III .
Was in dor zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts bereits als ein dunkeles Gerücht , freilich durch eine Reihe höchst auffälliger Thatsachcu bestätigt , umgelaufen war , nämlich dass der Orden der Tempelherren , die Lieblingsstiftung des heiligen Bernhard , die vornehmste Stütze der Christenheit in der Behauptung des Heiligen Landes gegen die Ungläubigen , wenn auch nicht in seiner Gesammtheit , doch in einem grossen Theil seiner Mitglieder von dem rechten Glauben abgeirrt und zu Irrlehren abgefallen sei , die von der Kirche verdammt und mit Feuer und Schwert verfolgt wurden , war , wie wir gesehen , im Laufe des dreizehnten hunderts auch von den höchsten kirchlichen Autoritäten nicht geleugnet , sonderu als Thatsache mittelbar eingestanden worden — eine Art von öffentlichem Geheimniss insofern , als alle Welt ganz unverhohlen davon sprach , niemand aber gegen die glänzende , reiche und übermächtige Genossenschaft direct Klage zu erheben wagte , und diejenigen , deren Sache ein näheres Eingehen auf diesen dunklen I'unkt gewesen wäre , denselben im Allgemeinen als nicht vorhanden ansahen und geflissentlich iguorirten . Nach welcher Seite hin aber die den Tempelherren schuld - gegebene Abirrung von der Lehre der Kirche geschehen , worin des naueren die Ketzerei derselben , die „ dämonischen Lehren " 4 , die ihnen bereits Innocenz III . schuldgegeben . ' ) bestanden , wird uns nirgends gesagt . Es scheint , als ob eine genauere Kenutniss davon ausserhalb des Ordens selbst wirklich nicht vorhanden gewesen sei . und daraus mag man es wohl mit zu erklären haben , dass , obgleich alle Welt die Tempelherren als von Ketzerei angefressen bezeichnete , die eifrigsten Ilüter der lichen Rechtgläubigkeit gegen dieselben einzuschreiten doch keine habe fanden . Eine so allgemeine und unbestimmte Anklage zu erweisen , bedurft« ! es eben eines su planmässigen , durchgreifenden und
1 ) S . oben S . 16 .

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