Full text: Von Erziehung Eines Jungen Printzen, der vor allen Studiren einen Abscheu hat, Daß er dennoch gelehrt und geschickt werde

go Von Belehrung eines Peinyen 
und die Bewegung herrschen lasset / oder gar zu unempfindlich sich get / ist ein Laster , u . a . w . 
Nun / auffdieTapfferkeit zu kommen / so bestehet solche indem / daß ein Mensch in Furcht / Haß / Kühnheit / Zorn sich mäßige / keiner Gefahr aber / sein Vaterland / und arme unschuldige Leute aus ihren Nöthen zu befreyen / die Wahrheit zu verfechten / derBoßheitunduu - rechten Gewalt zu steuren / sich entziehe / solte er auch Leib und Leben darüber einbüssen . Demnach soll die Tapfferkeit löblich seyn / so muß sie einen rühmlichen Vorsatz haben / daß derohalben was aus Furcht der Straffe / Erfahrenheit in Kriegs - Sachen / Zorn / Rachgier / Be - gierte der Beute geschiehst / wann es auch einer grossen ungemeinen That ähnlich wäre / für keine wahresTapfferkeit zu halten . Ein Bey - spiel eines tapssern Fürsten haben wir an Fridcrico Ertz - Hertzog von Oesterreich / welcher we^en seinttschönenGestalt ? ulckcr genandr wor - den / KäyserS Albcrti ältesten ^ohn / so in der grossen Schlacht bey Mühldorffin Bayern widerKäyser l . uäovicum öavarum . funffzig der Feinde mit eigner Hand erlegt . Unter die jüngsten tapffern Genera - len wird billig gezehlet / Oäavius Picciolini , Hcrtzog von Amalfi , welcher in der Schlacht vor Lützen mit seinem Regiment siebenmal ge - troffen / und am längsten Stand gehalten / sechs Wunden an seinen Leib empfangen / und sind unter ihm fünff Pferde erschossen worden / um welcher Hertzhafftigkeit willen er auch von dem Hertzog von Fried» ländmit 2OOOO . Thalern beschencket worden . 
Printz : Ihr müsset nicht glauben / daßderHelden - Muth und die Kriegerische Tapfferkeit bloß des Männlichen Geschlechts Eigen - 
thum sei ) . Virlus non relpicir sexum . Was ehemals die Amazonen 
für streitbare Weibergewesen / haben euch eure Amme und Wärterin in derKindheit schon furgesaget / und sind euch auch einzeler Weibs - P . rsonen / die viel Jahr im Krieg gedienet / und nicht allein ihren Zug und Wacht fleißig verrichtet / sondern auch , trotz den Männern / in6u - eücn , ( wtewol Christen / in solche sich nicht einzulassen / auch zur Tapfferkeit kcineöwegeS / sondern vielmehr zur Tollkühnheit ge - hören / undSeelen - Gefahrnach sich ziehen ) recomren , Sturmlauf - fen und Feld - Schlachten , ihren kühnen Muthund bfavoure sehen sen / von sonsten / und sogar / wieeuch unemfallen seyn wird / aus neu - ligen Zeitungen bekandt . Ich will euch für ietzo etwas von Kriegen - fchen Weibern sagen / davon weder ihr / nocd leicht sonst iemand eine Wissenschafft traget . In dem OTT . Scculo . wie Pabst Bonifacius vm . 
den Römischen Stul besaß / haben in der Stadt Genua nicht allein viel
	        
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