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katholischen Orthodoxie allen freieren Richtungen gegenüber schwer schüttert haben , mussten auch das Hand , das zwischen dem Tempelherren - Orden und der römischen Hierarchie bisher bestanden hatte , noch mehr lockern , mussten diese ritterliche Genossenschali , von deren Gliedern nicht wenige die Häresie der Albigenser theilten , der Kirche , ihrem Dogma , ihrer Verfassung und ihren weltlichen Ansprüchen innerlich noch viel mehr entfremden . Und dazu kam nun der furchtbare Kindruck , welchen die Wendung der Kriege im Orient selbst zum Verhäng ! ) isa des thums wie überall , so namentlich in diesem au dem grossen Kampfe so hervorragend betheiligten Kreise hervorbringen musste ! Das wirken aller dieser Umstände brachte es dahin , dass um 1220 der Orden , nach aussen hin seinem bisherigen Berufe noch treu , sich doch unter dem Schutze eines mit furchtbarer Strenge gewahrten Geheimnisses in seinem Innern zu einer auf Grund albigensischer Lehrmeinungen vereinigten gemeinde organisirte . Der entsetzliche Widerspruch zwischen dem Schein und dem Wesen , in dem er seitdem fortlebte , führte ganz naturgemüss zu einer immer nachdrücklicheren Betonung der materiellen Seite seines seins : Reichthum und Macht wurden das einzige Ziel seines Strebens ; nur wo diese dadurch zu gewinnen waren , kam der Orden der alten pflichtung zum Kampf gegen die Ungläubigen noch nach ; sonst lebte er mit denselben in Frieden und Freundschaft und Hess durch die liche Art des mit ihnen unterhaltenen Verkehrs und durch die ihnen selbst in seinen Burgen gewährte Cultusfreiheit auch für weniger scharfblickende Beobachter deutlich erkennen , dass er nichts mehr zu thun habe mit der Lehre der Kirche , welche sich noch immer bemühte , das widerstrebende Abendland zum Kampfe gegen den Islam in die Waffen zu rufen . Je mehr der Orden iui Gange dieser Entwickelung sittlich verwilderte , je mehr er alle Ideale verlor und der Materie dienstbar wurde , um so fester bürgerte sich auf dem durch die Albigenserhäresie bereiteten Boden die abscheuliche Ketzerei der Luciferianer ein , mit ihren unanständigen Cere - monien , ihrem Idolcultus , ihrer Gleichgültigkeit gegen jedes Gebot auch der natürlichsten Moral . — und so wurde der Teinpelherren - Orden eben im Laufe der Zeit zu dem , als was ihn die öffentliche Meinung mit tigem Takte längst bezeichnet hatte , als was ihn 1307—1311 der l'rocess seinen Richtern vor Augen stellte . Dass er von Jahrzehnt zu Jahrzehnt kecker auftrat , sich mit seinem häretischen Geheimniss weniger hütete , dass er zugleich immer rücksichtsloser sich der Jagd nach Geld und Gut , nach Macht und Genuss ergab , erklärt sich zur Genüge aus dem durch jahrelange glänzende Erfolge erzeugten Gefühl unantastbarer Sicherheit

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