Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-3926

Vorrede des zweyten Bandes .
neu mögen . Damit mal , uns aber auch nicht für boshaft ausgebe , indem wir , dem Scheine nach , dieses Gift mit Wissen und Willen ausbreiten ; so dienet zu wissen , daß wir durch viele Aw merkungen , die bey allen gefahrlichen Stellen dieses Wörterbuchs angebracht worden , solches Gift auch durch ein gehöriges Gegengift zu entkräften gesucht . Man lese z . E . nur in diesem zwey - ten Bande den Artikel Epikur , wo Herr Bayle einem Weltweisen von dieser Secte , die schein - barsten Trugschlüsse in den Mund gelegt hat , einen Platoniker , der die Vorsehung Gottes behau - ptet , zu verwirren , und die allerthörichtfte Meynung , von dein blinden Zufalle , zu behaupten , die mall nur ersinnen kann . Man lese , sage ich , diesen Artikel , sehe aber auch die beygefügten An - Merklingen nach , wodurch man den falschen Schein seiner Vernünfteleyen , in einer so wichtigen Sache zu entblößen , und die göttliche Vorsehung zu retten gesucht : so wird man uns ohne Zwei - fel zugestehen , daß unser deutscher Bayle , der bey allen gefahrlichen Stellen mit solchen kungen versehen ist , entweder ohne alle Gefahr gelesen werden kann ; oder doch bey weitem so ge - fahrlich nicht ist , als alle bisherige Auftagen im Französischen und Englische ! , gewesen sind .
Was die Liebhaber der gelehrten Sprachen betrifft ; so räumen wir ihm» abermal gern ein , daß die Schriften der Altm allerdings für Quellen aller Gelehrsamkeit , Wissenschaft und ge - sunden Vernunft anzusehen sind : wenn man nur nicht an den bloßen Worten , als an den len kleben bleibt , sondern bis auf den Kern der vortrefflichen Sachen hindurch dringt , die sie in sich halten . Wir wollen also jungen Leuten , sonderlich den Studirenden , die lateinischen und griechischen Bücher keinesweges aus den Händen bringen ; vielmehr rächen wir selbst das Lesen derselben , und die Erlernung der gelehrten Sprachen allen denen an , die recht was gründliches lernen wollen . Was folget aber daraus ? Soll deswegen in keiner andern Sprache etwas gu - tes geschrieben oder gelesen werden ? Wenigstens schloß Cicero , den wir doch mit so vielem Rech - te hochschätzen / nicht also . Er selbst hatte das meiste , was er wußte , aus dem Griechischen geler - net : gleichwohl schrieb er alle seine Bücher , in derjenigen Sprache , die ihn : so gemein war , als uns die deutsche ist , und die von allen ungelehrten Römern verstanden werden konnte . Und mit was für einem Rechte kann man uns wohl böser Absichten gegen die gelehrten Sprachen beschul - digen : da wir kein griechisches , kein lateinisches Buch , sondern ein französisches Werk ins Deut - sche bringen ; ja , da wir noch dazu , die unzähligen Stellen aus den Alten , davon dasselbe überall voll ist , in ihren Grundsprachen gelassen , mid nicht einmal übersetzet haben . Man wird also , unsern deutschen Bayle zu lesen , noch eben so viel Griechisch und Latein verstehen müssen ; als mm bisher zu dem Französischen gebraucht hat : und wenn sie denselben ja nicht um des Deut - schen halber , das er in sich halt , loben oder dulden wollen ; so müssen sie es wenigstens um der vielen griechischen und römischen Anführungen halber thmt , die in so großer Menge hier vorhan - den sind , und oft halbe , ja ganze Seiten anfüllen .
Eben so leicht wird sich die dritte Art der Tadler abfertigen lassen , die nichts für sinnreich und artig halt , als was französisch ist . Man gönnet ihnen ja alle die Süßigkeiten gern , die sie in einer fremden Sprache finden können , und we , m es gleich die lappländische und hottentottische wäre . Sie müssen aber durchaus nicht begehren , daß die ganze Welt so geschickt seyn soll , als sie sind . Es kann nicht ein jeder ehrlicher Deutscher so viel Zeit auf auslandische Sprachen wenden daß er alle Schönheiten derselben einsehen , und seinen Geschmack an die Leckerbissen fremder Re - densarten gewöhnen sollte . Schmecken doch auch die parisischen Fricasseen und Potagen nicht allen Zungen gleich gut . Erlaubet man es aber einem gesunden deutschen Gaume , auch an ei - nem guten Wildprets - oder Rinderbraten einen Geschmack zu finden , wenn er gleich nicht durch die Hände eines auslandischen Koches gegangen ist : so kann man es ja deutschen Lesern auch vergönnen , das baylische Wörterbuch in einer Sprache zu haben , die sie verstehen . Wer zösisch kann , der mag sich immer an den Grundtert halten : demt für ihn ist diese Übersetzung nicht gemacht . Ich pflege es selbst mit allen Büchern so zu halten , deren eigentliche chen ich verstehe . Eben dieses nun werde ich allen Menschen anrathen ; aber dabey nur die Billigkeit von ihnen fordern , daß sie andern diejenige Hülfe nicht misgönnen sollen , die sie selbst nicht mehr nöthig haben .
Doch wir haben außer diesen bisher angeführten Tadlern unsers deutschen Bayle , noch an - dre Richter zu Gegnern , die mit einem scharfen Auge wahrhafte Fehler darinnen gesuchet , und gefunden haben wollen ; ja unserm eigenen Gestandnisse nach , auch wohl wirklich gefunden haben können . Denn für so stolz muß uns niemand ausgeben , daß wir uns rühmen sollten , ein Buch ohne alle Fehler ans Licht gestellet zu haben . So lange die Welt steht , ist dieses noch nicht gesche - hen ; und wir lassen es uns gewiß nicht träumen , die ersten gewesen zu seyn , die solches bewerk -
* 2 stelliget

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