Full text: Festschrift zur Einweihung des Neubaues der Anstalt. Inhalt: 1. Entstehung und Auffassung von Lessings Nathan dem Weisen ...

Er sieht sich mit dieser Ansicht in guter Gesellschaft . In klarer Weise ist ihr . Ausdruck verliehen worden durch den auch als Naturforscher großen Descartes' ) , welcher jeden Naturprozeß , mag er sich in der leblosen oder in der belebten Welt abspielen , auf Übertragung von Bewegung aus einem körperlichen Systeme auf ein anderes zurückführte * ( 3 , 262 ) . Dieser Cartesianische »Gedanke von gewaltiger Kühnheit , die Organismen und die Maschinen unter einem allgemeinen Begriff zu sammeln " , erfahrt allerdings von Rcinke die gebührende Einschränkung , es handle . sich hier zunächst nur um eine Analogie , ein Bild , einen Vergleich " und es fördere »die genaue Durchführung der Vergleichung auch erhebliche Verschiedenheiten zu Tage " ( a . a . O . ) . 
Wie Descartes , so erscheint auch Rcinke der menschliche Körper als eine Maschine im eigentlichen Sinne , bei der die Maschinenstruktur offen am Tage liege . . Der ganze Körper ist eine Gesamtmaschine , die sich aus zahlreichen Einzelmaschinen und Teilmaschinen zusammensetzt " . 
Diese Teile setzen sich zusammen aus Maschinen letzter Ordnung , den Zellen , dem Protoplasma , den Kernen , den Chromosomen . 
Die grünen l'flanzenzellen bauen mittels der Sonnenenergie ' die Arbeits - , Bau - und Vorratsstoffe der Pflanze auf . Ist für die Pflanzen die Sonne Energiequelle , so hat die Tierwelt in der Pflanze das Material zur Ergänzung der in ihrer Körpermaschine aufgehäuften Energie . 
Jedenfalls bedürfen die Organismen gleich den Maschinen der Energiezufuhr , und wie diese wandeln sie — jeder Organismus in einer besondern , schon in seiner eigenartigen borni sich ausprägenden Weise — die empfangene Energie um . Auch Richtungsänderung bewirken die Organismen au aufgenommener Energie ; so erhält die Pflanze durch die alles Leblose zum Erdmittelpunkt ziehende Schwerkraft eine aufstrebende , bei Lateralgeotropismus eine wagercchte Richtung ( vgl . 7 , 76t . 
In den Organismen , deren Lebensvorgänge . in einer Reihe harmonischer , rhythmischer Bewegungen " stehen , zeigt sich , wie in den Maschinen , ein vollkommenes Ineinandergreifen aller Bestandteile , . die nach einem gemeinsamen Plane funktionieren " ( vgl 7 , 79 oben ) . Die Lebewesen arbeiten sicher und mechanisch wie Automaten . 
Gerade wie Maschinen , die demselben Zwecke dienen , z . B . Uhren , verschiedenartigste Gestalten zeigen können , . so sind es Tausende von Gestalten , in denen der Typus der Gräser , der Kompositen , der Leguminosen , der Schmetterlinge , der Fische zieh zeigt * . Der Mannigfaltigkeit einzelliger Organismen derselben Gattung hat Reinke besondere Betrachtungen gewidmet ( 1 , 156—162 , ferner in Caulerpa ) . 
Die Organismen stehen unter der Herrschaft des Bildungstriebes , »eines heimlichen Werkmeisters . . , der ihn aufbaut von der Eizelle bis zur Vollendung " . Ähnlich entstehen die Maschinen durch den Willen des Verfertigers , der die Energien durch das planvolle Gefüge der Teile seinen Absichten dienstbar macht . 
Die Organismen arbeiten auf Reize hin , z . B . das Chlorophyll , nachdem es ein Liclitreiz getroffen . Ahnlich löst auch bei A\aschincn ein kleiner Energieaufwand die Arbeit aus , z . B . die mühelose Entfernung eines Sperrhakens ; auch die Maschine wird „ gereizt * " ) , und Reize veranlassen sie zu ihrer Arbeit . 
Der weitere Vergleich zwischen Maschinen und Lebewesen führt zu erheblichen Verschiedenheiten . * * * ) Wir können dieselben in einen Satz fassen : Die Maschinen sind tot , die Organismen lebendig , d . h . sie stehen , entwickeln sich und pflanzen sich fort . 
Die Maschine wird durch einen außer ihr befindlichen Werkmeister hergestellt , die Lebewesen stehen aus gleichartigen Vorfahren und tragen als unsichtbaren Werkmeister den Entwicklungstrieb in sich . Sie vermögen verloren gegangene Teile , also Baustoffe , durch innere Vorgänge zu ersetzen , während die schinen von außen her wieder instand gesetzt werden müssen , und beweisen in der Forlpflanzung die höchste Blüte des Lebens . 
Kommt es bei dem die Maschinen zusammensetzenden Material nur auf die physikalischen schaften der Festigkeit und der Elastizität an , so sind außerdem zahlreiche chemische Bedingungen zu erfüllen , gewisse Elemente sind notwendig , wenn eine Pflanze dem Keime entsprießen soll . Die physikalischen gungen der Wärme und der Feuchtigkeit vermögen hier bloß die latenten Kräfte der Entwicklung zu wecken . 
* ) Zu der Schule des Descartes gehört auch Borelli , ein anderer Verfechter der Maschinentheorie der Organismen ( 19 ) . 
" • ) Reinke schreibt auch den Maschinen Reizbarkeit zu ( vgl . 3 , Kap . 19 ) . 
* * * ) Man könnte als kleine Aehnlichkeit noch hinzufügen , daß wie die Maschinen so auch der lebende Körper sich mit höherem Alter ausleiert und beider Bewegungen in solchem Stadium unsicher und wirkungsärmer werden . Desgleichen nimmt im Alter die Ersatzfähigkeit des Organismus ab , und auch in diesem Punkte tritt nun eine Aehnlichkeit mit den Maschinen hervor .
	        

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