— 133 —
den Tempelherren ihren intimen Verkehr mit den Ungläubigen und ihre Duldsamkeit gegen deren Religionsübungen zum Vorwurf gemacht hat , 1 ) auch dur fanatischste Gegner des Ordens hat nicht daran gedacht , selben dessen für fähig zu halten , was nach diesem Artikel der statuten als etwas ganz Selbstverständliches und Gewöhnliches erscheint .
Was dann weiterhin in den« cilfteu Artikel4 ) über die Ceremonieu vorgeschrieben wird , mit denen die „ Erwählten44 durch die nächtlichen Cnpitel in den Geheimbund des Ordens aufzunehmen sind , so stimmt das im Ganzen und Grossen mit dem Hilde , welches sich uns früher nach Anleitung der Processacten von den Aufnahinecapiteln der Tempelherren ergeben hat : wir finden hier die Verhöhnung des Kreuzes , das jedoch nicht als Crucifix , sondern als einfaches Ilolzkrcuz erscheint , 3 ) und die schamerregeuden Küsse wieder . Dagegen weicht der Eid , welchen die Aufzunehmenden leisten müsscu , wesentlich ab von demjenigen , den wir nach dem uns sonst Bekannten als bei dieser Gelegenheit zu leisten denken dürfen . Dass die neuen „ Erwählten " sich eidlich verpflichten , das Geheimniss unverbrüchlich zu wahren , dasselbe auch vor keinem Gerichte und bei keiner Art von Verhör einzugestehen , 4 ) ist ja nur natürlich . Wenn es dann aber weiterhin heisst : „ Auch soll er schwören , dass er glaube und immer glauben werde an Gott den Schöpfer und an dessen eingeborenen , nicht gestorbenen und nie sterben könnenden Sohn , das ewige Wort , nie geboren , gelitten , gekreuzigt , gestorben oder von den Tod ten auferstanden " — so ist damit ein Dogma angedeutet , das mit demjenigen , welches wir als das der templerischen Häresie kennen gelernt haben , durchaus nichts zu thun hut . Und ebenso wenig stimmt zu dem , was wir von der Geheimlehre der Tempelherreil wissen , der Eidschwur , der ferner noch hier von dem Aufzunehmenden gefordert wird : „ Er soll endlich schwören Hass und unwiderrufliche Feindschaft den weltlichen Tyrannen , der Synagoge des Antichrist , dem neuen Habel ( das ist Koma ) , dessen Kommen Johannes vorhergesagt hat . "
1 ) Vgl . oben S . 17 .
2 ) S . 92—94 .
3 ) Art . XIII ( p . 96 ) : Hoc ipsum quoque competen« porrccta ei cruce liguen , in ¡tiramenti sui contìrmationcm ( acere iubeatur etc .
4 ) Nimmt man es freilich genau , dann muss gerade diese Dcstimmung —
„ iuret etiain retieendo , de pcriiegandn et coram quoctinque iudicio
abiurando " — sehr uuß'ullen : wie kommt der Orden bei «einer eximirteu Stellung damals schon dazu , sich für den Fall eines gerichtlichen Verfahreps einzurichten ? !

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.