IV . Die polnische Frage ,
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Sie haben in den Händen die Petition der Polen an den König , Sie haben sie in Ihren Händen : urtheilen Sie selbst , ob da oder dort sich Etwas vorfindet , was ans eine Polonisirung der Deutschen hinaus - geht . Tie Polen haben nur verlangt die Aufhebung des bis dahin be . standeueu Mißverhältnisses zwischen ihnen und allen übrigen Staats - bürgern der ganze» Monarchie ; sie haben verlangt , das ; sie nicht allein die Beherrschten blieben , sondern daß sie auch mitherrschen sollen ; sie haben verlangt , was keinem Staatsbürger versagt werden darf ; sie haben verlangt , daß sie von nun an nicht mehr durch fremdes Beamtenthnm beherrscht , daß sie nicht mehr zurückgesetzt , nicht mehr germanisirt werden , daß sie diese Freiheiten und Rechte nicht mehr durch Verleugnung ihrer Nationalität sich zu erkaufen brauchen : sie haben mit einem Worte ver - langt , daß ihnen die lange vorenthaltenen Rechte wiedergegeben werden , die ihnen immer verheißen , auf dem Papiere selbst zuerkannt , nie aber gehalten wurden .
Das ist der Inhalt dessen , was die Polen verlangt haben , was auch vom Staatsministerium gewährt wurde .
Um dieses auszuführen , wurde nun eilte Commissiou festgesetzt , bestehend aus Eingebornen , also aus Deutschen und Polen . In dieser Kommission saßen vier Deutsche und fünf Polen , den Vorsitz hatte der königliche Commissär , ein Deutscher , dabei hatte noch eine berathende Stimme der Oberpräsident des Landes , ein Deutscher , eine zweite be - rathende Stimme der Vicepräsident , ebenfalls ein Deutscher . Außerdem hat die Kommission nur die Besuguiß gehabt . Vorschläge zu macheu , welche vom Staatsministerium und König genehmig ! werden sollten und dann erst ausgeführt . Alles also , Alles , was nur gewährt werden sollte , hing ja von einem deutschen Ministerium , von einem deutschen König ab .
Das sind Facta , das ist der Plan der besprochenen Reorganisation . Diese Facta lassen sich durch Nichts wegleugnen .
Ich frage Sie nun , meine Herren : Kann bei dieser Sachlage vo» einer Beeinträchtigung der deutschen Nationalität auch nur die Rede sein ? Konnten die Polen bei so bewandten Umständen die deutsche Nationalität beeinträchtigen ? Ist sie nicht gehörig geschützt durch die Mitglieder der Commission , durch den königlichen Commissär , durch das deutsche Staatsministerium und durch einen der mächtigsten deutschen Könige ? Wird sich wohl Jemand getrauen , zu beweisen , daß das Ministerium in Berlin , der König von Preußen die Deutschen in Pose» zu polouisireu beabsichtige ? Hätte» die Pole» das Glück , einen solchen

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