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den letzteren Erfüllten tief verstimmen und der Kirche vollends abwendig machen . Will man also auf jenen Ausdruck , der auf eine gerade um die Zeit der Belagerung Damiettes eingetretene festere Kristallisation der fraglich schon vorhandenen häretischen Disposition im Tempelherren - Orden schliessen lüsst , überhaupt ein Gewicht legen — und die frappante art der Notiz fordert doch dazu auf — so würde man sich allerdings zu der Annahme entschl lessen müssen , das« gerade um jene Zeit und vielleicht eben vor Dnmiette der für die ganze fernere Ent - wickeluug des Tempelherren - Ordens entscheidende Schritt gethan worden ist . Diese Annahme stimmt mit der Tradition , welche die häretische Organisation des Ordens mit dem Castrum Peregriuorum in Verbindung bringt . Denn das Ilaupthaus des Ordens war eben damals entstanden , von dort aus zog der Orden nach Aegypten , dorthin kehrten seine Streiter nachher wieder zurück . Auch lag eine solche Aeiidcrtmg der Statuten in der Competenz des Ordens : denn Papst Alexander III . hatte im Jahre 11G2 dem Hochmeister ausdrücklich das Recht dazu zugestanden , unter Vorbehalt jedoch der Zustimmung des vernünftigeren Theils des Ordenscapitels . ' )
Zur Unterstützung dieser Vennuthung — denn nur als eine solche und nichts weiter soll das im Vorstehenden Entwickelte aufgefasst werden — darf endlich noch auf ein anderes Moment hingewiesen werden . Wir wissen , dass die Ketzerei der Tempelherren ihren Grundelementen nach die aller Katharersecten jener Zeit war ; in verschiedenen Punkten fanden wir sie in genauer Uebereinstimmung mit der der Albigenser , in anderen gingen die Tempelherren weit über diese hinaus und verfolgten die werflichen Pfade , die vor ihnen schon die so weit verbreiteten Luciferianer gegangeu waren . Bedenken wir nun , wie der Tempelherren - Orden in Frankreich schon zeitig ( seit 113G ) grosse Güter erworben hatte , 1 ) wie er namentlich in Südfrankreich heimisch geworden war , wie er auch vom Orient aus mit den an dem dortigen Handel so mannigfach betheiligten provent / alischen Städten in den mannigfachsten Beziehungen stand uud wie er ohne Zweifel auch gerade aus jenen Gebieten , aus dem heissblütigen ,
1 ) Itynier , Foedern , I , 30 ( auch Dupuy , Hist , do l'Ordre militaire ( 1751 ) , 125 ) : Kaidem quoque consuetudine ! ) a vobis aliquanto tempore observutas et scripto firmata * non nisi ab co , qui magister est , consenticntc tamen saniori parte capitali liccat ¡minutari .
2 ) Das erste Tempelherren - Hans in Frankreich entstand 113G zu Villedin bei l'amicrs in der Provence ; seit 1176 bürgerten sich die Ritter namentlich im Gebiet von Avignon ein : G ränget , Histoire du diocèse d'Avignon I , 359 , 3G8 , 382 , 415 , 443 . Vgl . im Allgemeinen oben S . 22 , Anm . 1 .

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