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der Spiegel der Welt , und was wahr in der Natur ist , muß auch wahr auf der Schaubüh» ne sein . Leßing glaubt , die französische Nazion ziehe darum das heroische Trauerspiel dem Wir» gerlichen vor , weil sie zu eitel , und in Titel und andere äuserliche Vorzüge zu verliebt ist . Daß dies der Fehler der französischen Nazion sei , daß sie in Titel und äuserliche Vorzüge zu sehr ver» liebt sei , will ich hier nicht bestreiten ; der Aus - spruch ist ziemlich sonderbar und befremdend . Aber das ist unerträglich , daß ein Mann , der so viel über die Schaubühne geschrieben hat , behaupten darf , die Liebe zu den Titeln sei die Ursache , daß das bürgerliche Trauerspiel bei dieser Nazion nicht in Schwung kommen will . Soll Leßing in dem heroischen Trauer - spiele keinen Vorzug vor dem bürgerlichen als Titel und Rang der Personen sehen ? Sah er von dem allen nichts , was seinen Vorzug aus - macht ? Wußte er nicht , daß nebst grosen Per« sonen auch eine grose Handlung ersodert werde ? Ist das alles nichts , was er in den Meister - stücken der Griechen entdecken konnte ? Shakes - pear , Korneil , Racine , Voltaire , Crebillon , Dryden sind , leider ! zur unrechten Zeit gebo»
ren .

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