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IV . Die polnische Frage .
nehmen und sie ohne Verletzung der dabei betheiligten polnischen Nationalität durchzuführen , zumal da dieses Martialgesetz lediglich gegen die Polen gerichtet war ? Ist es möglich , diese Wahlen gesetzlich zuführen . zu einer Zeit , wo Polen zn Hunderten gefangen und auf die Festungen geschleppt , jetzt aber , nachdem die Wahlen vorüber sind , ohne alle Untersuchung frei gelassen wurden ? " Ist es möglich , gesetzlich zn wählen zu einer Zeit , wo nach den Worten eines deutschen Augenzeugen ein Pole in den Straßen der Stadt Posen sich nicht zeigen durfte , wo ein Pole in seinem Vaterlande für vogelfrei erklärt zn sein schien ?
Ich frage Sie und beschwöre Sie : Wenn diese Wahlen in Sachsen oder in irgendeinem deutscheu Lande vorgenommen worden wären , hätten Sie sie als giltig anerkennen können ? Nein , das können Sie nicht , Ihr Rechtsgefühl muß sich dagegen empören !
Dieses ist eine ganz besondere Frage , und zwar von der Art , daß , wenn das ganze Großherzogthum Posen einverleibt werden sollte , die Wahlen an und sür sich nngiltig sind .
Meine Herren ! Ich will hier keine Sympathie für Polen in Anspruch nehmen . Es ist schon von ihnen hier die Rede gewesen , und ich konnte mich kanm der Thränen enthalten gegenüber den Herren , die diese Sympathien bekundet haben . Ich nehme aber keine Sympathien in Anspruch , — ich könnte es zwar wagen , wenn ich einerseits auf die unaussprechlichen Leiden Polens und andererseits auf das mächtige und zur Freiheit sich emporschwingende Deutschland Hinblicke ; ich könnte es wagen , auch aus dem Grunde , weil kurz vorher deutscherseits den Polen große Hoffnungen gemacht wurden ; ich könnte es aber auch ans einem noch viel höhere» Grunde wagen , aus dem nämlich , daß die Freiheit nur dann wahr und wirklich fein kann , wenn sie allgemein wird — ich nehme sie aber nicht in Anspruch , denn Sympathien lassen sich nicht er - flehen . Ich komme auch nicht als Bettler zn Ihnen , ich komme mit meinem guten Rechte ! Nicht Sympathien also rufe ich au , ich rufe nur die Gerechtigkeit au , und sollte auch diese mir entzogen werden , dann , meine Herren , werden Sie es mir zugeben , daß fein Volk iu der Welt eine so bittere Täuschung hat erfahren müssen . Es handelt sich hier nicht darum , daß man ihnen etwas gebe : es handelt sich nur darum , daß mau ihnen auch nichts mehr nehme ; es handelt sich nur darum , daß man ihnen unangetastet lasse selbst das , was die Gerechtigkeit der Fürsten unangetastet gelassen hat , — es handelt sich also um etwas ganz Anderes .
Und was gewinnt , meine Herren , Deutschland durch eine

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