Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5112

114
Cavalcante .
nicht vortrefflich« Bücher unter der Regierung Ludwigs de« Xlll , her - ausgegeben !
DerlV Grund muß dem Voßius inCamll . p . «> . sehr stark zu seyn ge - schienen haben . weil er denselben abzuwenden , au« ftiiier bloßen Freyqebigkeit und ohne das Zeugniß eines einzigen kleinen oder großen Schriftstellers vor - aus sehet : daß man die Secularspiele zu Anfange des VIII Jahrhunderts von Rom , und vor dem Tode de ? Catullus gefeyert habe . Ich für meine Person wollte lieber sagen , daß btesev Poet , welcher in Betrachtung ge - zogen , daß die letzten Secularspiele im 604 Jahre Rom« gefeyert wör , den , ( dieß ist nach dem Zosimus , denn Censori» setzet die Feyerung ins Jahr 627 . ) geglaubt , daß man im Jahre 704 , andere seyern würde ; und daß er sein Lärmen fecidare ad Dianam zum voraus ferrig gemacht und herausgegeben hat , obgleich diese Spiele »roch nicht gefeyert gewesen . Wie viel findet man nicht Gedichte , auf Feste oder Geprange , deren Feyerung , welche unfehlbar geschienen , nicht erfolgt ist ? Ich will nicht fragen , ob «« ganz gewiß ist , daß Catullus der Urheber des Titels diese« kleinen Ge - dichtes sey , oder ob die Lobeserhebungen , die er der Diana giebt , gar kei - ne Verwandtschaft mit den Secularspiele» haben können , wie man ge , meiniglich von der 21 Ode des IB . von demHoraz glaubet , daß sie nicht die geringste Mmit hat . Ich will dasjenige gerne glauben , was Dacier von dieser Ode saget , daß sie eine bloße Vorbereitung ? u dem Se , cularlobgesange , den man jtt Ende des V 2» . sieht , und eine bloße Ermahnung an die beiden Chore der jungen tNägdcben und jungen Rnaben iff . Dacxer Remarques Air Horace , Tom . I , p 664 . holländischer Ausgabe . Wenn Horaz eine Ode gemacht hat , dieeinebloße Vorbereitung ist ; hat denn Catullu« nicht gleichfalls Verse machen köu - nen , die nur zur Vorbereitung gedienet haben ? Im Vorbeygehen zu sagen , so sind die Verse des Cätüllns dem Lehrsätze Dariers ein wenig zu wider : £>ey den Sccnlarlobgesängcn , die man dem Apollo und der Diana ju itbven gesungen sind zrveene Chöre gewesen , einer von jungen Rnaben , und einer von jungen Magdcken ; diese ha , Ken rvkckselsrveise gesungen , der ersie zum Lobe des Apollo , und der andere zum Lobe der Diana . Catullu« laßt da« Lob der Diana st> wohl von Knaben als von Mägdchen singen .
Dianae fumus in fide
Puellae et pueri integri :
Dianam pueri integri
Puellaeque canamus . Catull . Epigr . XXXV .
Dem sey , wie ihm wolle , und man mag so viel Schwierigkeit in die - sem Caroline feculari des Catullu« finden , als man kann : so ist doch , nach meinem Bedünkcn , viel weniger Ungelcgenheit dabei ) , wenn man voraussetzet , was ich voraus setze ; a ! « wenn man enHveder mit dem Voßin« saget , daß eine Feyerung der Secularsp'ele zu Anfange des VIII Jahrhunderts von Rom geschehen , oder mit dem Scaliger , daß Catullus im 737 Jahre noch gelebt hat . Der Meynung des Voßius fehlet es nicht allein an Zeugen , sondern sie ist auch dem Zeugnisse de« Dio im I . IV B . zuwider . Dieser Geschichrschreiber saget , daß die im 737 Jahre geseyerten Secularspiele die fünften gewesen ; nun wissen wir , daß man die vierten lange Zeit vor dem Ende des VII Jahrhundert« von Rom gefeyert hat . Die Meynung Scaliger« ist mir tausend wirrungen unnviekelt : Wie kann man begreifen , daß Catullus über zo Jahre hätte sollen vorbeygehen lassen , ebne einige Verse zu machen , und daß eine Regierung , wie de« Augustu« seine , die so fruchtbar an großen Begebenheiten und den Poeten so vortheilhaft gewesen , seine poetische Ader nicht in« Wallen gebracht hatte ? Wie kann man begrci - fen , daß kein einziger von diesem Hofe von ihm , als von einem lebend« - gen Manne , geredet hat ? Warum sollte ihn Ovidiu« nicht unter die Zahl der Porten gesetzet haben , welchen er in seiner Jugend bekannt zu werden , sich bemühet ? Sollte endlich Cornelius NepcS von einem so verdorbenen Gcschmacke gewesen seyn , daß er den Virgil inid Horaz , und alle andere Dichter , von diesem Gewichte , unter den Catullus ge - sehet hatte ? Allein alles dieses müßte er , nach Scaligers Meynung , offenbar grthan haben . Hier sind die Worte des Cornelius Nepos : L . Iulium Calidimn , quem poft Lucretii Catullique mortem multo elegantifllmum Poetam , noftram tu Ii He aetatein , vere videor polle contendere . . . expediuit . C . Ncpot , in Vita Pomponii At - tici , cap . XII . Diese Vereinigung deS Lucretius und des Catullus ist schon eine etwa« seltsame Sache , wenn cS wahr ist , daß dieser letztere erstich im Jahre 737 gestorben ; denn es ist außer allem Zweifel , daß der erste gegen den Anfang des VIII Jahrknuiderrs von Rom , gestvr - ben . Diese« mag vorbey gehen . Wir wolle» un« mit dieser ändern
. Schwierigkeit begnügen . Wäre e« wohl möglich , daß Cornelius Ne - pos , welcher , nach den Gedanken Scaligers , annoch etliche Jahre nach den Secularspiele» des 737 Jahres gelebet , und folglich den Virgil und Horaz auf dem Gipfel ihre« Ruhm« gesehen hat , nicht geglaubet hätte , daß sie vermögend gewesen , dem Julius CalidiuS , den ersten Rang strei - rig zu machen ; diesen erste» Rang , sage ich , den er evstl . ch nach dem Tode des LucretiuS und de« Catullu« eingencmmen hatte ? Dieser Grund kann zum Beweise dienen , daß das Leben des Pcmponiu« Ani - cuseher gemacht worden , als Virgil und Horas , ihren großen Namener - langet harten . Wie viel Recht hat Voßius , zusage» , daß der lange Streit Scaligers von dem Alter des Catullus nichts ciKhalte , was die Unter« druckung nicht verdiente ? Haec fi attendiP'etScaliger , profeäo non inftituilFet longam iftam difputationem de aetate Catulli . in qua hil omnino eft , quod non melius fit , taeuifle . Sane ne ftmel quidem fcopum attigit . Ifaac Voflius in Catull . p . 73 . So wahr ist e« , daß auch zuweilen große Geister schlafen . Quandoque bonus dormitat Ho - inerus . Horat . de Arte Poet . v . 359 .
( K ) Es glauben geschickte Leute , daß Cicero den Tamllrrs gerichtlich verlhcidiget hat ; allein ich finve nicht , dafi sie £>0 weife davor» beibringen . ] Ba'zac hat sich für diese Mcynuug ertta - ret , die mir wenig gegründet zu fcyn scheint . Ich will dasjenige ab - schreiben , was er davon gesaget , und mit den lateinischen Versen den Ansang machen , wo er von dem Catullus geredet hat , ohne ihn zu neiiuen :
Peftem tarnen ille minorem Scaligeri , Tullique Cliens , et Caefare laefo Confpicuus faeclis , nigro deuouit Auerno ,
Nec tales Verona tulit fine vindice chartas .
Balzac , Entret . XVII . p . m . 201 .
E« hat sich ein Kunstrichter gefunden , der nicht verstanden , von ivem man in diesen Versen redet . Allein hier ist die Betrachtung Balzac« über die vorgegebene Dunkelheit , die ihm vorgeworfen worden : „ Die - „ jenigen , welche diesen alten Poeten , olme ihn zu nennen , ansübren , „ begnügen sich , unter demselben , den Poeten von Verona verstehen zu „ lasien . Nach dem Zeugnisse
„ Veronenfis ait Poeta quondam .
„ allein um denselben noch kenntlicher zu machen , und der Beschreibung „ mehr Licht zugeben , die ich von ihm mache , setze ich seiner Geburtsstade „ noch die zween merkwürdigsten und bekanntesten Umstände seines i ! e« „ bens bey . Ich habe auch noch die größte Ehre beygesüget , die seinem „ Gedachtnilie , nach seinem Tode , erwiesen worden . Und ich behaupte , „ daß ein Mensch , der kein Fremdling in dem Alrerthume , und dem der „ gegenwärtige Zustand unserer Republik der Gelehrten bekannt ist , wis - „ sen muß , daß Catullus deii Julius Cäsar durch ein schimpfliches Sinn - „ gedtchle beleidiget hat ; daß er bey seinem Leben von der Beredsamkeit „ des Cicero vertheidiget worden ; daß er nach seinem Tode , durch die „ Critik Scaligers , wieder hergestellet worden ; daß er dem einen die „ Gewinnung eine« Rechtshandel« , und dem andern die Erhaltung sei - „ ner Ehre zu verdanken hat ; das heißt , die Erhaltung seiner Schriften „ und ein zweytes Leben , welches besser und rühmlicher , als das erste , „ ist . , , Ebendas . Man sieht , wie Balzac , als eine gewisse und bekannte Sache voraussetzet , daß Cicero für den Catullus eine gerichtliche Rede gehalten . Er ist es nicht allein , der diese« bejahet : Achilles Statius sa - get es auch in Catullum zu Anfange . Peter Crinitus hatte es schon gesager , und sich eines Be»veises bedienet , der aus der Danksagung ge - nonimen ist , welche Catulliis im L Sinngedichte : Difertiffime Romiili Nepotmn , etc . gegen den Cicero abgeleget . Hier sind seine Worte : Ingenii facilitate et doärina adeo Romae aeeeptus , atque ciuibu» gratusfuit Catullus , vt Marci Tullii patrocinium meruerit : quod ipfum eleganti epigrannnate ingenue teftatus eft , quogratias Cice . roni patrono egit . Petrus Crinit . de Poetis , Libr . II . cap . XXVII . p . m . 671 . Allein es ist höchst falsch , daß Catullus in diesem Sinnge - dichte dem Cicero , wegen seiner gerichtlichen Vertheidigung . danket . Er danket ihm überhaupt , und ohne Bemerkung einer besonder« Wohlrhat . Muretus bekennet , daß man die Ursache dieser Danksagung nicht erra - then könne . _ Agit gratias M . Tullio , quod ob beneficium ab eo ac - ceptiim diuinare non pofl'umus . Nain qui ad fundum Tiburtem hoc loco confugiunt , nihil aliud quam infeitiam patcfaciunt fuani . Muretus in Catull . Epigr . L .
EüvÄtANte , ( Guido ) , ein florentinischer Edelmann ( A ) , im XlllJahrhunderte . Ich will demjenigen , was Moreri von ihm gesager hat , nichts mehr beyfügen , als daß er ein sehr nachdenkender Mann gewesen , und daß seine tiefsinnigen trauungen , wie man saget , zum Zivecke gehabt , abzufinden , daß kein Gott sey ( B ) .
Ich bin erinnert worden a , daß die Stelle Balzacs , z die ich angeführet habe h , sich in dem Decameron des Boccaz findet , und daß es vielen Leuten gefallen würde , wenn ich dieselbe etwas langer anführte . Deswegen wird man sie hier unten etwas weitlauftiger finden ( C ) . Man hat mir auch gerathen , demjenigen^ was sich im Moreri befindet , noch einige andere Sachen beizufügen . Ich will also sagen , daß unser Guido , der Sohn des Cavalcante von Cavalcanti , da er sich Hey der Parrey der Guelfen besundeii , die Abwechslungen des Glücks erfahren hat : er ist verbannt und wieder zurück aerufen worden ; cr hat viel Srandhasiigkeit in seinem Unglücke gezeiaet , und niemals die Ausbesserung des Verstandes aus den Augen geseht . Er ist nicht nur ein geschickter Philosoph , sondern auch ein sehr guter Poet gewesen . Er hat ein italienisches Werk , von den Regeln , wohl zu schreiben , verfertiget , und wir haben noch einige von seinen Versen , welche sehr hoch geachtet werden . Sein Gesang , von der irrdischen Liebe , ist von verschiedenen Personen mit Auslegungen versehen worden ( D ) . Er ist mit der Tochter des Fari - nara degli Uberti verheiratbet gewesen c CE ) . Der berufene Poet , Dantes , rühmet sich , Theil an seiner Freundschaft gehabt zu haben d : allein er rnachet ihn zum Sohne eines Mannes , den er in der Holle , in dem Quartier der Nachfolger Epikurs , welche die Unsterblichkeit der Seelen geleugnet einen Platz angewiesen Hat ; und also ist unser Guido nickt aus der Art ge - schlagen . Ich meyne mich nicht zu betriegei^ wenn ich glaube , das ; Andreas Cavalcante f , ein aufgeweckter Kopf , der im XVII Jahrhunderte geblübet hat , aus dieser Mmilie gewesen . ThuanuS versichert solches , in Ansehung des Bartholoniarto Cavalcante , eines , durch seine Schriften und Unterhandlungen berühmten Mannes , der im 1503 Ichre zu Florenz geboh - ren gewesen , und den 9 des Christmonats , 1562 , zu Padua gestorben ist Man sehe seinen Artikel in dem Moreri ; allein man gebe dem Thuanus keinen Glauben , wenn er sager h : daß Guido ' mit dem Petrarcha zu gleicher Zeit gele - bet habe , und daß wir noch Verse hatten , die Pcttarcha auf ihn gemacht . Guido ist eher gestorben , als der andere ge - bohren gewesen ist .
»1 Von dem Herrn Veyßiere la Croze . ö ) In der Anmerkung ( B ) . c ) Aus de« Giovanni Mario de Crefcimbeni , Iftoria della volgar Poefia , p . 8S - 4 ) Dante Ii gloriava d'aver goduta Tamicizia di lui , e nella Vita Nuova fuo primiero amico lo chiama ,
Ebmdas .

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.