Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4941

Castellan .
dieselben durch solche Mttel zu heilen , welche die ganze Regierungsform VMwerfen . Expediebat quaii aegrae fauciaeque Reipublicae re - qwiefcere qtiomodocunque nc vulnera curatione ipla relcinderentur . Florus , Libr . III . cap . XXIII . Es wird schwer zu entscheiden seyn , ob Castellan unter jene gehört hat . Allein , alle von Vorurtheilen be - fteyre Personen werden mir zugestehen , daß man nicht Behutsamkeit genug anwenden kann , wenn die Frage ist , Leute zu beschuldigen , daß sie wider ihr Gewissen predigen . Der Kanzler , de l'Hopital , hat sehr schöne Verse darüber gemacht , daß Castellan fast auf der Kanzel ben ist . Er hat diesen Prälaten sehr gelobt . 0» Pcirat , Antiquitez de la Chapelle , pag . 384 . Baluze , Not . ad Vitam CaftelL p . i6y . Co - lomies , Gall . Orient , p . IZ . haben die Verse diese« Kanzlers angeführet . Sie stehen in dem Moreri . Es hat einer gesaget , Castellan wäre mit Gift vergeben worden . Peter von St . Julian , in den Alrerthümern von Mascon , auf der - 45 S . bey dem Colomies in Gallia Orientali , 12 S . bezeuget , daß dieses die Meynung des Hausgenossen dieses Vi - schoft gewesen .
( R ) Franciscus der l , hat sich gerühmt , keinen einzigen Ge , lehrten gesehen xu haben , dessen rvisfenschaft er nicht in $wey Jahren erschöpft Hatte . ] Dicß verdienet Aufmerksamkeit . Fran« ciscue der I hat sich gerühmt , daß er unter vielen sehr gelehrten Männern , mit welchen er sich unterredet , keinen , als den Castellan , gefunden ha - be , der ihm über zwey Jahre neue Dinge barbiethen können . Dieß will so viel saaen , das , alle andre ihre Rolle gar bald ausgespielt , und «nrweder dieselbe zu wiederholen , oder zu schweigen gezwungen gewesen . Man hat den Boden des Sacks gesehen . Allein Castellgn ist eine le - bendige Quelle gewesen , die niemals vertrocknet ist . Die Worte des Gallaiidius sind allzu schön , als daß sie nicht verdienen sollten , abgefchrie - ben zu »Verden . Cum de doöis hominibus Ioqueretur ( Rex ) di<äi - tare folebat , fe pcrmultis extra communem aliorum aleam pofitif dodtis hominibus perfaepe familiariter vfum efle et deleclatum , rum praeter Caftellanum neminem fibi ad eam diem vifum , cuius eruditionem omnem non intra biennium exhaufiflet . Hunc veluti omnium artium quendam oceanum femper viuo gurgite tem , ad fe accedentem femper videri nouum , nec vnquam ante au - ditum . Eam efle eins immortalis ingenii vim et doctrinae foecun - ditatem , vt nunquam in vlla difputatione haefitare et titubare vifus eflet . Galland , in Vita Caßellan . pag . 71 . Vielleicht sind für einen gelehrten Mann keine Unterredungen niehr zu furchten , «I« der großen Herren ihre , welche die Wissenschaften lieben . Denn wie sie gewohnt sind , von Dingen ohne Vorbereitung zu reden , mit welchen sie umge - ben , so fassen sie eine üble Meynung von einem Manne , welcher nicht im Augenblicke die Fragen beantworten kann' , die in seine Profeßwn lau , fen . Allein wie viel geschickte Gottesqelehrte giebt es nicht , die man durch eine unvermuthete Frage von der Materie , dem Jahre , dem Fort - gange , dem Ausgange , und den vornehmsten Umstanden einer Kirchen - Versammlung , in die grausamste Verwirrung sehen würde ? Ich habe einen berühmten Geschichtschreiber von Frankreich gesehen , welcher treu - herzig bekannt , daß er nicht wisse , in welchem Jahrhunderte , Philipp der schöne , gelebet . Je mehr man liest , und jemehr man Sammlun - gen machet ; um so viel weniger ist man geschickt , aus dem Stegereife auf die Fragen von einer Sache zu antworten ; so daß es Leute giebr , deren Gelehrsamkeit man nicht weniger in ihren Schriften , als ihre Unwissenheit in ihren Gesprächen , bewundern muß . Die Blondels und Salmasen , und eine sehr kleine Anzahl solcher Leute , sind diesem Unglücke nicht unterworfen . Allein die andern fallen in gefährliche Hände , wenn sie die unaufhörlichen Fragen einer StandeSper>on ausstehen müf - sen , welche die Bücher liebet . Ich habe sagen hören , daß der Marschall von Crequi , da er unter währender seiner Ungnade , im 1672 Jahre , als er sich unter dem Marschalle von Turenne zu dienen geweigert , auf eines von seinen Landgütern begeben , den gelehrtesten Mann in derselben Gegend verlangt habe . Man brachte ihm den Prior eines Kloster« . Es waren noch nicht 14 Tage verflossen , so sagte er , daß man den aller - unwissendsten Menschen von der Welt , zu ihm gebracht hätte . Nicht darum , daß dieser Mönch nicht unzählige Dinge gewußt hatte , und daß er den Herrn von Crequi nicht vergnügt haben würde , wenn er Zeit gehabt , sich zuvor zu bereiten ; allein die eignen Namen , die Tage und andre Umstände , aus dem Stegereife zu sagen , dieß war seine Sache nicht . Der Präsident von Meme war gelehrt . »nd hatte einen so großen Gefallen an der Unterredung mit Gelehrten , daß man von ihm gesaget , er erschöpf« in acht Tagen einen Doctor . Fortsetzung der Menagianen , si6 Erike .
( 8 ) Er hat sehr wenig geschrieben . 1 Man eignet ihm einen lateinischen Brief , Franciscus des I , wider Carln den V , zu , der im . 545 Jahre kund gemacht worden . Mezerai , Tom . II . pag . 1017 . Varillas . Hift . de Francis I , Tom . II . p . 440 . Ich habe bereits von seiner Lei - chenrede , Franciscus de« I , geredet .
( T ) Man erzählet sehr wunderbare Wirkungen von seiner Beredsamkeit . ] Er hat in den Hospitälern , in den Gefangnissen , und in den Klöstern zu Paris , so bewegliche Reden gehalten , daß er alle sei - ne Zuhörer zum Weinen gebracht , und sie mit einer eifrigen Begierde erfüllet , Gutes zu thun . GallandiuS in CastellanS Leben , no . Seite . Nachdem er zwey Monate angewendet , eine Aebtißinn zu Pontoi>e , zur
eher verlassen , als bis er den Nonnen eine Predigt gehalten , die sie der . maßen gerührct , daß sie sich zur Erden geworfen , tausend Seufzer und Acch»en ausgestoßen , sich wider die Brust geschlagen , die bittersten - £yra * nen geweint , und versprochen , in Zukunft ihre Pflicht besser zu ten Ea vi eloquentiae rerumque et fententiarum e facris iirteris depromtarum tum grauitate tum copia de virginitatis , cantatis , et mifericorcfiae offieiis mundique contemtu nobis praefcntibui1 au - fcruit , vt omnesfefe humi affigem« , maximis f . ngultibus et fufti - riis editis , fua peöora pugnis contunderent , et maximam vim ia -
Lobeserhebungen der Bekehrung gemcht . J^
II Sand .
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aus . Hier sind feine Worte : Ad virum aliquando pafläs , fed vitae contaminatae taedio in monafterio caftitatem profefläs , ingreflus cum foeditatem veneream grauiflimis verbis infeöatus eflet , ea , verba de refipifeentia et poenitentia fundebat , eo c facris exempla et teftimonia ad laudem eius vitae ad pudicitiam fanöam conuerfae adducebat , vt quae prima oratione capillo paflo humi conllernatae et pe & ora pugnis acriter tunderent , faciem vnguibus deformarent , et lamentis atque eiulatibus omnia complerent , oratione poftrema ad fe reuocatae , manibus ad coelum verfis , Deo gratias agerent , fe longe feliciflimas praedicarent , et in fufeepto vitae inftituto con - ftanter perfeueraturas iterum atque iterum vouerent . Ebendaselbst 124 . 125 Seite . Wir können diesem beyfügen , was der Ritter Casal an den Pabst Paulus den III , geschrieben hat : Der Bischof von Mascon hat des Röniges Franciscus gar gelehrte Leichenrede sehr geschickt gehalten , außer daß man i'^n rvcgen de« großen Xvchklagens und U ? einens , nicht wohl verstehen können , wtb che» durch die XVorte des besagten Bischofs selbst erreget roor , den . Ich will mich bemühen , eine Abschrift davon ; u bekom , men , die ich eurer - Heiligkeit zuschicken werde . Man findet dieses in ben Briefen der Fürsten , welche vom Rucelli gesammlet , und vom Bellesorest übersetzet worden . Bey mir auf dem CLI Bl .
( V ) Xvir wollen nur eine Anmerkung für die Fehler des Mo - reri machen , u . s . rv . ] I . Giebt er wider das ausdrückliche Zeugniß de« Gallandiu« vor , daß Castellan von Langre« , und von gemeiner kunft . gewesen . II . Daß ihn Franciscus der I , wegen einer gewissen Antwort , die ich in der Anmerkung ( A ) angeführt habe , zum Prediger gemacher . Heißt dieses nicht dieses großen Fürsten spotten , wenn man vorgiebt , er habe einen lustigen Einfall mit einem so heiligen Amte be - lohnt , al« das Amt eines Predigers ist . Castellan hat keinesweges durch diesen vorgegebenen lustigen Einfall , die Freundschaft dieses Mo - narchen erworben , seine schönen und gelehrten Gespräche haben ihm das« selbe erlanget : es ist ihm die Bedienung des Vorlesers bey dem Könige gegeben worden , uud nicht das Amt eine« Predigers , Siehe sein Le , ben auf der 41 0 . Diese Worte des GallandiuS auf der 46 Seite : Frl . nium omnium inter Scribas et Miniftro« cubicularios Regis coopta - tus , bedeuten , nach meinem Bedünken , daß er zwischen den Secreta» rien des CabinetS , und den Kammerbedienten gestanden , das heißt , daß der Vorleser seiner Majestät , für einen seiner Bedienten gehalten worden . III . Wenn er die schönen Wissenschaften zu Paris gelehrt hätte , wie Moreri versichert , so würde GallandiuS etwas davon erwähnt haben ; sein Stillschweigen muß hierinnen für eine gründliche Wider - legung des Moreri gelten ; allein wo ist überdieß die Wahrscheinlichkeit , daß ein Vorleser des Königes , der sich alle Tage bey der Tafel , und beym Schlafengehen seines Herrn befunden , sich mit einem Schulamte hätte vermengen sollen ? Mehr Grund hat Moreri , wenn er saget , daß Castellan nach dem BudeuS , Auffeher über den Büchervorräth bey demselben Prinzen geworden . IV . Man hat nickt , wie er versichert , seine Tugend zu belohnen , den ? lnfang mit der Abtey Auberive ge - machet . Ohne Zweifel hat er sagen wollen , die Abtey Hauvillierö , in dem Kirchenfprengel von Reims , welche GallandiuS lateinisch , Abba - tiain Altovillarenfem , nennet : allein die Abtey ist lange Nicht die erste Belohnung gewesen ; er ist vielmehr erstlich damit versehen worden , da er fein Bischofthum Tülle niedergelegt . Er hat sich von diesem Bischof , thume los gesaget , als man ihm das von Maeon gab . Er hat die Ab - tey Hauvilliers im 154z Jahre erhalten , und zum Bischöfe von Tülle , ist er im 1539 Jahre gemacht worden . BaluziuS , in de» Noten über CastellanS Leben , 14 ? Seite , hat beobachtet , es hätte GallandiuS nicht Grund gehabt zu sagen , daß Franciscus der I , dem Castellan in einem Jahre drey Pfründen , die Probstey zu Esvaus , in dem Kirchenspren . gel Limoaes , das Bischofthum zu Tülle , und die Abtey zu Belleperche , in dem Kirchsprengel von Montauban , aufgetragen hätte : Intra vnni» anni fpatium tribus facerdotiis , Praefedtura Ennaonienfi , Fpifco - patu Tutelenfi , et Abbatia Belloperticenfi cum ornauit . Galland , in Vita Caftellan . p . 48 . Denn Johann vonCardailla^istAbt zu perche vom 1484 Jahre bis „ 4 ? gewesen , wie es ( eine Grabschrift bezeu , aet , welche die Sammarthaner im IV Th . von ihrem Gallia Chnftia - na bekannt gemacht haben . Also ist diese Abtey dem Castellan nicht eher als vier Jahre darauf gegeben worden , nachdem er da« Bischof - thum Tülle erhalten gehabt , von welchem gewiß ist , daß er im >5Zy Jah - re darzn gelangt ist . V . Es ist nicht wahr , daß ihm das Großalmosenier» amt von Frankreich , vor dem Bischofthume zu Maeon , aufgettagen worden . Er hat dieses Bischofthum im 1544 Jahre gehabt , und ist erst , lich unter der Regierung Heinrich« des II , den 24 des Wintermonat« >547 , Großalmosenier geworden , Siehe d „ Pcirat , Antiquitez de la Chapelle , pag . Z8 ) . Thuanns hat hier einen Fehler begangen ; er hat geglaubet , daß Franciscus der I , dem Castellan das Großalmolenieramt gegeben , III B . 57 S . Verschiedene andre haben gleichen Fehler be - gangen , wie solches du Peirat beobachtet . lacob Seuertiu» , inTrafta - tu de Epifcop . Matifconenfibus ; Carolin Saufleius , Lib XIV . Annal . Ecclef . Aurelianeniis ; Claudius Robertus , in Gallia Chriftiana . Ex ist selbst nicht außer allem Tadel , weil er auf der 455 S in ben Alter« thümern de la Chapelle glaubet , daß Castellan im >5z>Jahre ordentli - cher Almosenier Franciscus des I , uud Bischof zu Macon gewesen . Dieß ist höchst falsch . Der P . Jacob , nachdem er gesaget . daß Budeu« im , 540 Jahie gestorben , setzet darzu , daß das Uuf'ehere . mt über den Bncherschatz de« Königes dem Peter de Chatel , von Franciscus dem l gegeben worden , der ihm hierauf auch das Bischofthum zu Tülle gege« den . Jacob , Traite' des Bibliotheques , pag . 46g . Dieß heißt die Ord - nung umkehren ; denn wir haben gesehen , daß er dieses Biftl>oftH»m im 1539 Jahre erhalten hat . Ebenderslbe Schriftsteller saget auf der 469 Seite , daß du Chatel unter dem Prediqen im 1558 Jahre gestor , ben : er hätte sagen sollm iss - . Catherinot bat fälschlich gesaget , daß du Chatel Professor zu BourgeS gewesen , Annales Typographiqu . de Bourges , p . 4 - Dieses bestellen aus acht Seiten . Mezerai im II Th . der Historie von Frankreich . , oty S . in Folio , hat eben so wenig Recht , daß er ihn in Ungnade verfallen läßt .
( X ) Wit wollen dasjenige erjahlcn , rvas Varillas wegen der Versammlung ; u Melun beobachtet . ] Er saget , in der Histo - rie Franciscus des I , im XI B . pag . m . 136 . und ferner . I . . . Daß „ die vornehmsten GotteSgelehrten von der Facultät zu Paris Befehl „ gehabt , sich zu Melun einzufinden , ihre Meynungen schriftlich aus , u - N setzen

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