Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4833

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Caßius .
rus geheißen , und für einen Mann , der gleichfalls Severus geheißen , verlangt hätte , er etwa« von dieser Gleichförmigkeit des Namens ge - dacht haben würde . Allein ich bekenne , daß aus diesem Bewcile nichts zu schließen ist . Dem sey wie ihm wolle , Plinius saget nichts , welches zeigte , daß er von einem Gelehrren rede , der den Zunamen Severus ge - habt , oder daß derjenige , von dem er redet , vielmehr der Redner Caßius , als der Poet Caßilis , wäre : sie konnten beyde den Vornamen Titus ben . Ueberdieß sind die Lesarten der alten Manuscripre ungemein von einander unterschieden : siehe ( Zrutcri Notas in Plin varior . leidnische Ausgabe von 1669 . In einigen sieht man Titi Catii , in andern Titi Atii , und auf dem Rande sieht man , Attici oder Catili .
( N ) Xvir wollen die Fehler des Peter «Trimms leben . ] Er saget im Xl . Vll Cap . von den lateinischen Poeren : l . daß Caßius verus , gebürtig von Parma , wie die Schriftsteller sagen , vom Ovidius unter die Poeten gerechnet worden , die zn seiner Zeit geblüht haben , der - gleichen Sabinus , Montanus , Melissu« und Propertius gewesen . I l . Daß er , nachdem er sich in dem Kriege des Brutus und Caßius hervor gethan , sich nach Athen begeben , und daselbst aus Befehl des Augustus umgebracht worden , lll . Daß ihm Horaz nicht gut gewesen , wie er in verschiedenen Stellen gezeiget hat , und vornehmlich in den jambischen Versen , wo er dem Archilochns nachahmet . IV . Daß man ihn weder mit dem Cornelius Severus . noch mit dem Redner , Caßius Severus , vermengen müsse . Er begeht den Fehler offenbarlich , den er an andem verwirft ; ich will sagen , daß er den Caßius Parmensis mit dem Corne - lins Severus , und mit dem Caßius Severus vermenget ; denn da er bekennet , daß der erste in feiner Wohnung zu Athen umgebracht worden , so muß er ihn im 723 Jahre , etwas mehr oder weniger , für todt halte» . Da nun Ovidius damals nur noch ein junger Schüler , von zwölf bis dreyzehn Zähren gewesen , so kann man nicht glauben , daß er ihn in das Register der Poeten gesehet , die mit ihm zu gleicher Zeit gelebt haben , welches er uns in seinen alten Tagen gelassen hat . Dieses leider keine Schwierigkeit , wenn man dasselbe Verzeichniß untersuchet , das sich im XVI Briefe des X B . de Ponfo befindet , wo er de» Sticheleyen eines Kunstrichters das Ansehn entgegen setzet , das er in Rom zn einer Zeit gehabt , da er mit diesem oder jenem gelebt . Crinitus nennet den verus , und einige andre . Man urtheile , ob dieser Severus nicht der Cornelius Severus ist , worüber Crinitus so ungehalten ist , daß man ihn mit dem Caßius von Parma vermenget . Ueberdieß ist es gewiß , daß die dem Archilochus nachgeahmten Verse nichts anders , als die sechste Ode des V B . des Horaz sind , welche bloß den Redner Caßius Seve - rus berührt Diese Ode beweist , daß sich Caßius Severus anfanglich nur unterstanden , seine Lästerung gegen geringe Personen auszuschütten . Endlich ist er kühner geworden . Tacit . Annal . Libr . I . cap . LXXII . Man wird ohne meine Erinnerung gewahr werden , daß CriniruS in di ; oben berührten Fehler , wegen der Unterdrückung der Kriegsthaten des Caßius von Parma , seit der Schlacht beyPhilippiS , bis auf die Schlacht bey Actium , verfällt .
( 0 ) Geneca hat ein Urrheil von diesem Redner gefällt , web ches ihm anstatt einer Vorrede vor einer merkwürdigen lung dienet . ] Diese Erzählung enthält die Antwort , welche Caßius gegeben , als man ihn gefragt , warum er in feinen wirklichen chen Verteidigungen der Sachen , einen unendlich bessern Fortgang hätte ,
als bey seinen Uebungsreden über erdichtere Materien . Es war zur sel - Ken Zeit sehr gewöhnlich über dergleichen Materien zu reden . Seneea , welcher diese Frage an den Caßius gethan hatte , erzählet dasjenige , was er ihm darauf geantwortet . Caßius hat hierüber schöne Anmerkungen gemacht , welche ich in dem Originale nachzulesen anrathe . Hier will ich nur etwas von den : Eingange des Seneea abschreiben . Wir lese« dar - innen , daß ein solcher Redner , der sich in der Richterstube zur Bewuu - derung gemacht , in den besonder» Uebungsreden gescheitert , und daß dieser Ungleichheit niemand mehr unterworfen gewesen , als Caßius Se - venlS . In millo hoc fiebat notabiliiis . Seneea , in Praefat . Libr . III . Epitomes Declamat . pag m . zz5 . Bey dieser Gelegenheit giebt nnS Seneea da« Lob von der Beredsamkeit dieses Redners , und bemerket die Eigenschaft derselben . Nichts fehlte ihm , setzet er darzu , was zu einem guten Redner gehört . Seine Worte waren auserlesen , sein Ausdruck war vollständig und lebhaft , und enthielt mehr Gedanken als Worte , und gleichwohl war Caßius bey seinen Redeübungen nicht allein unter sich selbst , sondern auch unter vielen andern : Omnia habebat , quae illum vt beiie declamaret , inftruerent : phrafitn nec vulgarem , nec fordi - dam , fed leölain : genus dicendi non remiffum , aiit languiduin , fed ardeiis et cogitaxum : nec lentas , nec vacuas explicationes , fed plus fenfus quam verborum habentes : diligentia» ! , Maximum etiam medioeris ingenii fubfidium . Tarnen non tantum infra fe , cum clamaret , fed etiam infra mukös erat . Itaque raro declamabat , et non niii ab amicis coadhis . Ebendas . z ; 6 S . Man merke , daß seine Beredsamkeit seinen Zuhörern viel schöner geschienen , als seinen Lesern ; dasjenige , was er herausgegeben , ist der Bewunderung nicht gleich ge - kommen , die er sich erworben hat : es ist darinnen eine viel größere Un - gleichheir gewesen , als diejenige , welche gemeiniglich unter dem Beyfalle einer hergesagten Rede , und dem Beyfalle einer herausgegebenen Rede herrschet . Non eft quod iUum ex his , quae edidit , aeftimetis . Sunt quidem et haec quibiisdam grata . Verum eloquentia eius longe maior erat , quam leftio . Non hoc ca portione illi accidit , qua omnibus fere , quibus majori commendationi eft audiri quam legi , fed in illo longe maius diferimen eft . Ebendas .
( P ) Unser Caßius ist einem andernMenstlien so vollkommen ähnlich gewesen , daß man viel itt & bc gehabt , einen von dem andern zu unterscheiden . ) Pliniuö und Solin reden also : Calfio celebri Oratori Armentarii Mirmilloni , ( der P . Harduiii will , daß Armentarins hier einen Menschen bedeutet , der das Vieh hütet , und daß Mirmillo hier ein eigener Name ist . Salmafius in Solin . pag . 50 . saget das Gegentheil . ) obiecta fimilitudo eft . ( Plinius , Libr . VII . cap . XU . ) Armentarius Myrmillo etCafllus Seuenis orator ita fe mutuo reddiderunt , vt , fi quando pariter viderentur , dignofei non pofient , nifi difcrepantiani habitus indicaret . Solin . cap . I . pag . m , 8 - Ich wundre mich , daß Solin den Umstand zu umschreiben vergessen bat , den Plinius angezeigt hatte , daß man nämlich dem Caßius diese Ähnlichkeit vorgeworfen . Wenn er dieses mit einer Umschreibung versehen hätte , so würde er uns vielleicht berichtet haben , daß diejenigen , welche ihn damit aufgezogen hatten , behaupten wollen , es habe heimliche Liebeshändel gege - ben , welche Ursache gewesen , daß diese beyden Menschen einander geglichen haben Wer weis , ob er uns nicht gesagt hätte , daß sie einander von Gemüthe ähnlich gewesen , und daß der eine nicht weniger einKlopffech - ter in der Richterstube , als der audre auf dem Kampsplatze gewesen .
CaßlUS Charea , das Haupt der Verschwörung , in welcher Caligula umkam , war Hauptmann der Leibwache ( A ) . Er hatte als Hauptmann unter den Legionen gedienet , welche sich kurz vor dem Tode Augusts in Deutschland empörten . " . Er machte sich bey dieser Gelegenheit mit vem Degen in der Faust , unter den Soldaten Platz , die den Hauptleuten übel mitfuhren . Er war ein herzhafter und redlicher Mann b , und welcher die strengen Befehle des Caligula mit Widerwillen ausführte . Da6 Mitleiden , das er mit dem armen Volke hatte , war Ursache , daß er das Geld der Schätzungen und Auflagen , nicht mir alle dem Eifer einforderte , als es der Kaiser verlangte c ; denn ihm hatte man diese Verrichtung ausgetragen . Diese Menschlichkeit ward von dem Caligula für einen Mangel der Herzhaftigkeic gehalten ; dieser grausame Tyrann erwies seinem Hauptmanne der Trabanten unerträgliche Beschimpfungen und Vorwürfe : er gab ihm niemals die Losung , daß er nicht einen Ausdruck erwählt hätte , der ein beißender Scher ; der Weichlichkeit , und des weibischen Wesens gewesen wäre ( B ) . Und dieses bewegte die Ofsicier . . . , s nirfitit mm inrbm . welchen ( Faöl'us die Lotuna aeben mutzte < All« V ? >d , »k hon ßWunflvmh'ivii .
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eine lange Rede von der Freyheit , und beschloß , daß man die Verschwornen , und vornehmlich den Chärea , zu den größten Eh - renstellen erheben müßte . Chärea höhlte bey den Consuln die Losung : sie gaben ihn , das Wort Freiheit : er brachte es den Schwadronen , welche dem Rache gehorchten : und wie er bey dieser Partey alles galt ; so schickte er einen Obersten , Namens Lupus , ab , des Caligula Gemahlmn , Cäsonia , mit ihrer Tochter zu tödten Unterdessen wurde Claudius in dem Lager der Besatzungsschaaren , zum Kaiser ausgerufen , und der Rath mußte , es mochte ihm lieb oder leid seyn , diele Wahl bil ligen . Der neue Kaiser ermangelte nicht , den Chärea strafen zu lassen ( D ) , welcher den Tod mit vieler Srandhaftigkeit ausstund k .
( A ) Er war - Hauptmann Oer Leibwache . ^ Seneea betitelt ihn Tribtinus inilitum , Seneea de Conftantia Sapientis , cap . XVIII . lein Sueton ist viel richtiger : Primqs 5ibi partes , saget er , in Caligul . , - ap . LVI . Ca ( Iius ChaereaTribunus cohortis praetoriae depopofeit . Der gelehrte Bentley , auf der «i S . seiner Noten über die Chronik« von Malala , giebt unserm Caßius den Titel eines Zinistmeisters des Volkes . Dieß ist ein leichtes Versehen , »velches der erstaunlichen Ge - lehrsamkeit dieses Schriftstellers nicht das geringste Nachrheil zuziehen kann ,
( B ) Caligula gab «hm niemals Sie Losung , Saß er nicht ei - ncn Ausdruck erwählt hatte , Oer ein beizender ^clier , der UOeickliclikeit , und des weibischen Wesens , gewesen ware . J Man sehe den Joseph , welcher im I Cap . de« XIX B . der Alrerrhümer , von diesem allen sehr weitläufig redet . Sueton im I^VI Cap . seines Call - gula , drucket sich also aus : Quem { Cajfium Chaertat» ) Caius fenio -
rem iam , vt möllern et effoeminatum denotare omni probro con - fuerat , et modo fignum petenti Priapum aut Venerem dare , modo ex ahqua cauffa agenti gratias ofculandum manum offene for - matam commotamque in obfcoeniun modum . Seneea saget bennahe ebendasselbe ; allein er sehet darzu , daß Chärea durch seine matte und weibliche Stimme , einigen Anlaß zu diesen Spöttereyen gegeben habe , und daß er nicht der Mann zu seyn geschienen , der , wie sichs nachmals gezeiget , dem Caligula einen so harren Streich ver - sehen wurde : Chaereac tribuno militum ferrno non pro manu erat , languidior fono et infraöa voce fufpeftior . Huic Caius fi - gnum petenti modo Veneris , modo Priafi dabat : aliter atque aliter exprobrans armato mollitiain . Haec ipfe perlucidus , crepidatus , armillatus . Coegit itaque illum vti ferro , ne faepius fignum pete - ret . Illc primus inter coniuratos fuftulit : ille ceruicem mediam vno iätu decidit , plurimum deinde vndique publicas ac priuatas in -

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