Full text: (Teil 1)

XXIV 
Abschied von teil örüder» . Stolberg . Setbach . 
Stimmen blieben nach und nach aus . Millers deutsches Trinklied inachte uns darauf ein wenig ruhiger , und dann ward noch ein Trinklied von mir gesungen . Tas Gespräch fing wieder an . Wir fragten zehnmal ge - fragte Dinge , wir schwuren uns ewige Freundschaft , umarmten uns . gaben Aufträge an Klopslock . Jetzt schlug es 3 Uhr . Nun wollten wir den Schmerz nicht länger verhalten , wir suchten uns wehmütiger zu machen , und sangen von neuem das Aschiedslied und sangen's mit Mühe zu Ende . Es ward ein lautes Weinen — . Nach einer fürchterlichen Stille stand Clauswitz auf : Nun , meine Kinder , es ist Zeit ! — Ich flog auf ihn zu , und weif ; nicht mehr , was ich that . Miller riß den Grasen an's Fenster , und zeigte ihm einen Stern . — Wie ich ElauSwitz losließ , waren die Grafen weg . Einige waren mit ihnen die Treppe hinuntergelaufen . Sie hatten sich aber losgerissen . Wir blieben aus meiner Stube . Es war die schrecklichste Nacht , die ich erlebt habe . " Lange bildete dieser Abschied noch den Gegenstand der Korrespondenz zwischen den Freunden . „ Sie haben Recht . . . wir hätten uns nicht so losreißen sollen — schreibt Fr . Leopold an Voß . * ) — Ich glaube , es war Kleinmut von uns , aber wir fürchteten die letzte schreckliche Umarmung . Aber daS Losreißen war wahrlich auch schrecklich und die Erinnerung ist es . sehr . Ich glaube wie Sie , daß uns nach einiger Zeit das Andenken der Nacht süße Stunden der Melancholei bringen wird , aber jeder süßen Stunde werden traurige , blutige Gefühle der Sehnsucht folgen . " Wenige Tage später folgte Esmarch den Grasen nach Norden . Der Anfang zur Zerstreuung des Bundes war gemacht . 
III . Das zweite Jnljr des Lundcs . 
12 . cept . 1778 bii Cnbe Sept . 1774 . 
Durch zwei bedeutsame Besuche ist dieses zweite Bundesjahr um - schlössen , die sich wie Verheißung und Erfüllung zu einander verhalten . G . F . E . Schönborn , der auf der Reise nach Algier in Göttingen Station macht , erscheint als Sendling KlopstockS und läßt Andeutungen über die Hoffnungen fallen , die Klopstock auf den Bund setzt , dessen Mitglieder über ganz Deutschland sich zerstreuen sollten zu geheimer Wirksamkeit ; zum Bundesbuch wolle er die Vorrede schreiben . Und ein Jahr später erscheint Klopstock selbst in der Mitte seiner Jünger alS der lehrende und liebende Meister . 
Der Kreis der Brüder bleibt so ziemlich vollzählig ; der dem Bunde durch Gotter befreundete Stebach aus Gotha , über den wir wenig wissen , stirbt Anfang 177 . 1 . Etwas von Höltyfcher Schwermut scheint über seine Gestalt ausgegossen gewesen zu sein , das durch eine unglückliche Liebe be - fördert wurde . * * ) „ Geliebter , dessen holde Miene stilllächelnd mir vor 
• ) Altona - H . Sept . 1773 ( ungebr . ) . 
* * j Erich Schmidt i ? lllg . Teulschc Biographie XX I . 7 . " , ) vermutet Beziehungen auf sein Schicksal in Miller« „ Briestvechlel dreier akademischer Freunde " .
	        
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