheber der Offenbarung gewe - sen ( C ) , und habe sie dem Johann untergeschoben . Jedermann weis , was man von diesen ? Apostel , in Ansehung des Ab -
»eis , daß man erzahlet , er habe nicht in dasselvc Bad gehen wollen , wo ' e veränderlich , und die Neuern haben Umstände dazu gesetzt , welche
. „ , . ^' haben dasjenige auf den Cerinthus gedeutet , was Tbcodoretus von
gewissen Verteidigern des Gesetzes Moses gesaget , welche gewollt , daß man die Engel anbetheil solle , und welche sich darauf gegründet : daß , weil Gott weder gesehen , weder gefühlt , noch begriffen werden könne , man sich die göttliche Wohlgewogenheit durch den Dienst der Engel verschaffen müsse f . Man giebt auch vor , daß der Apostel Paulus seine Absicht auf diesen Ketzer gehabt , wenn er die Glaubigen warnet , diejenigen zu verwerfen , welche aus einer Demüthiguny des Geistes , und durch den Dienst der Engel , sich in Sachen mischten , die sie nicht gesehen hätten ; und man versichert , daß Cerinthuö , welcher in AI er an - drien mit den Juden , Heiden und Zauberern genaue Bekanntschaften gehabt , ein Lehrgebäude geschmiedet , welches von dem Iu - denthume , Heidenthume und der Magie zusammengesetzt gewesen , und dasselbe , vornehmlich in Phrygien und Pisidien , breitet , und daß er auch durch Anrufung der Engel , Wunder gethan habe Er hat die Apostelgeschichte , und die Briese deö Apostel Paulus verworfen , und nichts zugelassen , als das Evangelium Matthäi b . Ja , auch dieses hat er nicht ganz zuge - lasten , wenn wir dem EpiphaniuS hierinnen glauben ' .
« ) Epiphan . aduerf . Haeref . p . iao . b ) Im 51 Jahre , e ) Nämlich im Z5 Jahre , d ) Siehe das XI Cap . der Apostelgeschichte . « ) Epiphan . adu . Hacref . p . m . f ) Siehe den P . Garnier , in Auftario Operum Theodorcti , apud Ittigium de Haerefiar . Saeculi I . et II . pag . m . j2 . g ) Garner . in Aufl . Theod . apud Ittig . de Haeref . 1 . et II . See . p . ; z . h ) Philaftr . capite XXXVI . ap . eund . i ) Epiphan . Haeref . XXVIII . e . V .
( h ) Zver h . Eplphanius t t t gicbt gletdwobl t>oc , daß Cerimbua nack dem Carpokrarcs gekommen scy : öiefi beißt Sie Zeitrechnung verdrehen . ^ Lambert Danaus , de Haeref . cap . VIII . fol . m , ? 5 . radelt diejenigen sehr billig , welche vorgeben , daß die Cerin - thier Absprößlinge von den Carpokrariern gewesen . Er sager , daß Ter - tullian und der h . EpiphaniuS dieses gesagt , daß Augustin von dem h . Epi - phanius betrogen worden , welcher solches vorgegeben , und Jsidoru« , l . ib . VIII . Et>niolc>ß . cap . V . diesen von dem H . Aügustm begangenen Fehler abgeschrieben hatte . * Er beweist mir zween Gründen , daß Cermthus zur Zeit der Apostel gelebt ; der eine ist daher genommen , wenn wir hier unten sagen werden , daß der heil . Johann nicht in das Bad gegan - gen ; der andre ist daher genommen , daß dieser Apostel einige Jrrthü - mer de« Cerinthus widerlegt zu haben scheint . In dem I Br . II Cap . v . , y . 22 . und im IV , z . An der andern Seite behauptet er , daß Car - pökrate« unter dem Antoninus Pius gelebt habe ; ( Danaens de Hacref . cap . VII . fol . 22 . verfo ) und er beobachtet , daß ihn Theodor«»« unter die Regierung Hadrians sehet , und daß ihn Eusebius zu eben der Zeit leben läßt , da Saturnin gelehret hat . Eufeb . Lib . IV . cap VII Man hatte sagen sollen , daß Eusebius dieses nur bey Anführung des h . Ire - näu« vorbringt . Dieß hatte dem Deweise ein Gewichte gegeben . Da - näu« vergißt nicht , zu beobachten , daß sich der h . Epiphanius lelbst wi - verleget hat , da er bekeimt , daß sich Cermthus den Aposteln mehr als einmal widerseht habe . Danaeus , de Haeref . cap . VIII . fol 25 . Wir wollen daraus schließen , daß sich Moreri geirrek hat , wenn er saget , daß Cermthus de« Carpokrate« Schüler gewesen .
♦ Auch in dem Compendio Hiftoriae Ecclefiafticae Gotbano sind auf der 204 S . die Carpokrarianer vor dein Cerinrhu« gese - her . Wer aber eine vollkommene Nachricht von diesem Keher verlanget , der lese , was der treffliche Herr Abt Mosheim , in seinen Inftitutionibus Hiftoriae Chriftianae maioribus , Saeculo I . Part II cap . V . P . XVI . pag . 438 . t>cn demselben geschrieben hat . Helmstäd . Ausgabe . 739 . in 4 - Ich führe diesen gelehrten Mann desto lieber an , da er von den seltsamen Lehrsahen der Irrglaube gen in der ersten Kirche , auch die wahrscheinlichsten Quellen an - führt . daraus man es begreifen kann , wie sie auf solche wunderli , che Meynungen verfallen sind ; welches man sonst schwerlich erra - then würde . G .
( k ) Man beschuldiget ibn . er babe das rausendiabrige Reich u . s . rv . Z Caju« erzählet diese Sache auf folgende Art in der Kirchenhistorie des Eusebius , III Buch , XXVIII Cap . pag . m . 100 . In gewissen Nachrichten , die Cermthus geschrieben hat , als wenn er «n großer Apostel gewesen wäre , erzählet er un« ungeheure Meynun - acn die ihm die Engel , wie er dichtet , offenbaret haben sollen . Er hauptet , daß das Reich Jesu Christi auf der Welt nach der Amerstehnng seinen Anfang nehmen , und die Menschen m Jerusalem , annoch der und Wollüsten unterworfen , leben , und ein Hochzeitfest fevern würden welches tausend Jahre dauern sollte . Also stellet Cajus die Sache daselbst vor . Dionysius , Bischof von Alexandrien , zur Zeit de« Eusebius bediene ! sich viel gröberer Pinselstr . che . Cermthus , saget er im II B dePromiOionibiK , beym Eusebius ebendaselbst , hat geqlaubet , daß das Reich Christi irrdisch ftvn werde ; und wie er den Wollüsten des Fleisches sehr ergeben gewesen , so hat er erdichtet , daß die Wollüste , die cr wünschte , da« Wesentliche dieses Reiche« seyn wurden , und laßt sie in Genugtiuiung de« Bauche« und der untern Theile bestehen , das heißt , in Essen , Trinken , Hochzeitmachen , Gastereyen und Opfern ; denn er hat unter diesen lehren Worten , welän ehrbarer und , diele Wollüste vcrste - cket . Ich will die griechischen Worte mit der lateinischen Ilebersehung HeinriAs Valesius anfuhren , damit man sehen könne , ob meine Muth . maßung einigen Grund hat . Eufeb . Hift . Eccl . Lib . IIL ca^> . XXVIII . cx Dionyfio , Lib . II . de Promiffion . E'« / y«ev teeren n»v tS XftrS pariAftav . KsJ ce£rd ( ( to Qiioctueroe ay irkn ) trxfxixot , 1 * th - tok > - ? ? - >« »ju'jrfiv Ctra ya tirim ; rjjxorti * u " rifripirif v tkCtk TrtifiH & m ,
« tunim . Et quarum rerum cupiditate ipfc flagrabat , vtpote volupta - tibus corporis obnoxius carnique addichis , in iii Regmim Dci fittim fore fomniauit , in ventris , et earum , q«ae infra ventrera funt , par - tiiirn explenda libidine : hoc eft in eibo et potu , ac nuptiis , atque vt
honeftiori vocabulo eiusmodi voluptates velaret , in feftis , et facri - fieiis et hoftiarum maclationibus . Die von diesen griechischen Wer - ten gemachte Uebersehung , wie sie vom Eusebius im XXV Capitel de« VII B . angeführt ist , scheint mir besser zu seyn . Hier ist sie : Et in iis , xjuibus ifta honeftius parari exiftimabat ; feftis nimiruin etc . Mei» ne Mmhmaßung ist , es habe Cerinthus nicht ausdrücklich gelehret , daß die Glückseligkeit und Herrlichkeit des Reiche« Jesu Christi , in Vergnü - gung der Vielfräßigkeit und Ueppigkeit bestehen würden : er hak sich ei - ner andern Einkleidung des Ausdruckes bedient , cr hat auf die Ergetz - lichkeiten gesehen , welciie den Festtagen eigen sind . Tagen , die absonder - lich zu Sd , lachtung der Opfer imd Haltung der heiligen Gastmahle be - stimmt gewesen . Die griechischen Worte , die ich angeführt habe , geben klarlich zu erkennen , daß cr sich unrer ehrbaren Redensarten versteckt hat . Allein man glaubet , es sen erlaubt , denselben die Larve abzuziehen , und sie auf eine solche Art zu umschreiben , daß man die ganze Häßlich , keir seiner Mennungcn desto leichter sehen sollte . Wenn meine Muth - maßungen wahr wären , so würde sich bey dem Verfahren der Feinde des Cerinrhus ein wenig Betriegerey befinden ; denn kurz , was hat man für Recht , einem Schriftsteller Umstände beWimessen , die er nicht erklärt ? Warum soll er der Wohlthat nicht genießen . die er von dem allgemein nem Verstände seiner Ausdrückungen vermuthen kann ? llebrigens billiget Heinrich Valesius nicht , daß man starr ti^nirtgn , lesen müsse riSt / aÄTffcv , wie Christophorson gethan Kar , '» und er bestärket sich mit der llebersehung Rllfins : Nec aliter legine Rufinum ex verfione eins apparet . Sic enim venit : Zt - vt * liquid [ * tr * tius dicere - videretur , legales agebat feßiuitates rurfum celeirand / ts . Feftorum fcilicet et facrificiorum nomine libidine , fuas velabat Cerinthus , vt honefta - tem quandam in fpeciem praeferret . Valefius , Not , in Eufebium , p . m . 54 .
( C ) Desrvegen böben einige geglaubet , er sev der rvabre ttrbc * bec der ( DrFtnbaning^obanma zervcscn l Ebenderselbe Dionysius , den ich in der vorhergehenden Anmerkung angeführt habe , belehret un« , daß es Personen gegeben , welche die Offenbarung gänzlich verworfen hatten , als ein Werk , das weder von dem h . Jobaim , noch ven emem Apostel oder einem andern geistlichen Schriftsteller wäre , und welche« nicht verdiene , eine Offenbartmg htitelt zu werden , weil alles mit einer so dicken Decke verhüllet wäre , daß man nichts darinnen begreifen könn - re : daß sie Cerinthus gemacht , und den Namen Johanns vcrgeseher harre , um seine Träume unrer dem Ansehencin^ so ehrwürdigen Apostels gültig zumachen ; km ? vij» 0VfiH & IUV9V aifseiv , ic'i - itairov s'attffavra t * tcrvri
€ ] - uen lvcfj . x . TLxrintiuini enim , qui noininis fui leftam conflauit , cum magnae auetoritatis nomen ad faciendam fidem commentis fuis vellet praefigere , loannis tiniluni operi fuo indidifle . Eufebiu« , Libr . VII . cap . XXV . pag . tn . 273 . aus ebendemselben Dionysius .
( D ) JTTan erzählet , daß der b . Jobann nickt in daflelbe ? >ad geben wollen , rr>c> ec gewesen . 25ie Zllten sind bey dieser «acbe rerv - 'nöerltcb . «NO die Nenern baben UmlranSe da . ni gclincr , rr>clel ? e für einen gottseligen Serrug gelten könnten . 1 Die Vera« - dcmng der Alten besteht darinnen , daß einige vorgeben , diese Sache gehe auf den Cerinthus . und andre , sie betreffe den Won . Man det in dem Eusebius , daß der h . Johann , da er ins Bad gegangen , und erfahren , daß Cerinthus darinnen wäre , unverzüglich die Fluän men , und zu seinen Gefährten gesagt habe , daß sie dergleichen rhu» seit ten : wir wollen fliehen , bar er zu ihnen gesagt , denn ich fürchte , daß ein Bad , worinnen sich der Feind der Wahrheit befindet , einfallen möchte .
Gtyvufv M « ßaAMyücy ev / ixtcr , fvip - , " vto ( KqpbSti rS T ? « txfyS . Fugiarnus , inquit , ne balneirni corruat , in quo Cerinthus eft , veritatis inimiais . Eufeb . Hift . Ecclef Lib . III . cap . XXIX p . 100 . Er führet dm h . Jrenäi' . s im III B . wider die Ketzer an . Gielde auch denselben Eusebius im IV B . XIV Cap . 1 . - 8 0 - Eusebius führet den h . Irenaus an , welcher versichert , daß man dieses von dem h . Pclykar - VUS habe lagen hören , und daß die Sache zu Ephesu« geschehen sei ) , de i * nxjxllciuz neAt , * ä ? Tw , das heißt nach der Uebersehung Heinrich» Valestu« . a : t ita fe a Polycarpo . icccpil'c : weil aber Eusebius in de« IV B . XIV Cap . auf der , : 8 S - beobachtet , es erzahle Irenaus , daß Leute , die noch gelebt hätten , solche« vom Polvkarpus hätten sagen hören ; so ist diese« ein Beweis , daß Irenaus nicht unter dieser Zahl gewesen ist . Wenn man den h . Epiphaniu« zu Rath ? zieht »so findet man , daß der
H . Jo -

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