Vergleichen wir schliesslich auch in diesem Punkte die Gebräuche der Luciferianer , so linden wir den Tempelherren - Orden allerdings lange nicht so weit verirrt wie sein Vorbild . So wenig der Orden nämlich von der Uebung dieses Lasters freigesprochen werden kann , so ist er doch weit entfernt von dein entsetzlichen Standpunkte der Luciferiancr , hei denen sich jeder Art von Ausschweifung , auch der scheusslichsten , schuldig zu machen nicht bloss erlaubt , sondern geradezu ein religiöses Gebot war , und deren nächtliche Zusammenkünfte wir uns als den Schauplatz der grauenhaftesten Orgien denken müssen . ' )
So widerwärtig dieser ganze Gegenstand ist , so müssen wir doch noch einen Augenblick bei demselben verweilen , weil man hier auch eine Anknüpfung gewonnen zu haben glaubt zu einer weiteren Erklärung der bei den Aufnahme in den Orden üblichen schamlosen Küsse . ' ) Muss man nämlich annehmen , dass die Tempelherren diese Art von schweifungen gestatteten , weil sie dieselben nicht für sündhaft hielten , so kommen wir , nach einem Erklärungsgrunde für diese befremdliche fassung suchend , zurück auf die früher berührte liebre der Luciferinner , nach welcher der Mensch mit seinem Körper überhaupt nicht sündigen konnte . So weit unsere Kenutniss reicht , ist zwar dieser Satz in der Geheimlehre der Tempelherren nicht ausdrücklich ausgesprochen gewesen ; aber allein von ihm aus ist die sittenlose Praxis , die wir bei dem Orden in Uebung finden , wirklich zu erklären ; auch wird mau zugeben , dass diese Auffassung sehr gut in das ganze System der templerischen Ketzerei hineinpasst . Dieselbe giebt nun auch die Möglichkeit zu einer Erklärung jener drei Küsse auf Mund , Bauchnabel und Hinteren , die durch reiche Zeugnisse als ein I laupttheil der Aufuuhineceremonieu erwiesen sind . Als ein Luci feria niseber Satz ist uns überliefert : Niemand kann unterhalb des Nabels sündigen . 1 ) Wird danach der Iiauchnabel nicht betrachtet gewissermaassen als die Grenze der beiden Theile des Menschen , deren einer , ganz Materie und ganz materiell , für den geistigen und sittlichen Theil des Menschen überhaupt ganz irrelevant ist , den rein zu erhalten so gleichgültig ist wie ihn zu besudeln ? Könnte man dann dem
vcllc U85 . — Michelet II , 587 : Petrus de S . Mamerto wurde bei seiner nahme belehrt , quod non auderet ad midieres inspectas , quia si comndtteretur per frntres , perderet habituai , «ed si contiageret eu m ire , iret ita caute , quod ìicscirent , ' quin in religiosi * erat turpius . quod ireat palimi ad dictas midieres quam in aliis .
I ) S . oben 8 . 74 .
'J ) Vgl . oben S . 04—65 .
3 ) Nemo potest peccare ab iimbilico et iaferiu9 . Duchesne V , 557 .

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