Dem gegenüber drängt sich einem nun unwillkürlich die Frage auf , wie es möglich geworden ist , dass dieses Geheimstatut bei der docli ganz ausserordentlich grossen Zahl der um dasselbe Wissenden so lange zehnte hat wirklich geheim bleiben können , obgleich doch die über den TempelherrenrOrden im Munde des Volkes umlaufenden bösen Gerüchte in Betreff der Ketzerei , von der sie sprachen , durchaus nicht so ganz auf falscher Fährte waren , und wie es insbesondere hat geschehen können , dass dasselbe auch bei der mit so grossem Apparate , und namentlich iu Frankreich mit so rascher Energie geführten Untersuchung nirgends an das Licht gezogen worden ist . Hat man doch daraus den Schluss zieheu zu dürfen gemeint , die in den Zeugenaussagen enthaltenen Ilindeutungen auf ein geheimes Ordensstatut dürften nicht so hoch angeschlagen werden sondern seien auf irrige Vorstellungen , welche die so Aussagenden befangen hielten , zurückzuführen und hüttcu nicht die geringste Beweiskraft für die Existenz eines Geheimstatuts . Diesen Schluss halten wir für durchaus unzutreffend , und es will uns scheinen , als ob das Verborgenbleiben der Geheimstatuten nuf eine sehr einfache und natürliche Weise zu klären sei .
Einmal nämlich ergiebt sich aus den Zeugenaussagen als zweifellos , dass jeder Verrath des das Wesen des Ordens ausmachenden Geheimnisses mit den schwersten Strafen bedroht war ; auch fehlt es nicht an Beispielen dafür , dass , wenn sich dennoch ein Ordensmitglied des Verrathes schuldig machte , diese Strafen wirklich verhängt wurden ; gerade an einige hierher gehörige Vorfälle hatte sich der längst gegen den Orden rege Verdacht mit besonderem Eifer geheftet . Ferner aber hatte die Kirche seit langer Zeit jede eigentliche Verbindung mit dem Orden , jeden Einblick in die inneren Zustände desselben und jeden EinfluhS auf ihn vollkommen eingebüsst , ja , sie batte das Recht dazu eigentlich selbst freiwillig aus der Hand gegeben durch die im Jahre 1162 von Papst Alexander III . zu Gunsten desTempel - herren - Ordeus erlassene Bulle , ' ) welche den Rittern desselben erlnubte ,
1 ) Gedruckt nach ltymer , Foedera I , 10 , bei Wilcke I , 441 ff . — „ ut liccat vobis honestos clerico» et sacerdotes secundum Demit , quantum ud vestram sci enti am , ordinatos , undccunque ad vos venientes suseipere et tant in principali domo vestra quam etiara in obedientiis et locis sibi subditis vobisenm habere , dum - modo , si e vicino sunt , eos a propri is episcopis expetatis iidemque nulli alii fessioni vel ordini teneantur obnoxii ; quodsi episcopi eosdem vobis forte concedere volueriut , nihilominus tarnen cos recipiendi et retinctidi auctoritatc Sanctae Komanae ecclesiae licentiatn habeatis . *

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