IV . Die polnische Frage .
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Hierin , meine Herren , fühle ich wohl einen Mangel eines gewissen , bestimmten PrinciPS . Diesen Mangel haben auch schon einige Redner vor mir ausgesprochen . Ich sehe die Art des Verfahrens in Holstein und Schleswig anders an als in Posen . Sie werden daher entschuldigen , das ; ich auch von keinem Princip ausgehe , sondern mich au das Factische , au das Gegebene halte .
Die Frage ist diese : Sollen die posener Abgeordneten definitiv zugelassen werden oder nicht ? Die Entscheidung darüber hängt aber davon ab , ob das Großherzogthnm Posen alsein deutsches Bundesgebiet betrachtet werden kann oder nicht . Bildet nämlich diese Provinz keine« Theil des deutschen Gebiets , dann kann sie auch freilich in einer deutscheu Nationalversammlung nicht ver - trete» werden . Die Fragen hängen deshalb ganz eng mit einander zu - sammen und lassen sich gar nicht trennen .
Das Großherzogthum Posen fiel 1815 der Krone Preußen zn . " Der König [ Friedrich Wilhelm III . ) garantirte , durch jene Tractate dazu verpflichtet , '^ in einer besonderen Proclamation die volle Erhaltung der polnischen Nationalität in dieser Provinz . " Sie bildete daher keinen Theil des deutschen Bundesgebiets , und die Verheißung oder die Garantie der polnischen Nationalität ist der beste Beweis , daß sie polnisch war . Deshalb war später auch , ungeachtet des bekannten Germanisirungs - systems , von einer Einverleibung dieser Provinz in de» deutschen Bund keine Rede , offenbar , um der gegebenen Garantie in Betreff der Nationalität nicht zu sehr Hohn zu sprechen .
Erst nach den bedentnngsvollen Märztagen in Berlin tauchte dieser Gedanke auf , indem der König von Preußen [ Friedrich Wilhelm IV . ) erklärte : die zu Deutfchlaud noch nicht gehörigen Provinzen der preußische» Monarchie können dem deutsche« Bunde einverleibt werden , wenn sie es wünschen und der deutsche Bund sie aufnehmen wollte . " Die preußische Regierung nimmt also hier kein positives Recht für sich in Anspruch , und sie überläßt das Recht der Entscheidung dem Volks - willen allein . Auf Grund dieses königlichen Patents schickte das polnische Nationalconiitv sofort eine Deputation an den König nach Berlin ab , mit der Erklärung , daß sie als Polen ihre Nationalität nicht ausgeben werden und können , daß sie eben infolge dieses Anschlusses von Preußen au Deutschland für das Großherzogthum Posen als einen Theil des ehe - maligen Polens eine eigene Verfassung in Anspruch nehmen , wie sie ihnen im Jahre 1815 garantirt war . Diese billigen Forderungen wurden
. VJ

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