Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Castilien .
sich leicht einbilden , daß sich nichr allzu wohl befunden bar ;
. . jene zu erzürnen , getraucte er sicy nicht einmal , dieser Liebkosungen zu erweisen d . Er nahm f seine G^mah - linn mit sich in das gelobte Land , als er sich zum Kreuzzuge verbindlich machte , und ließ die andere alS Aegenttnn in seinem Königreiche zurücke . Man muß zun , Ruhme der königlichen Mutter bekennen , daß sie , unerachtet sie sich die Regierung in seiner Abwesenheit versprechen können , sich dennoch bemuhet hat , ihn von diesem unglücklichen Kriegszuge abzuziehen f . Sie hat die Zurückkunst Ludwigs des Heiligen nicht erlebet ; denn sie ist im 1252 Jahre gestorben s , nachdem sie sich bey dieser andern Regentschaft , mitten unter vielen stachlichten Umstanden , durch sehr witzige Thaten hervorgethan hatte . Das Königreich mußte um diese Zeit von der Wutheiner großen Anzahl einfältiger Leute h viel erleiden , welche gewisse Schwär - mer eingenommen hatten ( E ) . Die Unterdrückung der Unterthanen unter dem Joche der Geistlichen , war vejammernvwür - dig . Man unternahm eine beherzte That , um einiges Hülftmirrel dagegen zu verschaffen ( F ) . Die Zeitung von der Blanca Tode betrübte den König , ihren Sohn , ungemein sehr ; die Königinn , ihre Schwiegertochter , vergoß heiße Thränen darüber : allein sie war so treuherzig , das ; sie die wahre Bewegungsi , rsache ihres Weinens bekannte ( G ) . Einiac Schnftsteller erzählen eine gute zahl Dinge von der Königinn Blanca , weiche den Weg zur Heiligmachung bahnen ( H ) : An der andern Seite sieht man noch gewisse Denkmäler von der Liebe , die der Graf von Champagne gegen sie gehabt , welche zu bedeuten scheinen , daß er nicht zeit vergeblich geseufzet hat . Ich werde in dein Artikel dieses Grafen davon reden . Der neue Gefchichtschreiber Ludwigs des H . nimmt »n diesem Puncte öffentlich ihre Partey ; allein er leugnet nicht , daß sie nicht einige Mängel gehabt hätte ( 1 ) Die Art seines Ausdruckes verbindet mich , seine eignen Motte anzuführen .
* Zu Purmor in der Normandie . t ) Joinvillc , Chronique duRoi Sain & Loyi , chap . XIV . t ) Siehe den Artikel Thiebaur , Graf von Champagne , i ) Siehe die Anmerkungen ( v> und ( G ) . « ) Im Jahre 1 - 48 . f ) Historie Ludwigs des H . Vi B . Num . >5 . p . m . z , i . Der heil . Luowig kam erst' ' " * " " " * .
deö H . im X B . »z S . aufs Jahr uj2 .
heil . Ludwig kain erstlich 1 - 54 nach Frankreich zurücke , ö ) Man nennre sie Paftouranx . Siehe die Historie Ludwigs
( A ) Man giebt vor , daß ibr ihre Schönheit nickt unnützlick aewestn fep . ] Ein neuerer Geschichtschreiber redet von dieser heit , wie man in der Clelie oder in einem andern Romane thun würde . Es war nicht eine einzige Prinzeßinn , saget VarillaS , Xinorite de Saint Louis , p . 8 . 9 . ( bicy ist nur ein mangelhaftes ^Stücke , da« >685 im Haag gedruckt worden . ) die sich unrerstanüen hätte , SerÄlanca ven Vorzug der Sckiänheit iircirig zu miuben , und ca haben alle an . - ! aufrichtigen - Herzen bettnnt , Saß selbige sie an gutem Anst , hen unendlich überträfe - - t ^Ihre Scl ? önheir if ? weder Surck ) Sie Zeit , noch die Jakre verändert worden , und die zehn Rinder , die sie zur Xvelr gebracht , haben weder derselben Äeb# hastigkeit , noch Annehmlichkeit vermindert . Doch , wir wollen zum Ende eilen . Ihre Reuschheit , fahrt er fort , war unüber , windlich ; und gleichwohl tfr ihr diese Tugend so rvohl bey ily rem Leben , als nach ihrem Tode , am meinen jiceitiz geniachr worden . Man ließ Sie Satiren nocli , die sie an einem so em -
f>findlicl , en ( B ) Man beschuldiget sie * < - und den Liebesverständ - mssen des Röniges , ihres Sohnes , Vorschub gerban . ^ Der beil . Ludwig hat in seinem ganzen Leben viele Neigung zur Tugend blicken lassen : allein es ist fast unmöglich gewesen , daß er vor seinerVermah , lung auch den äußerlichen Schein der Keuschheit hätte retten sollen . Pri - vatpersonen straucheln in diesen , Stücke viel mehr , als in den andern Pflichten des Christenthums ; theils , weil sie das Naturel viel starker zur Uneinigkeit . als zu andern Lastern , reizet ; theils , weil der Puner der menschlichen Ehre jungen Leuten unvergleichlich günstiger ist , die wider die Keuschl>eit sündigen , als denen , welche andere Laster begehen . Wenn dieses , in Ansehung der Privatpersonen , wahr ist ; was Wirdeserstlich bey einem jungen Könige leyn ? Nichts destowen ger giebt man vor , daß derjenige , davon wir reden , auf einem so schlüpfrig » rvege nickt ge , strauchelt ist . t Es bar zwar Gott nichr gefallen , daß er allen Pfeilen der Lästerung entgehen sollen . ( Bs wäre unbegreiflich , daß er , in einem noch nickt neunzehnjährigen Alter , mitten un - rer den Gefährlichkeiten des - Hosis , und an einem < ! >rre ohne Anfall gewesen wäre . wo alles den r0ollüstcn die ^HanS bie - thet . Und überdieß haben die verdorbenen - Hofleure selbst , welche erfreuet sind , ihren Unordnungen Surcl ? das 23eyfptel ih» res Prinzen , einen Qcbein des Rechrs zu geben , einige herum , qeaanaene Gerück re , wo nicl't selbst ausgesprengt , dock ? halten und mit s«> vieler rvahrtckeinlichkeir begleitet , daß sie die« jcnigen beunruhiget . die Theil an stiner Tugend genomn - en . Unter andern hat sich ein ehrlicher Mönch für verpflichtet ge - halten , der Roniqinn Nachricht davon zu geben , und d , ese Er , innerung auf eine solche Art vorgebracht , welche zu überreden geschickt war , daß er weniger daran zweifelte , als er gerne wollte . Er bar ihr auch zu verstehen gegeben , daß sie im Verdachte sey , so viele Leitungen davon zu wissen , als irgend jemand , und daß sie sich wenig darum bekümmere , was ihr Sohn vornehme , rvenn sie nur regieren könne . Sie hatte keinen empfindlichern Stich bekommen können . Allein , da sie mehr den Eifer dieses Mönchs , als die Art seines Vorrraa» , in Betrachtung zog , hat sie den Rönig und sich selbst mir so vieler Sksckxidenheir ge - rechtfertiget , daß es nicht möglich gewesen , daran zu zweifeln , und daß sie nicht der Tugend ihres Sohnes versichert und rer Seit« , unvermögend st / n sollte , auf emeclev Art an den Fehlern Theil zu nehmen , die er b> gel>en könnte . Er selbst if ? so weit entfernet davon gewesen , und alle seine - Handlungen ha - ben es so sichtbar gezeiget , daß diese eiteln Gerüchte Yich in weniger , als nichts , zerstreuet , und niemals wieder lebendig ge , worden sind . Hiftoire de Saint Louis , Livr . III . auf« Jahr'iZ ? z , Seite brüßler Ausgabe von iü«8 . Der Verfasser führet den V
Band der Geschichtschreiber von Frankreich an , die vom Du Chene her - ausgegeben worden , auf der 446 Seite .
( C ) Die ganz besondere Vorsorge , die sie für seine Erziehung gehabt . ^ Sie hat ihn selbst gesäugec , und nicht zugeben wollen , dag er andre Milch genossen hätte . Man erzählet hiervon einen Umstand , der nicht nur höchst seltsam , sondern auch scbr geschickt ist , zu zeigen , was sie br« dieser Materie für Einbildungen gehabt . „ Eines Tages , da sich „ die Königinn in der größten Hihe eines Anfalls vom Fieber , befun - „ den , der außerordentlich gedauert , hat eine vomehme Dame , welche „ ennveder der Königinn zu Gefallen , oder ihr nachzuahmen , ihren „ Sohn gleichfalls gestiliet , und den kleinen Ludwig vor Durst weinen „ gesehen , sich erbothen , demselben die Brust zu reichen . Die Königinn „ forderte , nach aufgehörtem Fieber , ihren Sohn , und both ihm die „ ihrige an ; allein der kleine Ludwig wollte dieselbe nicht nehmen : ent , »weder weil er vollkoninien gesattiget war , oder weil er vor einer hitzi« „ gen Milch einen Ekel hatte , nachdem er so viel kühle genossen , als er „ gebrauchet . Es war nicht schwer , die Ursache davon zu errathen , und „ die Komginn vermuthete dieselbe so gleich . Sie stellte sich bekümmert , „ derjenigen Person zu danken , der sie diese Gefälligkeit schuldig wäre , die „ man ihrem Sehne , unter ihrer Krankheit , erwiesen hatte : und die Da - „ me , welche sich beliebt zu machen glaubte , bekannte , es Härten sie die „ Thränen des kleinen Ludwigs so empfindlich gerühret , daß sie sich nicht „ enthalten können , demselben ein Hülfsmittel zu verschaffen . Allein die „ Königinn sah sie , statt der Antwort , mit einem verächtlichen Blicke „ an , sie steckte ihrem Sohne den Finger in den Mund , und nöthigte „ >hn dadurch , alles wieder von sich zu brechen , was er genossen hatte . , ^Oie>e Gewalt setzte diejenigen in Erstaunen , die sie sahen , und die Kö - „ niginn sagte , derselben ein Ende zumachen : wie sie nicht ertragen könne , „ daß eine andere Frauensperson ein Recht haben sollte , ihr den Mutter - „ namen streittgzu inachen ; so sehr war man damals überredet , daß da« „ Saugen der Kinder einen Theil ihrer Erziehung ausmache . Varil - las Minoritc de Saint Louis , p . 10 .
CD ) Ihr . Sohn hat sie allzuviel - Herrschast über sick nehmen lajstn . Die - Historie hat besondere Umstände oavon erhalten . I dieje yerr>ch>ucht ! ge Murrer einen Haß gegen ihre Schwiegertoch - ter gesa»et hatte , so hac sie dieselbe so viel , als möglich verhindert , bey dem Konige , ihrem Gemahle , zu schlafen ; und dieser Prinz bat sich , wi - der seinen Willen , dieser neuen Art der Dienstbarkeit unterworsen : denn wenn er sich einmal erkühnet , bey seiner Genial , linn zu schlafen so hat er alle Behutsamkeiten angewendet , um nicht überraschet zu wer - den . Verlanget man auch noch eine härtere Tyranney , als diese , zu fe - hen , welche ein verheirarheter Mann und eine Ehftau ausstehen , die nicht die Freyheit haben , bey Leistung ihrer ehlichen Pflichten , alles nach ihrer Bequemlichkeit einzurichten ? Die Königin» Blanea . hat auch nicht zuqeben wollen , daß ihr Sohn seine gefährlich kranke Gemahlinn besuchen loUen . Wir wollen alle« dieses durch daS Zeugmß eines Schrift - stellers beweisen , der zur selben Zeit gelebt hat : „ Die Ursache , warum „ die Komginn des Königes Mutter nicht liebte , war , daß sie denselben „ allzu jdwrf hielt ; den» sie wollte nicht zugeben , daß der König die Ko - „ 11 , ginn , seine Gemahlnm , besuchen , noch mit ihr in Gesellschaft sevti . . sollte , welches sie nach ihrer Gewalt verboth . Und wenn der Koma . . zuweilen in feinem Königreiche hemm reiste , und die Königin» Blan . >f> A " ' ? ' " " Z< " Saretha , feine Gemahl , nn ,
«bey sich hatte , , 0 ließ sie die Komginn Blanca gemeiniglich von eina»^ „ der trennen , und sie waren niemals in einem Hause bersammen Ei - „ nes Tages trug es sich zu , da sie zu Pomo . se waren , 'daß der König „ über der Kön . gmn seiner Gemahlin» , sein Zimmer hatte , und die „ Thurjrehn des Saals solchergestalt unterrichtet hatte : daß , wenn er , . bc» der Kon , ginn schlafen wollte , und die Königinn Blanca in da« „ Ammer des Königes oder der Kön , g , nn gehen würde , sie die Hunde „ ichlagen sollten , damit sich der König , bey ibrem gehörten Geschrey . vot „ seiner Mutter verstecken konnte . Diesen Tag traf die Kvniginn Blan . „ ca , in der Komginn Zimmer , den König , ihren Gemahl , an , welcher sie „ bejucht harte ; weil sie , wegen einer schweren Niederkunft , in großer „ ^ . cdeegesahr war , wo er sich aus Furcht , von ihr gesehen z» werden , „ hinter die Königin» versteckt hatte : allein die Königinn Blanea . seine „ Mutter , wurde ihn wohl gewahr , und nahm ihn mit diesen Worten „ bey der Hand : kommet weg von liier , ihr habet hier nichts zu thun ; , und er gieng aus dem Zimmer . Als die Königinn sah , daß die Köni - „ giiin Blanea ihren Gemabl von ihrer Gesellschaft trennte ; so schrie „ sie mit heller Stimme : Ach weh ! wollet ihr mich meinem Herrn we . „ der im Leben , noch im Tode , sehen lassen ! und bey diesen Worten siel „ sie in Ohnmacht , und man hielt sie für todt : und der König , der sol - „ che« glaubte , gieng eilig wieder zu ihr zurück , und ließ si» aus ihrer
„ Ohn .

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