Full text: Festschrift zur Einweihung des Neubaues der Anstalt. Inhalt: 1. Entstehung und Auffassung von Lessings Nathan dem Weisen ...

und Tieren , wie der Geist des Menschen sich offenbart in der elektrodynamischen / Maschine , in einer Symphonie , in einer Statue . Wie diese Kunstwerke eine Äußerung des Menschen sind , so ist die belebte Natur eine Äußerung Gottes , durch die er in seiner Sprache zu uns redet * ( 462 ) . 
So liegen Reinke als Naturforscher selbstverständlich der kosmologisclie und der teleologische Gottcs - beweis am nächsten . 
Er zeigt ferner , daß der gottgläubige Naturforscher sich mit den Methoden seiner Wissenschaft nicht in Widerspruch setzt , daß dieselben ihn vielmehr . mit demokritischer Notwendigkeit * zum Theismus führen . Die Methode der Induktion und der Analogie erzeugen die Gottesvorstcllung . Dieselben Mittel , durch die er ein Naturgesetz findet , lassen ihn das Walten einer Gottheit erschließen . Gott ist „ in gewissem Sinne das oberste Naturgesetz " ( 458 ) . Daß der Glaube an Gott der Forschung keinen Eintrag tut , »beweisen stehende Namen großer Naturforscher , die samtlich überzeugte und ausgesprochene Theisten waren : Galilei , Kepler , Newton , Lavoisier , Liebig , W . Weber , Faraday , Linné , Konrad Sprengel , Cuvier ; es wäre diese Liste leicht zu vermehren . Aber gerade die allgemeine Anerkennung der unbedingten Gesetzmäßigkeit in der Natur verdanken wir niemandem mehr als den vier zuerst genannten unter jenen Männern " ( 460 ) . 
„ Aber , wenn ich auch nicht daran zweifle , daß manche meinen Standpunkt ( Schüpfungsglaube ) als naiv oder zurückgeblieben belächeln werden , so steht die historische Tatsache doch wie ein Felsen aus Erz in der Brandung der Tagesmeinungen , daß eine Naturauffassung , die von der meinigen nicht wesentlich schieden ist , durch alle Zeitalter wissenschaftlichen Denkens bis in das graue griechische Altertum zurückreicht , bis auf Aristoteles , Anaxagoras und Xcnophanes , und daß der gewaltige Aufschwung der Naturwissenschaften in den letzten drei Jahrhunderten daran nicht das geringste zu ändern vermochte * ( 6 , 192 * . 
Auch ist tröstlich für den theistisch gesinnten Forscher , daß alle physiologischen Arbeiten der Neuzeit die Maschinentheorie der Organismen zur Voraussetzung haben * ) Diese Maschinenstruktur erfordert aber einen intelligenten Urheber , eine Gottheit ( 460 ) . — 
Seinen Gottesglauben stützt Reinke noch durch Bekämpfung des Atheismus und des Pantheismus . Für Reinke ist der Atheismus vor allem deshalb unhaltbar , weil er eine . Anarchie physikalischer und chemischer Energien " fordert . Seine Oberzeugung ist felsenfest , daß Gesetzmäßigkeit die Welt beherrscht . Er läßt sich die . Tatsache der Dominanten " ( 468 ) und die damit im Zusammenhang stehende Maschinentheorie der nismen nicht entreißen , und diese . konsequent durchgeführte Theorie einer Maschinenstruktur der Organismen vernichtet den Atheismus " ( 460 ) , weil sie den vom Atheismus geleugneten Weltordner fordert . 
Darum ist Reinke der Atheismus nur psychologisch verständlich . . Er scheint mir auf einer innem Abneigung gegen die Annahme einer Gottheit zu beruhen , auf der Flucht vor der unerwünschten Lösung des Welträtsels , auf einer bis ins Pathologische gesteigerten , menschlichen Überhebung . Der Atheismus will unter keinen Umständen das Walten einer Gottheit annehmen : folglich darf es auch nicht aus der Natur erschlossen werden * ( 460 / 461 ) . . Der Atheismus betrachtet den Menschen ohne Grund als das höchste Wesen im Universum . Welcher Anspruch , welche Selbstüberhebung ! " Von solchem Hochmut geblendet , läßt sich der Atheismus wegen , . den Zufall als entscheidendes und lenkendes Prinzip des Naturgeschehens anzunehmen " ( 461 ) . — Wie den Atheismus , so verbietet die Maschinenstruktur auch den Pantheismus ; »denn vom Begriffe einer Maschine läßt sich der Erfinder und Werkmeister nicht trennen . " Im System des Pantheismus ist jedoch für diese intelligente Tätigkeit des Konstrukteurs kein Platz . 
. Denn der Pantheismus , der Gott als die Ordnung in der Natur definiert , macht die Annahme Gottes eigentlich überflüssig " ( 4 . A . 486 ) . 
. Nach dem Pantheismus müssen Intelligenz und Zwecklätigkeit zu den allgemeinen , ewigen schaften der Materie gehören . Dem widersprechen die Tatsachen , die lehren , daß die sich selbst überiassenen Energien , sobald sie nicht gerichtet und gelenkt werden , nur chaotische Zustände schaffen , doch keinen Kosmos ( 465 ) . 
Die Naturwissenschaft lehrt uns , daß die ersten Organismen aus anorganischem Material entstanden sind . Wollte man mit dem Pantheismus den außerweltlichen Schöpfer ausschließen , so müßten wir wiederum der Materie Intelligenz und Zwecktätigkeit zuschreiben . Da wir dies aber nicht können , so erhält durch diese Erwägung über die erste Entstehung des Lebens der Pantheismus einen weiteren Stoß . 
Selbst die Lebenskeime , die nach der phantastischen Hypothese von Helmholtz und Thomson von andern Weltkörpern her unserer Erde den Ursprung des Lebens gebracht hätten , wären ohne dominanten nutzlos gewesen . Diese aber hätte ein intelligenter Urheber in sie hineinlegen müssen ( 465 ) . 
* ) Hiermit dürfte wohl z . B . Verworn nicht einverstanden sein .
	        

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