Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4858

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Castalio .
de Fide , und sie find mit tinigen andern Stücken desselben Verfassers im Jahre 1578 , gedruckt worden . Quaeftio an perfefte Legi Dei obe - diripolfit . Refponfioad Borrhaum de Praedeftinatione . Defenfio ad - uerfus Caluinum de Calumnia . Ruarus versichert , daß dieses zu Basel geschehen : wenn dieses ist , so hat man den Titel verfälscht : denn er sthret Aresdorffii per Theophil . Philadelph .
Ich werde hin und wieder einiger Schriften des Castalio in den An - merkungen dieses Artikels gedenken . Ich gebe den Neugierigen zu un - tersuchen , ob er nicht der Urheber von der lateinischen Uebersetzung ger Tractare des heil . ChrysostomuS , und des h . Cyrillus gewesen , von welcher der Auszug Gesners unter dem Namen Johannes Theophi - lus S03 S . redet . Dieß ist ein falscher Name , den sich unser Mann aufdemTitel einer Uebersehuug giebt ; ( siehe die Anmerkung ( F ) . Man «laubet , daß er in einem andern Werke die Maske des MartinusSel - Im» / genommen hat . Ich habe mehr als einmal , oben bey dem Artikel Z>e ; a in der Anmerkung ( F ) , und bey dem Artikel Socin ( Marianus ) der Enkel u . s . w . in der Anmerkung ( B ) , wo ich von dem Lälius rede , davon geredet ; allein ohne zu sagen , daß er vor den Predigern zu Basel , die ihn vorgefordert , geleugnet , daß er der Urheber dieser zusammen ge - lragenen Sammlung gewesen . Appellatus coram Bafilienfis Ecclefiae Miniftris Beiiii farraginem - - . falfo eiurafti . Beza , ad Defenf . et Repreh . Caftell . p . 4 , 1 . Beza hat ihm dieses vorgeworfen , und dazu gesetzt , daß sie ins Französische übersetzt , und in dieser Sprache zu Lion gedruckt worden , wohin der Druder des Castalio das Manuskript davon gebracht hatte . Unser Schriftsteller har sehr besondere Meynungen in dem Werke vorgebracht , das er Mofes Latinus betitelt , ( dieß ist die lieber - setzung der Bücher Moses , von welcher ich oben in der Anmerkung ( B ) geredet habe . ) z . E . daß man die Körper der Missethäter nicht an dem Galgen lassen , noch diejenigen , welche stehlen , mit dem Tode bestrafen solle ; und daß man besser thäte , wenn man die alte Gewohnheit der Skla - verey wieder einführte Sein Grund ist , daß die politischen Gesetze des Moses alle Völker verbanden . Aus dem Theodor Beza ad Defenfion . et Reprehenf . Caftellion . num . 6 . in Lucain pag . 451 . Oper . Tom . I . Seine Noten über den Brief an die Römer sind von der Kirche zuBa - sel verdammt worden , weil sie die Lehre von der Gnadenwahl und der kräftigen Gnade bestritten . Beza de Praedeftin . ad Caftellioij . pag . 384 . Tom . I . Oper . Gleichwohl hat er den Verkauf derselben in besagter Stadt verschafft , nach dem sie ins Französische übersetzt worden waren . Ebendas . ad Defenf . et Repreh . Caftellion . pag . 431 .
( C ) Einige tadeln seine Ueberseyungen der heil Schrift sehr , andere sagen viel gute - , davon . ] Tyuanus saget , es hatten viele sonen geurrheilet , daß Castalio seine unreinen Hände mir einer unbeson - nenen Verwegenheit an dieses Werk geleget habe . Impuras manus multorum iudicio ad facra traclanda attulit , cum a rebus ad tantum opus necefläriis homo imparatiflimus nouam Bibliorum interpreta - tionem infolenti temeritate molitus eft . Thuan . Libr . XXXV . zu Ende . Der Fehler , der durchgängig in seiner lateinischen llebersetzung getadelt worden , ist das gezwungene Wesen , daß er sich keiner andern Ausdrücke , als guter lateinische , gebrauchen wollen . Dieses ist Ursache aelvesen , daß er ( 5enius an statt Angelus , lotio an statt baptiimus , und Respublica an statt Ecclefia , und Collegium an statt Synagoga ge , braucht hat . VoßiuS Inftitut . Orator . Libr . IV . cap . I . und viele andere Gelehrte tadeln ihn deswegen mir Recht . Man beschuldiget ihn ander andern Seite , daß er in seiner ftanzosischen Uebersetzung in das andere Aeußerste gefallen , nämlich , daß er sich allzu niederträchtiger und chender Ausdrücke bedienet hat . Siehe Sainte Marthe , Flog . Libr . II . pag . 126 . Hier sind die Beyspiele , die ein Jesuit davon gegeben hat , nachdem er die allzu weibischen Ausdrückungen , und allzu vielfältigen Verkleinerungen in der lateinischen Uebersetzung des Hohenlieds geta , delt hat . „ In der ftanzösischen Uebersetzung ist er noch viel unverschäm - „ ter : denn er treibt an sechs oder sieben Stellen mit dem heil . Geiste «sein öffentliches Gespötte , als . wenn er , anstatt daß er , ein Jude , sagen „ sollte , ein VerstuNter das heißt , circumcifus , saget ; als , wenn er „ die Worte des H . Jacob im XICapitel übersetzet : Super exaltat mife - „ ricordia iudicium , das heißt , saget dieser nichtswürdige Mensch ; die . . Sarmkcr , igkeit weist der Gcrechrig^it die Feigen : als . wenn »er vom David im 77'psalme redet , und seine eignen Worte also über - „ setzet : de poft foetantes aeeepit einn , das heißt , saget dieser wahrhafte „ Schweinhirte , er »og ihn au« dem Hinrern eine« Pfluges . In „ Summa , wenn er die Worte Davids im 8 Psalme übersehet , Ex „ ore infantium et la & entiuin perfeeifti laudem : so verdreht er sie , als „ ein boshafter Verdreher , ob er es gleich nach seinem Handwerke ge - „ macht , die kleinen Roynasen , die an der £>rnff liegen . „ Garafl'e , Doftrine Curieufe pag . 202 , 203 . Man merke , daß es falsch ist , daß die Uebersetzung in den letzten ziveyen Exempeln so ist , wie man sie führet . Siehe das Ende dieser Anmerkung . Heinrich Stephan hat nicht weniger , als dieser Jesuite , wider den Sebastian Castalio geschrieen , der sich beflissen , saget er in der Schutzschrift des Herodotus I Buch , XIV Cap p . m . 96 . niederträchtige tvorre ; u suchen , oder jum weniqtten solche , die den Leser ; um Lachen bewegen , da er sich vielmehr befleißigen sollen den Sinn der Stelle M betrachten . Er führetzum Beyspiele an . vre Sarmher , . gke . r tretf ? der tigkeit die Weisen Diese Art der Uebersetzung scheint ihm die selt - samste Art der Gotteslästerin , « zu seyn , davon er in diesem Capitel ge - redet hat . und er setzet dazu : Er hat nid« allnnan den Worten des pobels und an dessen Redensarten Gefallen gehabt , sondern er hat sich auch allerhand Freyheiten genommen ; wenn er diese - niete eine - Hinrerfrau nennt , ( als wie man ein - Hinterladen saget ) die der Mann neben seiner Ehfrau unterhalt , welches die La - reiner pellex genenner haben , ( die das tTort von den Griechen , erborgt , die es gleichfalls den Hebräern abgeborgt harren ; und an statt pre'puce , vas u ? orr Avant peau ( Vorhaut ) brauchet . XCtnn er , an s ? an ein beschnittener , Rongne < ein VerstuNter ) saget , und an statt ein Unbescbnirrener , Empclle . ( DeKauteter . Er verwandelt auch Gott in einen - Herrn von Rockesort ( Star - kenfels ) kur ? : Es bat so gar ein Sauiaus in dieser Uebersenung Plan gefunden . Diefi ist die neue Erflndung . welcke der re ! >ü unserer Zeit erdackt hat , das Ansthen des heiliaen und ge , heiligten Wortes Gottes ; u verringern : der durch seine Gnade bald Vorsehung darinnen getroffen har , indem er , u gelassm . daß »er Urheber der besaqten Ueberseyung ( von welchem man tinu
ge ? eit eine sehr gute Meinung gehabt ) sich selbst mit seinem eignen Munde den Procefi gemacht / und zu erkennen gegeben bar , von was für einem Geiste er sich hat leiten lassen . Ebendaselbst . Theodor Beza hat deswegen nicht geschwiegen ; er giebt vor , daß die al - lergröbste Mundart von Poietou , und die allergröbste Sprache von ganz Frankreich nicht so barbarisch seyn kann , als die Schreibart des Castalio . Beza ad Defenf . et Repreh . Sebaftiani Caftellonis zu Anfange , p . m . 430 , 431 . Oper . Tom . I . Man merke , daß Simon versichert , daß man in der ftanzösischen Uebersetzung Castalions eben die gezwungene bung nach einer zierlichen und polirren Schreibart erkenne , " als in der lateinischen Uebersetzung . Simon Hift . CritiqueduVieuxTeftam . L . II . chap . XXV . p . m . 349 . ' Man hat in der Ausgabe von Rotterdam eine Randglosse dazu gesehet , welche berichtet , daß Heinrich Stephan diesem Uebersetzer die grobe Sprache des pobels vorgeworfen habe . Simon fallt von dieser UeberseKung ein Urtheil , welches , wenn man es genau besieht , dem Castalio rühmlich ist . Ebendas XXIB . 324 uuds . S Man findet einige Stücke davon in Teißiers Zusagen , zu den aus dem Thuan genom - menen Lebensbeschreibungen , Tom . I . p . m . 223 , 224 . Man findet auch darinnen , was drey gelehrte Personen , Hiperius , - Humfried und Furiu» Ceriolanus , rühmliches von dieser Uebersetzung gesagt haben . Einer davon ist so eingenommen von derselben gewesen , daß er bey seinem Lobe eine poeti - sche Entzückung empfunden zu haben scheint , welche ihn genöthiget , seine ungebundene Rede mit der Sprache der Musen zu vereinigen , um seine De - wunderung vorzustellen . Diese Verse findet man in der eritischenHistorie der Uebersetzung des neuen Testaments vom Simon XXI V Cap . 274 S Pope Blount Cenf . Autor , pag . 493 . u . f . hat viele Stellen gesammlet , davon dem Castalio einige vorteilhaft , andere aber nachtheilig sind ; ich will den Leser dahin verweisen , und hier nur beyfügen , daß er die Lobsprüche , welche Epifcopius Inftit . pag . 277 . diesem Uebersetzer der heil . Schrift gegeben , und die Strafschrift , die man in der Vorrede des zu Genf im Jahre 1560 , gedruckten neuen Testaments sieht , vergessen hat . Simon führet sie in der Hift . Crit . des Verfions du N . Testament p . 27 ; an . Wir müssen nicht vergessen , daß Castalio die lateinische Uebersetzung im Jahre 1542 . zu Genf angefangen , und zu Bafel kjo , vollendet hat . Sie ist zu Basel i ? t , gedruckt worden . Er hat sie dem Könige von England , Eduard , zugeschrieben . Er hat im Jahre >554 , eine zweyte Ausgabe , und im Jahre 1556 , eine andere gegeben . Die Ausgabe von 1573 . wird höher geschätzt , als alle andern . Simon , Hift . Crit . du Vieux Tcftam . pag . 324 . Die französische Uebersetzung ist Heinrichen dem II , ben , und zu Basel durch Johann - Hervag - n im Jahre 1555 wieder ge - druckt worden . Die Streitigkeiten betreffend , die sich zwischen dem Castalio und dem Theodor Beza wegen der Uebersetzung der heil . Schrift erhoben haben , davon siebe 8imon Hift . Crit . du Nouveau Tertain . cap . XXIV . p . 273 . u . f . Wir müssen nicht vergessen , daß er sich darüber beklaget , daß er , da er der erste gewesen , der eine richtige Beschreibung von dem Tempel Salomons gegeben , keinen Dank , sondern Schimpf - worre von denjenigen erhalten habe , die sich seiner Arbeit bedienet ten . Non nihil mirari fe dicebat tuorum ingenuitatem , qui cum fub . tilem efligiem Templi apud Ezechielem , in qua vna exprimenda pri . mus potiflimum elaborauerat , furripuiflent , non modo in fuis BibliU quibus eam inferebant , non laudarunt auöorem , cuius labore fuas merces ornabant , fed etiam eum infinitis conuitiis onerarunt . Refponf . ad Caluin . et Bez . pro Franc . Balduino fol . 68 verfo . Balduin hält diese Rede an den Theodor Beza .
Man hat die lateinische Bibel des Castalio im Jahre 1697 , bey Tho - maS Fritschen , zu Leipzig , in Folio wieder gedruckt , und eiusdem ( Ca - ftellionis ) Delineationem Reipublicae iudaicae ex Iofepho ; Notara prolixiorem in Caput IX . Epiftolae ad Romanos , nec non Defenfio - nem Verfionis noui Foederis contra Th . Bezam , dazu gefügct .
Ich kann mich nicht enthalten , hier ein kleines MiStrauen mitzuthei - len , das ich gehabt habe , und die Wirkung , die dasselbe gehabt hat . DaS - jenige , was Theodor Beza , Heinrich Stephan und Garasse von dem Fran - tzösischen des Castalio sagen , hat mich anfänglich zu glauben bewogen , daß dieser Schriftsteller mit der heil . Schrift umgegangen , wie Scarron mit dem Virgil umgegangen ist ; allein nach diesem habe ich geglaubt , daß man ihnen auf ihr Wort hierinnen nicht glauben dörfe , und daß vielleicht ihre Leidenschaft sie angetrieben , die Sache zu erweitern . Bey dieser Un - gewißheit habe ich die französisch ? Bibel Castalions vorgenommen , ich habe sie an verschiedenen Stellen aufgeschlaqcn , ich habe diese kurzweili - gen Redensarten neugierig gesucht , die man ihm vorgeworfen hat ; ich habe aber keine einzige davon finden können , als die von Feigen weisen . Ich habe weder den - Hinrcrn vom Pfluge noch die kleinen Rotznaftn den können , die der P . Garasse anführet ; und ich kann mich über die Unverschämtheit dieses Verlaumders nicht genugsam verwunden . V'an muß hier dekennen , daß es unglückliche Leute giebt ; sie können nienials die Pfeile der Verläumdung vermeiden . Wenn ein anderer , als Castalio , diese Uebersetzung der heil . Schrift gemacht hätte , so würde man wider seine Sprache nicht so geschrieen haben . Ueberdieß find die Worte avantpeau ( Vorhaut ) rogne ( veistiitzt ) « . d m . nicht niederträchtig und kriechend ; sie sind so edel , als prepucc ( Vorhaut ) und circoncis ( beschnitten ) . Derjenige , der sie gebraucht , ist nur wegen der unnützli - chen Neuerung zu tadeln : seine gute Absicht entschuldiget ihn nicht . Siehe seine Vorrede . \ > n >
( D Erwurdege , wungen , sein Rectoramt nieder zulegen , weil er einige besondere Meymmgen behauprer . 1 Er ist so verdrießlich darüber gewesen , daß er den Calvin nicht zur Genehmhalrung der Ungereimtheiten seiner Ueberletzunq des neuen Testaments bewegen können . daß er anqefan - gen , einige Jrrthumer vorzugeben , und das Hohelied für ein unkeusche« Stuck auszulchreoen , welches aus dem Canon der h . Bücher ausgestrichen werden müsse . Er har sich wider die Prediger ereifert , die sich seiner Absicht widersetzet . Man hat ihn vor den Rath gefordert , man hat ihn daselbst gehöret , und ihn der Lasierung überzeugt erkläret , und ihm befohlen , sich ander« wohin zu begeben . Also erzählet Theodor Beza die Sache . In - dignatu» , quod fuas ineptias in Gallica Noui Teftamenti verfione Caluino non probaflet , eotisque efferbuit , vt exotica quaedam docere non contentus , palam etiam Canticiun Salomonis tanquam impuratn et obfcoenam cantionem ex Canone expungi iuberef , et repugnantes Miniftros atrocifflmis conuitiis profcincleret . Id illi vero ( ibi noa ferendum merito rati , hominem ad Senatum vocant : vbi pvidie Calend . Iunii patientillime atiditus , cognitaque caufa calumniae dam - natus , ex vrbe excedere «inui eft . Beza , in Vita Caluini , ad ann . U44 -
pag .

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