Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5144

Caußin .
ii ?
( A ) Man hat ihn würdig gefunden , ibn Vem Rönige , als Gc - toiflenszatb , zuzugeben . Er stund diesem Amte nicht nach Vem Gefallen Oes ersten Staatsbedienten vor . ] Die Ungnade des P . Caußin ist von denen Gattungen der Begebenheiten gewesen , bey wel - chen man mehr denket , als redet , und von welchen die Ursache niemal« recht bekannt wird . Nicht« destoweniger ist etwa« davon bekannt ge - worden . Man giebt vor , es hätte dieser Jesuit , kurz vor seinem Tode , einem von seinen Freunden , die Originalien einiger Briefe gegeben , die er mit eigner Hand an den General seines Orden« , dem P . Sequiran , und an den Prinzen von Conde geschrieben ; lind die Welt hat aus etli , chen mangelhaften Stücken von diesen Briefen sehen können , daß sich der P . Caußin diese Ungnade dadurch zugezogen , weil er gewisse Dinge nicht offenbaren wollen , die ihm Ludwig der XIIl in der Beichte bekannt hatte , noch seine Obern , wegen der Gewissensführung dieses Prinzen , um Rath fragen wollen ; weil er , durch Einholung ihre« Raths , dem Geheimnisse der Beichte einige Gewalt hätte anthun müssen . ( Man sehe von diesen Brie -
hat hitzig an der Zurückrusung der königl . Fr . Mutter gearbeitet . Die - serwegen ist er bey der Reise , die er an den französischen Hofge , than , besorgt gewesen , eine genaue Bekanntschaft mir dem Pater Caußin zu stiften , der gleichfalls ein I - suir , und des Röniqcs Beichtvater gewesen , und verschiedene Unterredungen mit ihm zu halten , wobey er keine große Müde gehabte ihn zu überreden , und in feinem Gemüthc allen Glauben ; u erwerben , den er ae - rvünscht , weil er ein ganz andrer Staats^ und Hofhwmt qewe / sen , als jener ; und eben so viel Witz und Bosheit , wenn man der Meinung des Cardin« ! Herzogs in einigen Briefen al . . uben darf , als der P . Caußin Einfalt und Unwissenheit gehabt , solcher , gestalt hat er bey diesem Vortheile an dem quren Forrqanqe der Sache , und daß ein so gewissenhafter Prinz , als Lüdwicr der XIII , bey einem Gewislenspunue , den Bewegungen und <£r< innerungen seines Beichtvaters nicht folgen sollte , in , geringsten
C o . - J ■ . - u , , . „ . . . nicht gezweifelt . Und man hat in der Chat an dem Ronige fen , Lntretiens d Eudoxe et d'Eucharifte fur l'Hiftoire de lAriamsme aufierordentliche Unruhen und Bekümmernde gespürt , seit dem et fur l'Hiftoire des Iconoclaftes du P . Maimbourg , welche 1683 in Hol - der p . Caußin seine Gewisiensscrupel über die iLntfernunq der land wieder gedruckt worden . Sie sind in Paris , 1674 , durch Scharf - königlichen Mutter wieder erneuert , und die Neiquna bey ihm richtet« Hände verbrannt worden . ) Eben diese mangelhaften Stücke zuwege gebracht harre , sie wider den Xvillen und die Mevnuna lassen un« sehen , daß er das Bezeigen Ludwigs des XIII gegen seine seines ersten Sraatsbedienren , zurück zu rufen . Der Herzoq von M ^ Savoyen hat dem Cardinale , den Briefwechsel , und die nen Anschlage dieser beyden Icfüiten berichtet . ( Der Cardinal hat diese« selbst geschrieben , wie Auberi , ebendaselbst S . versichert ) Andre versichern , daß sie durch die Unvorsichtigkeit des Pater» Caußin entdecket worden , welcher , da er von dem Herzoge von
. . . Angouleme , um die Anwartschast auf eine Jungferabtey ersuclik
niam ei fcnipuliim iniecerat , de Maria Reeina matte haud fatis pie worden , die er verlangt , demselben eröffnet : daß er sich so lange
habita , atque Aula , et regni finibus abfcedere coafta , Aida et ipfe gedulden möchte , bis der Cardinal von den Geschaffte» cntfezt
Richelii opera , cui cum Maria lites interceflere , faceflere pridem net wäre , welches unfehlbar in wenig Tagen erfolgen würde ;
iufl'us fuerat . Labardaeus , de Rebus Gallicis , Libr . IX . zu Ende , und daß er darnach auf das geschwindeste und vollkommenste
Sie sind in Pari« , >674 , durch Scharf - königlichen Mutter wieder erneuert , und die Nciquna bev ihm
richtet« Hände verbrannt worden . ) Eben diese mangelhaften Stücke zuwege gebracht hatte , sie wider den XVilf
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Frau Mutter gemisbilliget . Nun war diese« da« geschickteste Mittel den Cardinal in Harnisch zu bringen . Herr de la Barde hat beobach - tet , daß diese Eminenz den P . Caußin , wegen der Gewissensserupel , verjagen lassen , die er über das harte Verfahren in dem Gemüthe die - fes Prinzen rege gemacht , das man wider Marien von Medicis ausge - Übet . Hie poiftea Ludouici XIII Regis Confeflarius fiiit , qui quo -
Der Urheber von dem Lobe des P . Caußin hat Recht , zu sagen : daß man einen Mann bewundern müsse , der sich lieber , um den Trieben sei - nes Gewissens zu folgen , den Haß eines solchen Cardinal« zuziehen , als diesem Cardinale' zu Gefallen , von dem rechten Wege abweichen wollen : „ Man muß zur Ehre diese« großmüthigen P . sagen , er habe „ sich dermaßen ben Hose betragen , daß er Bewunderung daselbst zurück „ gelassen , und denselben genöthiget hat , zu bekennen , daß sein Geist von „ einem außerordentlichen Heldenmuthe genasen ; weil er , ungeachtet der „ in Händen habenden Gewalt , in einein Augenblicke »nsagliche« Gu - , , te« oderBöse« zu beweisen , wederfür sich , noch für die Seinigen einige „ Gnade gesucht , uiid sich so wenig vor der Ungnade gefürchtet , daß er „ lieber alle« an seiner Person erdulden , al« die Pflicht eines getreuen „ Beichtvater« , aus den Augen sehen wollen . Es ist in Wahrheit ein „ sehr vortheilhafte« , aber auch ein sehr kühne« Wort , welches vom heil . , , Auqustin , zum Besten seine« lieben Alipiu« vorgebracht wird ; „ 1 Mi - rantibus omnibus inufltatam Animam , quac hotninem tantum innu - mcrabilibus praeftandi , nocendique artibns celebrattim , vel amienm nonoptaret , vel non formidaret inimicum . S . Anguftin . Conf . Libr . VLc . X . ) „ welches aber dem großmüthigen P . Caußm eben so wohl zu - „ kömmt , und ganz allein sein Lob viel rühmlicher machet , als hundert „ andere . „ Eloge dl , P . Cauflin , vor dem Werke Cour Sainte . Der Verfasier diese« Lobspruch« des P . Caußin hat nicht gewußt . daß die Briefe diese« Paters in den Händen der Jansen , sten sind . Diele« hellet aus den Enttetiens d'Eudoxe et d'Eucharifte . Er halt sie für verlohrei , ; denn er saget folgendes : „ Ich weis wohl , daß diese Sache „ eine schwere Ausgabe gewesen , und daß , da sie vorgegangen , iehr schiedentlich davon geurtbeilet worden . Allein die Folge der Zeit hat „ den Unterschied der geseilten Meynungen entschieden , und die ZLahr - „ heit , welche durch die Wolken gebrochen , hat die Redlichkeit einer so „ heldenmüthigen und rühmlichen That gerechtfertiger . Er hat selbst „ die Historie davon in einem vortrefflichen Briefe gemacht , welcher zum „ Unglücke verlohren gegangen , und der gleichwohl , zum Vergnügen der „ Gemuther , das Licht zu sehen verdiente , wenn er wiedergefunden wer - „ den könnte . „
Man giebt vor , e« yätte dieser Jesuit nicht geglaubet , daß dieZer , knirschung des Herzens aus Oer bloßen Furcht vor der Holle , zureichend sty , sie Rechtfertigung im Sacrameme zu wirken . ( Arnauld . auf der letzten Seite , der Anmeldung der I V venuncistion de J'Herefie du Peche Philofophique . ) und man sieht auch , daß seine Lehre über diese Materie Anlaß ZU seiner Ungnade gegeben . Ar - nauld soll wem Zeuge seyn . „ Man hat von glaubwürdigen Personen de« alten Hofes erfahren , daß euer P . Caußin , da er Beichtvater des ''verstorbenen Königes gewesen , sich verbunden gehalten , ihn zu erin , " nern , daß dieses nicht zureichend wäre , und daß man nickt gerechtfer - 'tiget werden könne , ohne Gott zu lieben . Diese« hat dem Cardinale „ von Richelieu , der ihm nicht getrauet , eine Gelegenheit gegeben , ihn zu „ verjagen und »ach Quimper zu verbanne» , indem er den Konig über - . . redet , daß diese Lehre «ichts taugte . Und eben dieses hat ihn nach die - „ sem bewogen , alles sein Ansehen darzu anzuwenden , dasjenige ver - „ werfen zu lassen , was der P . Seguenot in seinen Anmerkungen über das Buch von der heil . Jungferschaft , von dieser Lehre gesaget „ hatte , welches dieser Staatsbediente dem Könige zu verstehen gegeben , „ daß es eben dasselbe wäre , wa« ihm derP . Caußin davon gesaget hat , , te . , , Ebendaf .
' Man kann das Stillschweigen des P . Alegambe und feines Fortse - fecr« nicht genugsam bewundern . Jener , welcher sein Buch nach der Ünanade des P . Caußin herausgegeben , hat nicht einmal bemerket , daß «anrt'wm feiner Ungnade . Moreri ist eben so geheim gewesen , als die ££ Site " , welche die Bibliothek der Schriftsteller ihre« Ordens «Ü5 haben : Er hat weder von dieser Bedienung de« P . Caußm , seiner Entfernung vom Hofe etwas gesaget .
bat acsaqt , daß er sich durch die Kunstgriffe eines ( B ) Man ^ofe Oes Herzogs von Savoyen , allzu sehr hin , Iesmten , von demzzzjr sollen von demjenigen einen kurzen Äicbt ruhten » dieser Materie in dem Leben des Car -
vergnügt werden sollte . Nachdem der Herzog dieses Sr . Eminenz zu verstehen gegeben , haben sie viel Minderung cm , pfunden , weil sie die Ursache des außerordentlichen Verdrusies erfahren , darinnen man den Rönig gesehen , und sogleich daran gearbeitet , Hülfsmittel wider Sa« ihnen gedrohcte Uebel zu sin , ven . Dieses Hülfsmittel bestund in einem Briefchen , welche« er an Sr . Majest . geschrieben , und welche« für den Beichtvater sehr nachtat , lig gewesen . Dieser Pater hat sich nicht stark genug wider einen so harten Anfall , noch im Stande befunden , diesem offenbar er« klarten Rriege zu widersiehen . ^ Dieserwegen ist er , da er , ohne alle Vergleichung der Schwächste war , gezwungen gewesen , zu weichen , und das Gesetze des Stärksten anzunehmen , der ihn mit einigem Schimpft von Hoft verjagen , und nach Guinper , corentin in Nicderbreragne verbannen kaffen . Ebendaf . so Seite . Aiibery bemerket diese« unter dem 1659 Jahre : allein er biethet nn« selbst etwa« dar . ihn zu überzeugen . daß er das Jahr nicht wohl bemer . ket hat . Nachdem also 0er Cardinal einen von diesen zweenen Gewisiensrarhen zur Schuldigkeit gebracht , saget er im XVHCa - pitel auf t> . r 50 S : so bar er doch mit dem andern nicht so bald zum Zwecke kommen , oder wenigstens nicht so geschwinde Ge , nugtbuung erhalte» können , obgleich endlich dieselbe viel weit , lauftiger und exemplarischer gewesen . Etliche Seiten darauf , nämlich auf der 6z , belehret er uns , daß die Herzoginn von Savoyen dem Cardinale die Gefangenschaft des P . Monod , den 4 Jenner 1639 , zu wissen gethai , . Die meisten Geschichtschreiber , ( ich rede von denen , welche die Jahrzahleii auf . de» Rand seben , sind dergleichen Unvrdnun , gen mehr , al« sie sollten , unterworfen . Man sehedie Anmerkung ( G ) zu
Eö folget aus dieser Erzählung , man mag sie auch so vortheilhaft für den Cardinal drehen , als man kann , daß des P . Caiißin« Zweck kein anderer , als die Zurückrufung der königlichen Frau Mutter , gewesen . Seine Absicht kann rechtmäßig gewesen seyn ; denn kurz , eö sclxint nicht , daß sich da« Gewissen eine« Prinzen in gutem Zustande befinden kann , wenn er seiner Mutter übel begegnet . Allein e« ist auch wahr , daß der Konig in dem damaligen Zustande von Frankreich , die Maria von Me - dicis nicht wohl bey sich behalten konnte , wenn er da« Königreich nicht vielen Unruhen ausfetzen wollte : weil sie von allzu vielen aufwiegle« - fchen Gemüthern umgeben gewesen ; und bey allem diesem hat man schwerl>ck an der Zuri'ickrufung dieser Prinzeßinn arbeiten können , wenn man nicht zugleich den Untergang des Cardinals zum Zwecke gehabt . Ein Schriftsteller , den ich hier oben angeführt habe , belehret mich , daß derP . Caußin nachdrücklich an der Wiedervereinigung Ludwigs de« XM , mit der Königin» , feiner Gemahhnn , und durch diese« Mittel an Hebung der Unfruchtbarkeit dieser Prinzeßinn gearbeitet . Dieß ist der allerjchein , barste Verstand , den man , nach meinem Bedünken , den Worten diese« Schriftsteller« geben kann . Ludwig der XIII , sager er Eloge du P . Cauflin , hat dem p . Caußin einen großen Zugang bey feinet Person verstattet , und , da er einen Geschmack' an feinen Gespra , chen gesunden , demselben feine Gnade in solchem Grade ? i>ge , wendet , die bis zur Verrrauliciikeir gieng ; und er hat ein sol , ches Vertrauen in ihn gescyt , daß man gar wstt geurtheilet , e * habe an diesem würdigen Pater etwas vortvtffliciies erkannt , wa» ihm sein Herz so leicht und so bald gewonnen hatte . Und man bat keinesweges gezweifelt , da» ? solches dicienige starke und qroßmüthige Neigung gewescn , d« er zum Dienste und zur Gbre Sr . Maseskat gezeiget . Sie wn so ungemein etstrig auf das gemeine Beste , und die vollkommene Uirngkeit des köniqli» chen Hauses gemacht , auf welches seine Absichten einzig qese» hen haben . UnV wir haben ourcb eine getreue und li , iiii»sroß> liche Aussäge erfahren , vaff Frankreich seinen weisen Rathschlä , qen , itim Tbeile . Oos kosibarc Geschenke zti verdanken hat , wel , ches dasselbe von dem - Himmel erhalten , und dessen es ino in der geheiligten Perfon seines durclilauchtigsien Monarchen , des würvigen Sopnes , und recl ? tmaßigcn Trben der Eugen , den seines Vaters genießt .
( C ) Es ist einigermaßen wahrscheinlich . daß er heimliche Anschlage gemacht , den Cardinal von Richelieu zu veriaaen 1 Wenn man hierinnen den Nachrichten de« AbtS Siri glaub ? , , darf
( ifÄtt nicht - im \7TIT CÄ / inNtf Auf
rers Hiebt ruoctu Materie in dem Leben deSCar - Wenn man yierinnm oen Liacdrichten des Äbts Sin glauben dnrf
Auszug geben , waS Aubew weg ^ II Bandes , hollSndi - C diejenigen , welche ihn nicht im VIII Bande , auf der ? ? ? S . zu Ratbe
dinal« von Richelieu , VI ^er P . Monod , Beichtvater der ziehen können , dorfen nur da« neue Leben de« Cardinal« von Rick^l . > .
scher Ausgabe , bckannt germä^ h^ ^ Frankreich ju venvirren , lesen , welche« 1694 z» Amsterdam wieder sedruckt worden , in , 11 ©
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