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IV . Die polnische Frage
einem Decrete im Sinne der kosmopolitischen Gerechtigkeit schlechterdings nichts ausrichten . Das ist ein Satz , der so feststeht wie für uns der Erdball selbst .
Ich behaupte also , die deutschen Eroberungen in Polen waren eine Naturnothwendigkeit .
Das Recht der Geschichte ist ein anderes als das der Compendien : es kennt nur Naturgesetze , und eins derselben sagt , daß ein Volksthum durch seine bloße Existenz noch kein Recht hat ans politische Selbst - ständigkeit , sondern erst durch die Kraft , sich als Staat unter andern zu behaupten .
Der letzte Act dieser Eroberung , die viel verschrieene Theilnng Polens , war nicht , wie man sie genannt hat , ein Völkermord , 10 sondern weiter nichts als die Proklamation eines bereits erfolgten Todes , nichts als die Bestattung einer längst in der Auflösung begriffene» Leiche , die nicht mehr geduldet werden durfte unter den Lebendigen . ; denn in der That , ein Volk , das ans Edellenten , Inden und Leibeignen bestand , war , nachdem eine langjährige Anarchie es verwildert , einer vernünftigen Freiheit unfähig uud konnte , als eine solche Freiheit znr Lebensbedingung wurde , nicht länger existiren .
Im Jahre 1772 sagte Jean Jacques Rousseau , es sei ihm Manches wunderbar , aber für das größte Wunder , von dem er wisse , halte er dies , das ; ein Staat wie der polnische noch einen Augenblick länger existireu könne ; " — aber in demselben Jahre nahm dieses Wunder auch ein Ende . Die schwache , sehr schwache Reformpartei war bei der völligen Stumpfheit der leibeignen Massen durchaus ohnmächtig , obgleich es ihr an gutem Willen nicht fehlte . Eine sehr zahlreiche polnische Partei warf sich den Russen in die Arme , und es blieb Preußen und Oesterreich nichts anders übrig , als entweder für die Fortexistenz eines solchen verrotteten Staates Krieg zu führen oder Rußland den Raub allein zu überlasse» und damit Ostpreußen , die Weichsel und selbst die Oder z» gefährden oder nidlich mit Rußland zn theilen und dadurch mehrere Länder wiederzuerlangen , die schon früher unter deutscher Herr - schaft gestanden und von einer starken deutschen Bevölkerung bewohnt waren . Das habe» sie gethan , und mußten sie thuu .
( Mehrseitiges Zischen ans der linken Seite . )
Ja , meine Herren , Sie werden mich sogleich noch mehr auszischen , denn ich habe den Mnth , einem Gemeinplatz entgegenzutreten , auf dem sich die deutschen Liberalen fast ein Menschenalter getummelt ; ich habe den Mnth , eine Handlung der Eabinetspolitik in Schlitz zu nehme» a»s

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