Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4827

Caßius .
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sen los gesprochen zu sehn , daß man dm Wunsch Augusts unter seine glücklichen Einfälle gefttzet , daß das Forum , welches er baute , und mit der Baumeister sehr zauderte , vom LaßiuS angeklagt werden möch - re . Der Gedanke Augusts , gründet sich auf die doppelte Bedeutung des Wortes , abfoluere : welches so wohl vollenden , als loatprecwn . dcdeuret . Dieser aufgeweckte Einfall ist also , nach dem heutigen & e - schmacke , nicht« als ein Wortspiel , oder ein alberner Scherz : ich sage nach dem heutigen , denn es sind noch nicht fünfzig Jahre , da dergleichen Zweideutigkeiten für ein attisches Salz gehalten worden . Zum Zeug - nisse dienen die oben in dem Artikel Äautru ( Wilhelm ) angeführten Verse des S Amant . Dem sey wie ihm wolle , so ist dieses Wortspiel kein geringerer Beweis von der Neigung des CaßiuS zum Anklagen , als die Ausrufung , die er zu Anfange seiner gerichtlichen Rede wider den Asprenas gethan , dessen Ankläger er gewesen . Ich lebe annod ) vurck die Gnade der Götter , und da« Äcbcn mir angenehm , rveil id> den Asprenas unter den - Händen der Gercclirigk'eit sehe . Es kann nichts vernunfligerS , als die Betrachtung QuintilianS über diesen Eingang seyn : 8ine dubio in omnibus ftatim accufatio - nibus hoc agendum eft , ne ad eas libenter defeendifie videamur , ide - oque mihi illud Caffii Setieri non tnedioeriter difplicet , DU boni , ■viui ) ; et quo " >e viuere iuuer , Afprenttm reum Video . Non enim iufta ex caufa , vcl necefiaria , videri poteft poftu lalle cum , fed qua - dam accufandi voluptate . Quintil . Inftit . Orator . Libr . XI . cap . I . Dieser CaßiuS ist gewiß eine verdammte Seele gewesen , und diejeni - aen , die ihm gleichen , verdienten zu allen Zeiten so elend , als er , zu ster - den , und nach der Uebersetzung Amiots zu sagen :
Que deformais autant en puifie - il prendre
A qui voudra teile chofe entrcprendre .
( Dieß ist die Uebersehung eines Verses Homers , welcher vom Seipio , dem Afticaner , auf den Tod des Tiberius Gracchus gedeutet worden . Siehe den Plutarch , in Vita Gracchor . p - 834 - ) Denn wenn man in der römischen Republik , wo man die Anklage als eine Thüre ansah , durch welche die jungen Sachwalter vom Stande sich in der Welt be - kannt machten . ( Quintil . Lib . XII . cap . VII . Apulcius , in Apologia . Siehe seine angeführten Worte oben in dem Artikel Aldutiu« ( Titus ) , und als eine schöne Laufbahn , welche die Redner vollkommen machen , ( Cicero de Offic . Lib . II . cap . XIV . ) und den Boshaftigen Furcht ein - jagen könnte , ( Quintil . Lib . XII . cap . VII . ) nicht unterlassen hat , jenigen zu verachten und zu hassen , die ein Handwerk aus dem Anna , aen gemacht : was könnte man starkes genug unter dem Christenthume und in den Staaten sagen , welche anders regiert werden , als das alte Rom ; was könnte inan , sage ich , starkes genug wider diejenigen vor - pellen , welche dieses Handwerk treiben ? Ich will den Q - uintilian noch einmal anfuhren : er saget , daß ein sehr kleiner Unterschied , zwischen ei - nern Straßenräuber und einem 'Anklager von Proseßion , sey : Accufa - toriam vitam viuere , et ad deferendos reos praemio duci , proxi - mum latrocinio eft . Ebendaselbst . Cicero sieht eS als eine« ? großen Schandfleck der junischen Familie an , daß sie einen Redner hervorgebracht , der diese Handthierung getrieben , Iisdem temporibus M . Brutus , in quo magnum fuit , Brüte , dedecns generi veftro , qui cum tanto mine eilet , patremque Optimum vmun habuiflet , et iuris peritifll - mum , accufationem facHtauerit , vt Athenis Lycurgus . Is magiftra - tns non petiuit , fed fuit accufator vehemens et moleftus , vt facile cerneres , naturale quoddam ftirpis bonum degenerauifle vitio depra - tiatae voluntatis . Cicero in Bruto , c«p . XXXIV . Er bemerket , de Offic . Libr . II . cap . XIV . daß man beynahe dem Namen und der Na - tur eines Menschen abgesagt haben müsse , um das Leben vieler Leute in Gefahr zu sehen , »nd daß man seinem guten Namen einen Schandfleck der Niederträchtigkeit und Leichtsinnigkeit mache , wenn man sich in den Stand sehet , das Beywort eines Anklägers zu verdienen . Duri nis vel potius vix hominis videtur , periculum capitis inferre multis : id cum periculofum ipfi eft , tum etiam fordidum ad famam commit - tere , vt accufator nominetur , quod contigit M . Bruto , fumnio gene - re nato , illius filio , qui iuris ciuilis in primis peritus fuit . WaS sollte er heutiges Tages sagen , wenn er ein Christ wäre , und Personen sähe , welche , wegen ihres Amts , zu ganz was anders berufen sind , und sich zu beständigen Angebern , Verleumdern und Anklägern , bald durch gedruckte Schmähschriften , bald durch Briefe auswerfen , wcrinnen man die Urheber nicht nennt , und in deren Angebnngen allerhand Geschaffte , Staatsverbrechen nnd Ketzereyen enthalten sind ; die sich mitten unter alle Arten der Kundschafter und Zeitungsträger mischen , und sich so wenig , als Caßius Severus , durch die beständige Lossprechung derer , die sie angreifen , abschrecken lassen , » . s . w . was würde er jagen ? Man kann eS leicht crrathen . Man findet in den Gesprächen Balzacs ein vollkommen schönes Capitel ; nämlich das fünfte des XXXIV Ge - sprächs , p . m . z - y . Hier ist die letzte Hälfte davon : Wir haben noch „ ein mangelhaftes Stücke von einer gerichtlichen Rede des Redners „ Calvuö , wider diesen so durchgängig verhaßten Menschen , den ehrlosen „ Batiniuö ; und dieses mangelhafte Stücke findet sich in der Samm - ' „ lung der alten Redner , mit diesen Worten , wenn mich mein Gedächt - , , niß nicht bekriegt : hominem noftrae ciuitatis audaeiffimum , fackio - , , fum , fordidum , accufatorem ; ich sehe darinnen , daß er unter de» bö - „ seil Eigenschaften des VatiniuS , auch diese nicht vergißt , nämlich die „ Beschuldigung . daß er ein Ankläger gewesen . „ Noch einmal , es ist in dieser Zeit unvergleichlich mehr zu vergeben gewesen , daß man sich als einen Ankläger aufgeführt , als zu unserer Zeit ; denn was thut man nicht in einer Demokratie , die Gunst des Volks zu gewinnen ? Nun erwies man dem römischen Volke einen großen Gefallen , wenn man die - jenigen anklagte , welche die Aemter der Republik verwaltet hatten : es sah die Ankläger als Hunde an , welche die Wölfe anfielen , z'sökh u
I IXKoC avroit ( 'pwfüc / oic ) Svtv Tfofäfffuf tfx iyevvif tivixf , rd rf ; xa - uyoolcK ff ? « " . KS " * ™'c i & sAovr« toi ( IcSihSvi» gif «ff * « ? " Vv«r« Je\ non fuppetente caufa res non pudenda accufatio , fed delcftaban . tur iuuenibus iinprobis , vt generofis canibus feras confeftantibus . Plutarch in Lucullo , init . Siehe oben die Anmerkung rD ) , bey dem ÄHMtÖ . Fast auf eben diese Art . ist heiitigeS Tages in den Repliken kein sicherer Mittel , sich den Beyfalldes Pöbels zu ben , alswenn man ans denKanzeln brav wider d , eObr . gkeit loszieht .
( I . ) Hofmann hat sich in gewissen Dingen betrogen . ) Er ist
hier viel richtiger , als Moreri , und gleichwohl nicht il , solchem Grade wie es seyn jollte ; quisque fuos patitur manes . '
I . Giebt er uns den Caßius Severus , den Redner , mir dem Urtheile in einem absonderlichen Artikel , welches Quintilian von ihm gefallt ; diejem füget er bey , daß seine Schriften durch einen Rathschluß unter - drücket worden : er führet deswegen den Suecon an , und endlich weist er »ins zu dem Voßius . Dieser Artikel befindet sich ganz in dem Worterbliche Lloyds , welcher ihn gegeben , so wie er ihn bey dem Carl Stephan gefunden hat , bis auf die Verweisung zu dem Voßius , die er dazu gefetzt . Man kann sich über alle drey wegen der Anfuhrung Sue - ton« beklagen ; zum wenigsten hätte sie einer davon deutlicher angeben , und das XVI Cap . von dem Leben des Caligula bemerken sollen ; denn wie er von der Unterdrückung der Bücher des Caßius nur darum redet , damit er uns belehren will , daß sie vom Caligula . nebst den Büchern de« Cremutius Cordus lmd des Labienus wieder hergestellt worden : so hatte er nicht von dem Urtheile reden sollen , welches die Lesung dersel , den verbvthen ; oder er hatte uns wenigsten« belehren sollen , daß diese - Verboth einige Zeit darauf wieder aufgehoben worden . 11 . In der Fortsetzung dieses Artikels , giebt uns Hofmann einen andern vom CaS - sius Severus von Parma , dem Redner , von welchem er viele Dinge erzählet , welche für den CaßiuS Severus des vorhergehenden Artikels gehören . Er führet Schriftsteller genug an , als den Horaz in der neun - zehnten Satire , des ersten Buches , ( es muß >o und nicht 19 heißen : das erste Buch von den Satiren des Horaz , hat nur zehne , und das dre nur achte ) ; den PaterculuS , den Appian lind den OrosiuS , welche ganz und gar nicht von diesem CaßiuS reden . Er ist nicht vergnügt da» mit , daß er zweene Artikel für einerlei ) Person gemacht , sondern er giebt auch dem Redner . CaßiuS Severus , fälschlich den Zunamen pacmeiu sis , und deutet dasjenige auf ihn , welches von einem ganzen andern CaßiuS gesagt worden . Das ärgste ist : daß er den Artikel mit dieser ganz zweiselhaften Frage beschließt , bey einer Sache , die nicht der ge - ringsten Schwierigkeit unterworfen ist , an idem cum Caflio Poeta ? Der Redner Caßius , der vom August auf die Zusei Creta , und vom Ti» ber aus das kleine Eyland Seriphus verwiesen worden , wo er im - 5 Jahre seines Elendes gestorben , ist dieser eben derselbe Mann , als der Poet Caßius von Parma gewesen , welchen August nach der Schlacht bey Actium , mehr als vierzig Jahre zuvor zu Athen hinrichten lassen , ehe Tiberiliö den Thron bestiegen hat ? III . Hofmann findet sich durch feine eignen Worte verurtheilt ; denn er hat uns auf der vorhergehenden Seite dm Artikel des Poeten , Caßius von Parma , gegeben , wo er ge - saget , daß sich dieser Poet , nach der Niederlage des Brutus und Caßius , nach Athen gerettet , und daß ihn Baris , der vom August abgeschickt worden , ihn zu todten , über seinem Studieren beschädiget angetroffen , und , nachdem er ihn getödtet , seine Bücher und seinen Geldkasten weg - genommen bat . Man ist in diesem ganzen Artikel dem Lloyd von Worte zu Worte gefolgt . Dieser hatte eö , in Ansehung Carl Stephane» eben also gemacht , den er lieber darinnen hätte verbessern sollen , daß er alle Verrichtungen dieses CaßiuS von der Schlacht bey Philippis an , bis auf die Schlacht bey Actium unterdrucket hat : denn es ist nicht wahr , wie alle drey versichern , daß er , nach der Niederlage des BnituS und Caßius , nach Athen geflüchtet ; er hat des PompejuS Sohn , und nachmals dem Marcus Antonius angehangen , und unter beyden Dienste gehabt , und sieh erstlich nach der Schlacht bey Actinm nach Athen geben , im 122 Jahre Roms . Er ist der einzige Ueberrest von denen wesen , die den Julius Cäsar ermordet hatten ; ( Vellei . Patercul . Libr II . cap . LXXXV1I . ) allein er ist solches nach seiner Flucht nach Athen Nicht lange geblieben , ( Valer . Maxim Lib . I . cap . VII . nuin . 7 ) und man glaubet nicht , daß er denjenigen vierzehn Jahre überlebt hat , den er harte ermorden helfen . Cafaubon . adSueton . inlul . cap . VII . num . 7 . Dem sey wie ihm wolle , so machet ihn Hofmann , welcher seinen Tod frühzeitiger machet , indem er ihn kurz nach der Schlacht bey Philippis im 712 Jahre Roms nach Athen gehen läßt , um so viel geschickter , daß er nicht Mit dem CaßiuS Severus vermengt werden kann , cher unter der Regierung des Tiberius auf die Insel Seriphus verbannt worden .
Man merke im Vorbeygehen , daß nach dem Vorgeben SuetonS , fast kein einziger von den Mordern CäsarS , ihn über drey Jahre überlebt hat . Gleichwohl ist es gewiß , daß eine ziemliche Anzahl dieses Ziel liberschritte . i haben . PetavniS hat den Sueton ohne Ausnahme de» lassen , nullus triennio amplius fuperftes fuit . . Vt ait Suetomus . Petau . Ratiorar . Te . np . Parte I . Libr . IV . cap . XX . Cbmeau in dem IV Cap . des III B von der Historie der Welt saget : daß kein einziger davon den Casar über drey Jahre überleben können .
( M ) Manist nicht einig , wegen des Vaterlandes dc« Caßius Severus . ^ Die Meynung des P . Hartum , von dem Vaterlande die - ses Caßius , ist des Voßius seiner sehr srnvider . Denn Voßius . de tti - ftor . Lat . p . 110 . will , daß Plinius der jüngere , ( Lib . IV . Epift . XXVIII . ) als er für den Herennius Severus die Bildnisse des Cornelius Nepos , und des Titus Caßius , der Landesleute dieses Severus , an welchen er geschrieben , ( Catanäus nennet diesen SeverusJulius , ohne den Grund davon anzugeben : und folglich unterscheidet er ihn von demjenigen , an welchen der VI Brief des Iii B - geschrieben ist , und den er zum Landes - manne des PliniuS machet . ) von unserm CaßiuS Severus reden hö - ren . Wenn dieses wahr ist , so ist dieser nicht von Longula gewesen , wie der P . Harduin , in Indice authorum Plinn , vorgiebt , der sich da - bey , wie ich glaube , aus das Veizeichniß der Schriftsteller de« XXX V Buchs des PlmiuS gründet , weil Cornelius NepoS ein Nachbar des Po gewesen , Padi Accola , Plinius Lib . III . cap . XVIII . welches die von Verona zu ihrem Vorrheile ausgelegt . ( Voflnis , Hiftor . Lat . pag . 69 . ) um ihrer Stadt die Ehre zu verschaffen , daß sie den Cornelius NepoS hervorgebracht . Allein CatanauS bestreitet ihr diese Ehre heftig , und behauptet , daß Parma viel näher an dem Po liegt , als Verona ; und daß , weil Titus CaIiuS von Parma gewesen , Cornelius NepoS auch daher gewesen seyn müsse . Catan . Commentar . in Plinii Epiftol . XXVIII . Libr . IV . Sie mögen es unter einander ausmachen . Soviel ist alle - mal wahr , daß Catanäus den Unterschied nicht zu wissen scheint , der un - ter dem Poeren , Caßius ParmensiS , nnd dem Redner , CaßiuS Seve - rus , ist . Vielleicht bekriegt sich Voßius nach dem Glandorp , Onoma - ftic . Rom . p . 209 . daß er den Titus CaßiuS des jüngern Plinius , für den Redner , CaßiuS Severus , nimmt ; denn es scheint , daß , wennPli - niue das Bildniß des Caßius Severus , von einem Manne , der Seve - L 3 tu«

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