Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5088

Catullus .
seinem ganzen Rath« zu eröffnen , was ihm Angela Cattho gesaget , und stinem Kanzler zu befehlen , eine Urkunde darüber aufzusetzen , welche in den Archiven der Krone , und bey den Schreibereyen der Parlementedes Königreichs verwahret werden sollte ; sie hätten ihn ermahnen sollen , Seulm mit einer Aufschrift ausrichten , die diese Sache enthalten hät - te , oder ihn zum wenigsten bitte» sollen , dieselbe aus das Gitter von dem Heiligthumskaste» des heil - Martins graben zu lassen , weil er zu Folge einer solchen Prophezeyung diesem Heiligthumskasten ein silbernes Gitter gelobet und dieses Gelübde erfüllet harte . Was hatten die Ungläubigen in diesem Falle sagen können , und was hatten sie so glaubwürdige» und zur selbigen Zeit ausgerichteten Denkmälern entgegen sehen können ? Allein man würde , ohne so weit zu gehen , dieses Abentheuer , wenn es wahr gewesen wäre , sich von sich selbst wider den Unglauben haben be - stätigen gesehen . Ludwig der Xl , würde es hundertmal bey der Tafel , und vor den Abgesandren der Fürsten erzählet haben : und also würde man Schriften finden , welche bezeugten , daß man es aus seinem Munde gehört . Ich bin gewiß versichert , daß die Register der Kirche des heil . Martins dieserweaen eine Urkunde enthalten würden , wenn es wahr ge , wesen , daß dieser Prinz zur Erfüllung seiner Gelübde ein silbernes Git - ter hätte machen lassen . Weil also diese Begebenheit bloß durch das Zeugniß eine« ungenannten unterstützt wird ( von dem Urheber des oben angeführten Auszuges aus dem Leben de« Cattho , ) welcher sicherklaret hat , daß er nur dasjenige vom Angelv Cattho erzähle , was er von dreyen Personen hat sagen hören , so könne» wir ihn mit allem Rechte fen . Allein wenn wir über dieses sehen , daß Philipp von Comines nicht davon redet , so haben wir Grund zu entscheiden , daß es eine Fabel ist . Es ist unmöglich , daß er diefts Gespräche seines Freundes und Ludwig« des XI , nicht gewußt hätte , und daß er , wenn eres gewußt hätte , in seinen Denkschriften nichts davon gesaget haben sollte ; wo er von einigen andern Weissagungen des A . Cattho redet , die lange nicht so wichtig sind , als diese . Sein Stillschweigen ist ein verneinender Schluß , welcher bey dieser De - gegnung eine gute Demonstration ist , oder wenigstens von einem ganz andern Gewichte , als die Bejahung der drey , vvn dem Ungenannten geführten , Personen . Man merke auch , wie der Ungenannte nicht saget , daß diese drey Personen wegen des Gesprächs Zeugnis ! abgeleget , und man also vorgebe» kann , daß er nur von einer von denselben habe re - den hören . Da nun die vornehmste von de» drey Prophezeyungeneine Fabel ist , so kann man die andern zwo gleichfalls verwerfen : und chergestalt kann der Urheber des Inhalts vernünftiger weise keinen schen von dem Unglauben heilen .
Man merke , daß Amyrald diese drey Begebenheiten gebraucht hat , nm zu zeigen , daß man das Zukünftige vorher sagen könnte , ohne ein Prophere zu sevn . AmyraiiJt , de l'elcvation de la Foi , et de l'abaif - femciu de la RaiTon , pag . 258 , 259 . Seine Absicht ist , diesen Schluß der Katholiken zu beantworten : es hat in der römischen Gemeinschaft Lehrer gegeben , welche das Zukünftige vorhergehet ; also ist sie die hafte Kirche , weil Gott in derselben die Gabe der Prophezeyung erhal - ten hat .
( D ) Ich werde etrvas an Vem Moreri 5» tadeln haben . ] I . Saget er , Angelo Carrho fey zu Benevent gebohren gewesen ; allein diejenigen , welche die Sache sehr wohl einsehen können , machen Tarento zu seinem Geburtsorte . II . Machet er ihn zum Großalmosenier von Frankreich ; allein er Härte wissen sollen , daß dieser Titel erstlich in der Person des Cardinals von Meudon , unter der Regierung FraneiscuS des l , seinen Ansang genommen hat . Du Peirat , Antiquitcz de la Chapeüe du Roi , Livr . I , chap . LXI . Man hat sich vor dieser Zeit des Titels Großalmosenier des Königes bedienet , und auch dieser Titel ist unter Ludwig dem VI , unbekannt gewesen : er hat erstlich in der Person Gottfrieds von Pompadour , Bischof von PengueiininterCarln dem VIII , statt gefunden . Ebendas . III . Claudius Robert belehret uns , daß Angelo Cattho in seiner Metropolitankirche begraben worden . Dieß sind seine Worte : Angelus Law Tarentinus , ex Medico et Eleemo . iynario Ludonici XI , enius fiiafu feripfit commentario» renim Fran - cicarum Philippus Comineus . Iacet in fua Metropoli . Eiits erat fymbolum : ingenium luperat vires . Claudius Robertus , in Gallia Chriftiana , pag . 182 , in Catal . Praeful . Viennenf . num . 96 beym nysius Gottfried in den Beweisen und Erläuterungen Philipps von Comines p . m . 10 . Dieses giebt mir Anlaß an demjenigen zu zweifeln , was Moreri versichert , daß er im Jahre 1494 nach Benevent gegangen , und daselbst im Jahre 1497 gestorben sey . Wir haben in der kung ( A ) gesehen , daß Matthäus versichert , er sey genöthiget qewefen , „ ach Rom zu weichen . Dieß ist zweifelhaft . Was die Unreriassungs - fänden des Moreri betrifft , so kam , man dieselben erkennen , wenn man seinen und meinen Artikel gegen einander hält .
( E ) Und dem iDoctcr tTtcolo Toppi . ] Er redet von einem Angelo Cawne von Benevent , und von einem Angelo Catvne von Tarento . Der erste , saget er , ist in allen Wissenschaften sehr bewandert , und des - wegen Carln dem VIII , sehr wetth gewesen . Sein Verdienst und die
III
Gnade dieses Monarchen haben ihn zum Erzbischofthume von Vienne erhoben . Der andere ist Leibarzt und Almosenier Ludwigs des XI , ge , Wesen , der ihn vermocht Ii Lommentarü delle cc>5e di Francia , zu schrei . ' bei , ; wie uns Philipp von ComineS belehret , der vom Claudius Robert auf der >8 - S . in Gallia Chriftiana angeführet wird . Nicolo Toppi , Bibliothcca Napoletana , pag . 17 . E« ist klar , daß dieser neapolitanische Bibliorhekschreiber aus einem Schriftsteller zweene gemacht hat ; denn eben derselbe Angelo Cattho , weicher Leibarzt und Almosenier Ludwig« des XI gewesen , ist Erzbischos zu Vienne geworden , und zwar eher , als Carl der VIII den Thron bestiegen : es ist falsch , daß er ans Antraten Ludwigs des XI , ein Buch gemächt , und daß Philipp von Comines da - von redet , und daß Claudius Robert den Comines anführet , eine solche Sache zu beweisen . Wie verändern nicht die Sache ihre Gestalt , ivenn man die Worte eines Schriftstellers verkehrt versteht ? Gleichwohl sind des Claudius Roben seine sehr unverständlich . Nicodemo hat den Ni« colo Toppi deswegen nicht getadelt .
( F ) Und bey dem Varillas . ] Hier ist es , was er in der Historie Ludwigs des XI , VIIB . 150 S . holländischer Ausgabe saget . „ Die „ Gönner der Sterndeuterkunst triumphiren hier auf das Zeugniß lipps von Comines , welcher erzählet , daß der berühmte Angelo Cattho „ die Partey des Herzogs von Burgund ergriffen , emweder weil er an« „ fänglich diesen Prinzen dem Konige von Frankreich vorgezogen : oder „ weil er lediglich dem Beispiele anderer Gelehrten seiner Zeit , gefolget „ ist , welche gewohnt gewesen , ihr Glück in den Niederlanden , bloß aus „ der Ursache , zu suchen , weil sie solches daselbst leichter als an andern „ Otten machen konnten . Er ist dieses Herzogs Hausgenosse gebli ? ben , „ bis er aus der richtigen Aufsetzung seiner Nativität zuvor gesehen , daß „ er fechtend in einer öffentlichen Feldschlacht bleiben würde . Seit die - „ ser Zeit hat er Gelegenheit gesucht , denselben mit so vieler Wohlanstän - „ digkeit , als möglich , zu verlassen ; und da er dieselbe , nach der Schlacht „ bey Worat , gefunden , so hat er sich derselben , als ein verständiger Mann , „ bedienet . Er hatte seinen Vergleich mit Ludwig dem XI , zum voraus „ gemacht , der sich nicht damit begnügt , ihn mit seinem Vettrauen zu be - „ ehren , sondern ihm noch überdieß das Erzbischofthum zu Vienne geqe - „ den , und ihn diesem ungeachtet an seinem Hofe behalten . £r hat „ die Messe vor @r . Majestät in der Kirche dee keil . Martin« zu Tour« , * „ zu der Zeit , qelesen , da man bev Nancy geschlagen , und als er ihm die „ Hostie zu küssen überreicht , zu ihm gejäget : Sire , Gott gebe euch . . den Frieden . , . Der Verfasser erzählet die Folge des Gesprächs . Siehe oben die Anmerkung ( C ) . Es sind etliche Fehler in dieser zählung . I . Die Gönner der Sterndeuterkunst können sich keinen Ruhm aus demjenigen machen , was Cattho zu Ludwig dem XI , unter der Messe , in der Minute gesaget , da der Herzog Carl erschlagen worden ; denn es ist offenbar , daß er dasjenige nicht aus der Sterndeuterkunst er - kannt , was damals zu Nancy vorgegangen ist . II . Es ist nicht wahr , da ! ? sich die Sterndeuter auf das Zeugniß Philipps von Comines viel zu gute chun . Wie sollten sie es auch wohl thun , da er nichts davon saget . III . Es ist nicht wahr , daß die Gelehrten aus Italien , oder andern Orten , gcrvol , nk gewesen , ibr Glücke in den Niederlanden , u ftuben , IV , noch daß sie solches daselbst leichter gefunden , als anderswo . Würde man wohl viel Beispiele davon anfuhren können ? Wäre es nicht besser getveftn , zusagen , daß Angelo Cattho bey dem Herzoge von Burgund gelassen wor - den um die Heirath seilies Herrn , des Herzogs von Calabrie» , zu imterhan - delu ? Dieses bat ihn anfänglich bey diesem Hofe zu bleiben genöthiget . V . Man findet nicht in dem Inhalte seines Lebens , daß er aus der Na - tivitätstellung voraus gesehen , daß der - Herzog fechtend in einer fentlichen Schlacht bleiben würde . Man findet nur dieses darin« nen , da er nach der Schlacht bey Morar Sie Halsstarrigkeit de« besagten - Herzogs , ( und vielleicht ) die Unglücksfalle voraus - gesehen , die ihm und seinem Hause künftig bevorstunden , so hat er auf eine ehrliche Art von ihm Abschied genommen . Sommaire de la Vie d' Angelo Cattho , pag . 4 . Was ist nicht für ein Unterschied zwischen diesem und demjenigen , was VarillaS erzählet ? Wie entsetzlich ist er doch ! Das schlimmste ist , daß Philipp von ComineS , der Schrift , steller , den er anführet , nicht einmal die Muthmaßung vorbringt , die wir erst gesehen haben . VI . Es ist nicht wabr , taß Angelo Cattho Erz - bischos zu Vienne gewesen , da der Herzog Carl geblieben ist .
Der spanische Schriftsteller , Juan Vitrian . welcher Auslegungen über die Nachrichten des Comines gemacht , saget : daß Angelo Cattho , nach« dem er den Tod des Herzogs von Burgund gemuthmaßet . oder vorher« gesehen , in die Dienste des Königes von Fraiikreich , ein wenig zuvor , ge« gangen , ehe sich derselbe eräuget , und öaß er diesem Monarchen den Verlust der Schlachten dieses Herzogs vorher gesaget . Dieß ist nicht richtig ; denn seit dem dieser Sterndeuter bey Ludwig dem Xl qeivesen , hat der Herzog nur eine Schlacht verlohren . Ich ubergehe zu lagen , daß dieser Schriftsteller allzu neu ist , als daß man ihm ohne Anfuhrung der Zeugnisse glauben sollte .
Catullus ( Cams « Valerius ) em romischer Poet , war im 666 Jahre Roms zu Verona ( Ä ) gebohren Die Zier« lichkeit seiner Verse hat ihm die Freundschaft und Hochachtung der Gelehrten und der ausgeweckten Köpft erworben , die damals , 'M großen Ueberflusse zu Rom waren : und wie sich die alten Römer diejenigen Regeln der Höflichkeit nicht gemacht hatten , welche heutiges Tages denjenigen Verachtung , und den Haß des gemeinen Wesens zuziehen , die unflätige und mit einer offen , baren Unkeuschheit angefüllte Verse mache» f ; so hat sich Catullus durch feine grobe» Unflatereyen und schändlichen Unkcufchbei - ten keinen großen Nachtheil zugezogen , womit viele von seinen Gedichtelt vergiftet sind . Man glaubetdaß er der berühmte« sten von seinen Vuhlerhmen den Namen ( Leebia gegeben , der Sappho zu Ehren , die von der Insel Lesbos gewesen^ und deren Verse ihm ungemein gefielen AbfefeM oder nacbaeahmet . Der wahrhaftige Name dieser liebsten ist
Clodia gewesenEr geht
keit ibrer Schönen beklagen : er für seine Person , redet w . . . , _
V'iiTe nöthi'g waren , ihn zu vergnügen ( B ) , und was noch schlimmer ist , als von einer Srau , Die dem ersten , dein Besten , 7 . ! ^ ; LL aewefe» . Er hat satirische Verse wider den Casar gemacht / : welche weiter zu nichts gedienet , als die Mäßigung
— ~ L - der heftigen Beschimpfung , die man erlitten hat -
und an demselben Tage bath man ihn zur Abend« mÄf " " Sueton setzet dazu . Cäsar habe bey des Catullus Äater zu wopnen forMahren^ - allein sehr geschickte Leute glau . mahlzeit . ^^^xjber die Zeit nicht allzu wohl beobachtet habe ( D ) . Nicht alle Verse unsers Dichters geben ein
ben , daY dieser ® W darunterwo er eine so trostlose Bettübniß über den Tod seines Bruders bezeuget , daß man böses Exempel , es g i hat weder durch seine Verft , noch durch seine Reise nach Bithynien einiges Glück gemacht , die er in dem Gefolae desMemmius gethan der nach seinem Pratoramte das Landpflegeramt darüber erhalten hatte . Man kann ganz
. ' rnchte

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