Full text: Von Erziehung Eines Jungen Printzen, der vor allen Studiren einen Abscheu hat, Daß er dennoch gelehrt und geschickt werde

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dem dritten aber so / daß er die Steine gerucket / gespielet / und daß er zwey Spiele gewonnen / daß dritte aber so weit gebracht / daß sein gner keinen Stein mehr ziehen können / und man also das Spiel auff - heben müssen . Es soll dieses Spiel nicht allein bey den Moscowitern / sondern auch so gar bey denen Americanern üblich seyn . In Teutsch - land / müssen sich auch ehemahlen dessen viel Liebhaber gefunden haben / angeschen annoch in dem DorffStröpeefe / so ohnferne Brarmschweig gelegen / die Bauren verpflichtet sind dessen Wissenschafft zu erhalten / und auffihre Nachkommen zu bringen / welcher Willen dann sie aller Anlagen befreyet leben / nur daß sie allemahl einem neuenFürsten bey der Huldigung eineSchach - Tafel undSteine vonSilber verehren . Wann nun ein Fremder daselbst durchreiset / so den Schach zu ziehen Lust hat / wird ihm einer aus ihrem Mittel zugegeben / der öffentlich mit ihm an - setzet . Allein priny / ihr könnet eure Zeit besser als auffdas Schach - » Spiel anwenden / und ist solches gar zu ernstlich / dann wie der Amor 
des Buchs laMaifon Acadcmiquc'dcsjcuxsdgt : 1c jeu des EfchctJ dc - mande unc Tage conduitc , grandc attention , & beaueoup de raifenne - 
ment : wie kan denn das ein Spiel seyn ? Mehr dienet es die mütsbewegungen eines Menschen zu erkennen / sintemahlen man meiniglich nur um Ehr und repmanon , nicht aber um Geld spielet / und dannenhero wird einer der im Schacht verleuret / mehr entrüstet / alö wann er in einem andern Spiel viel Geld einbüsset / indem man diesen Verlust dem Unstern zuschreibt / im Schach aber / scheinet das Verspie - len nur aus Unvorsichtigkeit und aus Mangel des Verstandes herzu - kommen . Solchem nach wird der billja für einen sanfftmüthigen und bescheidenen Menschen gehalten / der im Schach - Spielen den Zorn sich nicht übergehen lasset / und wann er verleuret / die Steine nicht über einen Haussen wirfst . Merkwürdig ist / was von dem Churfürsten Johann Friedrich in Sachsen / welchen Kayser Larolus v . in der Schlacht bey Mühlberg gefangen hatte / erzehlet wird / daß wie des Kaysers Cantzler Cranvellanus kam / ihm das Todcs - Urtheilanzukün - digen / er eben mit Hertzog Ernsten von Braunschweig seinem Mit - Gefangenen über dem Schach - Spiel gesessen sey / und daß er den Sen - tenz nicht allein mit grosser Standthasstigkeit angehöret / sondern auch solchen sich nichts irren lassen / und das Spiel ohne einige Zerrüttung des Gemüths fortgesetzt und vollendet ; ist ihm demnach nicht unbillig der Nähme des Magnanimi beygeleget worden . Ich muß euch doch priny / mit den SpieUStei'nen ein artiges Stücklein lehren / wie nemlich selbige / durch einander so können gestellet werden / daß man im 
abzeh -
	        
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