I .
Nach der ehemals allgemein herrschenden Vorstellung , welche auch durch die ganz andere Resultate ergebenden wissenschaftlichen Forschungen der neueren Zeit noch durchaus nicht ganz um ihre von kirchlichen ritäten gestützte Herrschaft gebracht worden ist , sollen die Kreuzzüge aus einem unwiderstehlichen Aufschwung der reinsten Glaubensbegeisterung entsprungen sein ; wie wenig diese Anschauung mit der ganz anders gearteten prosaischen Wirklichkeit zusammentrifft , braucht hier nicht näher gewiesen zu werden : hier kommt es vielmehr nur darauf an , festzuhalten , dass die Kreuzzüge — im schneidendsten Widerspruch mit ihrem angeblichen Ursprung — thatsüchlich in ihren schliesslichen Wirkungen dem mittelalterlichen Katholicismus den Todesstoss gegeben , die Katastrophe , die mit dem fünfzehnten . Jahrhundert über denselben hereinzubrechen auf äugt , wesentlich mit heraufbeschworen haben . Die Kreuzzüge haben durch den Ausgang , den sie schliesslich genommen , zu religiösem Iudifferentismus und zu Freidenkerei geführt , ' ) welche dem Papstthum in eben dem Moment , wo es äusserlich seinen höchsten stand erreicht hatte , Millionen von Gemüthern vollkommen entfremdeten .
Am frühesten und am stärksten ist dies sehr bezeichnender Weise der Fall gewesen in dem heiligen Lande selbst , welches eben erst nach waltigen Kämpfen durch die Ileerschaaren aller christlichen Nationen zum gemeinsamen Besitze der Christenheit erobert worden war . Denn wie moralisch und wirtschaftlich , so entwickelten sich auch in Bezug auf das religiöse Leben die in Palästina angesiedelten Franken und die von ihnen und der einheimischen svro - arabischnn Bevölkerung stammenden Pullanen . - cimeli zu einer arg verkommeneu Mischbevölkeruug , welche ohne jeden
1 ) Vgl . numcntlich Heu ter , Geschichte der religiösen Aufklärung im alter II , S . 24 .

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