Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5106

Catullus .
Al> uberlasse denjenigen zu beuttheilen welche soviel ? Satirm wider den Schmaruher Montwaur gemacht haben , ob efuritor und vorar , zwey so entgegen gesetzte Wörter sind , als Voßius vorgegeben hat : al - lenfalls könnte man ihn docl ) nicht entschuldigen , daß er den Furius des Catullus für eine Person genommen , die sich gar zu sehr teftessen .
( 1°' ) rvir haben nicht alle feine XTecte . J Crinitus beobachtet , daß TerentianuS Ä ? . iurus von einem Gedichte des Catullus IthyphaUicum re£»e , und daß ihm PliniuS ( im XXVIII B . Il Cap . Criniruö und Geöner nach ihm führen das XXXVIII B an . ) «in Gedichte von den Bezauberungen zueigne , die man brauchet , andere in sich verliebt zu chen : eine Materie , die vor ihm von dem Thcokritus abgehandelt wor - den , und welche Virgil , nach des Catullus Zeiten , abgehandelt hat . Was die ithyphallischen Verse , oder die unreine Gottheit , den Priapus , be - trifft , davon hätte Crinitus nicht sagen sollen , daß sie verlohren gegan , gen waren .
( G ) Die wir noch haben / find vielfältig gedruckt und mit Ali» - lcgtmgcn veefeben iwcdcn . ] Die vornehmsten Ausgaben sind vom Scaliger und Passer« . Der erste von diesen zweenen Kunstlichtern , hat viele Stellen , mit einer ungemeinen Scharfsinnigkeit und Gelehr - samkeit verbessert . Die allerälteste Ausgabe , wenn ich mich nicht be - triege , ist die venetianische von 1488 , mit den Auslegungen des Anton Parthenius . Weder die Auslegungen des MureruS , noch des Achilles Statins , noch die Lesarten des Titius sind zn verachten . Grävius , chem die Welt so viele schöne AuSgabeii zu verdanken hat , hat eine von dem Catullus zu Uttecht im Jahre 1680 besorgt , in welche er alle No - ten einer großen Anzahl Ausleger ganz eingeruckt bat . Die Ausgabe des Jsaac Voßius , welche 1684 , zu Leiden gedruckt worden , ( man hat nur auf den Titel gesetzt , proftant apttd Ifaacum Littlebiirii Bibliopo - lain Londinenfem ) ist mit einer sehr gelehrten 'Auslegung begleitet . Siehe deswegen und von der Ausgabe in vfum Delphini fcieNouvelles de la Repubi . des Lettrcs von 1684 . Ein Florentiner , Namens Tusca - nella , hat ein sehr weitläuftiges Register über den Catullus gemacht , welches vom Johann Gebhard , seiner Ausgabe Variorum von Frankfurt »621 , eingeschaltet worden .
( H ) Der l ? eil . Hieronymus hat seinen Tod übel ins letzte Jahr der 1H0 Ivmpt'«3 gefegt . ] Es wird in den Versen , die 'Catullus wlder den Ca'ar gemacht , von dem britannischen Krieqszuge geredet . Nun ist dieser KriegSzug das erstemal im Jahre Roms 698 hen . ES ist also üngezweifel , daß Catullus nicht im Jahre 696 ge - sterben ist .
I ) Er hat nicht so lange gelebt , als Scaliger vorgegebenhat . ^ Wir wollen seine vier Gründe ein wenig untersuchen . Er saget Animadi , . in Eiifeb . mim . i960 . 1 ) daß Catullus noch am Leben sen , da Virgil seine Aeneis verfertiget , und dieses zu beweisen , führet er den Martial Epigr . XIV . Libr . IV . an :
Sic forfan tener aufus eft Catullus
Magno mittere paflerein Maroni .
Allein Virgil hat dieses Werk erstlich lange nach Julius Casars Tode ge - macht . - ) Daß die Satire des Catullus der vier Siegesgepränge Ju - lius Casars gedenket ; es ist also nicht viel Zeit zwischen der Aussöhnung dieses Poeten mlt dem Kaiser , und dem Tode dieses letztem verflossen , weil Cäsar ein Jahr nach diesen Triumphen ermordet worden . Zum ; ) daß es schiene , als wenn Cornelius Nepos unter dem August geschrieben hätte ; allein Catullus gedenket der Chroniken des Cornelius NepoS . 4 ) Endlich , daß Catullus in seinem ein und siebenzig jährigen Alter die Secularspiele im 737 Jahre Roms feuern gesehen ; dieses beweist sein Carmen faeculare klarlich ; denn warum sollte er dieses Gedickte gemacht haben , wenn er nicht in der Zeit gelebet hätte , da man diese Spiele gefeuert hat ?
Wider den I , von diesen Gründen pflegt man gemeiniglich zu sagen , daß sich Martial einer poetischen Freiheit oder Erdichtung bedienet , ( Voflhis de Poet . Lat . pag . . « . ) und daß er sehr wohl gewußt , daß er hier eine große Lügen sagte ; ( Raniirez de Prado in Marrialem Epigr . XIV . Libr . IV . ) daß er aber versichert gewesen , es würde seine Lügen dem Silin« Jtalicus , einem großen Dewunderer Virgils , mit welchem Nim ihn verglich , höchst angenehm seyn . Man setzet dazu , daß das Wort fortan die Verwegenheit seiner Erdichtung schwäche . Nifi forte confiigias ad hane vocein farfan , quae vox dubitantis eft , non afle - rentis . Briet , de Poet . Lat . p . is . imgleichen Voffius de Poet . Lat . p . >8 . Diese Antworten sind nicht sehr gründlich ; dem , von der letzten den An - fana zu machen , so verhindert das Wort forfan nicht , daß Mattial nicht deutlich vorausgesetzer hätte : es fco Catullus noch am Leben gewesen , da Virgil an seinerAeneis gearbeitet hat . Daraus , daß sie zu gleicher Zeit am Leben gewesen sind , kann man nicht schließen , daß einer dem andern sein ? Poesien mitgetheilet hat : dieß ist der Grund des forfan 5 allein wenn sie selche vielleicht einer dem andern mitgetheilet hätten , so folgte nothwendig , daß sie zu gleicher Zeit gelebt haben müßten . Also ist . ungeachtet dieses vielleicht , die Sache , davon hier die Rede ist , vom Marrial mit allem möglichen Vertrauen aewiß gesetzt und entschieden worden . Nun ist gar keine Wahrscheinlichkeit , ' daß er hieriimen hätte eine Unwahrheit vorgeben wollen : es konnte ihm nicht unbekannt seyn , daß die Zeitrech - nuiigsfehier , die man den Poeten übersieht , nicht von dieser Natur sind . Wie sehr würde man heutiges Tages nicht auf den Boileau losgehen , wenn er irgendö wo gesaqcr hätte , daß Maror vielleicht sein Manuseript den Cardinal du Perron hätte sehen lassen ? Man muß also - dem Scaliger antworten , daß Martial eine falsche Sache vorausgesetzt bat , und daß es nicht zu verwundern ist , wenn er sich hierinnen betrogen hat , weil er , Joseph S - caliqer und Menage falsche Meynungen wegen der n - it »vräusaeseltt , da Daurar und Ronsard im Leben gewesen . Siehe die Anmerkungen ( E ) und ( R ) bey dem Artikel Daurar . Im Vorbey -
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D«N Grund ist nicht stark ; denn es ist sehr ungewiß , daß Ca , Worte Siegesgepränge Casars gedacht hat : dieß süid seine
Paterna prima lancinata funt bona
Secunda praeda Pontica , inde tertia
Ibers , quam feit amnis aiirifer Tagiis ,
Hunc Galliac timent , timent Britanniae .
Catull . Epigram . XXX
Ich wundere mich , warum Jsaac Voßm« des lebten von diesen vier Versen nicht im geringste» gedenket , welcher seine Mithmaßunqen fo machtig bestätiget . Er will , in CatuiL pag . 72 . daß Praeda Pontica nicht den Raub des Königes PharnaceS bedeute , der vom Cäsar nach de« PompejuS Tode überwunden worden ; sondern das Geld , das Cäsar vennittelst der mit dem Könige Nikomedes gehabten Verträge , aus B>' thynien gezogen . Siehe Sueton . inCaefare cap . II . Das praeda Ibera erkläret derselbe Voßius , von der Beute , die Cäsar in dem Kriege von Portugal ! 69z gemacht hat , und er lachet diejenigen aus , welche dadurch den Sieg bey Munda verstehen : denn Munda , saget er , ist überzwey hundert Meilen vom Tagus . Alles diese« wird durch folgende Worte unvergleichlich bekräftiget , Hunc Galliae timent , timent Britanniae . H>er ist die vierte Beute : die von diesem Kriegshelden ausgesogenen Gallier und Britannier fürchteten denselben . Also mar die Beute au« Spanien vor der gallischen hergegangen : also geht er nicht auf einen Triumph , der einige Jahre jünger ist , als die Eroberung Galliens , als wie der Sieg bey Munda ist . Warum fetzet Voßius nicht dazu , daß wenn Catullus von dem Raube des Königes Pharnaees geredet hätte ! so würde er den ägyptischen und asrieanischen nicht vergessen haben ; denn es ist gewiß , daß Cäsar drey Siegesgepränge . eines weqes Aegypten , ei , nes wegen des Königreichs Pontus , und eines wegen Aftica , drey Tage hinter einander nach der Niederlage de« Cato gehalten hat ? Plntarch . in Laefar . pag . 7ZZ . Dio im XLIII B . aufs Jähr 708 saget , daß Cäsar vier Tage hintereinander«»» - » siegprangenden Einzug gehalten , , ) wegen Gallien , 2 ) wegen Aegyptens , z ) wegen Pontus , 4 ) wegen Aftica . Das folgende Jahr hat der Sohn des Pompejus , wegen de« Sieges bey Munda triumphiert . Woher wäre es gekommen , daß Catullus sein Verzeichnist mit der Plünderung Galliens geendiget hätte , wenn er von den Siegesgepränge» geredet , die auf das Ende der bürgerliche» Kriege gefolget sind ; oder wie hätte er die Siege in Aegypten und Aftica ver - gelsen können . , venner der eroberten Siegeszeichen von Pontus und von Munda gedenken wollen ? Alles dieses überzeuget mich , daß er seil« Satire kurz nach dem Einfalle in Britannien gemacht hat ; denn außer daß Jsaac Voßius in Catull . pag . 73 . sehr wohl zeiget , daß die Worte Soeer Generqne perdidiftis oinnii , nicht VON dem Casar und Pompeju« , sondern vom Cäsar und Mamnrra verstanden werden müssen : so kann man sagen , daß die Streitigkeiten Cäsars und des Pompeju« , vor Er - Öffnung des Krieges , die Sachen auf einen solchen Punct gesetzt , woraus ein jeder erkennen können , daß der Untergang der Republik vor der Thüre gewesen . Fortunatas illius ( Hortcnfiij exitus , qui ea non vi , •dit cum fierent , q»ae proiiidit fntiira , taepe enim inter nos imperu dentes cafus defleuimus , cum belli ciuilis caufas in prinatonim cn - ' piditatibus inclufas , pacis fpem a pnblico confilio efle exelufam vi - deremns . Cicero in Bruto zu Ende . Nächst diesem ist gar keine Wahr - scheinlichkeit , daß sich Catullus unterstanden haben sollte , so schimpfliche Verse wider den Cäsar zu machen , da die Partey de« Pompejus . durch die Schlacht bey Munda , völlig zu Grunde gericlstet gewesen . Die Ge> walk Cäsars war damals entsefjlich . Ich wollte herzlich gerne glauben , daß diese Satire vor dem Uebergange Rubicons gemacht worden iväre ; und daß sich Suetvn also nicht betröge , wenn er saget , es habe Cäsar sei , nen Bund der Gastfteyheit mit dem Vater des Catullus , seit der Aussöhnung mit seinem Sohne , fortgesetzt . Der Titel Imperator vnice , den man dein Cäsar giebt , scheint eniige Schwierigkeit zu machen , ich weis nicht , wegen was für einer Anspielimg auf einen Rakhsschluß , der ihm diesen Titel beyleget ; ( Scaliger verweist uns wegen diese« Rathsschlusses auf Num . 197 , , welche da« vierte Jahr der >8z Ol»mpia« oder das 709 Jahr Roms ist ; allein weder er , noch der h . Hieronymus sagen unter dieser Numer etwas hiervon . Siehe des Dio XLIII Buch . ) Weil aber Scaliger auf diesem Beweise nicht besteht , so muß mau ihn für schwach halten . Er gesteht , daß vnicu , für «ximius genommen werden könne : ich glaube , daß man diesem Worte noch einen andern Verstand geben könne .
Eone nomine Imperator mice
Fuifti in vltima Occidentis infula ,
Vt ifta voftra diifiituta mentula
Dncenties comeflet a»t trecenties . CatiiU . Epigr . XXX
§»ammluna feiner Werke bedeutet , wie da« anna virumque bei'M Ovi , ganze Aeneis , »nd ^eneadum gemtrix i» dem S Kedich e de« Lucretiu« bedeutet . Scaliger , ^nirnadu . Ovidius^Mi g«nv WWJK» f pon ^ beklaget sich , daß ihm ein
K ^yl : c>aliur Anmerkuna abqestoblen habe . quae a nobis
»««0 * « i " V . U . p -
und daß Parthcnlus diese
- er r k in fi« Ausaabe von 1658' beklaget sich , daß ihm ein
Mi EufebLpag . _i5^ abaeiroblen babe . ouae a nob . Z
seeepta ftellio in fuai Varia5 tranibült .
saget hierüber , daß man den Carrion « ' ,
Anmerkung lange vordem Scaliger gemacht have .
II Sans .
Das heißt : Seyv ihr deswegen der einzige Feldherr , der in tannien gewesen^ isk es nicht darum , damit u . f tv . Ich werde in der Anmerkung ( B ) des Artikels Mamurra diejenigen widerlege» , welche sage» , daß Cäsar , bey seiner lebten Zurückkauft au« Spanien , beum Cicero die Zeitung von den Versen des Catullli« erfahren Habe .
Der IIIGnmd tauget ganz und gar nicht« : denn unter dem Vorwan - de , daß Cornelius NepoS nach dem heil . HieronynniS im 7 , 4 Jahre Roms gcblübet hat , darf man mit dem Scaliger niew folgern , bar , er damals an der Chrvnike gearbeitet babe . deren Catullus gedenket . Sca . ligers Grundsah , daß von einem & d>ciftltdkv , cr habe gcblüb« , oder sev berühmt gewesen , alsdann Fraget werde , wenn cr ein rCei f beraiwgcgeben , kann durch die von ihm angeführten Zeugen , den Diodor , Eusebius und Dioaene« t . aerti»s nicht bewiesen werden ; in Betrachtung der großen Veränderung der Alter , darinnen die S6 , rift< stelle , diejenige Schrift herausgeben , die ihnen die meiste Ehre uiacl'ct . Einige machen ihr erstes Buch bey guter Zeit bekannt , und machen nach diesem viel bessere , welche die wahrhaftige Denkzeit ihre« Ruhms sind : a»dere hingegen werfen sich nicht eher zu Bücherschreibern auf . aiSivenn sie ziemlich weit in die Jahre hinein sind . Wer will uns sagen , wie es Cornelius Moos hierinnen gehalten hat ? Er hat verschiedene Briefe verftrtiget ; ich gebe zu , daß er viele davon unter dem August«« heran« - gegeben hat : müßte man denn deswegen glaiiben , daß seine Chronik ? nicht unter dem Julius Cäsar und noch vor dem Uebergange über dm Rubicon ans Licht getreten wäre ? Hat Heinrich ValesiuS nicht uuttr der Regierung Ludwigs des XI v geblühet ? Wer sollte sich erkühnen , Hiese Redensart der Unrichtigkeit zu beschuldigen ? Hat er unterdessen
P nicht

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