Full text: Von Erziehung Eines Jungen Printzen, der vor allen Studiren einen Abscheu hat, Daß er dennoch gelehrt und geschickt werde

i ©4 . Von Nelehrung eines prinyen 
te um die Wette stritten . Er satzte nemlich die Kayserliche Majestät auffeinen Triumph - Wagen / und spannetedie grossen Käyser aus dem löblichen Hauß Oesterreich entsprossen / so vor ihm regieret hatten / und deren Nahmen man ohne Ehrerbietung nie nennen soll / als Pferde an den Wagen zu ziehen / und waren die Vers / durch welche das fcmblc - raa erkläret wurde so ungereimt als das Bildniß . Gewiß hatte nichts schändlichere können erdacht werden / und weiß man zwar wo ! / daß ie zuweilen überwundene Könige / denjenigen / so sie besieget / in Karren liehen müssen / wie dann des Sefoftris Beyspiel jedermann bekandt ; daß aber jemand / auch unter den Barbarn / seine fürtrefftiche Ahnen / und so gar feinen Vater zu einem Zug - Pferd solle gebraucht haben / wird in keiner Historie gelesen / mag auch keinem vernünfftigen schen in Sinn kommen / daß es geschehen könne . Es wäre die Straf , fe / damit der Kayser Laljgula die bösen Poeten beleget / daß sie nemlich selbsten ihre eompolinonez , mit einem Schwamm abwischen oder woi gar mit der Zunge ablecken müssen / für diesen viel zu gelinde gewesen / iedoch hat er von dem Stadt - Rath zu Wien so . fi . sonder Zweiffel aus Erbarmen / zur Verehrung bekommen . Weg aber mit dergleichen Stümpeleyen / ober vielmehr Schmach^ ) edichlen . Ein löblicher Pyet schreibet allezeit solche Gumma , die zu GQttesEhre zielen / grosse Herrm und gelehrte Leute belustigen , die Unverständigen unterweisen der Verstandigen nachsinnen üben / die Einfältigen lehren / die Betrüb - ten trösten / und der Frölichen Freude vermehren . 
Die Nlort eines Gedichts müssen schön und auserlesen seyn / und nicht wegen des Reims mit Zusammenziehung oder Ausdehnung ge - martert werden ; so darff man auch kein unnützes Wort einflicken : Dann wielahm kommt das heraus / wann jener gesagt : 
Da gab ihm sein GOtt phöbus schon / 
U ) ol einen Lorbeer - Rranyznm Lohn . 
' Unsere Teutsche Poesie ist schwer / dann es muß in solcher nicht lein die Lange oder Kürtze der Sylben / wie in der Griechischen und La - teinischen Sprach / sondern auch der Reim nach Art der Jtalianer / Franzosen und Spanier in acht genommen werden . Ob die Sylbe eines Worts lang oder kurtz zu gebrauchen / lehret uiHMnehmlich die Aussprach . Die Endreimen müssen wol auff emander klappen . Von den Finnlandern ist bey dieser Gelegenheit aus dem Andi - w'^u - reo zu mercken / daß sie so viel mir bekandt / unter allen Völckern die einige sind / soihre Verse / welcheallezeitin 8 . Sylben bestehen / zuAn ,
	        
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