Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5028

Cataldus .
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Dempstems vorgiebt , sondern in Irrland gebohren , und führet dießfalls viel Schriftsteller an . Ich wundere mich , daß ihm die Stelle Iovian PontanS nicht bekannt gewesen , dle ich in der Anmerkung ( C ) anführe .
* ) Alex , ab Alexandra Gen . vier . Libr . III . cap . XV . p . m . 734 . b ) Poftera luce folemni pompa miniftrum cum populi comj . tatu ad latebram , in qua longitlimo aeuo libellns latiierat , proceffifl'e : eumque plumbeis tabellis obfignatiim , et clauis obferatum inuenitle fatis conftat . Ebendas . 7Zs . c ) Ebendas . 734 . d~ ) Spondanus , Annal . Ecclef . ad ann . 1492 . mim . , z . er führet Infix , in Diar . Vitae S . Cataldi an . « ) Iohannes Iuueni« in Praef . Librorum de Antiquitate et varia Tarentinorum fortuna , apud Vflerium de Britann . Ecclef . Primordiis , p . 749 . die dublinische Ausgabe von >6 , 9 . f ) Ebend . VIIIB II Cap . Key ebendemselben , g ) Dieß ist ein Gedichte von VI Büchern . Lataldias betitelt , und zu Rom mit einer italienischen Rede desselben Verfassers , zum Lobe de« heil . Cataldus und dem Leben dieses Heiligen , vom Bartholomäus Moron verfertiget , im Jahre 1604 gedruckt worden . h~ ) Dempfterus , Hiftor . Eccl . ' Scotor . Libr . III . mim . 278 . i ) Vflerius de ßritann . Eccl . Primord . p . 75 , u . f .
( A ) ( £t ist einem Priester erschienen , - , befveyt bleiben sollte - - t was ihm Oer heil . ( Eatalöus vorschrieb . ^ Diese Bedingung wird vom SpondanuS in Ann . Eccl . aufs Jahr 1492 , Num . IZ . p . m . 204 erzählet : Niminim Menfe Aprili , ex renelatione praedicH Sanfti , repertuin fuifle libruin tabellis plumbeis ab eo dum viueret iuflii diuino feriptum , [ obferatumqne ; quo vatici - niuin continebatnr de calarnitatibus et miferiis , quibus regnum ve - xandum eilet , nifi Rex , ad quem illico librum mitti praeeepit , ad amullim obferuaret , quae in eo praeeepta reperiret . Er setzet dazu : es habe Philipp von Comines von diesem Werke des Cataldus gere - det . Allein man kann dieses nicht behaupten , wenn man sich nicht allzu viele Freyheit nehmen will ; denn Philipp von Comines gedenket dieses Heiligen nicht im geringsten . Hier sind seine Worte im VIIB . XI Eap . 465 . 466S . Der Ronig Ferdinand - 1 hatte eine große Be« Zierde in seinem - Herfen , dieses Rriegesheer auf sich kommen zu sehen t t t und so har er ein geschrieben Auch gefunden , rvie mich die allernächsten um ihm versichert haben , da er eine Rapelle niederreißen lassen , worüber gestanden : die Wahrheit , mit ihrem geheimen Rathe : ( im Italienischen kann gestanden haben il Vero , oder la Verita u . f . w . d . i . das rvahre , oder die Wahr - heit . ) und man will sagen , daß es alles Unglück enthalten hat , das ihm begegnet ist ; daß es nur drev Personen gesehen ; und daß er es darauf ins Feuer geworfen habe .
( B ) Dieser ZusäN bestärket den Argwohn derjenigen , welche die , sts für einen gottseligen betrug halten . 1 Es ist gewiß , daßFerdi , nand , König von Neapolis , und fein ältester Prinz , ein Leben geführet , woran sich das Volk geärgert hat , und daß sie dasselbe tyrannischer weise unterdrückt haben . Phil . Comines , Libr . VII . cap . XI . Man hatte sich vor den Zurüstungen und Bündnissen zu fürchten , die wider das König - reich Neapolis gemacht wurden . Die Unterthanen fürchten sich alle - zeit vor dergleichen Kriegen ; allein vornehmlich , wen« sie sich einbilden , daß sie die Verbrechen des Regenten und dessen lange Unbußsertigkeit dem Zorne Gottes ausaesetzet haben . Alsdann ist es nöthig , zu solchen Mitteln Zuflucht zu nehmen , welche am vermögendsten sind , die össentli - che» Drangsale abzuwenden ; es ist ein sehr guter Einfall , eine unter - geschobene Prophezeiung an den Tag zu bringen , die einen Regenten be - wegen , und ihm eine gute Verbesserung des Lebens einflößen kann ; wo - durch sich seine Unterthanen den Benstand und Schutz des versöhnten Himmels versprechen können . Es ist also wahrscheinlich , daß einige Personen , die dem gemeinen Besten geneigt gewesen , eine Religions - masckine erdacht haben : man ließ ein bleyern Kästchen machen ; man verschloß ein Buch hinein , welches dasjenige enthielt , was man für nö - thig erachtete ; man vergrub es ; man trieb einen Geistlichen auf , wel - «her ausbreitete , daß er , sowohl schlafend , als wachend , von dem heil . Ca - taldus einen Befehl von der äußersten Wichtigkeit erhalten hätte ; man ermangelte nicht , das Buch an dem angezeigten Orte , wie nicht weni - ger in dem Buche die Drohungen und die nöthigen Erinnerungen zu finden . Dieß sind viele geschickte Umstände , die Leute zu überreden , daß die Entdeckung dieser Prophezenung eine listige Erfindung gewesen ; allein wenn man voraussetzet , daß Cataldus nur gedrohet , und den , nand keine gewisse Regel vorgeschrieben hat , de» Widerwärtigkeiten zubauen , sö sieht man weit schwerer , daß ein Religions - und Staats - betrug dabey gewesen .
. Zch habe nichtnöthig , zu sagen , wie es wider alle Wahrscheinlichkit 'st daß Cataldus weder ein solches Werk vergraben , noch nach Verlauf etlicher Jahrhunderte , diesen Schah offenbaret , und befohlen hat , den - selben dem Könige Ferdinand zu überreichen ; wie es aber lich ist , daß man dergleichen vorgegeben hat , so wird es nicht undienlich seyn , hier diejenigen Ursachen anzuführen , weswegen man daran zwei - fein könnte . Ich sage , daß die Sache von dieser Unterschiebung wahr - scheinlich ist ; denn außer dem Nutzen , den man davon in den Bedürf , nissen des Staats und bey der Unruhe der Unterthanen hoffen konnte , so haben wir auch noch einen Schriftsteller , der zur selben Zeit gelebet bar , welcher als eine gewisse Sache vorgiebt , daß dieses Buch ausgegra - ben worden . Satis conftat , saget erzweymal , In eo certum eft . Alex , ab Alexandro , Genial . Dierum , Libr . III . cap . XV . p . 734 . Er hat nicht allein um dieselbe Zeit gelebet , sondern auch nahe bey dem Orte ae - an zum Schauplatze dieser Begebenheit gemacht hat . Er
wohnet , den man zum Schauplatze dieser Begebenheit gemacht hat . Er venichert , daß das Volk den Priester in Proceßion begleitet habe , der dieses Buch ausgegraben hat . Ueberdieß ist es ein gelehrter Mann ge - »velen . «onnte er bey einer solchen Sache betrogen werden ? Sollte sich unterstanden haben , bey einer solchen Begebenheit zu lügen ? Dieses giedt 5nlaß , zu glauben , daß man eine Prophezeyung des heil . Catald^ vorgegeben hat . Allein folgendes giebt Anlaß , daran zu zwei - feln . Dieser Schriftsteller unterläßt nicht , bey aller seiner keit viel Leichtgläubigkeit zu zeigen . Wenn Philipp von Comines von eine» proplietischen Schrift redet , die dem Könige Ferdinand gezeiget worden , ( siehe dessen Worte in der vorhergehenden Anmerkung . ) fö get er weder etwas von dem Cataldus , noch von andern Umständen , die Alexander von Alexandro angeführer har . Man kann also vernnnf - riger weise glauben , daß diejenigen , die ihm das erzählet , was diese Schrift betrifft , il , m nichts , weder von den Erscheinungen dieses gen . noch von der Proceßion gesaget haben , mit welcher man , zur Ent - deckung dieses Buches , hingegangen ist Sö ist also sehr wahrscheinlich , daß man diesen Umgang nickt gehalten hat ; denn wäre er gehalten den . so wurde dieß die erste Sache gewesen seyn , die Philipp Comines erzählet hätte . Wenn uns nun Alerandcr von Alerandro in diesem kte betroaen hat , so verdienet er auch bey dem übrigen nicht den gering - sten Glaube» .
II Hand .
Nachdem wir die Gründe , zu glauben und die Gründe , zu zweifeln , angeführet haben , so muß ich noch dazu sehen , daß unlängst einer von meinen Freunden gegen mich behauptet hat , es sey unmöglich , hierinnen zu einer vollkommenen Gewißheit zu kommen . Wir sind allzuweit von diesen Zeiten entferner , sagte er , und man hat von dieser Begebenheit keine gerichtliche Urkunden verfertiget : und wenn man dieses auch ge - than hatte , so würden sie doch heutiges Tages nicht zureichend seyn , al - len Argwohn auszuschließen . Ich habe in dem Artikel des Carrho , in der Anmerkung ( C ) , die entsetzliche Nachläßigkeit derjenigen bemerket , welche Gefallen haben , geheimnißvolle Begebenheiten zu erzählen ; sie wenden keine Vorsicht wider diejenigen an , die geneigt sind , nichts zu glau - ben . Es fehlet ihnen an christlicher Liebe gegen diejenigen , die derfel« ben am nöthigsten haben . Warum lassen sie nicht gerichtliche Registra , turen machen ? Warum lassen sie nicht formliche Urkunden aussetzen ? Zum Exempel , die Tarentiner hätten den Rath bitten können , auf eine Seule graben zu lassen ; daß an einem solchen Tage , ein solcher Priester , in Gegenwart des ganzen Volkes , ein Buch ausgegraben , und mit ei - nem Eide erhärtet hätte , daß ihm der heil . Cataldus erschienen wäre . Man merke , daß diese Inschrift zur Zeit der Neuigkeit dieser Be . gebenheit hätte müssen gemacht werden ; denn ohne dieß würbe sie tiges Tages kein tüchtiger Beweis seyn . Man hätte in alle Gerichte des ganzen Königreichs eine glaubwürdige Abschrift von der Urkunde schicken müssen , die der Rath aufsetzen lassen : man hätte die Abgesandten der fremden Staaten ersuchen sollen , ihrenHerren eine gleichmäßige Abschrift zuzuschicken . Man wird mir einwenden , daß die von dem Spondanus an - geführte Legende des h . Cataldus diese große Begebenheit bezeuget . Ich antworte , daß dieselbe niemanden nutzet , als denen , die es nicht nöthig haben . Diejenigen , welche eine solche Sache auf das Wort des Legen - denschreibers glauben , werden eö auch wohl aufs Hörensagen glauben ; und diejenigen , die ungläubig , und folglich ein Gegenstand der christli . chen Liebe , bey den großen Beförderern solcher außerordentlichen und übel bewiesenen Abentheuer sind , werden von dem Zeugnisse derLe - gende nichr gerühret . Man verlaßt sie also auf eine grausame Art , wenn man die Verfertigung des Hülfsmittels verabsäumet , das sie hei - len könnte .
Uebrigens dürfen wir uns nicht verwundern , wird man sagen : daß man von Dingen keine Wahrheit sagen kann , die zu Ende des XV Jahrhunderts vorgegangen sind ; denn ich glaube nicht , daß , s personen möglich ist , dasjenige gewiß zu entdecken , was den Schmidt von Salon betrifft , ( dieß ist das Baterland des Nostradamus , in Pro . venee , Die Sache ist ganz ftisch : es sind etwan zween oder drey Mo« nate , ( man hat dieses zu Anfange des Drachmonats , 1697 , geschrieben . ) da dieser Mensch nach Paris geschickt worden , um sich einer Verrich . tung zu entledigen , die ihm von einem Gefpenste war aufgetragen wor - den , dem Könige gewisse Dinge zu sagen . Er ist zu Paris und bey Ho» fe gewesen , und wieder nach Hause geschickt worden . Dieß ist alles , was da» bey gewiß ist : tausend andre Dinge , die man in den öffentlichen Zeitungen davon in die Welt geschrieben hat , sind zweifelhaft ; denn es giebt Leute , die sie bejahen , und andere , die sie verneinen ; einige behaupten , daß er mi t dem Könige selbst gesprochen ; andere sagen : daß er nur mir einem Staaceseere - tär geredet hat . Die allerunermudesten Nachforscher würden die Geduld verlieren , ehe sie die Wahrheit entdecket hätten , die unter einem Berge von widersprechenden Bejahungen und Verneinungen begraben liegt . Was aber am allerseltsamsten und vermögendsten ist , die Nachkommen zu bekriegen , ist , daß ein Ungenannter die Verwegenheit gehabt , einen Brief drucken zu lassen , ( er ist in den historischen Briefen nnd in dem Mercure Politiquc , vom Monate May , 1697 , gedruckt worden . ) wor - innen er , ich , veiS nicht , was für verttaute Gespräche erzählet , die er mit dem Schmidte von Salon gehabt haben will . Er giebt so viele erstaun« liche Umstände vor , daß man sich nicht genug darüber verwundern kann . Muß man die Welt so zeitlich bekriege , , , und unfern Nachkommen so frühzeitig Netze legen ? Sollte man zugeben , daß etivas darüber zum Vorscheine käme , das nicht mir guten Zeugnissen versehen wäre , und welches fiir eine unwiedersprechliche Urkunde gehalten werden müßte ? Wir wollen unserer Seits die Welt warnen , dergleicl>en Berrügereven zu verwerfen . Man kann die Verwegenheit solcher Schreiber nicht befi ser strafen , als wenn man ihren Erzählungen nicht den geringsten Glau - ben giebt . Derjenige von unsern Zeitungsschreibern , der , m chung des Briefes , von diesem Ungenannten gesaget hat , daß er ihn für apokryphisch hält , ist sehr zu loben Siehe den Mercure ] Hiftonquc , vom May , 1697 . Dieß wird zu seiner Zeit und an seinem Orte wozu
^ " ^ch acbe hier den Auszug einer langen Unterredung , worinnen Herr * * * gegen mich behauptet hat : wir konnten nicht versichert seyn . daß man in Tärenlo das erdichtere ^6 h C^aleindecket habe . Wir werden sehen , daß er zu weit gegangen , und daß die Wahrheit diese» feyerlicllen Umqanges und seiner folgen eine ganz gewisse Sache ist .
CC ) Icb will eine Stelle anfuhren , worinnen man die - Histo , tie und die Bewegungsurjacben dieser Berriegerey sieht . ] Zch bitte meine Leser , die vorhergellende Anmerkung nicht anders . als ein Gemälde von der Eitelkeit der Muthmaßungen anzusehen ; ich rede von den allerscheinbarsten Muthmaßungen , die man machen kann , wenn man die Umstände einer Handlung nur unvollkommen erkennet , und die Sachen , ohne ? lnhorung beyder Parteyen , beurrheilet . Man de ben dieser Sache , davon hier die Frage ist , nur eine hören , wenn man den Alexander von Alexandro , und diejenigen allein zu Rathe zö - ge . die ihn abgetrieben haben . Man sehte sich also der Gefahr aus , bctrieqliclv Mutbmaßunqen vorzubringen , mit so vieler Sorgfalt man auch die Wahrscheinlichkeit zu Rathe zöge . Um klüglich hierbey zu ver« fahren , sö muß man untersuchen , ob andere eben so glaubwürdige O Schrift -

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