Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4928

Castellan .
mit demjenigen , was ich aus dem Leben Castellans anführen will , so wird man wenig oder gar keinen Unterschied finden . Memini cum ali - quando , cum Pontificum Romanorum fupinas libidines , auaritiam , et rapacitatem , religionis conteintum , fuperbiamque Cardinalium , luxum , et ignauiain , nundinationcsque , cauponationes , et flagitiare - liqua aulicoruin Romanenfium deferiberet , et cetera , quae tunc vi . diflet , commemoraret , ita animo concitari et indignatione commo - ueri confueuifle , vt ei non modo in facie color , fed et toto corpore geftus niotusque immutarentur ; vt etiam mihi frequenter diceret , fibi eile perfuafiffimum , ne Pontificcs quidem Romanos religionis et öcrorum antiltites , tot fuis fuorumque llagitiis fceleribnsque conta - minatos , vere et ex animo Chrilhim colere ; quae autem in reli - gione faccrent , retinendae dominationis caufa , veluti larua ad fal - lendum appofita , egregie fimulare . Galland , in Vita Caftell . pag . 27 . Man sehe , was ich au ? dem Erasmus in der Anmerkung ( GG ) , bey dem Artikel Calvin angeführt habe .
( l ) Francistus der l , ließ ihn unter währender Mittaas , und Abendrafel von hnndertcrley Dingen reden . Z Castellan hat nicht allem viele Gelehrsamkeit , sondern auch große Anmuth im Reden be - sessen : dieß war Ursache , daß man ihm mit vielen Vergnügen , und großer Aufmerksamkeit zugehört ; wenn er die Fragen beantwortet , die ihm vom Franciscus dem I vorgeleget worden : Prandenti Regi fere fem - per aftabat ; et ad ea quae in percontando ab eo ponebantur fic re - IJjondere folitus erat , vt facile quiuis naris non obefae eum omnia ingenio fummo , acerrimis ftudiis , atque vfu maximo cognita et per - fpecla habere iudicafiet . Huc accellerat vocis ea lenitas , vultu« geftusque compofiti decor , et fermonis comitas , elegantia , et gratia , vt , quod de Pericle prodidit Eupolis , Pitho quandam tiexanimam in eius labris leffitare homines putarent . Itaque quoties difl'erebat , Regem , filentibus aliis omnibus , in eum oculos coniicere , ex eius orc veluti auribus fufpenfum pendere , et fingula verba ab eo emifia tanquam oracula probare animaduertillcs . Ebelidas . 42 © . Gleich an den ersten Unterredungen hat der König viel Gefallen gefunden ; De variia rebus diflerentem et fermocinantein auidiffimis auribus Rex inter coenandura et prandendum eumaudiret , etrepudiatisalio - rum opinionibus in eius fententiam defeenderet ; ebendas . 58 @ . und well einige Personen von Wichtigkeit , darüber eine große Eifersucht gefasset und gearbeitet , diesen Menschen aus seiner Gelassenheit zu bringe» , und ihm hinderlich zu seyn , sich durch seine schönen Reden in das Gemuthe des Königes einzuschleichen : so hat der König dem Dauphin aufgetragen , ihm zu sagen , daß er sich dnrch die Drohungen keines Menschen erschrecken lassen , sondern beherzt und kühn zu reden fortfahren solle : Cumquc e fl'ent , qui , eius fclicitati inuidentes , filentiuui ei imperarc conten . derent , atque ab hoc de rebus omnibus apud Regem aicendi inftitu - to deterrere pararent , per filium natu Maximum Delphinum Rex ipfe eum hortatus eft , vt intrepide et conftanter ad fuani menfam loqueretur , neque cuiusquam interpellationc aut minis de fententia deduceretnr . Ebendas . 39 0 .
( K ) Gr gab ihm vas Vorleseramt , das durch des Colin Un -
? >iade lcdig geworden . ^ Gallandius giebt auf der 40 Seite vor , es abe sich Colin durch Reden verhaßt gemacht , weiche Zänkereyen erre - get , und daß diejenigen , die ihm deswegen zu Leibe gegangen , an einer Seite zum Besten Castellans ausgesprochen , in währender Zeit an der andern Seite , ihm sein Verdienst angepriesen , so daß Colin abgedankt , und Castellan an seine Stelle gesetzt worden ; Castellan , sage ich , der niemals an dergleichen Gnade gedacht , und lieber eine Bedienung bey dem Kriegsvolke , als bey der Kirche , gewünscht hätte . Theodor»« Beza erzählet die Sache auf eine andre Art . Er saget im II B , der chenhistorie auf der 80 S . ( Bs hatte sich Castellan beym ^Jacob Colin dem ordentlichen Vorleser bey der Tafel des Ronigcs , Lrancistus des I , angegeben , und Gott es also gefüget , daß ihn Colin dem Ronige vorgestellt , welcher begierig gewesen , Jleute von aufgewecktem Geiste , und vornehmlich diejenigen an seiner Tafel ni hören , die etwas neue« vorgebracht . Der Ausgang dieser Vorstellung , fährt er fort , ist dieser gewesen , daß Castellan den Colin ausgestochen hat , und Ronigs Franciscus des ersten , Liebling bis an seinen Tod geblieben ist . Ein andrer erzählet , es hätten Colin und Castellan cinömals in Gegenwart des Königes über eine Sache gestritten : Colin hatte sich auf Bucher gegründet ; Castellan hatte als ein Augenzeuge davon geredet und bewiesen , daß sich die , vom Colin , angeführten Schriftsteller , betrogen hätten . Dieß hat den Ca - stellan in dem Gemuthe des Königes so wohl angeschrieben , dak er Be - fehl bekommen , bey Hofe zu bleiben , und darauf da« Bischosthum von Tully erhalten habet . Narrat Petrus a Sancto luliano in Praefatione ad Hiftoriam Burgundionum , cum incidiflet quaeftio quaedam inter eum et Caftellanum coram Francifco primo , Colinusque Librorum au & oritate tanttim vteretur , Caftellanus vero , qui rem , de qua age - batur , etiain oculis vfurparat , fua auftoritate teftibusque appro - baflet , vera his librii non contineri , tantam hinc iftum gratiam afle - cutuin efle apud Regem , vt in aula manere iufliis fit , indeque Epifco - patu Tutelenfi donatum . Baluzius , Notis ad Vitain Caftellani , p . 147 . Man fährt sehr übel dabey , wenn man einen geschickter» , al« man selbst ist , anpreist : »nd ich zweifle nicht , daß Castellan dem Colin nicht sehr „ achtheilig gewesen ist , entweder ohne daß er sich darum bemüher hat , oder auf die Art , wie es Theodorus Beza erzählet .
( L ) lkr fand es für gut , daß man gegen die Retzerrichter und Angeber Nachsicht gebrauche»» sollte . ^ ES ist ihm nicht un - begannt gewesen , daß et in der katholischen Kirche viele Verleumder ge - aeben , die aus Haß , aus Eifersucht , Ehrgeize und Geldgeize , unschul - diae Personen anklagten , und sie des Lutherthums fälschlich beschuldig - ten' allein er hat geglaubet , daß dergleichen Ankläger verdienten , det'»u werden , wenn auch ihr Verdacht gleich nicht gegründet wäre ; denn saate er , die Unschuldigen , die angeklagt würden , wurden srey ge - svrochen und die Schuldigen blieben ungestraft , wenn sie nicht ange - Iwmi & ten Er bat sich einer Stelle des Cicero bedienet , ( siehe oben klagt wurde . Bernhard / ) woraus er geschloßen , daß man die unterdrücken , zum Besten der Republik
SÄEdt fie^nSfn , helfen , und sie beschützen müsse . I^eque den Hunden , die sie anbellen , I I ^ „ erfacalurnniatores eflL . 't , qu» fieri pofle , quin in saSwnequoq ^ di katCJ retinendi p0 . odio , inuidia , vel nxmio ftudio ftia p do viro» pro Lutheranis tius , quam ptetatis atieüu bonos auq " " r
95
perfequerentur ; ferendos tarnen efle , quoties in fufpicione , a qua etiam crimen abefl'et , fufpeelos in iudicium vocarent . Quod ft in nocentes eflent accufati , abfolui poflent , condemnari autem nocen - tes , nifi accufarentur , non poflent . Qiiam ad rem locum illum ex Cicerone pro Rofcio de cambus Capitolinis adducebat , vt illosolim , cum fures internofeere non poflent , reöe latratu appetere folitos efle quicunque 1106hl Capitolium ingrefli eflent ; ita mem lvm - phaticorum quorundam coniprimeretur audacia , quoties moribus et longo vfu in Ecclefia reeepta , priuata aufloritate abrogarent aut feditiofe damnarent , latratores , a quibus appeterentur , reipublicae caufa fauore profequendos efle . Galland , in Vita Caltell . p . 55 . ist Nicht zu leugnen , daß dieser Grundsatz zum Besten der Republik , und vornehmlich zur Zeit der Unruhe , nicht einigen Nutzen haben sollte : al , lein außer diesem bleibt es gewiß , daß er eine Quelle der Ungerechtig - keiten ist . Man muß deswegen das Schicksal des Menschen , und die unglückliche Notwendigkeit beweinen , daß man bey so vielen Begeg - nungen verbunden ist , das Recht der Privatpersonen , dem gemeinen Besten aufzuopfern . Die Ehre und Unschuld einer Familie dienen ei - mm argwöhnischen oder boshaften Angeber nur mebr als zu oft zum Raube . Die Gereä ) tigkeit erforderte , daß dieser Angeber exemplarisch gesiraft würde , entweder »vegen seiner Verwegenheit , oder wegen seiner Bosheit ; allein das gemeine Beste erfordert , daß man diese Leute wider jedermann bellen läßt , und daß man sie mit keiner Strafe beleget , wenn sie die Ui^schuldigen mit den Schuldigen vermengen . Dieß hält die übelgesinnten Personen , m Zaume , und es ist besser , zehnmal ohne Noch anklagen , als die Anklage derer ein einzigeSmal versehen , die sie verdie - nen . Dieß machet , daß so viele ehrliche Leute nicht «eachtet werde» , in währender Zeit die Ehrlosen in großem Ansehen stehen . Ein ehrlich« Mann , will sich nicht auf das Handwerk eines Kundschafters und An - geber« legen ; ein unehrlicher Wann nimmt die Person sehr willig über sich , lind er machet sich dadurch nützlich , auch zuweilen nothwendig . Dem sey wie ihm wolle , so sieht man , aus was für einem Grunde ser Castellan verlanget hat , daß man dergleichen ungerechten Angebern Quartier geben soll , welche soviel unschuldige Personen anschwärzen . Das Wohl der Kirche erforderte , daß es Hunde gäbe , welche nicht allein die Ketzer , fondern , ohne Unterschied , alle diejenigen anbellen , die durch ihre Mäßigung und ihren Geist der Duldung verdächtig würden . Castellan ist nicht der einzige , der diesen Grundsatz annimmt .
( M ) ( £c ist der Gorbonne , wegen des Schuyes , ungemein ver , haßt gewesen , den er dem Robert Stephan ertheiler . ^ Dieser Schutz hat nicht lange gedauert : Castellan ist es endlich mude gewor , den , sich dem reißenden Strome der Sorbonnisten zu widersehen ; und er hat ihnen den Robert Stephan Preis gegeben , der sich also darüber beklaget : Sogleich , und al» wenn er , ich weis nicht , von was für einer Vvurb angetrieben wäre , überließ er denjenigen dem Raube der Schriftgelehrten , den er vielmehr aus gottlichem Triebe , als aus einer reinen und aufrichtigen Neigung , wider gleichen Plagegeister beschützet hatte . iLr hat solches in der ^off> nung gethan , einen Cardinalshur w erschnappen , daß er sich ib - nen so knechtisch und ohne alle Vernunft ergeben ; denn er hat sie stark gehajser . Robert Etienne , Reponfe aux Cenfures de» Theologiens de Paris , XXII SM . Ausgabe voll >552 . in S . Einige Tage darauf hat er sich besänftiget und sich geärgert , daß man diesen geschick - ten Mann unterdrücket , und ihn gezwungen , ein ander Land zu suchen . Ebendas . XXIV SM . Man bewundere Eastellans Schicksal : Er ist we - gen des Lnrerthums verdächtig gewesen , theils weil er das Griechische und Hebräische verstanden ; tyeils weil er die Grausamkeit der Ketzer - richte ? , und einige Misbräuche der Kirche gemisbilligec ; und wenn er , sich von diesem Verdachte zu reinigen , ihn verfolget , so hat man geglanbet , daß er solches aus bloßem Ehrgeize gethan hätte . Gallandius selbst be - richtet uns alle diese Dinge in dessen Leben auf der 5 ; S . A quibus - dam , qui quiequid politioribus litteris tinfhim eft , aut ex Hebraeis Graecisque litteris erutum , ftatim Lutheranum efle clamitant , nem ei fedae , ab aliis vero aulae pontificiae corruptos mores , nun - dinationes rerum facrarum , et quam vocant fuperftitionem impro - bantibus , purpurei galeri defiderio , fi<äum et perfonatum fimulato . rem habitum efle , non ignoro .
( N ) ( tc har Francistus des ersten L . eichenrede gehalten^ Sie besteht in zwo Predigten , die Baluze wieder drucken lassen , da er das vom Gallandius verfertigte Leben Castellans herausgegeben hat . Jedermann weis die Klagen , welche die Sorbonne darüber geführt , daß sich Castellan wegen des Fegefeuers so deutlich erkläret bat : er saget , daß er glaube , die Seele des Königes sey gerade ins Paradies gefahren . Die Abgeordneten der Sorbonne fielen in die Hände eines Spötter , , des Mendoza , Hausmarschalls des Könige« , der sie ausgelacht hat . Ich kenne , sagte er zu ihnen , das Gemuthe des Königes ; er hielt sich nicht gern an einem Orte auf : und wenn er durck das Fegefeuer gegangen , so ist es aus keiner andern Ursache geschehen , als daß er daselbst den Wein kosten wollen . Theodorus Beza im II Buche der KlrcheuWorie 80 Seite , und Thuanus im III Buche 58 Seite , erzählen die Sache sehr weitläustig . „
CO ) Ich muß denjenigen nicht vergesst» , welcher die lieder , lichen IlVeibspersonen betrifft . J Ich will nur von denjenigen re - den , die man bey den bußfertigen Jungfern eingesperrt hat , lind die nichts weniger , als diesen Namen , verdienen ; denn sie waren n'eder Jungfern noch Bußfertige ; sie hatten liederlich und in Unzucht gelebt , und sich nach diesem in ein Kloster begeben . um darinnen ihre Fehler zu verbüssen , und wenn sie ihren Unterhalt daselbst nicht fanden , so giengen sie vor den Thören betteln , und fanden dadurch Gelegenheit , ihr alte« Handwerk von neuem zu treiben . Castellan hat alles ins Werk gerichtet , um ein gewisses Mittel zur Unterhaltung dieser Creaturei , auszufinden , und unter andern Verordnungen auch diese gemacht , daß sie mit ihrer Hände Arbeit etwas dazu beytragen sollten . Er hat viel Mühe gehabt , ehe er es ihnen in die Gedanken bringen konnte , daß sie die Stadt nicht meyr durchstreichen , sondern ein genaueres Klostnleben beobachten sollten . Vix verbis exprimi poteft , quantii fudoribtis et moleftii» operam dederit , vt mulieres , quae Lutetiae corpore vulgato quae { tum meretricium feeiflent , ex vitae contaminatae poenitentia ad caftitatem , bonatn frugem , et religiofam vitam in monafterio pro . fitendam conuerfae , vere id quod profiterentur praeftarent . Nani cumii« reditibus , qui advfus vitae neceflarios requiruntur , deftitutae

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.