Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4840

Castalio .
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l'iriaj vlcifcentiuin gladiornm ingeihim eft : fed prinuis vir kuit , qui minime vifus eft . Seneca , de Conftantia Sapientis , cap . XVIII .
( C ) Er behieltficb beständig den Vortheil vor , dem Caligula den ersten Streich ? u versmen . Z Man sehe den Sueton in der An - merkung ( A ) . Tillemont in der Kaiserhistorie I Th . p . m . 302 . hat die Ausdrücke des Seneca nicht reiflich genug erwogen , Er will , Seneca habe gesaget , daß Chärea des Caligula Kopf mit einem Streiche mitten von einander gespalten hätte . Dieß ist nicht der Sinn dieser Worte , ceruicem mediam vno i<5tu decidit , oder wie einige lesen , difcidit . lemont bekriegt sich ebendaselbst in einer andern Sache : er saget , daß Cornelius Säbinus , nach einigen dem Caligula den Rinnbact'en mit einem Degenstreiclic abgehauen : Sueton , den er anführet , eignet diesen Streich , nach einigen , dem Chärea zu .
( V ) Claudius ermangelte nickt , den Chärea strafen ; u lasstn ] Man bekennet , daß die That des Charea eine große Herzhaftigkeit sehen lassen : daß er aber außer diesem ein Treuloser geweseii , welcher hatte müssen gestraft werden , um denen ein Beyspiel zu geben , die sich unterstehen möch - ren , wider das Leben der Kaiser einen meuchelmörderischen Anschlag zu machen . Iofeph . Libr . XlX . cap . III . Sueton giebt vor , daß die Ver -
schwornen , welche hingerichtet worden , theils andern zum Exempel , theils darum bestraft worden , weil sie dem Caligula den Claudius , seinen Nachfolger , in die andere Welt nachschicken wollen : Exempli finud caufa , et quod fuamquoque caedem depopofcifle cognouerat . Sueton . in Claud . cap . XI . Dio verdienet gehöret zu werden : Claudius hat viel Freude über den Tod des Caligula gehabt , saget er im I - XB . 765 S nichts des ? oweniger hat er den Charea Hinrichten lasten : er hat fiel ? deswegen ju keiner Dankbarkit verbunden gehalten , daß er vermittelst dieser Verschwörung den Thron bestiegen hatte : allein er ist über denjenigen erzürnet gewesen , der sich er - kühnt hatte , die - Hand an einen Raisir ju legen , und er bat von weitem an seine eigene Siclierheit gedacht . " Die Staatskunst der Prinzen hat etwas wunderliches an sich : sie thun alles , um ihre Unter - thanen einander abspänstig zumachen ; sie geben den VerräthernAufent - halt , sie beschützen die Aufruhrer , und sehen nicht , daß dieses eine schöne Lehre der Empörung und eine nahe Hoffnung der Hü ! fe für ihre eigene Unterthanen ist . Dieses unanständige Verfahren kömmt daher , daß man nur auf das Gegenwärtige siebt : denn wenn man an die kunfti» gen Folgen gedächte , so würde ein Prinz zum Besten der Rebellionen nimmermehr weder einen Pfennig noch ein Wort verlieren .
Eastültl ) ( Sebastian ) im Jahre 1515 , in dem Lande der Allobroger gebohren ( A ) , muß einen guten Platz unter den Schriftstellern haben ( Ii ) . Das vornehmste von seinen Werken ist eine lateinische und französische Ueberseßung derh . Schrift : Man redet sehr verschiedentlich davon ; einige tadeln sie stark , andere sagen viel gutes davon ( C ) . Er hat sich in währendem sei - nein Aufenthalte zu Strasburg im Jahre 1540 , und im Jahre 1541 , die Hochachtung und Freundschaft Calvins erworben , und auch einige Tage bey ihm geherbergetCalvin hat ihm ein Recwrat in dem Collegio zu Genf verschafft , oder ihn vielmehr stark ermahnet , dasselbe anzunehmen Nachdem Castalio dasselbe fast drey Jahre verwaltet , so war er gezwungen dasselbe im Jahre 1544 zu verlassen und eine andere Wohnung zu suchen , weil er einige besondere Meynungen behauptet hatte ( D ; . Er gab sich nach Basel , und ward daselbst mit einer Professorstelle in der griechischen Sprache versehen c . Er hat seine ganze ge Lebenszeit an diesem Orte zugebracht , und ist den 29 des Christmonats 156z daselbst gestorben Er wurde durch die Vor - sorge dreyer pohlnischen Edelleute in der großen Kirche zu Basel begraben , welche seine Schüler gewesen waren ' ( E ) , und auf fein Grab eine rühmliche Grabschrift setzen ließen . Er hat das Unglück gehabt , sich den Widerwillen Calvins und Theodors Beza zu zu ziehen , die ihn mit ^chimpfworten überhäuft haben . Sie stunden in der Einbildung , daß er sie verdiente ; weil er in der Materie von der Änadenwahl einer gelinden Lehrart gefolgt war , und esgemisbilliget hatte^daß man die Ketzer strafte f . Die lateinische Ueberseßung , die er von einigen Werken Ochlnö gemacht , hat ihn mit einem großen Verdachte des Irrglaubens be - laden . Man hat ihn auch beschuldiget , daß er den Enthusiasten gewogen gewesen ( ? ) Wenn man ihn nach der Äbschilderuna beurtbeilet , die seine Widersacher von ihm gemacht haben , so muß man ihn nicht allein für einen sehr unehrlichen Mann , sondern auch für emen Bösewicht halten ( G ) . Ich werde etliche mangelhafte Stücke von der Schutzschritt anfuhren 5 , dieerherauöae - geben hat . Ich verlange nicht , daß man sie für ein treues Blldniß seiner Widersacher annehmen soll ; es ist mir genug , wenn man sie als ein allgemeines Bildniß von dem Verderbnisse der Natur , und als eine Materie zum Nachdenken annimmt . Eine »inendliche Menge anderer Leute ist einig , ihn wegen feines guten Lebens zu loben ( H ) . Dasjenige , was er geantwortet , da man ihn wegen Diebstals angeklagt , wird uns zeigen , daß er arm gewesen ( I ) . Es giebt nicht zweyerley Meynungen bey dem Artikel von seiner Armuth ; niemand leugnet , ^daß er große Mühe gehabt , für sich und seine Kinder das Brodt zu gewinnen , de - ren Anzahl nicht klein war ; denn er hat vier Söhne , und vier Töchter hinterlassen h . Montagne beweinet das unglückliche Ver - hangniß dieses Schriftstellers ( K ) . Viele Leute haben gesaget , er sey Prediger gewesen ; allein man hat einige Ursache , zu glau - ben , daß sie nicht die Wahrheit reden Weder wider den Moreri , noch den VarillaS , noch den Teißier werde ich viel zu nern haben ( L ) . Ich werde eine Anmerkung über den Namen Castalio machen ( M ) ; ich könnte eine andere über den Unver - stand dieses gelehrten Mannes machen , aber ich will sie nicht machen . Wenn er sich in den Schranken seiner Profeßion ge - halten hatte , so würde er der Republik der Gelehrten viel größere Dienste geleistet haben , wie Peter Ramuö wohl beobachtet hat ( N ) , und sich vor tausend Verdrießlichkeiten verwahret haben . An statt dessen stellte er einen Begeisterten und gen vor , und er mengte sich in die allerkützlichsten und dunkelsten Fragen der Gottesgelahrtheir . Er hätte sie denjenigen über - lassen sollen , denen sie AmtS wegen zukamen ; oder wenn er sich ja mir aller Gewalt in diesen Handel hatte einmischen wollen so hatte er dem Rache des AesopuS dabey folgen sollen * . Ich habe von Leuten sagen hören , die für klug gehalten werden , daß er , da er seine Maaßregeln nicht nach diesem Rache genommen , dasjenige gerhan , was man von dem letzten Herzoge von Burgund , in Ansehung seines Einfalls in Deutschland , gesaget hat K
* ) Siehe die Anmerkung ( tt ) . b ) Ebendaselbst , e ) Siehe seine Grabschrift zu Ende seiner vialogormn 8acrorum . d ) Siehe dieselbe Grabschrift . e ) Ihre Namen stehen in der Grabschrift . / ) Siehe die Anmerkung ( F ) des Artikels 25c ; a , und die Anmerkung ( B ) bey dem Artikel Socin ( Marianus ) der Enkel » . s . w . g ) Siehe die Anmerkung ( 0 ) . h ) Siehe die lateinischen Verse auf seinen Tod , zu Ende seiner Dialog . Sacrorum . »' ) Siehe die Anmerkung ( L ) . k ) Man muß . sagte er zu dem Solo» , entweder gar nicht zu den Königen kom - men , oder ihnen nichts , als angenehme Sachen , sagen , Plutarch im Leben SolonS 461 S . nach der Uebersetzung des Herrn Darier , hol# ländischer Ausgabe . / ) In währender Zeit er sich den Kopf an dem mächtigen Körper von Deutschland zerstieß , der ganz von Eisen ist . Mezerai Abrege' Chronol . Tora . III . pag . tn . j2$ . aufs Jahr >475 . Man setze deö Horaz fragilem truciComraifit pelago ratem Ode III I B . 10 V . dazu . *
( A ) Sr war an« dem Lande der Allobroger . ) Ich habe mich dieses olfoeme inen Ausdrucke aus Noch bedienen müssen ; weil ich nichts umständ - tichers finden könne - , . Man leqer ihm in der Grabschrift das Beywort Allobrox bey . Dieß kann so wohl bedeuten , daß er au« dem Delphi - nate , als daß er aus Savoym gewesen . Allard kibl . de Dauphine p . 68 . ergreift die erste Parten ; allein er gründet sich auf einen Schriftsteller , der dasjenige nicht gesaget hat , was er ihn sagen laßt : denn diese Worte Sam - marlhans , ex afperis et lalebroii» Allobrogum montibiis huniili ortus fortima , Elog . Libr . II . pag . m . 126 . bedeuten nicht , daß mal» von den Gebirgen des Delphinac« sev , La Cwir du Maine Bibl . Fran$ . p . 4J3 . machet den Castalio zu einem Tingcbobrnen des Landes Savo^en . Spvnius Hiftoire de Geneve Livr . III . p . m . 257 . aufS Jahr 1544 , und Leti Iftoria GencvrinaTom . III . pag . 79 . fassen ihn zu Chacillon in presse gebobren werden .
( B ) Er muß einen guten Plan untcr den Schriftskellern ben . 3 Seine Werke würden , wegen ihrer Beschaffenheit und wegen ihrer Anzahl , sehr ansehnlich seyn , wenn man auch nicht wüßte , daß er nur acht und vierzig Jahre gelebt hätte . Er hat gezeigt , daß er im Lateinischen , Griechischen und Hebräischen geschickt gewesen . Er hat zn Basel im ^abre im * , vier Bücher Gespräche drucken lassen , welche in schönem v\teiae hie vornehmsten Historien der Bibel enthalten , so daß sich da - fmi - rf , die Tugend so wohl einen Begriff von der Gottesfurcht , als der la - , 'in>s - i , en " Svracl>c , zu wege bringen kann . Sie sind im Jahre >548 , SXfbrucft worden , und nach diesem mir Verbesserungen und ZusZ - ^ ^ ^iahre . «1 Fpttome B . bl . Gek . er , pag . 7^5 . Diesen drey Xn finb verschiedene andere gefolgt . Ich bediene mich der Ausgaben sind veymeoe , . bje uebersttzunq mit seinen
leidensihen »ni6 . 2°1 " 8 - „ b / n f , filmischen Versen , in lateinischen
Noten herausaeg - b^d eer mn °e° v ^ ^ lateinischer
! >ero . schen Versen gemacht h« . Uebersehung der Psalmen
bnt . Er hat 1548 , ein griechisches Gedichte von dem Leben Johann bei Käufers , »nd eu , lateinisches drucken lassen , welches eine Auslegung bei Propheten Jonas ist . Ich will nicht - von seiner Uebersehung einer Stelle Homers , und einiger Bücher Xenoplwne , und des h . Cyrillus sagen : ( aus GesnerS Auszüge 74 ; S . ) und von dem allenvichtiasten von seinen Werken , werde ich in der folgenden Anmerk . reden . Hier will ich nur dazu setzen , daß er verschiedene italienische Werke des berufenen Ochin« und namentlich die dreyßig Gespräche in die lateinische Sprache gebracht hat , davon einige der Vielweiberei ) das Wort zu reden geschienen haben . Martin Ruarüs hat Unrecht , wenn eres übel empfindet , daß Caloviuödie Übersetzung dieser Gespräche dem Eastalion zugeeignet hat . Scribi» Caftellionem XXX . Ocliini Dialogos in latinam Linguam transtulifle . Id e^o vtut milü dubium , cum nonnifi a Caftellionis mimicis , mota fufpicione dactis alKrmatum videam , in medio tarnen relinquam . Martin . Ruanis Epift . XLVII . Cent . I . pag . 216 , 227 . Allein er hat ihn nicht mit Unreä ) t getadelt , daß er vorgegeben , es hätte sieLälius Socinu« »inter dem Namen Felix Turpio herausgegeben . Es ist gewiß , daß dieser falsche Nanie nicht auf diesem Werke erscheint , und daß sich der wahre Name OchmS davor sehen läßt . Man sage nicht , es habe Bullinger merket , in der Vorrede vor Simmlers Buchern beym RuaruS ebendas . 227 S . daß es Ochin von einem Italiener , einem seiner Freunde , drucken lassen ; denn dieser Italiener ist niemand anders , als Peter Perna , Buch - drucker zu Basel , der Men Namen , nach Gewohnheit , am Ende des Buches gesetzt hat . Wie hatte Lälius Socin , der im Jahre nfo , storben ist , ein Buch können drucken lassen , das erstlich 156z , unter die Presse gegeben worden ? Der Jrrrhum des Calovius ist daher gekom - men , das ; Faustus Socin zu gewissen Gesprächen des Castalio , die er her - ausgegebei' , eine Vorrede untcr dem Namen des Felix Turpio Urbe« veranus gemacht hat . Dieses kömmt mit Faul ? us Socinus Senensi« überein . Castalio ist der Urheber und nicht der Uebersetzer dieser Gesprä - che ; sie handeln , de Praedeftinatione , de Eleäione , deliberoArbitrio
de

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