Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5046

Catius .
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Eatms , em epikuräischer Philosoph , von welchem Cicero geredet hat ( A ) . Hora ; hat in einer von seinen Satiren von ihm geredet , wenn man den Auslegern hierinnen glauben will ( B ) . Tanaq . Faber hat sie durch Gründe widerlegt , die Dacier , sein Schwiegersohn , bestritten hat ( C ) : indem er sich der Freyheit bedienet , die in der Republik der Gelehrten üb'ich ist ( D ) . Gassendi verdienet hier eme kleine Züchtigung ( E ) : Costar verdienet sie nicht weniger ( F ) : Glandorp bekriegt sich von einer widern Seite ( G ) ; und ich wollte aus Chabot« Zeugniß nicht gerne Bürge seyn , daß Catius den Virgil dm Epikuräiömuö aelchret hat ( H ) . Eine absonderliche Ursache nöthiget mich , in diesen Artikel einen Fehler Scaligers , wegen desColossuö zuRhodiö , zu setzen , von welchem ich in dem Entwürfe dieses Werkes geredet habe ( 1 ) .
( A ) Cicero hat von ihm geredet . ) Er saget , daß Catin« daSje - nige 5j , e6trs genennt , was Demokritus und Epikur Siuix genennet harten , wodurch sie die Bilder verstanden . die uns die Gegenstände der Sinnen vorstellen , und welche die Scholastiker fpecies intentionales nennen . Er saget auch , daß dieser Carius nicht vor langer Zeit ben wäre , und er giebt ihm den Namen Infuber . Man findet diese Sachen in dem XVI Briefe des XV B . ad Familiäres , welchen er an diesen Cajus CaßiuS geschrieben hat , der sich wider den Cäsar verschwo - ren gehabt , und welcher der Secte Epikurs sehr ergeben gewesen . Die - ser Mann , welcher sich eingebildet , daß Cicero die Epikurer , wegen ihres bäuerischen Wesens , bey Gelegenheit dieser Gespenster des CariuS , durch - gezogen hätte , hat ihm geantwortet , ( diese Antwort ist der XIX Brief in demselben Buche . Lambin , in Horat . Satir . IV . Libr . II . hätte dem Cicero diese andere Stelle , dm Catius betreffend , nicht zueignen sollen , wie er gethan hat ; ) er wollte ihm so viele bäuerische Stoiker anfuhren , daß er gestehen solle , Catius sey von Athen . Er sehet darzu , daß Catius einer von den bösen Auslegern der Worte Epikurs gewesen ; und wie dieses bey Gelegenheit eines sehr ernsthaften Spruchs dieses Haupts der Seele geschehen , nämlich oi * - ? - » ist * c tS * « / » { yjrf h% * iut 4 * " , man könne nicht wollüstig leben , ohne dasjenige zu thun , was schon und gereckt fey , so giebt er zu verstehen , daß CatiuS , wel , chen die Lehre von den Idolen , mit seinen Spectren , sehr übel erkläret , überdieß von den schändlichen Epikuräern sey , welche dasjenige von der Wollust des Körpers erklären , was ihr Meister lediglich von dem Ver - gnügen der Seele verstanden hat . Dieß ist ohne Zweifel der vornehm - ste Grund derer , welche wollen , daß Horaz die Person des Catius er - wählt , um verschiedene Küchengesehe und Grundlatze anzubringen , wel - che geschickt sind , die Schmaruher und wollüstigen Epikuräer lächerlich zu machen , Epiciiri de grege porcos .
( B ) - Hora ? - - - - geredet , wenn man den Auslegern hicrinnen qlaubcn will . ] Wenn es ein Irrthum ist , vorzugeben , daß der Catius des Cicero , und der Carius des Horaz einerlei ? Person sind , so hat man sich schon vvrlängst bey dieser Materie betrogen ; denn wir lesen in den alten Auslegern des Horaz , daß sich dieser Dichter , um der Epikuräer zu spotten , der Person des Marcus Carius , des Epiku - räers . bedienet hat , welcher der Urheber von vier Büchern : von Ver XXatxxt Oer Dinge und des höchsten Guten gewesen . Man sin - det auch darinnen , daß sich dieser CatiuS in seinem Werke geruhmet , wenn er etwas von der Pastetenbeckerey abhandelt . der Erfinder davon ge - wesen zu seyn : haec primus inuenit et cognouit Catius Miltiades , saget rr , da er von sich selbst redet . Dacier , auf der 36s S des VII Bandes , uberfebet den alten Ausleger , ( und vielleicht hat er Recht , ) als wenn er gesaget : Catius hätte ein Buch von den Werken der Pastetenbeckerey gemacht , worinnen er , da er von einigen Arten der Kuchen geredet , ge - saget : ich habe dieses erfunden , ich habe dieses in den Schwang gebracht . Allein die andre Erklärt , ng scheint dem Buchstaben ge - mäßer zu seyn : denn so lautet das Latein , nach der Ausgabe des Cru - qvius , auf der 460 S . Irridet cum , quod de opere piltorio in libro feribit de fe ipso , haec primus inuenit et cognouit Catius Miltiades . Man darf nicht zweifeln , daß der Urheber dieser vier Bücher nicht eben derselbe seyn sollte , von welchem Q . vintilian im l Cap des X B . der vrarorischen Unterweisungen also geredet hat : Carius , von der Secre Lpikurs , ist kein schärft inniger Schriftsteller , aber niclit« desto - weniger ist er angenehm : In Epicureis leuis quidetn , Ted non in . iueundus tarnen autor eft Catius . Man darf eben so wenig zweifeln , daß dieser der Carius Znsuber des Cicero nicht sey . Der Zuname tiades könnte ein wenig Verwirrung verursachen , und er hat den Cru - quiu« zu glauben bewogen , daß Catius Znsuber derjenige nicht ist , wel - chen Horaz so sehr durchgezogen hat . Die andern Ausleger haben sich nichts hiermit zu schaffen gemacht . Lambin , Chabot , Fabrini und andere mehr , wollen , daß der Poet von dem Catius , rede . Peter VictoriuS ( In Ciceron . E [
Famiiiares , ) und Gassendi sind gleicher Meynung . Mit einem Wor - te , es ist die durchgängige Meynung gewesen , da sie Tanaq . Faber wi - derlegct hat .
( C ) Tanaq . Faber hat sie durch Gründe widerleger , die Zva - «er bestritten bat . ] Fabers Hauptgrund , im l . VlI Br . des II B . ist , daß Catius , welcher vor dem Cicero gestorben , nicht mehr am Leben gewesen , als Horaz die IV Satire des II B . verfertiget . Dacier hält diesen Beweis für sehr schwach , und will , daß man bey der allgemeinen Meynung bleiben müsse . Er schließt folgender Gestalt : Xvril tius gestorben gewesen , da Cicero den X VI Brief des X V Suclis geschrieben ; folger denn hieraus , daß er gestorben gewesen , da ^ora ; diese Satire gemacht hat i ( Bs ist gewiß , daß der Srief des Cicero unter dem 4 Consulate Augusts im 72z Jahre Roms «schrieben worden . Hora ? ist damals 36 Jabce alt gewesen . Eparum harre er also diese Satire nicht vor diesem Alter ma - chen können i Es ist hierbei nicht die geringste Ursache , einen Zweifel 5» erregen . Also dienet diese Stelle des Cicero , anstatt öati sie dasjenige beweisen sollte , was Faber vorgegeben hat , vielmehr , uns ; u belehren , daß diese Satire eines von OenXVer - ken ist , welche - Hora ) in seiner Jugend , und da er noch unter Tabren aewescn - verfertiget hat .
frier „ t eine von denen Stellen , bey welchen man seinen eignen Au - . , '7 " glauben kann , und welche man für ein Wunderwerk halten Sl £ fflS aus den Erfahrungen wüßre , was dieser - ^'d'wmn JJW verursachen können Es giebt Meßkünst , fS „ IrfSm sie drey bis vier Stunden geschwiht . Rechnungen ler , reiche , naMm sie y Rechnungfehlers zu suchen , endlich
S - * * * in - r «►
II Sand .
pif gesetzt : daß Cicero an den Caßiu« im 72z Jahre Roms , unter dem vierten Consulate Augusts geschrieben , und es in dem Probebogen der Druckerey stehen lassen , ( Dacier hak diesen Fehler in der Ausgäbe von 1704 gebessert . Setze die amsterdamer Ausgabe dazu . ) und folglich ist dieses ein Versehen , welches seiner Fähigkeit nicht zum Nachtheile ge - reicht , davon er an andern Orten so viele Proben gegeben . Jedermann weis , daß Cicero unter den kläglichen Achtserklärungen des Triunivi - rats , im ? io Jahre Roms umgekommen ist Es ist also nicht gewiß , daß der Brief an den Caßius , unter dem IV Consulate Augusts im 72z Jahre Roms geschrieben worden . Es ist unter dem IV Consulate Iii - lius CäsarS geschehen , wie es in dem Inhalte dieses Briefes bemerket ist ; und vermuthlich hat dieses Ursache zur Zerstreuung gegeben . Dem sey , wie ihm wolle , so würde Fabers Beweis dennoch einige Stärke ha> den , wenn es hierzu genug wäre , daß Catius zu der Zeit todt gewesen , da Horaz die IV Satire des II Buchs gemacht bar ; denn weil das IV Cvnsulat Julius Cäsars , welches ins 708 Zahr Roms fallt , ungefähr das zwanzigste des Horaz gewesen : so folget , daß Carius nicht mehr ge - lebet , da dieser Poet 20 Jahre alt gewesen . Nun findet sich wenig Wahrscheinlichkeit , daß Horaz «n diesem Alter die Saure gemacht ha» 6en sollte , davon die Rede ist . Es wäre nichts Unmögliches , ich gebe es zu , und man hat Beyspiele , daß sehr junge Poeten gute Satiren ge - macht haben . Vielleicht ist auch Horaz besorgt gewesen , diese hier zu verbessern , ehe er sie so herausgegeben hat , wie wir sie - noch haben ; allein allenfalls hätte man sich dieses Mittels bedienen sollen , den Tanaq . Faber zu tadeln .
Man hat ein viel besseres , nämlich zu sagen , daß der Tod des CatiuS den Horaz nicht verhindern können , sich der Erdichtung oder des Ge - sprächs zu bedienen , dessen er sich gebraucht hat . Man weis die Ge - richtSbarkcit zur Genüge , welche sich die Poeten über die Zeit angemaßt haben : die zurückgesetzten Zeiten sind für sie keine schimpfliche Unrichtigkei - ten ; daß solchergestalt , wenn dieser epikurische Philosoph zu Rom in dem Pradicamente gewesen wäre , worinnen sich Monrmaur in Paris sehen lassen , nichts verhindert hätte , sich seiner , nach seinem Tode , als einer Person des poetischen Gesprächs , zu bedienen , um die Unmäßigkcit im Essen und Trinken , im' . die Schmarukerey lächerlich zu machen , die im« ter den falschen Epikuräern im Schwange gc' , en konnte . Ich denke nicht , daß man XV oder XVI Jahre nach dem Tote Montmaur« . in Frankreich eine Schwierigkeit gemacht hätte , seinen Namen in einer S« - tire , auf diejenige Art , zu brauchen , wie man des Catius feinen bey dem Horaz gebraucht hat . Vielleicht hat auch dieser Poet nicht gewollt , daß man seine Satire für ein erdichtetes Gespräch , zwischen dem Catius Zn - suber und ihm halten sollen , sondern diesen Namen nur darum erwählt , weil er Gedanken vorzubringen gehabt , die sich zu diesem Philosophen schickten : Vornehmlich , als wenn er ebenderselbe , als Catius Mütia - des , gewesen , der sich in seinen Schriften gerühmt , die Pastecenbecker - kunst , durch seine Erfindung , bereichert zu haben . Dieß scheint mir am allerwahrscheinlichsten zu seyn ; allein wenn er ihn auf die andreArt genommen hätte , so darf man ihm , nach meinem Bedünken , dergleichen Proceß nicht machen , als man dem Plato gemachet hat : weil er sich unterredender Personen gebraucht , davon einige todt , und einige noch lebendig gewesen . Athenaeus , Libr . XI . cap . XV . pag . m . 505 . 506 . Siehe auch des V B . XVII und XVIIl Cap . und denMacrobiue in de» I B . I Cap . seiner Saturnalien . Die Poeten haben in diesem Stücke ein größeres Vorrecht , als die Philosophen . Nach genauerer Ueberrech - nung scheint die Stelle des Cicero kein Beweis zu seyn , daß Horaz die , se Satire in seiner Jugend gemacht hätte . Man würde sich sehr be - kriegen , wenn man vorgeben wollte , daß alle diejenigen , von welchen Zuvenal in der gegenwärtigen Zeit redet , noch am Leben wären . Alii vero de Agrippina Claudii vxore , ( in qua opinione et NOS funnis , ) . . . . . . . . . intelligi volunt quae , vt feribit Tranqiiillus . maritummedicatofuftu -
■m epikurischen Weltweisen , lit boleco , poft adoptatuin Neronem : nam Poeta ita pleruinque de Catius , rede . Peter VictoriuS ( In Ciceron . Epift . XIV^Libri XV^ad mortui * loquitur , ac Ii viuerent praefentesque eflent , vt de Crifpi -
' no , Mario , Prifco , Mathone caufidico . Rritannicus in Iuuen . Satir . I .
verf . 69 . Boileau hat vor kurzer Zeit in seiner >0 Satire vomRobervat , als von einem lebenden Menschen , geredet . Wenn miste Nachkommen daraus Messen wollten , daß Roberval erstlich 1694 gestorben wäre , so würden sie sich häßlich bekriegen .
Ob Horaz , als ein Epikuräer , seiner Mitbrüder hat
spotten können ?
Die andern Gründe Tanaq . Fabers bezeugen , daß er nicht wohl Acht gegeben , wie zur Zeit des Catius , die Epikuräer , überbaupk zu reden , in An - sehung des Wohllebens durchgezogen worden ; ohne daß man dabey we - der die Sparsamkeit Epikurs . noch die «Kernigkeit Inner Grundlehren in Betrachtung gezogen har . Die Unordnungen einiger Epikuräer haben diesen Schimpf der ganzen Seele zugezogen , und man darf sich nicht einbilden , weil Horaz und seine guten freunde dieser Secre gefolqek , daß er diejenigen'verschonen wollen^ die sie vermies , rek . und solchergestalt die Gelegenheit au« den Händen lassen sollen , seine lustigen Einfälle und Spöttereven wohl an den Mann zu bringen . Ein satirischer Dichter ist allzu begierig auf den Gewinn . als daß er dergleichen Vortheile ver - absäumen sollte . Sehen wir nicht heutiges Tages , daß die wahrhaftig gen Cartesianer die ersten sind , welche wider diejeniaen losziehen , die allzuviel Hirnaesvinnste auf die Grundsäbe des Cartesiuö gebauet haben ; obgleich diese Hirngespinnste den guten Sitten nicht so n . ichrbeilig sind , als die falschen Auslegungen von'der Lehre Epikurs ; welche sich de ? we - gen , von Rechts und Billigkeits wegen , der Lästerung spöttischer Schrift - steller destomehr ausgesekt gesehen ? Wer würde weht glauben , daß Boileau , wenn er wirklich von der Secte des CarresiuS gewesen , wie er es vielleicht gewesen ist , sich deswegen enthalten würde , über ihn in ei - ner Satire zu kurzweilen , und ihm einige gute Stiche zu versetzen , wenn O « er

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