Full text: Festschrift zur Einweihung des Neubaues der Anstalt. Inhalt: 1. Entstehung und Auffassung von Lessings Nathan dem Weisen ...

benachbarten bedeutendsten katholischen Macht des Westens , zu den Pranken Pipins , der kurz zuvor ( 751 ) die Autorität des römischen Bischofs zur Rechtfertigung eigener Taten , zur moralischen Begründung seines neuen Königtums gebraucht hatte . 
Aus diesen Zustanden heraus ergab sich der Kampf Pipins gegen die Rom bedrohenden Langobarden und nach ihrer Besiegung die Errichtung des Kirchenstaates nach den Rechten des Krieges und des Schwertes . ( 754 ) Von dieser Zeit ab haben die Papste des anhebenden Mittelalters nicht aufgehört , diesen historischen Prozeß , dieses Schwergewicht der Erde an sich zu spüren , in steigendem Malie in eine zum Teil großartige politische Tätigkeit einzutreten , die aber in den Tagen des babylonischen Exils und der Renaissance immer mehr dazu überging , Welt , Christentum und Kirche unter dem Gesichtswinkel vorübergehender weltlicher Macht oder gar bloß des Kirchenstaates zu betrachten . 
Aber selbst dieses Papsttum des Spatmittelalters , das so der Welt und ihrer Herrlichkeit den Tribut menschlicher Schwache zollte und dementsprechend ein irdisches Machtempfinden sehr deutlich in die staltung von St . Peter hineinlegte , gewissermaßen künstlerisch zur Sprache brachte , hat doch nicht versäumt , in den Fresken Raffaels den im Christentum liegenden Idealismus , den ewigen Höhengedanken zu betonen und mit Hülfe Michelangelos in den Fresken der Sixtinischen Kapelle und der Kuppel von St . Peter zu überwältigend grandiosem Ausdruck zu bringen . 
Den Janiculus zu besteigen , war es zu spat . Der Abend warf schon seine Schleier über Stadt und Vatikan , als ich St . Peter verließ . So kehrte ich in die belebte Stadt zurück . An der Fontana Trevi grüßte der feurige Spumante und labte den müden Gast . Rings um mich südliches , lebendig - erquickendes Treiben , und ich spüre , allem Engen und Düsteren entrückt , das unvergängliche Recht der Goethe'schen Worte : 
. Wie fühl' ich in Rom mich so froh ! . . . 
Es umleuchtet der Glanz des helleren Aethers die Stime ; 
Phöbus rufet , der Gott , Formen und Farben hervor . 
Sternhell glänzet die Nacht , sie klinget von weichen Gesangen . " 
Zweiter Tag in Rom ( Dienstag ) . 
Die nähere Umschau , das eingehendere Studium muß beginnen . Ich will zum Vatikanischen Palast , zur Sixtinischen Kapelle , zu den Stanzen und Loggien Raffaels . Ein bestimmtes , nicht zu karg bemessenes Pensum . Vormittags von 10 Uhr ab ist der Eintritt gestattet , und bis nachmittags 4 Uhr bleiben die Räume geöffnet . Das ist überhaupt die Besuchszeit fast aller römischen Museen . Diese Stunden gilt es also zu nützen , eine etwas ausgedehnte , ungewohnte Arbeit Aber ein kräftiger Imbiß um 9 Uhr vormittags halt Leib und Seele sammen . Ich habe mich fast durchweg an diese Tagesordnung gehalten — und keine Nachteile verspürt . 
Für solche Zwecke empfiehlt es sich daher , keine Pension zu beziehen , sondern im Hotel oder haus lediglich ein Zimmer zu mieten , um die nötige Bewegungsfreiheit zu besitzen und durch das Mittagessen und den Hin - und Rückweg nicht die schönste Zeit für die Kunstbetrachtung zu verlieren' ) . 
Kurz nach 10 Uhr bin ich an den Colonnaden Berninis ! Ein päpstlicher Posten hält an der Ein - gangstür Wache . Über die breite Scala regia geht es aufwárts . Eine große Schar von Fremden hat sich an der Einlaßschranke zusammengefunden . Ein Schieben und Drängen . Schirme und Stöcke müssen abgegeben , eine Gebühr entrichtet werden . Ich folge dem Strom , gehe rechts durch eine Türe . Ich stehe in der nischen Kapelle . Der Geist Michelangelos geht hier um . Seine Gedanken beherrschen den Raum , sie geben ihm die weltgeschichtliche Bedeutung . 
' ) Ich darf hier wohl auf die üblichen Reiseführer — Bädeker oder Meyer iRoml — verweisen , die Gules und Ausführliches bieten , für weitere Vorstudien sind vielleicht folgende Werke besonders zu empfehlen : E . Steinmann : . Korn in der Renaissance " ( »us der Sammlung : . Berühmte Kunststätten , Seemann , Leipzig ) ; Petersen : . Das antike Rom ( aus derselben Sammlung ) : Burckhardt : . Cicerone " ; Kuhn : . Roma christijna * ( mit Illustrationen und einfacher , klarer Darstellung ) . In letzterem Werke auch ein Abschnitt Ober die Katakomben , der aus dem großen Gebiet dieser Forschungen das Wichtigste und Interessanteste heraushebt ; besonders ausführlich und zuverlässig J . Wilpert , 1903 : . Malereien der Katakomben Roms * . Dazu vgl . F . X . Kraus : . Reallcdkon der christlichen Altertümer * und de Waal : . Roma sacra " . Ferner nenne ich Gregorovius oder Reuinont : . Die Geschichte der Stadt Rom " ; dann die geistreich und anregend geschriebenen Monographien des Berliner Kulturhlstorivers und Essayisten Hermann Grimm : . Kaffael " , besonders aber seinen prächtigen , in epischer Herrlichkeit dahinfließenden . Michelangelo " ; nicht zu vergessen sind schließlich die Versuche . In künstlerisch - 
Khobener Form uns in den Geist des antiken Rom oder der Italienischen Renaissance einzuführen , diese Zeiten in voller , sinnlicher utlichkeit wieder vor uns aufleben zu lassen , wie Sienkiewlcz : . Quo vadis " , Gobineaus . Renaissance " und Mereschkowskys . Leonardo — da Vinci " u . a . m . ( Jeber das italienische Volk im besondern , seine Gewohnheiten und Sitten orientieren mit modernem Blick und humanem , von künstlerischem Gefühl geleiteten Verständnis : Victor Hilhn : . Italienische Ansichten und Streiflichter " und l'etcr Syrlus ( Gymnasial - Direktor Dr . O . Klmmlg , Konstanz ) : . Kennst du das Land ? "
	        

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