Full text: Festschrift zur Einweihung des Neubaues der Anstalt. Inhalt: 1. Entstehung und Auffassung von Lessings Nathan dem Weisen ...

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liehe einzuteilen , nur eine menschliche ist . In dem Sinne , daß geistige und körperliche Kräfte dem einen lichen Geist entstammen , gibt es auch nur geistige Krüfte . 
5 . Neumeister . 
Schon im Vorwort seiner hier zu behandelnden Schrift' ) gibt Neumeister seinen antimechanistischen Standpunkt mehrfach zu erkennen . Wir hören da z . B . , daß . die vitalistische Betrachtungsweise , besonders von . Johannes Müller , mit dem heutigen Standpunkt der Wissenschaft nicht nur durchaus vereinbar ist , sondern ihm sogar weit mehr entspricht als der . öde und gescheiterte " Mechanismus . ' 
Nach einem Ausblick auf die Entwicklung des Mechanismus und des Vitalismus wendet sich Neumeister / h einer Bekämpfung des Mechanismus . . Seine Erklärungsversuche bilden im besten halle metaphysische lationen über Dinge , welche g . 'in / lich außerhalb unserer Erfahrungen liegen , oder sind nur luftige Hypothesen und leere Worte , mit denen sich in keiner Weise Begriffe oder Tatsachen verbinden lassen . " . Die erste stehung der ersten Lebensformen bleibt also , trotz gegenteiliger Behauptungen des Mechanismus , ein dentes Problem . " 
Dabei erfahrt in einer Anmerkung Pflügers Cyan hy pot hese , die auch mir als Studenten wegen ihrer mir damals lückenlos erscheinenden Durchdachtheit gefiel , eine hübsche Widerlegung . Pflüger geht davon aus , daß C und N sich in der Glühhitze des feurig flüssigen Erdballs leicht zu dem CN - Radikal hatten vereinigen können , wie es auch heute noch im Laboratorium geschehe . In den unermeßlich langen Zeiträumen der kühlung hatte dann das Cyan Gelegenheit gehabt , durch Polymerisation usw . in lebendes Eiweiß überzugehen . Neumeister erwidert unter anderm : . Abgesehen davon , daß zwischen Cyanverbindungen irgend welcher Art und den Protel'nstoffen ein unermeßlicher , durch nichts überbrückbarer Abgrund gähnt , würden sich die in der Hitze entstandenen Cyanverbindungen bei nachfolgendem Zutritt von Wasser und Sauerstoff lich sehr bald wieder zersetzen , so daß nach der endlich erfolgten Abkühlung der Erde sie langst wieder in Kohlensaure und Ammoniak zerfallen w3ren " ( 16 ) . 
Der Mechanismus ist . öde * , wie Oskar Hertwig sagt . »Denn wahrend bei der Betrachtung der listischen Vorstellungsweise von Ernst Stahl bis zu den Anschauungen von Johannes Müller ein steter Fortschritt zu einer höhern Auffassung dieses Problems nicht zu verkennen ist , sucht man andererseits nach dem Auftauchen neuer Gedanken in der mechanistischen Literatur vergebens . " 
für die völlige Niederlage des Mechanismus spricht sein ganzliches Versagen bei Erklärung eigentlicher Lebensvorgange . Es ist . nichts so sicher als die Tatsache , daß die physiologische Wissenschaft in bezug auf die Erklärung eigentlicher Lebensvorgange bisher nichts geleistet hat . " 
Als Belege führt Neumeister das Wahlvermögen der Darmschleimhaut * * ) , die regulierende Tätigkeit der Uberzellen an . . Ohne Empfindung des Bedürfnisses und ohne Unterscheidung von Quali - und Quantitäten — psychische0 Leistungen , welche den mechanischen Prozessen jedesmal vorausgehen und welche die letzteren einleiten — ist diese zweckmäßige Arbeit der Zellen gar nicht denkbar . 
Auch die überaus zweckmäßige Tätigkeit der Nieren zwingt zu der Äußerung , sie würde nur begreiflich bei der Annahme eines Empfindungsvermögens der Nierenepithelien . " Je mehr das Nervensystem zurücktritt , um so selbständiger werden die einzelnen Zellen , zumal bei den Pflanzen , . so daß wir hier allen protoplasma - tischen Zellen . . . die Eigenschaft der Empfindung in gleichem Maße zugestehen müssen . " 
. Die angeführten Beispiele dürften genügen , um zu zeigen , daß in allen lebenden Zellen bei der Betrachtung der Nahrungsaufnahme , des Nahrungstransports und des Aus - schcidungsvorganges , d . Ii . also des Stoffwechsels überhaupt — undbeiderformativen Tätigkeit , sowie den Bewegungen wird es nicht anders sein die Annahme einer im Protoplasma primar auftretenden Empfindung nicht zu umgehen ist . 
Auch Wundt und Hering stehen auf einem ähnlichen Standpunkt * * * ) . Besonders aber wird Eechners 
* ) 43 , im folgenden nur mit der Seitenzahl zitiert . 
* * ) N . ist also . vitalistischer " als Reinke , der dies Wahlvermögen , ahnlich wie das der Pflanzen , sicher als Systemkraft deuten würde ( D 10 ) . 
' * * ) Auch Reinke bis 1901
	        

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