IV . Die polnische Frage .
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Petitionen hatte das preußische Gouvernement den Anschluß an Deutsch - land beantragt , und der Bundestag , ohue die Recht - oder Unrecht - Mäßigkeit dieses Antrags zu untersuchen , hat die Aufnahme decretirt .
Das ist , meine Herren , das Thatsächliche , das ist das Gesetzliche in der Sache .
Ich frage nun jeden Unparteiischen : Ist das Verfahren gesetzlich , ist es gerecht ? Hat nicht die Regierung selbst den Anschluß au Deutsch - land von der freieil Willensäußerung der Bevölkerung abhängig gemacht und hinterher im Widerspruch mit diesem Willen den Anschluß dennoch beantragt ? Was soll denn die in dieser Weise an den Landtag gerichtete Frage ? Oder kann man wohl die Beamten des alten Systems , d . h . die Polizeibeamten , welche die Petitionen eingetrieben haben , kann man diese als Organe des Volkswillens ansehen ? Wird dadurch nicht der Willkür dieser Beamten das ganze Loos des Vaterlandes eines ganzen Stammes preisgegeben ? Oder gab es noch ein anderes legitimes Organ im Lande , wodurch sich der Volkswille hätte aussprechen können ? Wer hat diese vermeintlichen Petitionen geprüft , ob sie echt oder unecht , ob sie wahr oder erdichtet sind ?
Warum hat man diese Angelegenheit mit einer Hast und einer Eile betrieben , die im grellsten Widerspruch steht zu der Wichtigkeit des Gegenstandes selbst und zu der dem deutschen Charakter sonst so eigenen Bedächtigkeit ? Man hatte damit geeilt , als fürchtete man , daß mit der Veränderung des Beamtenpersonals der Volkswille sich ans dem Lande flüchten werde .
Dies ist der Wunsch der Einwohner , meine Herren , auf den sich der Antrag stützt , und dieser Wunsch ist eben ein Vorwand , um diesen Gewaltstreich zu beschönigen ; denn wenn man den Bolkswillen wirklich zu achten gesonnen war , warnm hat man die Protestationen , die sich von dem Augenblick an erhoben haben , als die Regierung die Absicht der Einverleibung öffentlich bekannt gemacht hat , nicht eben so berück - sichtigt wie alle Petitionen ?
Auf einmal erhielt das Staatsministerium 100 000 Unterschriften von Protestationen aus den schon zur Einverleibung bestimmten Theilen , worunter allein über 50000 deutsche sich befinde» . Der Völker - rechtliche Ausschuß war ersucht , diese Protestatio»»» sich vou dem Ministerium einzufordern ; ob er es gethan hat , ist mir nicht bekannt . Aber warum sind alle Protestationen nicht eben so berücksichtigt worden wie die Petitionen von Seiten der Einwohner ? Warum hat man die Protestationen selbst vou Deutschen , von Meseritz , Lissa . Posen und


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