IV . Die polnische Frage .
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( inubibutiMtliftcii für den Staatsdienst die Regierung öffentlich davon abrieth , weil die Bewerber nach vollendeter Ausbildung oft zehn Jahre warten mußten , hat man die Polen ans jede Weise aufgemuntert , sich die Befähigung für den Staatsdienst anzneignen . Während aber zehn deutsche Kandidaten auf ein Amt harrte« , kau« mau umgekehrt sagen , daß aus einen Polen zehn Aemter warteten . Stets hat es der Regierung an polnischen Beamten gefehlt . Tie gebildeten Stände der polnischen Nation finden mm einmal keinen Geschmack daran , ans eine so gewöhn - licht * , mühsame , praktische . prosaische Weise , wie es ein Beamter wohl thun kann , an der Herstellung ihrer Nationalität mitzuarbeiten . Das überlassen sie dem deutschen Ernste , dem deutschen Fleiße und schwärmen lieber im Auslände herum , wo sie durch ihre Salonpolitur uud eine gewisse ritterliche Touruüre die Herzen zu gewinnen wissen , uud arbeiten mit unermüdlicher Standhaftigkeit daran , irgendwo einen großen Zu - sainmevstoß zu bewirken , um , begünstigt von der Erschütterung , wieder einen Versuch zu machen zur politischen Herstellung ihres Polenreichs , ohne zu bedenken , daß noch nie , so lauge die Welt steht , eilt Volk politisch untergegangen ist , wenn es nicht vorher physisch zu Grunde ge - gangen war , uud das ; es eben so ein durchaus eitles Beginne» ist , von Obeu her durch irgendwelche Verfassung ein Volk ins politische Dasein hinein deeretiren zu wollen , das sich noch keine ökonomische Grundlage erarbeitet hat . Sie zogen es vor , ans diese Weise den Stein des Sisyphns zu wälzen , der ihnen aber immer wieder berguuter entrollt ist .
Preußen kann es sich ruhig gefallen lassen , wenn man es der Mitschuld au einem Völkermorde zeiht . Es kann mit Stolz dazu schweige» uud sei» Werk für sich reden lassen , denn dies legt lautes Zeuguiß ab , daß es wirksamer gearbeitet hat an der Wiederbelebung oder vielmehr Erschaffung einer neuen polnischen Nation als jqie Edel - leute , die wie Sturmvögel überall auftauchen , wo es einen Krieg , einen Aufstand zn schüren gibt , um im allgemeinen Zusammenstoß die Ge - legenheit zu einer neuen Schilderhebnng zu gewinnen . Es braucht nur hinzuweisen aus das , was Posen jetzt ist , lind diejenigen reden zn lassen , die noch ans eigner Erfahrung zu erzählen wissen , was es früher war : es war eine Wüste , als Preußen es bekam , es war , was Krakau noch iu diesem Augenblick ist ; aber ein Menschenalter unter deutscher Re - gierung hat bewirkt , was einem Jahrtausend unter Polen unmöglich ge - wesen ist .
Dabei ist uuu allerdings das Grundeigenthum zu einem sehr großen Theile in deutsche Hände übergegangen , aber auf die einfachste

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