Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4936

96 Cast
vicatim et oftiatim niendicare cogerentur , et eius rei occafione , fui copiam , magno cum probro , facere viilgo dicerentur , re prius dili . genter multumque cum prudentibus bonisque vir» communicata , Ulis demum multis rationibus , quamquam aegre , perfuafit , ne mo - nafterium femel in^relfae , cum hac ignominiofa boni nominis et fainae iaäura per vrbem in pofterum diuagarentur . Galland , in Vita Caftell . p . iio .
( ? ) Er säuberte seinen Rirckensprengel von den herum - sckweifenden Pciestern , Vie nichts verstunden , und ein ches ilcben führten . ] Er hat die Verbesserung seines K>rchm , prm - gel« mit den Priestern angefangen , und befohlen , daß all« diejenigen , die keine gewisse Wohnung hatten , und welche nur von einem Orte zum andern herumliefen , Messen zusammen zu betteln , unverzüglich das Land räumen sollten . Er hat in vierzehm Tagen eine so große Anzahl daraus verjagt , daß man daraus eine gute Armee hätte aufrichten kön - nen . Do & rinae ef vitae fui populi cognitionein inftaurationernque a capite , hoc eft , a facerdotibus exorfus , eorura qui nullam certam ftationem habentes , velut crrones circumforanei , Miflas vndiqua - que aucuparentur , tantum numerum intra dies quindecim epifcopa - tus Tai finibus exegit , vt ex iis iuftus propemodum exercitus cogi pofle videretur . Ebendaselbst 134 0 Bey ihrer Befragung hat er sie sehr unwissend und verdorben gefunden , und ihnen dennoch einen Reise - Pfennig gegeben . Dieß war ein ungemeiner MiSbrauch , daß man der - gleichen Leute geduldet , die sich von Thüre zu Thüre anbothen , um ei - neu billigen Preis Messen zu lesen . Cum eos interrogatos litterarum omnium ignaros , omniuin fordium maculis infames , nulli certo ho - mini , aut loco auciuratos , merceduia le veluti venales ad facra obe - unda obtrudere didiciflet . Ebendas . iz ; 0 . Man hat diesem Uebel ein wenig abgeholfen ; allein es ist doch noch groß , und hat einen ka - tholischen Schriftsteller , dessen Werk 1681 in Holland gedruckt worden , angetrieben , große Klagen zu fuhren . <£3 ist eine kurzweilige Sacke , saaet er , wenn man in Italien in einer Sacristey zehn bis zwölf
griester warten sieht , bis ein Thor kömmt , der ihnen für eine »esst einen Julier bezahlet , damit sie Srodt haben , und öfter» werden sie von dem Rüster fortgejager , ehe sie einen Pfennig verdient haben . In Paris sieht man dieses nickt , allein es gicbt mehr als tausend solcke irrende Ritter daselbst , die keine gewisse Pfarre haben , und viel Mühe haben , von ihren Messen zu le - den : ick fliehe sie wie die Beutelsckneider , und ick freue mick darüber , daß weder Priester Nock Münch , in meinem ganzen / leben etwas von meinem Gelde fürs Meßlesen bekommen hat . Ick würde glauben , einen Rirckenraub dadurck zu begehen ; man sollte keinen teuren ohne Amt und Pfründe die Priester - weihe geben , dieß würde uns von dergleicken Landstreichern befreien . Moiens fürs et honnetes pour la Converfion de tous les Hcretiques , P . II . p . 26 . 27 . *
* Was Herr Bayle hier denen von der römischen Kirche vor - rücket , das trifft , wiewohl mit einiger Veränderung , auch die reformirte Gemeinschaft , es mag nun dieselbe französisch oder englisch seyn . Ohne Zweifel ist es noch ein Ueberbleibsel aus dem Pabstchume bey ihr , daß sie die Candidaren des Predigt - amts , nach geendigten Studien , und ausgestanden« Prüfung rer Gelehrsamkeit , zu wirklichen Dienern des Wortes einsegnet , und ihnen also die Macht ertheilet , die Saeramente auszuspenden ; ob sie gleich noch keinen Ruf zu irgend einer Gemeine bekommen haben . Da schicket man denn gleichsam diese neue Apostel in alle Welt , allen Creaturen das Evangelium zu predigen . Was aber daraus für Beschwerden in der Kirche entstehen , und wie solches zur Verachtung des geistlichen Standes sehr viel beyrrage , das will ich mit den Worten D . Eackards , eines englischen Schriftgelehr - ten , ausdrücken , dessen Untersuchung der Ursachen , welche zur Verachtung der Geistlickm und der Religion Anlaß gegeben , uns der Herr Consist . R . Reinbeck , wiewohl von ei - ner andern Feder übersetzt , 1740 in 8 zu Berlin herausgegeben hat . „ Das erste , schreibt er auf der »7 0 . welches die Anzahl unver - „ sorgter Prediger vermehret , ist dieß , daß man Leute in dm geistli - „ chen Stand aufnimmt , bloß ihres Hochmuths und Ehrgeizes tzen , ehe sie noch einen Beruf oder ein Amt haben . Einige sind „ in den Titel eines Priester oder Diaconi so übermäßig verliebt , „ daß sie weder bedenken , wie sie werden leben , noch was für Gil - „ res sie in ihrem Amte werden stiften können . Sondern sie bil - „ den sich ein , daß ein Priesterrock , wenn er fein lang gemacht ist , »doch eine schöne Tracht sev , wenn er gleich niemals bezahlt ist , ze . „ und 120 S . Die Kirche ist doch eine vortreffliche Zuflucht ; und „ ein geistlicher Gulden ist so gut , als drey weltliche , es gehe nun „ übrigens , so arg es wolle Wenn sie nur dieses auswendig ler - „ nen wollen : Quid eft fides ? quid eft ecclcfia ? quot funt Con - „ cilia gencralia ? so werden sie nach Beschaffenheit ihrer Gaben „ ennveder Priester , oder Leser . - - - Kurz , mein Herr , wir „ sind mit Geistlichen recht überladen , weil wir kaum der Hälfte „ etwas zu thun geben können . Da wir nun die remischkatholi - „ schen Bubenstücke auf und nieder zu wandern , und Verg - bung „ der Sünden , oder Ablaß auszurufen , nicht verstatten ; uns auch „ aus Mangel des Unterhalts bey den reichen Sündern mit dem „ Fegefeuer nicht erholen können ; und alfo sowohl durch diese , oder „ auch andre unzuläßige Gewinste der Religion nicht aufhelfen „ mögen : so wäre eö viel besser , wenn viele von denselben zu etwas „ anderm gewiesen würden . Da wir auch unsere Gelehrten nicht . . über die See verhandeln , und jährlich so viel Tonnen Geistliche „ verschicken können . als wir es mit andern Sache thun , die wir „ im Ueberfluße haben . So handeln wir ja sehr unweislich , daß „ wir zu diesem heiligen Berufe so viel Leute erziehen , oder sich selbst „ hinein drangen lassen ; da wir doch sehen , daß wir ihnen weder „ Brodt noch Arbeit verschaffen können . Wieviel besser ist es nicht , in diesem Falle , um unsre evangelische Kirche bestellt ! G .
( QJ Die Protestanten haben viel Betrachtungen über seinen Tod gemacht . ] Wir wollen Theodors Beza seine ansehen Fw icyt , läget er . wenn er , vom Castellan redet , if ? er mit dem Sisckof - ttnnne , u Maston , und nack diesem mir dem zu Orleans nack vielen verbothencn Verkaufungen der Pfründen , versehen
den . Er ist ein Mann von großem Geiste gewesen , der zier« lick Hatcin geredet , und im Anfange der Religion auck so weit Vorschub gethan , daß er die Sache Robert Stephans lange umerstünet hat - - - als er von der Sorbonne , wegen ei - nes gewissen Drucks der Bibel angegriffen worden , den er ge - mackr hatte . Beza im II B . der Kirchenhistorie 80 . 8> S . - - - Allein dieser gute Bischof , welcker sick endlick so weit bequemet , daß er auck'diejenigen verfolgte , die er zuvor nack allem mögen entschuldiget , ist endlich Bisckof zu Orleans geworden , allwo ihn Gott unterwegens erwartet hat . Denn da er den Tag vor seinem ( Einzüge , md> der eingeführten Gewohnheit , in dem Rloster angekommen war , welcke« sie Sr . Vuerre nen - nen : ( du Peirat . Antiquitez de la Chapelle , pag . 384 - saget , daß dieser Prälate vom Schlage gerührt worden , als er in dem Kloster des heil . Laurentius zu Orgeres , vor seinem Einzüge in der Stadt Orleans , das Wort Gottes geprediget . ) und die Ranzel bestiegen , um zu predi - gen , wo sick eine große Menge Volks , wegen der Neugierigkeit , befunden , einen Bischof predigen zu sehen , wobe^ er denjenigen sehr harr gedrohet , die man Reyer heißt ; ist er von einem so großen und plönliciiem Barickgrimmen überfallen worden , daß man ihn wegtragen müssen , und er die folgende Nackt stinke , ben elendiglich geendiget hat , um seinen Einzug an einem anf dern Orte , ' als in Orleans , zu halten . Fünf Tage darauf , näm - lid ) den 9 des Heumonat« , wurden auck ausgeführt , u . s . w . Gallandius saget auf der iz5 S . daß Castellan erstlich auf der linker» Seite , und darauf auf der rechten Seite vom Schlage gerühret worden , worauf er nicht mehr Athem Holm können , und vor dem dritten Tage er . - stickt f«y , ante triduum fuftbcatio fecuta fit . Beza bekriegt sich , sowohl im Tage als im Jahre . Nach ihm müßte Castellan den 4 desHeumonars 1549 gestorben seyn , allein dieß ist den z Hornung 1552 geschehen . Wir wollen dem TheodoruS Beza , noch einen andern Zeugen , einen guten Protestanten , beyfügen : bey Gelegenheit der Geistlichen erinne , re ick mick eines andern , den man nickt leickt zu vergeben ger , wenn man von dergleicken Gerickren Gottes redet : iwtnv lick des Petrus Castellanus . Denn in der That haben wir an ihm ( so gut als an einigen andern , ) ein merkwürdiges Bevspiel des göttucken Gerichtes : weil er , nackdem er unter der Regie - rung Roniges Franuscus des I diese» Namens , große pro , feßion von dem Evangelio gemacket ; so gar daß er sick dadurck das Misfallen der Sorbonne zugezogen , ( welcke er nickt fürck - tere , weil er sick vom besagten Prinzen unterstützt wußte , ) nen Rock unter der Regierung des Rom'ges Heinricks des ll dieses Namens , umgekehrer , ( dem» er sah , daß diejenigen , cke profeßion von dem Evangelio machten , damals keinen gu - ten Zutritt bey - Hofe harren , ) gewiß er hat ihn dergestalt um - gekehrer , daß man ihn nickt mehr gekannt . Und er begnügte sick nickt damit , da er nack Orleans gekommen , ( von welcker Stadt er das Viscliofrhum ncuerlick erhalten harte , ) um luftig und sckarf wider die Religion zu predigen , die er zuvor unrev - stüyr hatte . Jn dieser Absicht bat er etlicliemal die Ranzel bestiegen : allein in einer predigt , da er - Lästerungen wider die wahre Religion und sein Gewissen ausgespieen , ist er von eini - ger Rrankbcir überfallen worden , die ihn von der Ranzel nicke so , wie er hinauf gestiegen war , herunter steigen ließ . Man saget , sie habe darinnen bestanden , daß die eine Hälfte seines Rörpers gebrannt , und die andre Hälfte so kalt wie Eis gewe , ftn : man redet auck von einem Durckfalle . So viel ist gewiß , daß der Tod mit entseNlickem Geschrey und ÜVinseln , etlicke Tage darauf gefolget ist . Henri Etienne , Apologie pour Hero - dote , pag . 312 . Aubigne im ITH . II B . XI Cap . pag . m . 112 . führet ein Buch an , welche« Dan betitelt ist , worinnen man saget , daß der Bischof Castellan , welcher die Protestanten mit einer großen Kälte zum Feuer geschickt , halb erfrohren , halb verbrannt , gestorben sey . Cyassa - nion erzählet eben dasselbe , was Beza upd Heinrich Stephan von dem Tode dieses Prälaten sagen . Siehe dte 106 . 107 Seite eines Buchs , welches im 1586 Jahre , unter diesem Titel herauögegebm worden . Hiftoires memorables des grands et merveilleux jugemens et puni - tions de Dieu .
Äch glaube , daß ich über diese Materie drey Dinge sagen könne : I . Daß Beza und Heinrich Stephan u . a . m . nicht aus bloßer Der - leumdung , sondern aus Religionseifer gehandelt haben ; II . daß dasje - nige , was sie gcsaget haben , sehr geschiekt ist , ihrer Sache Dienste zu tbun , und das bereits reformirte Volk in ihrer Meynung zu erhalten ; III . daß sie vermuchlich in ihren Entscheidungen allzu geschwind gegangen sind . Calvin , Beza und viele andere , haben in der Einbildung gestan« den , daß alle diejenigen , welche anfänglich der Reformation gewogen ge - wesen , entweder , weil sie den Geist der Verfolger zu besänftigen gesucht , oder eine ungemeine Begierde gezeiget , das Ende von dem Uebel der Kirche zu sehen , so viel Abtrünnige und Verräther an ihrem Gewissen wärm ; wenn sie in der romischen Gemeinschaft blieben , und die Auf - fuhrung , in Ansehung der Reformirten , änderten . Ich sage , daß die . sei - zu geschwind urtheilm heißt . Glauben , daß die Kirche der Ver - besserung nöthig hat , und eine gewisse Art , dieselbe zu verbessern , billi - gen . das sind zwey sehr verschiedene Dinge . Die Aufführung derjenigen zu radeln , die sich einer Verbesserung widersetzen , und die Aufführung de - rer zu misbilligen , welche verbessern , sind zwey Dinge , die sehr wohl bey einander bestehen können . Man kann also dem Erasmus nachahmen , ohne daß man ein Abtrünniger oder Treuloser ist , ohne daß man wider dm hdl . Geist gesündiget , und ohne , daß man der Erleuchtung seines Ge - Wissens zuwider handelt Dieß scheint Theodor Beza nicht begriffen zu haben : er hat sich eingebildet , daß alle diejenigen , ivelche zugestünden , daß Calvin und Luther in vielen Dingen Recht hättm , dadurch völlig uberzeugt waren , daß man mit der römischen Kirche brechen , Altar gegen Altar auftichtm , die Bilder zerschmeißen und umwerfen , und sich durch die Erblickung der Ströme Blutö nicht aufhalten lassen müsse , die darüber vergossen werden würden . Dieß ist eine Verblendung : es hat , ohneZweisel , Leute gegeben , welche geglaubet , daß , weil die Glaubens - Verbesserung so große Verhinderungen geftindm , ivelche Europa in die äußerste Verwüstung geseht , Gott dadurch bezeuget habe , es sey die Zeit zur Verbesserung noch nicht gekommen . Viele Leute werden von die - sem Grundsätze beständig eingenommen bleiben , daß es ein geringeres Uebel sey , die Msbräuche der Republik und der Kirche zu dulden , als
diesel«

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