Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4888

Castali» .
9t
in Caluminiis Nebulonis , p . m . 748 . Tradtat . Theolog . Woher wißt >hr das , hat ihn Castalio in der Schuhschrift , >> S . geftaget ? Ihr habet es nicht gesehen , und dörfteS aus ein Hörensagen nicht glauben : warum befraget ihr eure Angeber nicht ? Warum fraget ihr sie nicht , ob sie Au - genzeugen gewesen sind , und ob nicht die llmfftmde der Thar sie aus der Zahl der Diebstäle herausreißt ? Das Geschwatze eurer Anhänger , und eure Leichtgläubigkeit , welche dasselbe nähret , haben euch hier , wie bey hundert andern Begebenheiten , betrogen , vecipit hic te profe & o , vt et in multis aliis rebus , et tttorum linguacitas , et eiusdem allec - trix tua credulitas . Scis illud , Facile credunt homines tjuac vclunt . Ebend . i - S . Hierauf erzählet er die Sache . Er sager , daß er einsmals , da er sich in einer außerordentlichen Dürftigkeit befunden , und gleichwohl seine Übersetzung der Bibel nicht bey Seite setzen wollen , bey seinen Feyer - stunden einen Haken genommen , um etliche Stücken Holz , die aufdem se geschwoinmen , herauszuziehen : dieses Holz hat niemanden zugehöret , sondern es gehörte dem ersten , der es bekommen konnte ; also habe ich mir daffelbe , setzet er darzu , ohne Betrug zueignen können ; uin mir da - mit eine warme Stube zu machen . Die Fischer und viele andere , ha - ben , nebst mir , auf diese Art Holz geangelt ; dieß ist vor den Augen der ganzen Stadt geschehen . In eo ftudio cum ita totus eflem , vtvel mendicare mallem , quam defiftere , et in ripa Rheni habitarein , capiebam interdum fuccifiuis horis harpagone ligna , quae folet , dura exundat Rhenus , fecuin rapta deuehere , quibus domum raeam calefacerem . Hoc tu furtum interpretaris . Certe non bonus , ne - que Candidus interpres . Publica funt illa ligna , et priini occupan - tis . Ebendas . Er setzet darzu , daß bey der Ueberschwemmung eines Flus - ses , welcher sich oberhalb Basel in den Rhein ergießt , sich über 200 sonen beschäftiget , die Stücken Holz auszufischeu , die gegen die Stadt herunter geschwommen , und daß er und viere von seinenFreunden viel davon aufgehalten hätten , davor ihnen der Rath jedem vier Sole zur Belohnung gegeben und ihnen das Holz gelassen habe . Er nimmt die Stadt Basel und viele gelehrte Personen zu Zeugen , daß sein vorgegebener Dicbstal einzig und allein darinnen bestanden . Ebend . 14 S . Er bezeuger vor Gott und Menschen , daß er , von seiner Jugend an , einen besondern Ab - scheu vor den Lügen und dem Diebstahle gehabt . Ebendas . 1 ; S Er be , schließt mit den Worten ; wie er wisse , daß die Fabel von seinem Dieb - stale in Genf ausgesprengt worden ; daß er sich qber vorgesteller , es wären dieses nur Reden von den Freunden Jobann Calvins gewesen , von Leuten , welche gewohnt wären , alles ohne Urtheil auszusprengen , was die Fein - de ihres Gönners verlästern könnte . Ich habe nicht geglaubet , fahrt er fort , daß ihr , der ihr mich kennet , diesem Mährchen Glauben beymessen solltet , und ich hätte nicht leichtlich geglaubet , daß ihr es herausgeben solltet , ob ihr mir gleich bekannt gewesen seyd . Putabam fermoncs efle tuorum , qui de iis a quibus te abhorrere fciunt , quaelibet fpargere folent nullo iudicio . Sed te , te ( inquarn ) qui me nofles , haec cre . dere non putabam . Vt vero etiam publicato libro in totum or . bem , et ad pofteritatem fpargeres , ita nie Deus amet , quamuis te nofiem , non facile credidiflem . Ebend .
( K ) Er hat viel Mühe gehabt , sein Drodt zu gewinnen - - - 1 Montagne beweinet das unglückliche Verhangniß dieses Schrist - flellers . ^ Diejenigen , welche gesager haben , daß er wechselsweise das Erdreich umgraben und seine Schüler unterrichtet , haben unSohne Zwei - fel sein sehr schlechtes Glück dadurch zu verstehen geben wollen . Sub - urbanum praedium fua ipfe quotidie manu foderet , fufceptamque iuuentutis erudiendae curam , alterno telluris colendae labore adae - quaret . Sammarth . Elog . Libr . II . p . 126 . Varilla ? erkläret ihre te also : Castalio , saget er in der Historie der Ketzerey , VlTh . XXVI B . - 2 S . hat seine ganze Lebenszeit wider das ( Slenö gen , uns vornehmlich , da er aus Genf verjagt gewesen : seine Freunde haben ihm , bey seiner äußersten Bedürfniß , nur chen Bevstand geleistet ; unv er beklaget sich gegen einen unter Venselben , dem er seinen Moses zugeschrieben , auf eine geijkrei - che Art darüber , wenn er zu ihm sager , daß er das Gel nur tropfenweise in seine Jlampe gieße . Man sager : Saß er endlich durch die tTotb , feine zahlreiche Familie zu unterhalten , so weit gebracht worden , seine Zeit zu theilen , und den Vormittag aufs Studieren zu wenden , die übrige Zeit aber , das Feld zu bauen ; onö daß dieses dennoch nicht verhindert , daß er vor Elend ge - Horben , ohne daß sein Unglück einen einzigen andern Schrift - fteüec , als den Momagne , zum Mirleiden beweget .
Ist es nicht eine bejammernswürdige Sache , dap ein Mann , wel - cher " so viel Ebräisch , Griechisch und Lateinisch verstanden , so arm gewe - sen ? Er ist vor Armuth gestorben , wenn wir dem Scaliger darinnen glauben . Mortuus eft ex paupertate . Scaligerana , p . m . 46 . nigen , welche die Leben der Alten mit den Neuem in Vergleichung se - Yen wollten , könnten diesen mit dem Valerius Cato vergleichen , dessen Elend den Bibaculus beständig zur Spotterey gedienet . Sueton . de il - luftr . Grammat . cap . XI . Visit ad extremam feneftam , fed in tum - ma pauperie , et pene inopia , abditus modico gurguftio , poftquam Tufculana villa creditoribus cellerat , vt auöor eft Bibaculus :
Si quis forte mei domum Catonis ,
Depiftas minio aflulas , et illos Cuftodis videt hortulos Priapi ;
Miratur , quibus ille difeiplinis Tantam fit fapientiam aflecutus ,
Quem tres cauliculi , et felibra farris ,
Racemi duo , tegula fub vna Ad lummaai prope nutriant feneätam .
Et »dem rurfus :
Catonis modo , Galle , Tufculanum ,
Tota creditor vrbe venditabat .
Mirati fumus vniciun rnagiftrum ,
Suramum Grammaticum , optimum Poetam ,
Omnes foluere polle quaeftiones ,
Vnum difficile expedire nomen .
En cor Zenodoti , en jecur Cratetis .
röSta £ sä» " »' u s#»« - '» - - im M . - -
II ^Sand .
„ sie kaum einen Bissen zu essen gehabt haben . LiliuS Gregorius Giral - „ du« in Italien , und Sebastian Castalio in Deutschland : und ich glau , „ be , daß tausend Personen sie mir vortheilhaften Bedienungen wurden „ berufen oder ihnen beygestanden haben , wenn sie es gewußt hätten . „ Die Welt ist nicht durchgängig so verderbt , daß es keinen solche» Men - „ sd ) en geben sollte , der nicht mit dem größten Vergnügen wünschen soll - , . re , die Mittel , welche ihm die Seinigen hinterlassen haben , zu dem Glü - „ cke , das er dadurch genießt , und darzu anwenden wollte , solche Perso , „ nen vor der Armuth zu bewahren , die sich in einer oder der andern „ Art hervorgethan , welche das Unglück zuweilen auf das äußerste rrei - „ bet zlund der fie wenigstens in einen solchen Zustand sehen würde , daß „ e« bloß an ihrem Geständnisse fehlen müßte , wenn sie nicht vergnügt „ feyn sollten . „ Zwo Ursachen haben mich vermocht , diese Stelle abzu - schreiben ; die eine ist von der Gründlichkeit dtr Betrachtung hergenom - men , die diese merkwürdige Sache begleitet : die andere daher , daß viele von meinen Lesern , welche dasjenige geme hatten wissen wollen , was Montagne gesaget hat , viel Mühe würden gehabt haben , sich zu ver - gnügen ; denn das alphabetische Register dieser Versuche würde ihnen zu nichts gedienet haben , diese Stelle zu finden , und dieß ist auch kein Schriftsteller , der durch die Titel seiner Capitel , oder die Verbindung der Materien , das Nachschlagen desjenigen erleichtert , was man in die - sen Versuchen gelesen zu haben , sich erinnert . Das Gedächtniß gewisser Stellen weis sich in den Scribenten an nicht« zu halten . Dieserwegen sollte nothwendig bey diesen Versuchen ein besser Register der Materien seyn , als es ist : Castalio sollte darinnen unter seinem Namen , oder nigstens unter Savant pauvre , Mifere de quelques Savans u . d . gl . hen . Wie übel ist nicht dieses Register gemacht ! und wie viele andere sind nicht demselben ähnlich !
( L ) 3cb werde weder wider den Moreri , noch rvider denVarillas , noch wider denTeißier viel zusagen Habens Der erste giebr , ohne einzigen Beweis vor , daß Castalio aus dem Gebirge de« Delphinats gewe« sen . Siehe die Anmerkung ( A ) . Diese Worte : Beza selbst , der von seiner partes gewesen , bekennet , daß sie ( nämlich die Übersetzung der Bibel Castalions . ) voller Fehler ift , und er setzet dazu : es ha , ' be Castalio geglaubet , daß es gleichgültig fey , welcher Art der Religion man folgen rvolle ; diese Worte , sage «ch , sind höchst schmackt ; denn es ist klärer , als die Sonne , daß Theodor Beza niemals die Partey derjenigen gehalten har , welche die Gleichgültigkeit der ligionen behauptet . Ist es überdieß nicht sichtbar , da er eine Ueberse - hung des neuen Testaments gemacht , daß er des Castalio Nebenbuhler , und also niemand geneigter gewesen , als er , Fehler in der Übersetzung dieses letzlern zu finden ? Man setze dazu , daß er sich des Streites Eal - vins , als sein eigen , angenommen , welcher Castalions größter Freund gewesen , und zwar noch eher , als die Bibel desselben aus der Presse ge« kommen . Moreri ist denjenigen vollkommen ähnlich , welche sagen wol« len : die Uebersenung des neuen Testaments von den Herren von Port - Roial tauget nichts . Der P . Souhours selbst , ( er dar auch eine ftanzösische Übersetzung des neuen Testaments qemacht , ) der von ihrer parte / ist , bekenner . daß sie voller Fehler ist . Endlich kann man nicht , ohne die gröbste Unwissenheit , sagen : es hätte Theodor Beza geglaubet , daß Castalio von der reformirten Religion qewesen . Ich finde in dem vom Moreri angeführten Leben Calvins , vom Theodor Beza weiter nicht« , als daß die Gleichgültigkeit der Religionen , die Ke , Heren gewesen , welche Theodor Beza dem Castalio beumißt .
fjich will meine Beurtheilung des Varillas hiermit ansaugen , weil er versichert , es habe Beza gesager : daß Castalio , Genf au« der Urs« * che verlassen harte , weil er alle Religionen für gleicligültia ge - halten . Varillas Hift . de l'Herefie , Liv . XXVI . p . 21 . Es ist scheinlicher , fährt er fort , daß seine viel zierlichere Schreibart , in Vergleicl ) ung gegen des Calvin seine , bey diesem Eifersucht er - wecket hat . Hier sind zweene Fehler : denn erstlich ist es falsch , daß Castalio dem Calvin in schönem Latein gleich gekommen : alle diejenigen , die sich auf eine gute Schreibart verstehen , werden mir diese« ohne Wi - derspruch zugeben . Zum andern , hatte Castalio die Zierlichkeiten seiner Feder noch nicht gezeigt , als er von Genf weggegangen ist . f£r har die Sibel mit solcher Zärtlichkeit überseyr , daß sich die Gchmin - ke fast durckganging in seiner Schreibart blicken laßt , und mir so vielem Ueberflu , ? c darinnen erscheint , daß sie , anstatt zu gefallen , zuweilen iLkel era - ecket . Dieser Satz des Varillas ist nicht wahr , und wenn er es wäre , so wäre es folgender nicht : gleichwohl muß man dagegen bekennen , daß keine einzige andere Ueberse - tzung dieser an Annehmlichkeit und Zierlichkeit gleich kommt . Ebendas . 2 - Seite . Ist ein Mensch , der von einer und ebenderselben Übersetzung diese zwev Urtheile fället , nicht ein feiner Kunstrichter Er scheint in seinem inhalte über das hohe L . ied zu jagen , daß es nicht die myliiscke L . iebc Jesu Christi und seiner R - rciie , son , dern die unzüchtige L . iebe Salomons mit einer von seinen £>cyt schlaferinnen , enthalt . Ebendas . Ich bekräftige vollkommen , daß die - se Worte falfth sind : ich finde nicht den geringsten Inhalt über das Hohelied , weder in der französischen noch in der lateinischen Bibel Ca -
stalions . Ich habe fünf Ausgaben zu Rathe gezogen .
Teißier , Addit . aux Eloges , Tom . I . p . 222 . hat Unrecht , zu sagen , daß sich unser Schriftsteller seit dem ? lbenthemr . davon ich bald reden werde , beständig Castalion genennet habe . Sr , »t , fährt er fort , an - fänqlich reformirrer Prediger zu Genf gewesen . Das oben in der Anmerkung ( D ) angeführte Zeugniß Calvins widerleget dieses lich , und überführet den Theodor Beza , daß er der Schärfe der histori - scheu Geseke nicht genugsam gesolget ist , welche wollen , daß man keine Dunkelheit in einer Erzählung lassen soll . Er erzählet , daß , da die Stadt Geiif mit der Pest im Jahre 1542 heimgesuchet worden , die Ver - pesteten eines Seelenhirten« iwthig gehabt hatten . der ihnen beständig mit Tröste beystünde . Patrons conftantis ac feduli opera requircre . tur . Beza , in Vita Caltnni , ad ann . 1542 . p . m . 371 . Die meistenhät» teil sich vor dieser ansteckenden Seuche gefürchtet : allein Calvin , Ca - stalio und Blanchet hatten sich selbst angebothen . Da« Loos Ist aus den Castalio gefallen , welcher aber , dieses Amt anzunehmen , sich unver - schämt geweigert . Spon , Hift . deGeneve , p . 251 . und Leti , Iftor . Ge . nevr . Tom . III . p . 76 . sagen hiervon nichts . Natürlich ist aus dieftn Worten zu schließen , daß er einer von den Predigern zu Genf gewesen ; also sind sie nicht so klar als sie senn sollren . Das Wort Trösker hät - te , anstatt des Wortes Pastor , sollen gesetzt werden , dessen sich Beza bedienet ; und in diesem Falle würden die Leser nicht Ursache zu glauben M - haben .

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