Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5135

ii6 Caurres . Caußin .
Caurres , ( Johann des ) gebürtig von Moröul in der Picardie , war Aussetzer des Collegii zu Amiens , und Dom - Herr zu St . Nicolas in derselben Stadt . Er hatte die Jugend daselbst 20 Jahre gelehret b , als er im Jahre 1575 ein Werk herausgegeben , davon ich hier unten reden werde ( A ) . Er hat auch noch einige andere herausgegeben , davon man die Titel bcym la Croix du Maine und beym Verdier du Vau - Privas finden kann : er ist im Jahre 1584 noch am Leben gewesen , und hat ' " " ~' " " , der Jugend , die er in dem Collegio zu Amienö
nicht aufgehört , so wohl durch seine gelehrten Schriften , als durc . . r c _ - r
unter seiner Aufsicht hatte , dem gemeinen Wesen Nutzen zu schaffen f . Er legte sich auch darauf , französische Verse zu ma° chen , die nicht gut sind . Er hat welche , mit einer ungemeinen Heftigkeit , über den Tod des Admirals von Coligni , und über die Todesstrafe des Grafen von Mongommeri gemacht , und sich nicht geschämet , eine Ode . zum Lobe der pariser Blut - Hochzeit , zu verfertigen . Alle diese Stücke finden sich im IV Buche seiner moralischen Werke . Er hat eine gute Mcy - nung von seinem Verdienste gehabt , und geglaubet , daß ihn seine schönen Eigenschaften denVersolgungen des Neldes ausge^ seht hatten ( B ) . Er belehret mich eine Sache , die mir ganzlich unbekannt gewesen ; daß nämlich eine Zeit gewesen , wo dle Frauen einen Spiegel auf ihrem Bauche getragen ( 0 ) . Ich weis nicht , ob er jemals unter den katholischen Schriftstellern an - geführet worden , die von der Pabstinn Johanna , geredet haben : allein er verdienet , darunter zu seyn ; denn er erzahlet sie , ohne den geringsten Zweifel daran zu haben d .
» ) Und nicht Moroent , wie Verdier Vau - Priva« . in der französischen Bibliothek , 666 S . 5 ) Eilf Jahre zu Amiens , und neun« an andern Oettern . l ) es Caurres , Oeuvres Morales , Livr . VI . chap . XLIII . fol . m . Z55 . verfo . e ) La Croix du Maine , Biblioth . Fran$ . p . 214 . ( A ) Er hat ein rverk herausgegeben , davon ich biet unten reden will . ] Es ist betitelt : Oeuvres morales et diverfifiees en hiftoires pleines de beaux exeniples , enrichies d'enfeignernens ver - tueux , et einbellies de plulieurs fentences , et difcours . Le tout ti - re des plus lignalez et rernarquables Auteurs Grecs , Latins , et Fran - cois , qui ont eferit de tous ternps , pour l'enleignement de toutes perfonnes qui afpirent a vertu et Philofophie Chreftienne . Cr hat es zu Paris , be» Wilhelm Chaudiere . im >57 ; Jahre , in 8 drucken las - sen . Es ist ein Buch von 357 Blattern . Ich habe die Ausgabe von 1583 nicht gesehen , welche über die Hälfte vermehret ist . La Croix du Maine , Bibl . Fran^oife , p . 214 . Es ist dem Verfasser nicht schwer gewesen , ein solches Werk zu vermehren : er gieng nicht w den Quellen , er schrieb nur die neuern Sammler ab ; welche« Du Verdier Vau Privas sehr richtig beobachtet . Er hat seine Moralisten XPerfe von XDocte ju Xvorte ans fran5ösiscken Schriftstellern unö Ueberseyern sämmen getragen , namUcb aus ocr Anthologie Oes perer Sres - l«v , von Anjou . au» Ver Auslegung Oes Ioliann Loras , über Ven Arrest des Marlin Guerre . aus der Uebersetzung der Sü - clier von dem Betrüge des Teufels , durcb I«cob Grevin und aus verschiedenen andern . Du Verdier , Biblioth . Fran$ . p . 666 .
Man muß noch düzu setzen , daß dieß ein Sammler ist , der die Sa - chen verfälschet , oder der sie aus einer vergifteten Qvelle schöpfet . Ich will ein Deyfpiel davon geben . Er sager : e6 sey die Grausamkeit des Caligula von seiner Amme Kergekommen , und beweist es auf diese Art . „ Dio , ein griechischer Geschichtschreiber , erzahlet , daß dieser grausame
Mensch in seiner Zugend von einer italienischen Amme vom Lande , . . Namens Priscilla , gesäuget werden , welche , wider die Gewohnheit . . des weiblichen Geschlechtes , so viel Haare auf der Brust gehabt , als „ ein Mann Bart am Kinne ; und überdieß hat sie so gut mit derLan - „ ze rennen , einPserd geschickt reiten , und mit dem Bogen und bruste so gewiß schießen können , daß wenige iunge romilche Edelleute „ gewesen , die ihr darinnen gleich gekommen sind . Es hat sich eines „ Tages zugetragen , da sie dem Caligula die Brust geben wollen , daß ihr „ eine von ihren Kammcrftauen eine leichte Beleidigung erwiesen , die „ sie auf der Stelle getödtet , und mit ihrem Blute ihre Brüste der - „ maßen besprüht hat , daß Caligula solche« etlichemal und überflüßig „ mit eingesogen : worinnen sie der Gewohnheit der Frauen deö Landes „ nachgeahmet , welche gemeiniglich ihre Brüste mit Bocksblut bestreu
chen , damit , sagen sie , ihre Kinder von mehrern Kräften und Stärke " werden sollen . „ Des Cann es Oeuvres Morales , Liv . II . chap . XXV . fol 7 , Es ist nicht wahr , daß Dio diese Dinge erzählet . Ich muth - maßete , da ich sie in dem Buche des Caurres las , daß er sie dem An - ton von Guevara abgestohlen hätte . Gewißheit darinnen zu haben , zog ich die Uhr der Prinzen zu Nathe . und fand , daß meine Muchmaßung wahr gewesen . Dieser spanische Betrieger erzahlet in der Horloge des Princes , Livr . II . chap . XXI . p . m . 703 . diese erdichtete Historie von der Amme des Caligula . als wenn er sie im Dio , im ll B . von den Kaisern gelesen hätte . Es sind noch viel andere Dinge , die ihm Caur - res abgestohlen hat , ohne ihn zu nennen , und ohne sich der Freiheit zu begeben , sie ein wenig zu verkleiden .
( B ) Er hat geglaubet , daß ihn seine ftbonen Eigenschaften den Verfolgungen des Neides ausgeftyr Harrens Er hat seine mora -
tischen Werke dem - Herrn Anton von Crequi . zugeschrieben , und da - bey den allgemeinen Lehrsatz nicht vergessen , daß er dieserrvegen einen so erlauchten Namen vor seine werke gesetzt , damit er den An - fällen der Tadler und Splitterrichter die Spitze bielhen und Einhalt tbun konnte , welche die ervigen Feinde von der mensch - liehen Glückseligkeit sind . Siehe die Zuschrift vor seinen moralischen Werken , fol . a iiij verfo . Zvenn ich kann euch versickern , gnadiger - Herr , setzet er dazu , daß wenn wir glauben ? c . bis Ueberdieß ausge - schlössen : in dem gedruckten folio a iiij verfo der Zuschrift , der morali - sehen und vermischten Werke de« Johann von Caurres , Paris , Wil - heim Chaudiere , >575 , in 8 . Man muß diese Ausgabe haben ; denn in der von > ; 8z steht die Zuschrift nicht . Man ziehe hierbey die kung ( C ) , des Artikels Anresignan , zu Rathe .
( C ) Er belehret mick , daß eine Feit gewesen , da die Frauen einen Spiegel vor ihrem Bauche getragen . ^ Ich glaube , daß die - se Mode nicht lange gedauert hat ; unterdessen ist es nicht unnützlich , zu bemerken , daß sich dieselbe in der Welt gezeiget hat . Johann Caurres verdammet sie sehr heftig : ich will eine lange Stelle anführen , wo er noch etliche andere Moden tadelt : „ Bey dieser Gelegenheit , „ meine Frauen , haben wir euch zu fragen : ob es auch möglich ist , Gott » . zu gefallen und selig zu werden , wenn ihr dasjenige thut , was er euch „ untersaget und verbiethet ? Nein , wahrhaftig nicht ! ihr müßt , ihr „ möget wollen oder nicht , eure wunderlichen Kopfzeuger wegwerfen ; Idas „ heißt , enre Haare nicht mehr in Wülste legen . nicht mehr wie Fleder - „ mausflügel und Netze herausstafsiren , wodurch ihr , auf eine teuflische „ Art , die Mannepersonen fanget und bestricket , um eure unordentlichen „ Begierden zu sättigen : wo nicht , so seyd ihr verlohren und verdammet . „ Denn dieß ist ungezweiselt eine Sache , die euch im alten und neuen „ Testamente verbothen ist . Wenn e« der König verordnet hätte , so „ müßte es wohl geschehen ; allein wegen des Gebothes Gottes , das „ euchgegeben ist , thut ihr nichts anders . Also werdet ihr , wiegesaget ist , „ wegen dieser Eitelkeit , die ihr mißbrauchet , in euerm Ungehorsame und „ Hochmuthe sterben ; und gewiß , sie machet euch so häßlich und abscheu» „ ( ich anzusehen , daß , wenn ihr wüßtet , wie übel sie euch stünde , ihr sie „ lieber , wegen des Übeln Ansehens , das sie euch geben , ins Feuer „ werfen , als zeigen würdet . Wenn doch die Güte Gottes wollte , daß „ es jedermann erlaubet wäre , diejenigen , die sie tragen . Metzen und „ Hurenbälge zu nennen , um sie darinnen zu bessern ! O Gott ! ach „ leider , in was für eine unglückliche Regierung sind wir gefallen , ein „ solches Verderben auf dem Erdboden zu sehen ; da wir sehen , daß man „ so gar Spiegel , die vor dem Bauche hängen , mit in die Kirche trä - »>get ! Man lese alle göttliche , menschliche und weltlich« Geschichte , „ man wird nicht finden , daß sie die Unzüchtigen und Huren jemals öf« „ fentlich getragen , wie heutiges Tages : so sehr hat sich der Teufel in „ Frankreich von der Kette losgerissen ; welches vor Gott und Men - „ scheu noch verdamm ! , cher ist , als alle andere Abscheulichkeiten . Uni» „ obgleich nur öffentliche Huren und vermaSkirte Jungfern dergleichen „ gebrauchen , so wird doch mit der Zeit , weder eine Bürgerinn , noch „ Kammerfrau seyn , ( wie sie schon itzund thun , ) die sie nicht gleichfalls „ aus eingeführter Gewohnheit werden tragen wollen . Des Caurres Oeuvres Morales , Livr . VI . chap . XI . fol . 305 .
EauAll , ( Nicolaus ) ein französischer Jesuit , Beichtvater Ludwins des Gerechten , war zu Trois in Champagne " im ^abre 1580 gebohren . Er gieng im sechs und zwanzigsten Jahre semes Alters unter die Jesuiten , und hat sich viel Ehre durch das Lehramt der Rhetorik in verschiedenen von ihren Schulen erworben . Er legte sich endlich aufs Predigen , und wie der Ruhm , den er sich dadurch erwarb , durch die Bücher unterstützt und vermehret wurde , die er herausgab , so hat man ihn würdia aefuuden , ihn dem Könige , als Gewissenörath , zuzugeben . Er stund diesem Amte nicht nach dem Gefallen des ersten Staatsbedienren vor ( ä ) , und , nach der gemeinsten Meynung , ist die Ursache dazu gewesen , dc^ ^ ' " ' ~ ~ " "
ver^annte'ihnin eine Stadt nach Bretagne . 'Sftach dem Tode dieses Cardinals bekam er €riäuimj^ kommen , und er ist daselbst in dem Profeßhause , den andern des Heumonats , 1651 , gestorben ( O ) . Von allen seinen Werken
Ich habe kürzlich einen Brief gelesen d , darinnen man versichert , es habe ihn die königliche Frau Mutter aus Paris ge - jaget und nach Bretagne verwiesen , um dem Cardinale Mazarin , dem er zuwieder war , einen Gefallen damit zu erweisen ; die Ursache dieser Ungnade sey von dem Buche , de Regno er Domo Dei , hergekommen , welches er im Iahre 1650 herausgege . den , und worinnen er von denen Eigenschaften , die ein guter Prinz besitzen soll , sehr schöne Sachen gejager hatte .
a ) Sein Vater hat daselbst die Ar , Neykunst geübet . Eloge de Pere Cauffin , vor seinem Cour Sainte . Alegambe Bibl . Script . Soc . Icfu , p . 3Si . 0 Siehe die Anmerkung ( G ) . d ) Vom Guido Patin , er steht bey den Briefen anderer berühmten Leute , zu Amster - dam . Ex Mukco Iwnius Brant , 09m Jahre 1702 , "
in g . man sehe daselbst die a©o S -
( A ) man

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