Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5095

ll2 Catullus .
leicht erkennen , daß er arm gewesen * . Diejenigen , welche den Furius und Aureliuö zu seinen vertrauten Freunden machen , fetzen ein sehr lumplchtes Kleeblat zusammen ( E ) ; denn diese zwo Personen sind vor Hunger gestorben . Wir haben nicht alle seine Werke ( ? ) ; die wir noch haben , sind vielfaltig gedruckt und mit Auslegungen versehen worden ( G ) . Das Gedichte von der Nachtwache der Venus wird ihm falschlich zugeeignetSein Tod ist vom heil . Hieronymus nicht wohl ins letzte Jahr , der 180 OlympiaS gesetzet worden ( H ) , das ist , nach dem Calvisius , in das 696 ^ahr Roms . Auf diese Art hätte er nur dreyßig Jahre gelebt : allein er hat länger gelebt , aber nicht so lange als Joseph Scaliger vorgegeben hat ( 1 ) , welcher ihm über 71 Lebensjahre giebt ; dieß heißt in eine andere Ausschweifung verfallen , und wir werden durch viele Gründe zeigen , daß dieser'große Kunstrichter nichts taugliches gemacht hat , wenn er eine , von allen andern , so weit abgehende Meynung behauptet .
Es glauben geschickte Leute , daß Cicero den Catullus gerichtlich vertheidiget hat ; allein ich finde nicht , daß sie Beweise davon beybringen ( K ) .
» ) ( Damms nach dem Pliniu« in de« XXXVII B . VI Cap . t ) Das zweyte Jahr der 17z Olympia« , in welche« der heil . nymus seine Geburt setzet , ist nach dem Calvisius das 666 Jahr Roms . e ) Siehe Nouvellcs de la Republ . des Lettres . Brachmonat 1684 . Art . IV . p . 367 . d~ ) 15 . Voflius in Catulliim p . >8y - * ) Apulei . Apolog . / ) Epigr . XXX . LVIII . g ) Sueton in Caefare cap . LXXIU . h~ ) Epigr . LXVII , LXIX , CII . « ) Siehe die Klagen , die er in dem 28 Sinngedichte über ihn führet , welche« mit dem - 9 , nur eines machet , k ) Epigr . XIII , XXVI . i ) Siehe Lipf . Elcä . Libr . I . cap . V .
wahr , daß er sie in dem eilften seiner Sinngedichte vorstellet , als wenn sie bereit wären , mit ihm bis an« Ende der Welt , und in die Länder der Wilden zu gehen ; allein an andern Orten saget er so viele unhöfliche Dinge auf ihre Rechnung , daß man sich keine lange Dauer ihrer Freund - schaft vorstellen kam - . . Er stellet sie wie reißende Wölfe vor , welche au« Mangel der Lebensmittel sich niemals des Hungers erwehren könnten .
Aureli , pater efuritionum ,
Non harum modo , fed quod ant fuerunt Aut 5unt , aut aliis erunt in annis . Catull . Epigr . XXL
Er hatte kein ander Gemälde von einem Bettler machen können , al« er von ihnen gemacht hat . Ebendas . Epigr . XXIII . An der andern Seite stellet er sie auch so verhungert auf die Sodomiterey , als auf das Brodt , vor .
Verum a te metuo tuoque pene ,
Infefto pueris bonis malisque , Catull . Epigr . XV . und drohet ihnen mit einer entsetzlichen Begegnung ,
Paedicabe ego voi , et inrumabo Aureli pathice et cinaede Furi .
Epigr . XVI . siehe auch das XXI . wenn sie ihn lästern oder den Gegenstand seiner Flamme misbrauchen wurden . Dieß übertrifft den Scherz : mar , machet dergleichen Verse nicht auf die besten Freunde , die man hat , und wenn es wahr ist , daß diese Leute , mit Wohnung , Kleidung und Kost übel versehen gewesen , so wäre er dieserwegen selbst am unhöflichsten , daß er ihrer gespottet hätte . Es ist also wahrscheinlich , daß Catullus seine Freundschaft gegen diese zwo Personen in eine wütende Feindschaft , und zwar wegen eines schändlichen Liebechandcls verwandelt hat . Cum ho - rum vtroque graues poftea inimicitias geffit , eosque acerbiflimis ver - fibus infedtatus eft , tum quod ipfum mollem notaflent , tum quod puerum ipfi carum Aurel ins quidem tentaflet , Furius vero ctiain con - ftupraflet . Muretus in Epigr . XI . Catull . Allein wir wollen die Ein» bildung der Poeren wegen ihrer Geburten bewundern ; sie wollen der Welt lieber die Lcbsprüche bekannt machen , die sie Leuten gegeben , wel - che sie nach diesem gelästert haben , als die Verse unterdrücken , Wommen diese Lobsprüche enthalten find . Wir haben dergleichen Exempel in den Gedichten , und auch in den Briefen einiger Neuern . Wenn man mit ei - nem , nach der ersten Ausgabe eines Buches , in Zwistigkeiten geräth , so pflegt man in der andern die Lobsprüche wegzulassen , die man ihm gege - den hatte ; und also müssen die Poeten und Briefsteller , die es nicht also machen , oder wie Catullus in die ersten Ausgaben das Gute und Böse hinein setzen , was sie von einerleyPersonen gesaget haben , eö darum thun , weil sie die Einkleidung ihrer Gedanken bewundern . Sie ziehen die Ehre , die sie dadurch zu erhalten hoffen , der Schande vor , daß sie warm und kalt aus einem Munde blasen . Wenn ich gesaget habe wie Seu pingui tentui omafo Furius hybernas cana niue confpuet Alpes .
Nach einigen Auslegern ( Siehe den Dacier über den Horaz , Tom IV pag . 411 . holländiWrr Ausgabe , ) bedeutet tcntus pingui omafo daß Furius von den Calvanncn aufgeschwemmt gewesen , die er qe - gessen : als wenn «ora * hatte sagen wollen , daß Furius sieb mit mchtsalsdieser Rosi genabretbartc . Allein andere wollen , daß d«ese Worte bedeuten , Fnrms harre einen großen XDanft , einen großen B Atqui corpora ficciora oornu ,
Aut fi quid magis aridum eft , habetis ?
Sole , et frigore , et efuritione ,
Qiiare non tibi fit bene ac beate ?
A te fudor abeft , abeft faliua Mucusque , et mala pituita nafi .
Hanc ad munditiem adde mundiorem ,
Quod culus tibi purior falillo eft ,
Nec toto decies cacas in anno : _
Atque id durius eft faba et lapillis ,
Quod tu fi manibus teras , friccsque Non vnquam digitum mquinare poiles .
CatuU . Epigr . XXIU .
Äch
( A ) f£r war ju Verona gebohren . ] Der heil . Hieronymus glaubet dasjenige nicht , was ihm Moreri beyleget , daß unser Poet auf der Halb - insel Sirmio gebohren sey ; ( er redet weder von weiten , noch in der Nähe davon ; er nennet ausdrücklich Verona ) noch weniger hat er seine Geburt in die 163 OlympiaS gesetzt . Moreri ist durch diese Worte des Giraldi de Poetic . Dialog . X . betrogen worden . Natus quidem in peninfula Sinnione lacus ßenaci in agro Veronenfi , vt ipfemet ad ipläm Sirmionem cecinit , Olympiade circiter CLXX , vt Hieronymus ex Chronicis Eufebii obferuat . Er hätte hier leicht zwo Anführungen unterscheiden und sehen können , daß der heil . Hieronymus nicht wegen de« Orts der Geburt angesühret wird .
( B ) Er redet von seiner Lesbia als von einem Frauenzimmer , das ihn gefrager , roie viel Russe nothig waren , ihn zu gen . ] Dieß geschieht in dem 7 Sinngedichte :
Quaeriz , quot rnibi bafiationes Tuae , Lesbia , fint fatis fuperque ?
Er antwortet ihr , daß er derselben so viele haben müsse , al« Sandkörner in der Wüste Lybienö , und Sterne am Himmel sind . Die üble Leben«« «rc dieser Liebsten betreffend , von derselben redet er also :
Coeli , Lesbia noftra , Lesbia illa ,
lila Lesbia , quam Catullus vnam
Plus quam fe , atque fuos amauit omnei ,
Nunc in quadriuiis et angiportii
Glubit magnanimos Remi nepotes . Catull . Epigr . LIX .
Man will , es sey diese liederliche Frau de« ehrlosen Clodiu« Schwester gewesen , eine« großen Feindes de« Cicero . Siehe in dem Artikel Me , ttüU3 ( C ) iSx hat sarirische Verse wider den Cäsar gemacht , welche weiter zu nichts gedienet , als die Mäßigung der beleidigten Person berühmt zumachen . ] Ich will alle« anfuhren , wa« Sueton davon saget , woraus man sehen wird , daß Moreri von dieser That einen sehr mangelhaften Begriff gegeben hat . Valerium Catullum a quo fibi verficulis de Mamurra perpetua ftigmata impofita non dillimu . lauerat , fatisfacientem eadem die adhibuit caenae , hofpitioque patris eins , ficut confueuerat , vti perfeuerauit . Sueton . in Iul . Caef . c . LXXIII . Lrinitus hat den letzten Theil dieser Erzählung venvirret , denn anstatt zu sagen , daß Casar fortgefahren , bey dem Varer des Catullu« zu woh - nen , so saget er , daß Catullus Erlaubniß gehabt in der Wohnung Cä - sars , wie zuvor , zu bleibm ; oder sich wie zuvor de« Rechts der Gastftey - heit zu bedienen , das in ihren Familien eingeführet gewesen . Crinit . de Poet . Lat . Libr . II . cap . XXVII . Er hat Recht , aus diesem Rechte der Gastfteyheit zuschließen , welche zwischen dem Cäsar und dem Vater de« Catullus eingeführet gewesen , daß dieser Poet nicht von schlechtem Her - kommen seyn müsse : allein er sollte dem Sueton nicht beymessen , daß er gesaget hätte , der Vater de« Catullu« , habe als ein vertrauter Freund , bey dem Julius Cäsar gewohnt . Sueton saget nichts davon , und viel - leicht hat dieser Mann niemals einen Fuß in Rom gesetzt . Der P . Briet , de Poet . Lat . pag . 14 et 15 . hat alle diese Fehler de« Crinitu« abgeschrieben .
( v ) Sueton hat die Zeit nicht wohl beobachtet . ? Scaliger will ihn auf ftlscher That ertappet haben ; Animadu . in Eufeb . n . i960 , pag . m . allein er verfällt selbst in eine große Lügen . Er will , daß die Wiederversöhnung des Catullus mit dem Cäsar jünger , als die Tri - umphe dieses letztern sind , und er stützet sich darauf , daß die satirischen Verse des Catullus , der Beute von Ponm« und Spanien gedenken : folglich müssen sie nachdem Siege bey Mnnda , über die Söhne des Pompejus , gemacht worden seyn . Nun ist Cäsar , nach diesem lebten Triumphe , nicht wieder nach Gallien gegangen , und also hat er nicht mehr bey des Ca - tullu« Vater Herbergen können , der jenseit des Po gewohnt hat . Dieß scheint unwiderlwitlich zu seyn , und Scaliger Härte wohl gethan , wenn er hier geblieben wäre , wie es Casaubon gemacht , wenn er sich dieser Anmerkung in Sueton . Caefar . cap . LXXIII . bedienet ; allein er saget , daß Cäsar , nach dem Uebergange über den Rubicon , nicht mehr nach Gallien zurück gekehrt . Caesar non potuit , vti eins ( CstuBi ) patris hofpitio nifi ante bellum ciuile quum proconfulari unperio obtineret Gallia» Cisalpinam et Tranfalpinam - - - . Poft tranfitum Rubiconi» Caefar nunquam poftea in Gallias fuas reuerfuseft . Scalig . Animadu . in Eufeb . num . iy6o . pag . 155 . Dieß ist offenbar falsch . Er ist dahin zurück gekommen , al« er nach Spanien gegangen , erstlich vor der phar - salischen Schlacht , die Verweser de« Pompejus daraus zu verjagen . Caefar infeßis iis , quaeagere deftinauerat , ab vrbepreneifeitur atque in vlteriorem Galliam peruenit . Caefar Libr . I . de Bello Ciu . cap . XXXIII . fin . und nach diesem , nach der Niederlage des Cato undScipio in Aftica , die Söhne des Pompejus selbst daraus ; u verjagen . Wir werden in der Anmerkung < I ) zu Ende de« II Absätze« sehen , wie e« nicht sehr gewiß ist , daß Cäsar nicht mehr bey seinem Wirthe zu Verona gewohnet , seit dem er sich mit dem Catullu« verlohnet gehabt .
( E ) Furius , Aurelius und er machen ein lumpichtes Rleeblat Z Nach dem Crinitus sind diese zweene die vertrautesten Freunde de« Ca - tullus qewesen . Inter coeteros amicos Furium et Aurelium magno , pere dilexit . Crinitus de Poet . Latin . Libr . II . cap . XXVII . ES ist

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