Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5036

io6 Cato
Schriftsteller , als dieser , eine andere Sprache gesühret haben . Ich ha - de einen gesunden , der mir zu erkennen gegeben , daß die Erzählung die - seS Scribenren , die Erzählung de« Pöbels ist ; und daß gelehrte Leute , welche die Hofluft genossen , dieses Abentheuer auf eine andere Art er - zählen . Jovian Pontanus belehret mich , daß ein ehrgeiziger und küh - ner spanischer Mönch sich zum Prediger aufgeworfen , ob er gleich nichts »erstanden . Er hat mit so vieler Verwegenheit geprediget , daß er sich eines absonderlichen Umganges mir einem Engel gerühmet , worinnen er , seiner Sage nach , dasjenige erlernt , was er dem Volke von der Re< ligion predigen sollte : er hat versichert , daß ihm dieser Engel offenbarte , welche Personen der Glückseligkeit des Paradieses genössen , oder in der Hölle leiden müßten . Erster Francifcus Hifpanus - - - quam - uis rudis atque indo & us , traäus tarnen audacia , atquc ambitione , pulpitum afcendere eft aufus , tantoque fiue faftu , fiue temeritatc , palam vt afieueraret , praedicare fe de religione , Chrißianisque de rebui , docente ac di & ante Angelo , cuiu« adinonitu et fiitura quae - dam praedicaret , et qui cum Diuis in coelo e mortui« agerent , qui rurfus apud inferos eruciarentur ; fciret ac proferret . lau . nnt , de Sermone , Libr . II . cap . vlt . p . m . , 6 - z . Endlich , da er dinanden nicht vermögen können , alle Juden aus seinem Königreiche NeapoliS zu verjagen , wie sie sein Vetter , der König von Arragonien , aus allen seinen Staaten verjagt hatte , so ist er auf eine List gefallen . Er hat auf eine bleyerne Tafel eingegraben , was ihm gefallen , unter dem Vorgeben , es fey der heil . Cataldus der Urheber davon , und die - fts Stück Metall , nahe bey Tarento , unter die Mauer einer halb ver - fallenen Kapelle vergraben . Drey Jahre darauf hat er einen Priester bestochen , welcher sicherkläret , daß ihm der heil . Cataldus erschienen wäre u . s . w . und dieses Bley ausgraben lassen . Man hat rathselhafte Motte darauf gefunden , welche darauf abgezielet , dem Könige die Ver , Kindlichkeit wissend zu machen , alle Juden auszurotten . Der erdichtete Befehl des Cataldus ist gewesen : daß Ferdinand diese Schrift nicht an» ders , als mit demjenigen von seinen Dienern lesm sollen , den er für den tugendhaftesten und getreuesten erkennen würde . Dieser Prin» hat den Betrug erkannt , und den Mönch zur Auflösung dieser Prophezeyung nicht gebrauchet . Der Mönch ist darüber so unbändig geworden , daß «r wider die ganze Welt auf das heftigste losgezogen hat . Kaum hat er den heil . Cataldus geschonet , und sich dermaßen erhitzt , daß alle Staa» ten Italiens , und vornehmlich der Hof zu Rom über die Entdeckung dieser bleyernen Tafel in Unruhe gesetzt worden . Viele Leute , welche La« kein verstehen , haben Pontans Bücher nicht : daher wird es ihnen angenehm seyn , wenn sie eine Erzählung hier in der Grundspra - che finden : Denique cum Ferdinando perfuadere arte nulla aut ra - tione poflet , vt vniuerfam Iudaeorum gentem omnino extermina - ret e regni finibus , exemplo Ferdinandi patiuelis Hifpaniarum Regit , Tarenti cum ipfe ageret , commentum hoc iniit . £ plumbo tabulam diui Cataldi nomine clanculum a fe infcriptam , haud Ta - rento procul , in facello femidiruto fub parietem occuluit , quam triennio poft eruendam curauit corrupto facerdote , quidiceret , in fomnis aftitifle fibi Cataldum , monftrantem quo in loco tabella eflec abdita , commonentemque vti cum populo fupplice , collegioque facerdotum iret ad efFodiendam illam , quam eftoflam curaret ad Regem deferendam , comnuinicandam ab co vni tantum viro , quem c fliis Optimum nofceret , ac maxime fidum . Deum enim iratum illi futurum , clademque ac calamitatcm immiflurum , ni , quod in tabula scriptum eflet , et cautum , a Rege praeftaretur . Scriptum vero ipfum per ambages quasdam , ac latebricofa verba eo fpedta - bat , vti Iudaeorum exterminatio indicaretur . Rex accepta tabula deprehendit fraudem , qua deprehenfa minime Francifcum ad eam legendam fecum adhibuit , arbitratus eum interpretaturum verba in cam fententiam , dillimulauitque rem ipfam fumma cum taciturni - täte ac prudentia . At Francifcus re cognita , furore percitus , quod tantum commentum falfum eum habuiftet , non populo , non Rcgi , rix ipfi Cataldo publicis pepercit in praedicationibus , in tantum . que incanduit , vt Italia ferme omnis , ipfcque in primis Romanuj Pontifex de tabulae huiusfiierit inuentione follicitus , atque anxius . Ebendas . 1623 , 1624 ® . Man merke , daß Philipp Camerarius die Er , zählung des neapolitanischen Rechtsgelehrten , ( das ist des Alexanders von Alexandra , ) als eine wahrhaste Sache anführet : eö ist in dem an« dern Bande seiner historischen Meditationen , in des IB . XI Cap . Er setzet die Worte Philipp« von ComineS dazu : Simon Goulart , der französische Uebersetzer diese« Werkes des Camerarius , hat öfters seine eigenen Sammlungen zwischen zwo Klammern eingerücket ; ich bin ge , tv'ß , daß er die Erzählung Jovian Pontans herzlich gerne würde einge - rücket haben , wenn er sie gewußt hätte : er hat in dieser Stelle eine an - dere Begebenheit einschleichen lassen , welche hieherzusetzen dienlich ist : „ Johann de la Gessee , Kammersecretär des Francifcus ValesiuS , Herzog« „ von Alenson und Anjou , hat seine poetischen Werke , bey Plantin , zu „ Antwerpen , im Jahre 1583 drucken lassen . Im XVI B . auf der 673 „ und 679 S . seiner Mscellaneen , hat er eine lateinische Weißagung „ de« Cataldus , wider das apokalyptische Babylon , übersetzet , welche mit „ diesen Worten anfängt : Heu heu plange , infelix Babylon . Dieß „ ist das Latein alle , indem sich der Poete begnüget hat , uns zwey und „ vierzig französische Verse zu geben , welche der wunderbaren KriegSver - „ richrungen eines Könige« von Frankreich , seiner herrlichen Siege und „ seines Todes auf dem Calvarienberge , nachdem er viele Jahre hinter - „ einander im Kriege zugebracht , gedenken . Er verspricht dabey ei« „ große Verbesserung der Sachen , und redet davon , als von dem Ende „ der Welt . Welches ich , wegen sehr guter Ursachen , nicht wei - , . ter habe auflösen wollen . „ Simon Goulart , im XI Cap . des IB . des II Bande« der historischen Meditationen des Camerarius , p . m . 48 . Hier ha« den wir ein Beyspiel von den prophetischen Betriegcreyen . Da« vor - gegebene Buch des Cataldus betrifft nur das Königreich NeapoliS , und ti hat solches fast niemand gesehen . Und gleichwohl ist hier ein sran - zösischer Dichter , welcher , nach Verlauf eines Jahrlmnderrs , vorgiebt , daß man darinnen Drohungen wider das Babylon des heil . Johannes , und die allerkostbarsten Versprechungen für einen König von Frankreich findet . Diejenigen , welche dergleichen Maschinen brauchen wollen , be - decken sich gerne mit einem oder dem andern großen Namen . DeS Ca , taldus seiner hat ihnen hierzu sehr geschickt zu seyn geschienen , und also haben sie eine Betriegexep auf ein» andere gebauet .
Man muß sich wohl erinnern , daß die Erzählung Pontans nicht viel Glück gehabt , und dem Laufe der Lügen keinen Einhalt gethan hat . Es giebt viele Schriftsteller , welche die Entdeckung derWeißagungen des Cataldus , als eine gewisse Wahrheit erzählen , ohne daß sie der andern Erzählung im geringsten gedenken . Barholomäus Moron gehöret hie - her in dem Leben , das er von dem heil . Cataldus ausgesetzet hat : erführet die Kirchenregister zuTarento an , erführet das Zeugniß Alexanders von Alexandro an , und was er in des VIII B . I Cap . des Peter Galatin , dcEcclefia deftituta , gelesen haben mag . Siehe den VAerius de Bri - tannic . Eccleliar . Primordiis , p . 758 . Anton Caraccioli hat zu Nea« polis , 1626 , einen ungenannten Annalisten , nebst vier andern alten Chronikenschreibern herausgegeben . Dieser Annaliste versichert , daß man im Jahre 1494 die bleyernen Tafeln gesunden hatte , worauf der heil . Cataldus seine Weißagungen gegraben und von dem plötzlichen Tode de« Koniges geredet gehabt ; und daß dieser Prinz in der That so gleich ge , starben wäre , so bald man ihm diese Denkschrift überreicher gehabt . Ifto anno M CCCCXCIIIL fuit repertus Tarenti Uber SancH Cataldi confiftens in tribus laminis plumbeis , videlicet duabus tremis femifcriptis et media fcripta ex vtroque latere , qui praefenta - tus fuit Domino Regi , loquens de di & i Regia repentina motte : et fic fuit repente mortuus . Ebendas . Wir haben gesehen , daß die Ent - deckung unter da« 149 - Jahr gesetzt worden . Dieß hat unserm Anna - iisten nicht in seinen Kram gedient ; er brauchte einen plötzlichen Tod des Königes von Neapolis , und diesen hat er in dieser Zeit nicht g«fun - den . Also hat er da« Jahr von dem Tode Ferdinands erwählet .
* Bey Gelegenheit dieser Weißagung des Cataldus kann ich nicht umhin , etwas von der märkischen Prophezeyung eines andern Mönches , mir Namen Herrmannö , wie man glaubet , aus dem Kloster Lehnin , woselbst heute zu Tage Potsdamm steht , etwas zu erwähnen : weil man itzo , bey so vielen bevorstehenden Veratide - ruiigen in Europa , auch die alten Weißagungen wieder hervorgesu» chec , und nach seinem Dünkel auf mancherley Art erkläret hat . Man will wissen , daß dieses VaticiniumMarchicum , 1306 geschrie» ten , und am Ende des vorigen Jahrhnndetts in einer Kirche , ver« mauert gesmlden worden , wo vormals da« Kloster Lehnin gestanden hat . Woher aber diese Nachrichten kommen , das kann ich nicht sa» gen . Man schiebt zwar die Erklärungen der Verse , womit man sich herumträgt , auf einen Neukirch ; wer aber dieser Neukirch sey , der verstorbene anspachische Hofrath , oder der in Halle gelebet , das saget man auch nicht ; vielweniger hat dieser in seinen Anmerkungen es gemeldet , woher er seine Wissenschaft habe . Der Zweck des Poe , ten oder Propheten mag wohl geivesen seyn , das Schicksal seine« Klosters z» erklären . ES heißt gleich Anfangs :
Nunc tibi cum cura , Lehnin , cano fata futura ,
Qiiae mihi monftrauit Dominus , qui cunfta creauit ; Nam licet infignis , ficuti Sol fplendes et ignis ;
Et vitain totam nunc degas fumme deuotam ,
Abimdentque rite , tranquillae commoda vitae :
Tempus erit tandem , quo te non cernes eandein ,
Immo vix vllam , fed , fi bene dixero , nullam .
Hier sieht man nun die Absicht und Schreibart dieses Dichters der , wenn er ja nicht in den Zeiten , die man ihm beyaeleget , gelebet hat , doch wenigstens die gereimten Verse der alten Mönch« wohl nachgeahmet hat . Was mich aber überredet , daß diese gung in neuern Zeiten gemacht worden , ist dieses : daß die ersten Schicksale der Mark Brandenburg noch so ziemlich , obwohl oft mit einer gezwungenen Dunkelheit , darinnen zu sehen sind ; aber seit hundert Jahren , und von der Regierung des großen Friedrich Wil« Helms an , entweder alles sehr mager ist , oder doch schlecht zmrijft . Geseht also , daß ein Betrieger vor hundert Jahren sich vorgenom - men hätte , diese Prophezeyung zu machen , so könnte er die vergan - genm Sachen so ziemlich , als etwas geschehen , entworfen ha - den ; von dem Künftigen aber hätte es ihm nothwendig fehlen sen . Z , E . von dem preiswürdigen Regiment ? Friedrich Wilhelm« des Großen , jaget unser Prophet nichts mehr , als :
Exfcquitur Scruus Domini mox fata proteruus .
Was ist da» nun gesaget , wenn man die lange Zeit seiner digen Regierung erwegen will ? Das Wort Seruus Domini schicket sich für einen Mönch , welcher alle , die nicht katholisch sind , für Teu« felskinder halt , sehr schlecht auf diesen Chursürsten , der die refor - mitten Flüchtlinge aus Frankreich bey sich aufnahm , und also dem Pabstthume Abbruch that . Das Wort proteruus machet es auch nicht aus ; denn welchen von allen evangelischen Prinzen hätte er so nicht nennen können ? Von dm glücklichen Waffen dieses Hei« den aber saget er nicht ein Won ; da er doch bey vielen Vorgän - gern solches nicht übergangen . Eben so schlecht hat er es bey dem Könige , Friedrich dem I , getroffen . Dmn was soll das heißen ?
Tum veniunt , quibus a burgis nomina tribus ,
Et crefcit latus fub magno principe ftatui .
Securita» gentis eft fortitudo Regentis ,
Sed nil iuuabit , prudentia quando eubabit .
Ist denn der I Friedrich so tapfer zu nennen , da er ein durchge . hends friedlich«« Regiment gehabt , und sich mehr durch die Wei« - heit einen Namen gemacht ? Auch seine Länder sind mehr unter dem großen Friedrich Wilhelm gewachsen , als unter ihm , als Ivel - »er nickt nur Preußen zur Souverainität gebracht , sondern auch Pommern eingenommen , und hernach Magdeburg dafür erhalten . Was die drey Burgi heißen sollen , ist schwer zu sagen , so , daß es sich nur auf den König und seine Nachfolger , nicht aber auf feine ren schickte . Von der königlichen Wurde aber ist auch keine Svlbe zu spüren . Eben das könnte man auch von den folgenden ten . wenn man Lust dazu hätte . Doch genug , daß wir andern Anlaß gegeben haben , weiter zu gehen . G .
CatiuS ,

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