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IV . Die polnische Frage ,
wir aber auch , absehend von dein durch die preußische Regierung ein - geschlagenen Wege , uns ans den Staudpunct der Gerechtigkeit und des Völkerrechts stellen , wie schon einige Redner vor mir es versucht habe« , so erscheint eine Grenzlinie jetzt unmöglich , denn über Grenzlinien kann man mir mit selbstständigen Völkern verkehren . Bis jetzt existirt aber durchaus noch kein Polen : über eine Grenzlinie kann man sich also nicht vereinigen .
Soll also von Seiten Deutschlands eine Grenzlinie gezogen werden , dann mag man diesen Act beschönigen , wie man will , er bleibt immer eine Gewaltthat , und diese Gewallthat ist um desto schreiender nnd empfindlicher für die Polen , als sie zu einer Zeit vorgenommen wird , wo die Völker nnd ihre heiligsten Rechte nicht mehr der Gegenstand der Willkür von Cabinetten sind , da sie vorgenommen wird zu einer Zeit , wo beinahe alle übrigen Völker Europas eines viel freieren und gesegneteren Zustandes sich erfreuen . Unter dem Vorwande Überragender deutscher Bevölkerung wird den Polen , so zn sagen , das Herz und der Kopf abgeschnitten , und man läßt sie so znm Hohne noch leben : man schneidet unter diesem Vorwande die urpolnischen Theile , an welche die erste , die Urgeschichte Polens geknüpft ist , ab , man nimmt ihnen die - jenigen Ortschaften weg , wo sich ihre Schulanstalten befinden , die sog . polnischen Gymnasien , und man läßt ihnen mir eine einzige nnd noch dazu die am Aermlichsten dotirte übrig , man nimmt ihnen Alles weg , was für sie einen höheren geistigen Werth hat .
Das wird man doch nicht eine Grenzlinie nennen wollen , welche gezogen ist zwischen den Völkern nach dem Princip der Gerechtig - feit ? !
Außerdem werden aber hierbei positive Staatsverträge um - gestoßen . Man hat schon dieselben hier erwähnt und sich verschieden - artig darüber geäußert . Ich gehe auch auf sie ein , weil eben infolge dieser Verträge das Großherzogthum Posen der Krone Preußen zn - gefallen ist , aber in einer Art nnd Weise , die hier ganz besonders her - vorgehoben werden muß .
Der Fürstencongreß in Wien hat Polen getheilt . Die Fürsten haben das Polenreich , den polnischen Staat zerstört , aber die Existenz der Nation haben sie fortwährend anerkannt . Sie haben den polnischen Staat in drei Theile zerlegt , aber so , daß , obgleich die einzelnen Theile nuter verschiedenen Regenten standen , sie doch unter einander ein Ganzes bilden sollten , selbst im Grenzverkehre . Man hat also die Polen noch immer bestehen lassen , aber kein Polenreich . Es lebt noch

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