Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5053

iog
Catius .
« sich einmal auf gutem Wege befilnde . schöne Gedanken vorzudringen» und eS sich zutragen sollte , daß , der Misbrauch bis auf niederträchtige und schändliche Gebräuche getrieben worden wäre ? Lredat luckscu , Apella !
Allein wenn Faber nicht wohl bewiesen hat , daß die vierte Satire im II B . de« Horaz , weder die Epikuräer überhaupt , noch den Philosophen Catius ins besondre betrifft , so belehret er uns doch zum wenigsten durch die Stelle des Cicero , den Tod dieses Catius betreffend , daß die alten und neuem Ausleger des Horaz nicht wohl begriffen haben , auf was für eine Art er sich an diesem Orte befindet . Ohne Zweifei haben sie geglaubt , er habe zu der Zeit gelebt , da die Satire herausgegeben worden , und e« sey die Absicht des Dichter« gewesen , daß man seine Erzählung für eine wahrhaste Geschichte annehmen sollte , ich will sagen , für eine wirkliche Unterredung mit diesem Philosophen . Da es nun sehr wahrscheinlich ist , daß Catius gestorben gewesen , als Horaz diese Satire gemacht , so darf man sich nicht einbilden , daß er sie für ein wirkliches Gespräche mir Verstorbenen ausgegeben : er hat sich nur eine Person erdichtet , die er Catius genennet ; daran hat cr genug gehabt .
( D ) t * t Indem er ftck Oer Freiheit bedienet , die in der Republik der Gelehrten üblich if ? . ] Diese Republik ist ein unge - mein freyer Staat . Man erkennet darinnen keine andre Herrschaft , als der Wahrheit und der Vernunft ; und unter derselben Aufsicht führet man unschuldiger Weise Krieg wider einen jeden , wer es auch seyn mag . Freunde müssen darinnen wider ihre Freunde , Väter wider ihre Kinder , Schwiegerväter wider ihre Eydame auf der Hut seyn : es ist wie zur eisernen Zeit .
. » . Non hofpe» ab hofpite tvitui ,
Non Socer a genero . Ouid . Metara . Lib . I . v . 144 .
Ein jeder ist darinnen zugleich regierender Herr , und eines jeden richtsbarkeit unterworfen . Die Gesetze der Gesellschaft haben der Unab - hänglichkeit des Standes der Natur . in Ansehung des Jrrthums und der Unwissenheit , keinen Nachtheil gebracht : alle Privatpersonen haben in Absicht auf dieselben das Recht des SchwerdtS , ohne daß sie von denjenigen Erlaubniß bitten dörfen , welche regieren . Es ist sehr leicht zu erkennen , warum die oberste Gewalt jedem das Recht lassen müssen , wider die Schriftsteller zu schreiben , die sich bekriegen ; aber nicht das Recht , Satiren heraus zu geben : denn die Satiren bestreben sich , einen Menschen seiner Ehre zu berauben , welches eine Garrung des bürgerli - chen Todtschlags ( siehe zu Ende dieses Wörterbuchs , die Dissertation über die Schmähschriften , ) und folglich eine Strafe ist , die niemand auflegen darf , als der regierende Herr . Allein der Zweck der Critik eines Buchs geht nm dahin , zu zeigen , daß ein Schriftsteller nicht diesen und jenen Grad der Einsicht hat : wie er aber bey diesem Mangel der Wis - senschaft alle Rechte und Freyheiten der Gesellschaft genießen kann , ohne daß sein guter Name eines ehrlichen Mannes , und eines guten Unter - thanen der Republik , den geringsten Flecken erhält ; so maßet man sich von demjenigen nichts gewaltsamer Weise an , was der Majestät des Staates zugehöret , wenn man dem gemeinen Wesen die Fehler zu erkennen giebt , die in einem Blich sind . Es ist wahr , daß man dadurch nianchmal den Namen eines geschickten Mannes vermindert , den sich ein Schriftsteller erworben hat , nebst dem gewinnsuchtigen Nutzen , den er daraus zieht z allein wenn man es zur Unterstützung der Partey der Vernunft , und zum bloßen Nutzen der Wahrheit , und auf eine ehrliebende Art thut ; so muß niemand etwas darwider zu sagen finden . Der Abt von St Real Hat etwas wider diesen Satz , in seinem Buche von derCritik , gesager . Er wird leicht zu widerlegen seyn . Man hat nicht« mit den Verfertigern der Pasquille gemein ; man behauptet nichts ol , ne Beweis ; man giebt einen Zeugen und einen Ankläger ab , die dem Vergeltung« - rechte unterworfen sind ; man setzet sich eben derselben Gefahe aus , cher man andre aussetzet : allein ein Pasquillenschreiber verstecket sich , damit er nicht verbunden ist , dasjenige zu erweisen , was er kund ge - macht , und damit er Übels rhnn kann , ohne daß er es verantworten darf Es ist also der natürlichen Gerechtigkeit gemäß , daß einrede« Mitglied der Republik , in Absicht auf die Widerlegung der Schrittstel - ler , seine Unabhängigkeit erhalt , ohne daß die Verwandtschaft des Va - terö , Schwiegervaters , EhmannS , Bruders , u . s w , derselbigen einigen Nachtheil zuziehen darf . Der Gebrauch geht sehr oft so weit : seph Scaliger und Isaak Voßius haben die Meynungen ihrer Vater nicht geschont ; und wir sehen daß Bernoulli , Professor zu Basel , und Bernoulli , Professor zu Gröningen , einander nicht schonen , ungeachtet sie Brüder sind . Siehe das Tagebuch der Gelehrten 1698 .
( E ) Gastendi verdienet hier eine kleine Zücktigung . l Er hat als eine sehr geschickte Sache , da« Gedächtniß des Catius Jnsuber zu beeh - ren , bemerket , daß ihn Horaz gelehrt nennt . Gaffend , de Vita et Mo . ribus Epicuri . Libr . II . cap . VI . Allein wenn er die Stelle wohl be - trachtet hätte , so würde er gesehen haben , daß dieß eine bloße Spötterey gewesen , und daß es sehr weit gefehlt ist , daß man den Horaz zum Bor - rheile der Wissenschaft des Catius anführen könne , da sein Zengniß viel - mehr weiter zu nichts dienen kann , als diesen Philosophen lächerlich zu machen . Vor wenig Jahren hat sich ein Cartesianer , welcher in seinen Unterredungen gesaget , daß dieser Satz : zwey und z»vey sind viere , kei - nen Einwurf leide , wegen dieses Gedankens bald darauf mit dem Lobe ei - nes gelehrten Manne« bekrönt gesehen . 3wey und , wey sind viere , saget einer von den Unterredenden , rv»e - Herr N . sehr gelehrt merket hat . Wenn die Acten dieser Unterredung kund gemacht den , so härte ich mich derselben lieber bedienen wollen , zu beweisen , daß dieser Philosoph gelehrt genennet worden , als deS dofteCati , der Satire des Horaz , um dem Gedächtnisse des Catiu« Jnsuber« Ehre zu machen , wie Gassendi gelhan har . Er hätte besser octhan , wenn er die vier Bü - eher nicht mit Stillschweigen übergangen hätte , die er de rerum natura , et de Amuno bono , gemacht hat .
Es wird mir erlaubet seyn , im Vorbeygehen , zu sagen , daß so viele Anführungen in den Schriften des Gassendi sind . daß man sich nicht verwundern darf , wenn dieselben nicht alle richtig sind : angesehen sein Hauptwerk eine ganz andre Sache war , nämlich die philolophilchen Lehren . Man kann versichem , daß er der vortrefflichste Philosoph un - rer den Humanisten und der gelehrteste Humanist unter den phen gewesen : Philofophorum litttratifliinus , Litteratorum maxime Pnilofophus . Diejenigen , welche die Ausgabe seiner Werke , nach nem Tode , besorget , haben nicht Geduld genug gehabt ; daherkömmt
es , daß sie die angeführten Stellen sehr oft an dm unrechten Ort ge - setzet . Zum Exempel , aus der > ; S . des I Bandes , führen sie den Te , renz in Andr . gleich einer Stelle des Persius gegenüber an ; anstatt , daßfie diese Anführung drey oder vier Zeilen höher hätten setzen sollen , wo der Verfasser einen Gedanken des Teremius angeführt hat .
( ? ) Costar verdienet sie nicht weniger . ] Hier sind seine Wor - te : „ Ist CaciuS , welcher in dem Horaz f Satir . IV B . IV . ) so ernst - „ hast und eifrig von der Küche geredet hat , deswegen ein Schriftsteller , „ der nicht so zierlich ist , und hat er deswegen etwas von seiner Hochach - „ tung verlohren ? , , Suite de la defenfe de Voiture , pag . 423 . Der geringste Schüler , welcher diese Stelle des Horaz nur ein wenig auf , merksam liest , würde diese Frage Costars mit Za beantworten , weil es handgreiflich ist , daß der CariuS des Horaz eine Person ist , die man lächerlich machet . Ich weis nicht , warum Girac seinem Widersacher diesen Fehler nicht aufgedecker hat .
( G ) Glandorp bekrieget ficb von einer andern Seite . ] Nach - dem er vom CatiuS Celsus , dem Prätor , unter dem Consulate des ? . Cotta , und des L . TorquatiuS , d . i . im 688 Jahre Roms , geredet hat , so setzet er dazu , daß noch ein andrer Catius vor diesem gewesen . Ono - malt . p . - II . Dieß ist derjenige , der zur Materie dieses Artikels dienet ; denn Glandorp eignet ihm dasjenige zu , was Qnintilian und Cicero vom CatiuS , dem Epikuräer , sagen : und er giebt auch vor . daß Horaz in der IV Satire des II Buches , von diesem geredet hat . Wie hat er sich also denselben alter , als den Catius CclsuS , einbilden können ? Er muß weder an die gemeine Meynung , daß derjenige , von welchen , Horaz redet , noch gelebet hat , noch an die Stelle des Cicero gedacht haben , welche uns belehret , daß Catius Jnsuber , kurz vor dem Jahre Roms gestorben ist .
( H ) Ich wollte auf lthabots Zeugniß nickt Sürge seyn , das Catius den Virgil den Gpikuraismus gelehret har . ] Wenn man mich ftaget , woher es Chabot ( in Horat . Satir IV . Lib . II . ) ge , nommen , daß Virgil durch die Vorsorge unser« CatiuS , gebürtig von Mayland , einen Geschmack an der Lehre EpikurS bekommen hat : so glaube ich , ohne einigen Irrthum sagen zu können , daß er eS auS der Aus - legung Joseph ScaiigerS , über die Catalekten Virgils genommen hat : allein ich würde deswegen der Sache noch nicht gewisser seyn , weil die - ser große Kunstrichter keinen guten Grund davon angiebt . Ich finde wohl beym Servius über die VI Ekloge Virgils : daß'Virgil und Varus die Philosophie unter dem Syron erlernet haben ; ( Scaliger und Cha , bot nennm ihn «Seiten , und sagen , daß Virgil zu Mayland sein Schüler gewesen ) : allein vom CatiuS ist kein Wort da : und überdieß sind nicht alle Iusubrier von Mayland gewesen .
( I ) - Hier ist ein Fehler Scaligers , < * von dem ick in Sem ' . Entwürfe dieses Uverkcs geredet habe . ] Ich war sen diese Anmerkung zu unterdrücken , weil ich sie nicht an ihren natür - lidK " Platz harte setzen können , welches der Artikel des Colossus von RhodiS war , den ich in dieser Ausgabe nicht gebe : ich war dazu enl - schlössen , sage ich , als mich eine besondre Ursache genöthiget , einen an - dern Entschluß zu nehmen . Ich will dieses erklären : allein ehe ich es thue , so will ich die Anmerkung ganz hersetzen , so wie man sie in dem Entwürfe diese« Wörterbuches findet .
Anmerkung über die Zerstreuung der Gedanken . Scaliger wird zum Beyspiele angeführet .
Der große Scaliger , der sich viel öfter in den Regeln der Rechen - kunst geübet hat , als irgend« ein Wechsler , oder Rentmeister , ist ohne Zweifel in eine solche Zerstreuung gefallen , da er da« Gereicht ? des fenen Colossus zu Rhodis ausgerechnet hat . Er bat durch seine AuS - - rechnung gefunden , weil der Kaufmann , der die Stücken dieses Colos - suS gekauft , neunhundert Kameele damit beladen , daß das Gewichte bis auf 720 tausend Pfund , oder 144 Centner gestiegen ; Sealiger . Animadu . in Chrono ! . Hufeb . p . 138 . Ausgabe von 1658 : denn , saget er , die Last eines Kameel« ist doppelt so viel , als eines Maulesels , und be - trägt 800 Pfund . Durch die Regeln der Vervielfältigung , ist leicht zu bestätigen , daß neunhundert Kameele , jedes mit «00 Pfund beladen , 7 - 0 tausend Pfund tragen ; allein zu finden , daß 144 Centner , 7 - 0 tau - send Pfunden gleich sind , so muß man beym multipliciren fünf tausend für hundert , nehmen . Dieß heißt sich vergessen , daß ein Centner nur hundert Pfund hat , und sich denselben als fünf lausend vorstellen . Ein großer Geist kann viel eher in dergleichen Versehen satten , als ein mir - relmäßiger , und verdienet deswegen keine Beschimpfung : also ist die - frärte des Leo Marius , welcher diesen Rechnungsirrthum mit allzu schimpflichen Ausdrücken aufgedeckt hat , nicht leicht zu entschuldigen . Chevreau tadelt ihn deswegen mit einer guten Manier . Hift . du de Tom . IV . pag . 29 . holländischer Ausgabe , von 1 * 87 , und 319 Seite , holländischer Ausgabe von 1698 . Man muß ihm solches Dank wissen : allein er wird mir erlauben , zu sagen , daß , weil er geglaubet , es habe Scaliger die Last desKameelS , auf neunhundert Pfunde geschähet , er es ihm nicht habe können hingehen lassen , wie er gethan hat , daß die Last von neunhundert Kameelen . mir 720 tausend machet . Nachdem er sich betro« gen , da er neunhundert , statt achthundert gesebet , so hätte er den Irr . thum in dieser Summe der Pfunde finden , und sich nicht begnügen sol - len , denselben in der Gleichheit zu finden , die Scaliger unter eben dieser Summe , und 144 Centner geseht hat . Dieses hätte recht im Zusammen - hange irren geheißen ; welches eine Gattung der Richtigkeit ist , die ihren Werth hat . Chevreau glaubet , diese Stelle sey übel gedruckt worden ; folglich wird er sie nicht zu dem Gebrauche wollen dienen lassen , wozu ich sie an diesem Orte anwende , das heißt zu einen , Beyspiele der Wir - kunq , von den Zerstreuungen der Gedankm .
Diese Absonderung von dem Artikel des Colossus , hat denjenigen enk - gegen gebe» sollen , die vermögend seyn inöchten , mir einzuwerfen ; ich schre ohne Grund voraus , daß man manchmal beym Multipliciren sage , z mal 7 machet 22 . Die Ursache , die ich von diesem kleinen Fehler Scali - gerS angebe , scheint mir um soviel wahrscheinlicher zu seyn ; weil ich auf eine Muthmaßung nicht den geringsten Grund zumachen finde , die sich so gleich dem Verstände vorstellen kann ; nämlich , daß vielleicht der Cent - ner , davon er redet , welches der quiennische und spanische ist , siins tau - send Pfunde gewogen hat : Vulefo vt Mercatorcs noftri et Magnarii in Aquitania et Hifpania loquuntiir , ( jeptingtnta viginti * mtüU ftndo ) eflent centum quadraginta quatuor Quintalia . Scaligcr .
Animadu .

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.