Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5162

Ceratinus . Ccrinthuö . 119
m>dKummer , daß ihm der Pabst Clemens der VIII , einen etwas starken Verweis gegeben - . Er ist in seinem 57 Jabre gewesen . Er hat sein ganzes Vermögen dem Hospitale des Trostes hinterlassen , und ist in der Kirche unsrer lieben Frauen , de ! Pooulo graben werden h .
4 ) Tiberii mortis caufam attulifle dicitur Clementis Pontificis acris qnaedam ac vehemens obiurgatio . Profp . Mandofius Bi - blioth . Romanae Cent . I . pag . 24 . b ) Ebendas . '
Ceratinus , ( Jacob ) ein aelehrter Mann des X VI Jahrhunderts , und guter Grieche , hat sich diesen Namen nach der Ge - wohnheit der damaligen Zeit gegeben , weil er von Hoorn in Holland gebürtig gewesen ( A ) . Wirwollen dieses erklären ( B ) . Er ist vom Erasmus mit großen iobsprüchen beehret worden ( C ) , nicht allein wegen der guten Sitten , sondern auch wegen der Lehre . Erasmus , welchen der Chursürst von Sachsen , George , ersucht hatte , jemand zur Besetzung der Stelle auszulesen , welche der Tod MosellanS auf der Universität zu Leipzig erlediget hatte , schickte ihm den Ceratinus « , welchen man außer dem zu Löwen das öffentlichen Lehramt der griechischen Sprache in dein Collegio der dreyen Sprachen anboth . Ceratinus wurde zu Leipzig nicht allzu wohl empfangen ; und es erhellet aus etlichen Briefen des Erasmus b , daß cr sich diese Verachtung zugezo - gen , weil er nicht Abneigung genug gegen das Lutherthum bezeugt hat . Dieses hat sich 1525 zugetragen . Vorher hatte er die griechische Sprache zu Löwen privatim gelehret c , wo er sich hingewendet hatte , da ihn der Krieg und die Pest genöthiget , das Amt iu verlassen , das er in dem Collegio zu Tournai bekleidet . Er ist den 20 April 1530 zu Löwen in der Blüthe seines Alters gestorben d . Er ist Priester gewesen , und eö hat sich , zur Zeit seiner Einweihung , eine Sache zugetragen , welche bekannt zu werden verdienet fDj . Er hat sich betrogen , wenn er an den Erasmus schreibt , daß er ihn zuDeventer gesthm ( E ) . Man hat von ihm eine Abhandlung , de fono graecarum lmerarum ; die U^berschung des ersten und andern Gesprächs des h . Chry - fbjfrmus , von der Vortrefflichkeit des Priesterthums ; und ein griechisches und lateinisches Wörterbuch ( F ) , welches nebst einer Vorrede des Erasmus , im 1524 Jahre gedruckt worden .
« ) Erasm . Epiftol . XXIX . Libri XX . pag . 994 . f ) Der XLU und der XLIV des XXX B . t ) Erasm . Epiftol . XII . LiS : XVII . pag - 756 . W ) Valer . Andreae , Biblioth . Belg . p . 406 .
( A ) VSx bat sich diesen Namen gegeben , weil er von - Hoorn in Holland gebürtig gewesen . ) Ä ! orcri hatte deswegen nicht in Zweifel feyn dörfen : , r weis nicht , ob Ceratinus zu Hoorn in Holland , oder zu Hör - ne im Lande Geldern gebohren worden . Eigentlich zu reden , liegt das , von ihm angezeigte , Hörne nicht in Geldern .
( B ) tt>ir wollen dieses erklaren . ) Hoorn bedeutet in derholläu - bischen Sprache ein Horn . Im Griechischen wird ein Horn * < ? «« mimt : also istJacob Ceratinus eben so viel , als Jacob , der gehörnte , oder der - Hornträger , welchen Titel er dein Hornanus , unter welchem dieser Schriftsteller nianchmal angedeutet wird , und den Namen Teyng , welcher sein Geschlechtsname war , vorgezogen hat ; er ist , sage ich , allen andern vorgezogen worden , theils weil er griechisch gewesen , und cr un - ter dieser Sprache nur wenigen Leuten die Schande gezeiget , welche man mit den , Worte - Horn verknüpft hat ; theils . weil vielleicht der ehlose Stand des Ceratinus ihn vor den boshaften Deutungen in Sicherheit gesetzt , denen sein Name unterworfen gewesen wäre , wenn er eine Eh - stau gehabt hatte .
( C ) Er ist vom Erasmus mir großen L . obst>rüchen beehret worvcn . ) Erasmus hat ihn für gelehrt genug gehalten , mittel , in Italien zu lehren , und für viel starker , als Mofellan gewesen ist . Iaco - bus Ceratinus , saget cr im XXVIII Briefe des XX B . 993 S . homo tarn Graecanicae litteraturae callens , vt polfit vel in media Italia profiteri , nec fe ipfo inferior in litteris Latinis . In dem XXXI Briefe desselben Buchs auf der 995 S . drücket er sich noch starker aus : Graecanicae litteraturae tarn exa & e callens , vt vir vnum aut alte , rum habe . it Italia , quicum dubitein hunc committere , nec in nis fui diflimilis eft . Also redet er in dem XLI Briefe de« XXX B . Succedit Petro Mofellano , fed decem Mofellanis eruditior , etiam Mofellani dockrinam et ingeniuni haud vulgariter amabam . Die Sitten betreffend , saget er , er sey die beste Seele von der Welt , ohne Schminke und ohne Arglist , und bis zur Ausschweifung bescheiden ge - wesen . Modeftia pene immodica moribusque plane niueis et ab onini fuco prorfus abhorrentibus - - Epift . XXVIII . Libri XX . pag . 995 . Moribus eft fincerifliniis et ad amicitiam appofitis ; adeo vt non minus videatur natus gratiis quam mulis - - . Epift . XXIX . Libri XX . pag . 994 . Habet vnum hoc vitium Ceratinus no - fter , immodice modeftus eft , fic verecundiu vt pene putidulus fit Epift . XXXI . Libri XX . p . 995 . siehe auch den XLI Brief des XXX B . 19 - 9 S . Valerius Andreas erzählet einen guten Theil dieser Stellen , und führet außer diesem den ZuniuS an , welcher den Ceratinus in nen Spmchwortern , ( ich werde hier unten davon reden , ) und in seinem Batavia sehr gelobt hat : In qua a fingulari modeftia ac virginali quodam pudore commendat . Allein Valerius Andreas hat nicht in Acht genommen , daß das Lob exatfiflimi viriudicii , welches mus , wie er glaubet , dem Ceratinus gegeben , für den Heinrich Stro - mer gehört , welchem man ihn anpreist , siehe den XXIX Br . deS XX B . auf der 994 S .
( v ) Ts ist utt Seit seiner Einweihung eine Sache vorgegan - gen , welche bekannt zu werden verdient . ) Hadrian Iuimis , ein Landemann des CcratinuS , nachdem cr das Lob mit vollen Händen über ihn ausgcstrcuct , setzet im IV Adag . Cent . V . darzu : er wisse von guter Hand , daß Ceratinus , welcher gegen die scharfen Befehle feines Vaters nicht ungehorsam feyn wollen , nach Utrecht gegangen sey , um sich zum Priester weihen zu lassen . Man hat ihn nach Gewohnheit cxaminirt , und da er offenherzig bekannt , daß er eine Regel aus der Sprachlehre nicht auswendig konnte , die man ihn gefragt : so hat man ihn als einen Unwissenden fortgeschickt , und ihm angerathen , seine Sprachlehre mit bessern Fleiße zu erlernen . Er hat sich in der Stille w / a «macht , und sich begnüget , die Ursache seiner Ausschließung einem
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Ceratinus gefragt hätten , per quam regulam ? wie man den Schülern thut , die man aus ihrem Donate fraget , und welche man nöthiget , ih - ren Namen nach der Regel zu declinircii ; wenn sie , sage ich , auf diese Art mit ihm umgegangen wären , weil sic Nachricht gehabt , daß er ein Hochmiithigcr gewesen , so würden sie nicht zu tadeln feyn . Es geht eine Erzählung herum , daß ein junger in sich vergaffter Mensch , der im Begriffe gestanden , die Priesterweihe zu erhalten , ' die Kränkung gehabt , daß mau ihn auf diese Art zuerst gefragt : Mufa , quae pars orationis ? und als er darauf geantwortet : Aquila non captatMufcas ; man darauf erwiedert : neque ecclefia fuperbos , und ihn zurück geschickt .
( E ) ( Er bekriegt sich , wenn er an den Erasmus geschrieben , daß er ihn 5» Deventer gesehen . ) £in Brief des Erasmus , Den cr im Monate April 15 , 9 an ihn geschrieben , ( es ist der XXXII des V B . ) und in welchem er ihn Hornenfis nennt , belehret uns , I . daß Ceratinus bey dem Erasmus um seine Freundschaft angehalten , und un - ter andern Dingen zu ihm gesagt , daß er die Chre gehabt , ihn zu De , venter zu sehen . II . Daß er ihm etliche Umstände angczeiget , die er für geschickt gehalten , ihn dessen zu erinnern . Erasmus hat ihn , geant - wortet , daß dieses eine falsche Einbildung wäre , und ihm solches zu be , weisen , sich eben derselben Umstände bedient : er giebt ihm zu erkennen , daß die Brücke noch nicht fertig gewesen , da er von Deventer abgereist , und daß er nicht so gleich nach England übergegangen sey . Quodexifti - mas me tibi Dauentriae confpe & um , vel hoc argumento facile de - prehendes , te vana ludi mentis imaginatione , quod cum ego Danen , tria difeederem , nonduin fluuius , qui vrbem praeterfluit , ponte iun - äus ei - at . Wem , man mich fraget , warum ich dergleichen Kleinigkeiten beobachte , so antworte ich , daß es geschieht ; um ein berühmtes Beysplel von einer Verblendung zu geben , die sehr gemein ist , und vor weh cher man sich besser hüten würde , als man thut , wenn man wohl brtrach , tete , daß sehr geschickte Leute darein verfallen . Wenn ein Schriftsteller sehr berühmt wird , so machen sich diejenigen , die mir ihm auf einerlei ) Akademien studiert haben , ich weis nicht , was für ein Vergnügen dar - aus , in Gesellschaften zu sage» , wo von diesem großen Schriftsteller ge , redet wird : daß sie ihn lange Zeit gekannt , daß sie ihn als Studenten gekannt , u . d . m . Man Bildet sich cm , daß man durch dergleichen Er - zählungcn einigermaßen des Ruhmes dieses großen Manncs theilbafrig wird ; nnd dieserwege» giebt man mehr Sachen vor , als man glaubet , und man glaubet mehr davon , als wahr ist . Siehe oben die Anmer - kung ( I ) , bey dem Artikel Camdcn . Ich bin versichert , daß sich viele Leute hier erkennen werden . Allenfalls sehen wir hier aus dem Beyspiele des Ceratinus , daß man sich nicht allzu sehr aufsein Gedächtmß ver - lassen muß : denn man darf nicht zweifeln , daß er nicht auftichtig ge - handelt haben sollte .
( ? ) Man hat von ihm - - - cm griechisches und lateinit schcs tSPoctcrbuch . ] Boxhorn in Theatr . Holland , auf der 3 - ? 0 . bctricgt sich , wenn er vorgiebt , daß dieses das erste grindische Wörter - buch ist , das gemacht worden . Valerius Andreas in Bibl Belg , p . 406 . betriegt sich nicht weniger , wenn er saget , daß Ceratinus der erste gnve - en , der nach dem Aldus Manutius ein solches Wörterbuch vermehret und herausgegeben hat . Die Vorrede , welche Erasmus vor diel« Sßcrc des Ceratinus gesetzet hat , ( sie fleht im XXVIIIB . semer Briese , ) ist zureichend , zu zeigen . daß es bereits von mehret , und verschiedenem« ! wieder gedruckt worden . hat sich sogar jemand gesunden , der etliche eigene Namen hinein gerutttyat , welche« Erasmus nicht billiget . Anfänglich scheint es , als wenn GeSner in ner Bibliothek geglaubt hälte , daß diejes den CeiatinuS angienge , welche« offenbarlich falsch ist , wenn man nur die Vorrede ein wenig untersuchen will : allein wenn man GesnerS Ausdruck genau betrachtet . so muß man ihn entschuldigen . Derselbe Boxhorn unterscheidet die Art nicht , mit welcher Ceratinus das Griechisch ? tn Mwen belehret hat . Graccae
ä chrten Geistliche . ^zn sagen der sich stehenden Fußes in ft Ver - ^ be ,
sammlung der Person ameftn^al ? terjemg "
SSlRtt der griechische , ' Sprache , aus . der Un . verjität zn Lowe . , gewesen ^welche -
mr leit der Apostel , eignete die Erschaffung der Welt nicht Gott , sondern den Engeln zu
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