Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-3943

Vorrede des zweyten Bandes .
ler begangen worden , entdecken und anzeigen würde , ein paar Ducaten zur Ergetzlichkeit , zu zah - lein Mein niemand hat sich noch zur Zeit die Mühe nehmen wollen , dieses Geld zu verdienen . Ia ich bin fest versichert , daß ich ohne alle Furcht ein ganzes Dutzend Ducaten ausbiethen kann , und daß dieser lacherliche Fehler doch nicht entdecket werden wird . Ich weis nämlich den ganzen Ursprung dieser so luftigen Sage , und kann nicht umhin , denselben hier bekannt zu machen ; damit sich niemand die unnütze Mühe gebe , einen Schnitzer zu suchen , der nirgends zu finden seyn kann , als in dem Gehirne derer , die ihn erdichtet haben .
Ehe noch der erste Band fertig war , befand ich mich einen Abend in der Gesellschaft eini - ger unsrer vornehmsten academischen Lehrer , wo unter andern auch von der Arbeit , die ich bey der Ausfertigung des bäylischen Wörterbuches übernommen , geredet wurde . Als ich nun von der Ausbesserung der deutschen Uebersetzung erwähnte , und wie nöthig dieselbe , aus vielen Ursachen , wäre , ehe sie gedruckt würde : so gab ich unter andern auch dieses Erempel , daß auch ein Mann , der NB . den Lipsius gar wohl kennete , dennoch bey übereilter Arbeit , bey zerstreu» ten Gedanken , und vielleicht bey spater Nacht , da er halb schläfrig geworden , wohl einmal Jufte Lipfe , durch ein gerechter Leipziger , geben könnte ; wie mir denn einmal dergleichen Versehen vorgekommen wäre . Dieses Beyspiel nun kam billig der gelehrten Gesellschaft sehr lustig vor ; ward aber von lnir gar nicht so angeführt , als ob in unserm gedruckten Bäyle wirklich dieser Fehler begangen worden ; sondern nur als ein Beweis gebraucht , wie nöthig es wäre , daß eine Uebersetzung so weitläufiger Werke , dabey es wohl heißen mag :
Verum opere in longo fas eft obrcpere fomnum ;
mehrern Augen zum Nachsehen unterworfen würde . Wie nun aber eine Erzählung , die ohne Zweifel von dieser ansehnlichen Versammlung gelehrter Männer wohl verstanden worden , sich in die obige abgeschmackte Beschuldigung unsers gedruckten ersten Bandes habe verwandeln kön - nen , das will ich dem Nachdenken billiger Leser anheiin stellen . Ich füge nur noch so viel hin» zu , daß es der Herr Verleger gegen alle , welche sich die Mühe nehmen wollen , die ihnen irgend aufstoßenden Fehler aufzuzeichnen , mld ihm schriftlich mitzutheilen , mit allem Danke erkennen wer - de . Ia er behalt sichs vor , am Ende des ganzen Werkes ein Verzeichnis aller solcher gen anzuhängen , und das Werk also in so vollkommenem Zustande , als es möglich ist , zu liefern .
Nun muß ich noch mit denen ein Wort sprechen , die von der deutschen Schreibart in die - ser Uebersetzung nicht das rühmlichste Urtheil fällen . Wenn dieses Urtheil von Leuten her - kömmt , die selber wissen , was übersetzen heißt , und zuweilen einen Versuch darinn gemachet haben : so kann ich weiter nichts thun , als daß ich sage : I . daß diese Uebersetzung nicht mei - ne , sondern eine fremde Arbeit ist ; und daß ich also weder den ganzen Ruhm , noch den ganzen Tadel derselben zu tragen , schuldig bin . II . Daß der Herr Uebersetzer ein gebohrner Meißner ist , wo man sich doch ohnedieß rühmet , daß die beste Mundart zu Hause sey . in . Daß er schon viel Bücher übersetzt habe , die auch ohne alle fremde Aufsicht gedruckt worden , und gut abgegan - gen sind . iv . Daß es meine Pfticht nicht sey , die ganze Art zu denken und zu schreiben , in demje - nigen zu ändern , was ein andrer übersetzet hat ; sondern nur zu verhüten , daß nichts offenbar Fal - sches , oder Fehlerhaftes , oder Undeutsches mit einschleiche . Denn wäre dieses nicht , so wollte ich lieber selbst eine ganz neue Uebersetzung machen , als eine von fremder Arbeit ausbessern . Ich erfahre es ohnedieß mehr als zur Gnüge , daß ich bey der übernommenen Arbeit eine wun - derliche Person spiele . Die Ehre nämlich , die durch viele wohlgerathene Stellen , und glückliche Ausdrückungen dem Buche zuwachsen kann , wird niemals mich treffen ; indem ein jeder sagen wird : ich hätte ja das Buch nicht selbst übersetzt . Der Tadel aber , den manche Stelle mit Recht oder Unrecht erhalten wird , den wird man getrost mir allein aufbürden ; weil ich ja die Aufsicht über das Werk gehabt . Weil ich also einmal in den Umständen bin , auch fremde Schulden zu tragen , so verweise ich meine billigen und verständigen Leser in des Huerii ideam boni Interpre - tis ; die andern aber auf unsers großen Luthers Sendschreiben vom Dolmetschen , welches uns noch neulich ein gelehrter Schulmann in Naumburg einzeln herausgegeben hat . Hier wird man vieles finden , was zumal gegen unverständige Tadler , die ihr lebenlang keine einzige Spra - che aus dem Grunde verstanden , und wohl keine halbe Seite verdolmetschet haben , oder recht über - setzen könnten , zur Belehrung gesagt werden kann . Ich kann indessen nicht umhin , hier ein paar Zeilen aus dem Vossius , de Hiftor . graecisp . 368 . herzusetzen , die sich sehr wohl hieher schicken . Sed hic , schreibt er , Eruditorum morbus eft epidemicur , vt non tarn cogitent , quantum boni aliquis prae• ftiteriti quäle eft hic , quod prirnus eurn feriptorem - - fua lingua ediderit , . - verterit , etiam illuftraric notisi in quibus humani aliquid fubinde in tarn arduo negotio perpeflum fuif -
* 3 le .

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