Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4912

94 Castellan .
dam perfonam , quam tibi fortuna impofuit , deponere , et vno dio Alberico velut Achate comitatiis ad pulluni fimul lacerandum venire familiariter , aut ctiam inuocanis , fi übet , obrepere , quem - admodum Nafic * folet Znnio , iuuaret interdum tali contubernio repubefcere . Alles dieses könnte sehr wohl bedeuten , daß Castellan da - mals zu Basel gewohnt , und also hatte sich Beza nicht geirrer . Ein andrer Brief vom 7 desHornunaS > ; z - geschrieben , ( Septimo Idas Fe - bruarii M . D . XXXI . iuxta veftram fuppiitationem . Erafm . Epift .
XXIV . Lib . XXVI . pag . 1437 . ) bemerket , daß Castellan einen Bischof zum Gönner angetroffen , und daß er an dm Erasmus geschrieben , er würde ehestens nach Paris abreisen . Dieser Bischof ist ohne Zweifel derjenige , dessen Gallandius gedenket ; er ist aus dem Hause von Ton - nerre , und zu dem Bifchofthume von Poiriers berufen gewesen . Castellan hatte ihn zu Bourges in den schönen Künsten unterrichtet , und war ihm darauf nach Paris gefolgt . Vtebamr fainiliarirerComiteTonorienfi Epifcopo Piäauienfi defignato , qui tum in codem legum ftudio AI . ciato quoque operam dabat , quem etiam politioris doctrinae litteras Graecas et Latinas fubceliuis horis docebat . . . Percurfo le - gumveluti studio cum eo Epifcopo Lutetiam reuerfus . Galland , in Vita Caftellan . pag . 25 Dieß machet einige Schwierigkeit , daß uns Peter GallandiuS keine leere Zeit läßt , wo man die andre Reise nach Basel , seit seinen Studien zu Bourges , hinsehen könnte ; denn von Bourges schicket er seinen Freund , mir dem ernaimren Bischöfe , nach Pa - ris , und hierauf giebt er ihn einem Bischöfe von Auxerre zu einer Reise nach Rom . Uebrigens erfahren wir aus zweenen Briefen des Eras - muS an den Castellan , daß sie alle beyde eine sehr böse Hand ben . ( « ) Erasmus scheint viel Verdruß zu bezeugen , daß er nicht mehr aus dem Castellan gemacht , da sie beysämmen gewesen ; allein Castellan lobet die Höflichkeiten sehr , die er von ihm genossen hat :
Quod mihi fubinde occinis comitatem , humanitatem , atque etiam merita , nefcio quae in te mea , rsque adeo nihil horum agnofco , vt me mei pudeat , quoties mecum reputo quam paruam habuerim , quum apud nos efles , tuae dignitatis rationein . Sed ita eft homi - num ingenium , praefentem virtutem , fi non odimus , vt ait FUccui , certe negligimu« , fublatam ex oculis quaerimus inuidi , aut fi minus inuidi , certe incogitantes . Quo inagis admiror fingularem iftius ingenii candorem , qui toties praedices humanitatem meam , cuius Scythicam inhumanitatem merito pofles incufare : neque grauabor hanc culpam farcire pro viribus , fi vel fefe dederit occafio , vel tu fubmoueris , quibus in rebus tibi pollim commodare . Erafhi . Epift .
XXIV . Lib . XXVI . p . . 436 .
Die Abschrift der Lingua des Erasmus , ist so unleserlich gewe - sen , daß er selbst viel Mühe gehabt , seine eigne Schrift gen , da er die Fehler nach dieser Abschrift verbessern wollen , welche sich in die Ausgabe von 15 - 5 eingeschlichen hatten , welche folglich die erste ist . Dieses bekennet Erasmus selbst in dem Vorberichte zu den Druck - fehlem dieser Ausgabe . ( Zeit . Anmerk .
( E ) Erasmus hat imcb der Erinnerung Castellan« viele Feh - ler verbessert , Sie außer diesem in feinen Xverken rvürden stehen geblieben seyn . ] Die Spottereyen des Erasmus wider die sen , munterten den Peter Castellan dermaßen auf , daß er Tag und Nacht auf die Erlernung der griechischen Sprache , und auf das Stu - dium der Gcttesgelahrtheit , und auf alle Arten der Wissenschaften wendet . Vermittelst dieser Arbeit , und seines guten Kopfs , ist e« ihm nicht schwer gewesen , eine riefe Gelehrsamkeit zu erlangen , welche ihm entdeckte , daß die Stärke des Erasmus nichl in der griechischen Sprache bestund . Uebrigens ließ die wenige Zeit , die dieser große Mann aus die Verfertigung seiner Schriften wendete , nicht zu , daß er alle Fehler ver - meiden können . Es ist ein Glück für ihn gewesen , daß s^ine Werke durch die Musterung eines so geschickten Druckverbesserers gel^n müssen , als unser Castellan gewesen ist . Hic iuu^is Erasmicae gloiiaeaemula - tione , et eins falfis in ingenia Gallica , quibus parum in litteris tribue - bat , cauillationibus incenfus , noÄes et dies in Graecarum littera - rum Theologiaeque atque omnis humanioris doörinae commenta - tione ita verfabatur , vt Frasmum fatis praeeipitanter commentan - tem , ( siehe oben die angeführte Stelle in dem Artikel Budaus , ) et e Graeco non probe intelle & a in Latinum fermonem male verten - tem , frequentcr fuorum erratonim admoneret . Quae ille , qui plu - rimum Caftellani opera vteretur , cum agnofeere , atque emendare eins admonitu cogeretur , plurimum illi tribueb . it atque deferebat .
Memini Caftellanum mihi frequentcr dicere Erafmum in litteris Grae - cis fupra vulgus tum parum promouifle , in auöoribus qui ab vfu communi remoti erteilt infigniter haefitauifle . Itaque quae ex illis vertebat aut commentabatur , majore ex parte adiuuantibus dofYts , qui ei hanc operam nauabant , praeftitifie . Galland , in Vita Caftell . pag . 20 .
( ? ) Die Tochter seines Nvirrh s > - - als eine sehr keusche Jungfer vcrheirarhet . Z Es ist die Frage , ob ihr Mann den Tag nach der Hochzeit demjenigen beygestimmet hat , was Agur mir allem Recht gesagt hat . drey Dinge sind mir zu wunderlich , und das vier - te ist schwer zu begreifen : De» Adlers rveg in der / Luft , der Schlangen Xveq auf einen Felsen , des Schiffs weg mitten im iNeere , und eines Mannes Xveg an einer Magd . Sprichwort .
Salomen . XXX Cap . 18 . «9 V . Wer weis , ob er nicht unter wäh - reudem Genüsse , bey sich selbst die Parodie der fünf Verse des Lukrez wie - derhohlet hat ?
Auia Pieridum peragro loca nullius ante Trita folo : iuuat integros accedere fontes At Inligncnique meo capiti petcre inde coronam ,
Y'nde prius nulli velarint tenipora Mufae .
Lucret . Lib . IV . zu Anfange . Man ziehe das rem non nouam , in der Anmerkung ( B ) , de« Artikels ZAUgarns zu Ratbc Wer «eis endlich , ob ih . , nicht etwan ein geschickter Zergliederungskimstler . wider alle Vorfälle durch eine fslcke Rede , wie diese , verwahret hat ? tNeine - Herren , we»»n ihr keine - Hinderung im Durchgange findet , oder rvenn die Niederlage nicht blutig ist , so argwöhnet dieserwe - gen nichts nachtheiliges von euren Frauen . Glaubet mir . bey dieser Gelegenheit so rvohl , als bey vielen andern ist ein ange nehmer Irrrhnm rvcil be^er , als eine verdrießliche Xpahrheir .
Dieß hat Lami in einer anatomischm Vorlesung zu seinen Zuhörern ge - sagt . Lami Difcours Anatom , p . m . 89 .
Es möchte sich jemand einbilden , es könne P . GallandiuS unmöglich gesagt haben , daß Castellan , sein Freund , die eigne Tochter seines Wirthe« geschwängert hätte ; denn es scheint , dieser Wirth hätte musten ein rer von CastellanS Schüler seyn , >n welchem Falle der Fehler so straf - bar gewesen wäre , daß der Geschichtschreiber , die Ehre seines Freundes zu retten , denselben viel eher mir Stillschweigen übergangen haben würde . Damit man also nicht glauben darf , als wenn ich iibel über - setzet hätte , so will ich die Worte des Originals Hersehen : Vei - Cibatur in aedibus honorati et primarii cuiusdam ciuis , cui puella erat ma admodum venufta et eleganti , a qua frequenter multis illecebri» ad amores et voluptatem inuitabatur . Itaque , etfi ea erat virtutis et continentiae indole , vt - - tantis tarnen püellae blandiinen - tis , quibus non modo adolefcentia lubrica , verum etiam aetas cor - roborata caperetur , captus , eam erauidam reddidit . Quod vbi co - gnouit , nihil antiquius ducens quam , vt cui iuuenili cupiditate cenfus ftuprum obtulerat , citra ignominiam quantum neri passet , confuleret , fenili quadam prudentia ad matrem acceflit , culpam con - fefliis , et veniam precatus , per omnia facra rogare coepit , honefta aliqua occafione in eum locum filiain abduceret , vbi citra infamiae notam clam parere et citra turpitudinis fufpicionem in aedes pater - nas reduci pollet . Quod ita matris prudentia adminiftratum eft , vt non modo alios , fed et patrem ipfum flagitium latuerit , et anno poftquam puella enixa eft , in matriuionium honeftiffniiccoüocata fit . Galland , in Vita Caftellan . p . 21 . 22 . Man sieht hieraus klärlich , daß Gallandius zu verstehen geben wollen , man habe in dem Hause des Vaters dieses Mägdchens gewohnt ; denn wenn er nur hätte sagen wollen , man habe diesen Mann nur sehr öfters besuchet , so würde er sich eines andern Ausdrucks ( Verläri in aedibus , ) bedienet haben , der den - noch an diesem Orte sehr uneigentlich gewesen seyn würde ; >veil er zum wenigsten eine sehr gefährliche Zweydeutigkeit für CastellansEhre gehabt hätte . Dieß ist eine Redensart , die keinen natürlicher» , eigentlichern und vernünfrigern Verstand haben kann , als den ich ihr gebe ; sie führet also gc , rades Weges auf einen Begriff , welcher CastellanS Verbrechen vergrößert , ob sich gleich fein Geschichuchreiber aller Ausdrückungen enthalten har , die uns die Hauszuchr hätten vorstellen , und wenn man so weit gegan - gen wäre , einige Wahrscheinlichkeiten mit einander verbinden können . Ich bekenne , daß er an der andern Seite viel schwerer zu entschuldigen seyn würde , wenn er nicht bey diesem Mägdchen in einem Hause ge - wohnt hätte ; denn »uf diese Art müßte er die Gelegenheit gesucht ha - den , die leichtlich zu vermeiden gewesen wären : allein da er sich mit sei , ner Versucherinn unter einem Dache befunden , so haben sich ihm die Ge - legenheiten wider seinen Willen angebotken . Der Urheber seiner Historie har eine sehr weise Ausführung in der Vorsorge gefunden , die man an - gewendet , den guten Namen dieses Mägdchens zu retten . ( Zuae tanta in confulendo honori puellac prudentia et tegendo flagitio induftria me adduxit , vt ne hanc quidem adolefcentiae laben , lilentio prae - tereundam esse exiftimaueriin . Eben das . 23 S . E« ist hier nicht das geringste , welches das Mittel hielte . Er hätte den Anfang nicht damir machen sollen , daß er der Mutter die Schwangerschaft ihrer Tochter be - richtet hätte , sondern daß er ihr die Übeln Neigungen derselben gemel - det hatte . Äußer diesem heißt diese« , eS eben so machen , wie diejenigen , von denen man mir Recht saget , sie reden , und darauf denken sie ersilich . E« ist gut für den Castellan gewesen , daß Beza , und die an - dern Schriftsteller von der reformirren Religion diese« Abentheuer nicht gewußt haben .
( G ) Sein Fleiß beym Studieren rvar erstaunlich . ^ Er hat die Nacht kaum drey Stunden geschlafen ; er hat sich , ohne ein andere« Hauptkussen , als den Rock , auf die Erde gelegt , worein er den Kopf ge - wickelt : und so bald als er aufgewacht , ist er mit der größten Begierde über die Bücher hergefallen . Man mochte ihm rächen , wie man wollte , seinen Fleiß zu mäßigen , so hat er doch niemals dergleichen gen Gehör gegeben . Ebendas . 2 ; S . Als er sich mit dem Vorlesera , » - re des Konigrs bekleidet gesehen , so hat er diesen großen Fleiß wieder an - gefangen , und , damir er desto mehr Zeit zum Studieren gewinnen wol - len , niemals zu Mittage gespeiset ; er hat de« Morgens um acht Uhr ein Stück Brodt in die Hand genommen , und Nachmitags um fünf Uhr , feineAbendmaalzeitgehalten . Er fand sich bey SchlafengehenSzeic des Königes ein , und hat sich nicht eher weg begeben , als bis dieser Prinz eingeschlafen gewesen . Et hat aufS höchste vier Stunden geschlafen , und darauf seine Studien ohne Aufhören bis gegen zehn Uhr fortgesetzt , um welche Zeit der Konig seine Andacht verrichtet . Hanc perfonam vbi tanti Regis iudicio et voluntate fibi impofitam esse vidit , nofles et dies , veluti Prometheus Caucafo , fe rurfum libris affixit , nulluni non auftoruin genus in omnibus Unguis ita manibus peruolutauit , vt in tingulis totam vitam contriuiflc quiuis etiam exercitatiflimus eum diccret Ebendas . 41 S - - - Tres ipfe horas , quatuor ad fum - mum dormiebat ; quibus exaftis , nofle intempefta , excitatus in ho - ram deeimam , donec Rex facris operaretur , in litterain ftudia inde . fessus inciunbebat . Ebendas . 42 S .
( H ) hielt sich nicht lange nt Rom auf , allrvo ihm fast nichts , als die Ueberbleibsel der Alrerthümer gefiel . J Cum omnia fere praeter antiquitates veftigia quaedam iniprobaret . Gal - land . Vita Caftell . pag . 27 . Er ist dermaßen durch das V . rderbniß qe - ärgerr worden , das er an dem Hofe zu Rom bemerket , daß er auch viele Jahre hernach , nicht ohne große Bnvegung daran denken , noch davon re - den können . Er hat die Sache so weit getrieben , daß er geqlaubet , es sey die Religion zu Rom eine bloße Comodie , deren man sich bediente , die Welt zu bekriegen , um sich die Herrschaft zu erhalten - Calvin har fast nichts mehr davon gesager : Calvin , sage ich , den man so viel gelästert , und den man als einen Hauptlästerer aiisqeschrieen hat , weil er sich die ser Worte bedienet : Der erste Artikel von ibrer geheimen Got , ttsgelabrtbeit , er redet von den Päbsten und Cardinalen . die nnrer ihnen im Schwange geht , ist , daß kein Gott ist . Der andre , daß alles dasjenige , rvas von Jesu Christo geschrieben ist , und geprediger wird , nicht« als L . ug und Misbrauch iff . Der dritte , daß alles dasjenige , rvas in der Sibel vom ervigen SLv brn und der Auferstehung des Fleisches enthalten ist " , lauter Fabeln sind . Inftit . Lib . IV . cap . VII . num . 27 . vom Johann Hay De / enlc des Oemandes , pag . in . 27 . angkführet . Man vergleiche diese«
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